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Restaurant-Etikette: Darf man vom Teller des Partners kosten?

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Darf man vom Teller des Partners naschen?

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ein Leser hat mir folgenden aktuellen Fall geschildert:

 

 

In einem feinen Restaurant (ausgezeichnet mit einem Michelin Stern) im Süden Deutschlands erhielten wir beim Bezahlen der Rechnung den Hinweis, dass wir als Gäste nicht mehr erwünscht wären. Die Begründung erhielten wir nach Rückfrage: Wir probierten gegenseitig die verschieden georderten Gerichte. Dies sei ein Stilbruch und nicht dem Hause entsprechend. Das ist mir noch in keinem Restaurant gleicher Güte passiert. Was meinen Sie dazu?“

Die Probier-Happen-Falle schnappt zu

Wieder einmal hat die Probier-Happen-Falle zugeschnappt. Es gibt in Deutschland einige Sterne-Restaurants, die tatsächlich immer noch rigoros vorgehen, wenn Gäste von fremden Tellern naschen.

Doch vorweg: Zahlenden Kunden per Notiz mitzuteilen, dass sie nicht mehr erwünscht seien, ist und bleibt stillos! 

Die Spielregeln der gehobenen Tischkultur

In Feinschmecker-Restaurants zahlen Sie eine Menge Geld für die gehobene Tischkultur. Dazu gehört z. B., 

  • dass Sie den Fisch nicht mit dem Fleischmesser essen müssen,

  • dass Sie für das Aufnehmen der Sauce einen Gourmetlöffel bekommen,

  • dass das Brot selbstverständlich mit Brotteller, Brotmesser und Extrateller mit Butter o. Ä. serviert wird und 

  • dass Gläser und Teller fast millimetergenau eingedeckt sind. 

Wenn man sich in der gehobenen Gastronomie so viel Mühe mit der Form macht, wäre es ein Affront, nach Belieben die Teller zu tauschen. Es gilt die Regel: Eingedecktes Geschirr wird vom Gast nicht verrückt.  

In rustikalen Restaurants

In rustikalen und gutbürgerlichen Restaurants wird das meistens etwas lockerer gesehen. Vermutlich nimmt niemand Anstoß daran, wenn Sie beim Italiener um die Ecke einen Probierhappen Ihres Gerichts auf den Salat- oder Brotteller abzweigen und Ihren Partner kosten lassen. Oder: Wenn Sie sich seine Gabel geben lassen und z. B. ein Stückchen Lammfleisch als Probierhappen für ihn aufspießen.

Weitere Experten-Meinungen

Und auch einige Top-Gastronomen reagieren mittlerweile gelassen. Thomas Nähler, Inhaber des Gourmet-Restaurants „Zum Steinernen Schweinchen“ in Kassel bestätigt:

„Ich erlebe ständig, dass Gäste den Partner oder die Partnerin vom eigenen Gericht probieren lassen. Der Besuch eines Feinschmecker-Restaurants ist für viele etwas besonderes, deswegen möchten die Gäste so viel wie möglich ausprobieren. Der Probierhappen-Tausch stört mich nicht. Die Form soll den Genuss fördern, Gäste aber nicht aus Angst vor Fehlern vom Restaurantbesuch abhalten.“ 

Mein Tipp: Offene Kommunikation

Wenn Sie unbedingt vom Gericht Ihrer Partnerin oder Ihres Partners probieren wollen, wenden Sie sich mit dieser Bitte am besten an den Kellner. Und zwar bereits bei der Bestellung:

„Die Wahl ist bei Ihrer exzellenten Auswahl so schwer. Ich nehme als Hauptgericht den Steinbutt, würde aber sehr gern vom Gericht meines Mannes, der gesottenen Rinderzunge mit Perlgraupen und Madeirasoße probieren. Ist das möglich?“

Aus dem Schneider

Als stilvoller Gast sind Sie somit aus dem Schneider. Sie vermeiden selbst jegliches Klecker- und Pannenrisiko, das beim Tellertausch besteht. Und: Sie haben die Gefahr gebannt, zusammen mit der Rechnung einen Hausverweis serviert zu bekommen. 

Stattdessen ist es nun Aufgabe des Kellners, Sie als Kunde König sein zu lassen und Ihnen eine praktikable und „dem Haus angemessene“ Lösung zu offerieren. Zum Beispiel, indem er den Probierhappen für Sie auf einem kleinen Extra-Teller oder kreativ auf einem Dip-und-Saucen-Schälchen anrichtet. 

Andere Länder, andere Sitten

Zu guter letzt noch einen Blick über den Tellerrand: In Südkorea, wo mein Mann zurzeit arbeitet, ist es unter Freunden, guten Kollegen und Familienmitgliedern selbstverständlich, von einem Teller zu essen. Zum Feierabend-Bier bestellt man in Korea gern etwas Fleisch (z.B. Hühnchen). Das Gericht wird auf einer Schale in die Mitte gestellt – und alle langen mit den eigenen Stäbchen zu. Fünf koreanische Freundinnen kämen niemals auf die Idee, in der Eisdiele fünf Eisbecher zu bestellen. Stattdessen bestellt man einen riesengroßen Eisbecher – mit fünf Löffeln. Das Teilen von Lebensmitteln und das gemeinsame Essen hat in vielen Ländern dieser Erde eine höhere Priorität als bei uns.

 

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

 Agnes Anna Jarosch

 

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