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Vorsicht: Veraltete Floskeln!

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Dem Zeitgeist auf der Spur

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Leser/in des „Knigge Tickers“ wissen Sie es längst: Formulierungen wie

  • "Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle ..."
  • "Erlauben Sie mir, mich Ihnen bekannt zu machen ..."
  • "Darf ich mich vorstellen ..."

sind veraltet. Dagegen passt ein "Guten Tag, ich bin ..." fast immer.

Erst neulich im Baumarkt ist mir aufgefallen, wie gerne solche Floskeln aber doch noch verwendet werden. Und auch, dass man viel leichter ans Ziel kommt, wenn man sich klar und unmissverständlich ausdrückt, wurde mir bewusst. Folgende Situation:

 

 

„Darf ich Ihnen meine Frau vorstellen?“

Mein Mann hatte sich dazu durchgerungen, unseren Flur zu streichen. „Die Farbe, die wir noch haben, reicht“, hatte er festgestellt und am Samstagmorgen voller Elan zum Pinsel gegriffen.

Und wenn Sie doch nicht reicht? - Ich hätte diese Frage vielleicht nicht nur denken, sondern auch aussprechen sollen. Denn so endete es damit, dass mein Mann die letzten Farbreste aus dem Eimer kratzte, während unser Sohn und ich zum Baumarkt rasten, um Nachschub zu holen.

„Mama, ich muss mal!“ Klar, unser Achtjähriger muss immer, wenn es gerade nicht passt. Und diesmal passte es nicht, weil ich bereits den schweren Farbeimer in der einen Hand und die zusätzliche Abdeckfolie und das Klebeband in der anderen Hand hielt. Nur noch fünf Meter trennten uns von der Kasse.

Aber was blieb mir anderes, als Farbeimer, Abdeckfolie und Klebeband wieder abzustellen und mich Entschuldigungen murmelnd mit meinem Sohn an der Kassenschlange vorbeizuschleusen? Mit großen Schritten eilten wir auf die Kundentoilette zu.

„Hallo, Frau Sievers!“

Ich hatte schon fast die Türklinke der Kundentoilette berührt.

Die Stimme gehörte zu einem Kunden, mit dem ich schon seit längerer Zeit zusammenarbeite.

„Grüß Gott Herr …“

„Darf ich Ihnen meine Frau vorstellen?“ Er zeigte auf die Dame an seiner Seite.

Nein, dürfen Sie nicht. Mein Mann steht auf der Leiter und wartet auf Farbnachschub. Und wenn wir nicht bald nach Hause kommen, müssen wir gleich noch mal los, weil ihm die Farbe auf dem Pinsel eingetrocknet ist und er dann auch noch Pinselreiniger braucht. Außerdem muss mein Sohn dringend aufs Klo. Dieses Bedürfnis erlaubt keine Verzögerung durch irgendwelche Vorstellungen. Also lassen Sie mich jetzt bitte ohne ein weiteres Wort mit meinem Sohn in der Toilette verschwinden. - Das habe ich natürlich nicht gesagt. Stattdessen habe ich freundlich gelächelt und der Dame die Hand gereicht, während mein Sohn kraftvoll an meiner anderen Hand zerrte.

„Sie, hier im Baumarkt?“ Mein Kunde richtete bereits wieder das Wort an mich.

Ja, ich hier im Baumarkt, vor der Kundentoilette. Wobei wir besser schon längst drin sein sollten. „Ja, wir müssen etwas besorgen. Und Sie?", antwortete ich stattdessen artig und verdrehte innerlich die Augen über die intelligente Entwicklung des Gesprächs! Natürlich war auch er im Baumarkt. Unübersehbar. Mit seiner Frau. Und ich mit meinem Sohn, der nun bereits von einem Bein aufs andere sprang. „Das ist übrigens mein Sohn.“

„Und ich muss jetzt aufs Klo! Sofort!“ Klare Ansage. Und vor allem effektiv.
Denn mein Kunde und seine Frau verabschiedeten sich unverzüglich und wünschten uns noch ein schönes Wochenende.

Womit mein Sohn bewiesen hatte: Wer sich klar ausdrückt, erreicht sein Ziel.

 

 

Deshalb, liebe Leserin, lieber Leser, ist es auch in anderen Situation angebracht, auf Formulierungen, die früher einmal als höflich galten, zu verzichten. Zum Beispiel auf „Darf ich um Ruhe bitten!“, wenn Sie als Redner das Wort ergreifen. "Ruhe, bitte!" reicht.

Auch „Darf ich bitten?“ ist nicht mehr zeitgemäß, wenn der Mann die Frau zum Tanz auffordert. Heute heißt es (außer auf großen Bällen und Gala-Veranstaltungen): "Möchten Sie tanzen?"

Und da wir schon beim Thema „veraltet“ sind, hier noch ein Kontrollblick auf die bei der Korrespondenz oft verwendete Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“:

 

 

Ist "Mit freundlichen Grüßen" out?

Out nicht, aber dieser Gruß hat inzwischen einen konservativen Touch.

  • Falls dieser konservative Stil Ihrem Image entspricht, ist dagegen nichts einzuwenden.

Wenn Sie aber modern und kreativ erscheinen möchten, entscheiden Sie sich besser für eine Grußformel wie:

  • Für heute grüßt Sie freundlich
  • Es grüßt Sie freundlich nach Köln
  • Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
  • Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche
  • Mit sonnigen (besten, herzlichen etc.) Grüßen aus München

Ihre

 

Alexandra Sievers

 

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Wenn es um das Thema Umgangsformen geht, gibt es viel Verwirrung, viele Lügen oder Aussagen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. In dem Newsletter "Knigge-Ticker" wird endlich mit Halbwissen und Unwahrheiten aufgeräumt.

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