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Angela Merkel: Rhetorisches Geheimrezept

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Manchmal tapsig, aber immer persönlich: Die Reden der Bundeskanzlerin

Hier finden Sie ein gelungenes Beispiel zur Sympathiewerbung

Man kann über ihre Politik sehr unterschiedlicher Meinung sein. Das ist für eine demokratische Gesellschaft so normal, wie es auch nötig ist. Aber wie schafft sie es, mit ihren Reden trotz mancher unglücklichen, tapsigen oder holprigen Formulierungen so gut anzukommen? Wie heißt ihr rhetorisches Geheimrezept, das ihr so erfolgreiche Auftritte im In- und Ausland beschert?

Die Rede der Bundeskanzlerin zur Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Hebräische Universität Jerusalem (aus dem Jahr 2007) in Jerusalem ist ein gelungenes Beispiel zur Sympathiewerbung für die eigene Person.

Nach der Begrüßung der vielen Ehrengäste beginnt die Rede mit einer längeren „Dankpassage“, die sehr persönlich gehalten ist. Sie verbindet diese persönliche Ehrerbietung mit politischen Verpflichtungen Deutschlands gegenüber Israel:

[...] ich möchte mich zuallererst für die überaus freundlichen Worte der Begrüßung bedanken. Ich freue mich natürlich sehr, dass ich heute Ihr Gast sein darf. Von Herzen danken möchte ich für die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem: Ihnen, Magnifizenz, den Mitgliedern des ehrwürdigen Senats der Universität und allen, die an der Entscheidung, mich auszuzeichnen, beteiligt waren.
Ich sage Ihnen ganz offen: Diese Auszeichnung empfinde ich als eine große Ehre. Aber nicht nur als das. Ich empfinde sie auch als Verpflichtung. Deshalb möchte ich meine Rede mit einem Versprechen beginnen.
Mit dem Versprechen, immer dem Ziel verpflichtet zu sein, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Deutschland und in Europa nie wieder eine Chance bekommen dürfen.
[...] Für mich ist dies natürlich ein ganz besonderer Moment, denn ich erhalte heute zum ersten Mal in meinem Leben eine Ehrendoktorwürde. Dass es eine israelische Universität ist, die mir diese erste Ehrendoktorwürde verleiht, erfüllt mich dabei mit besonders großer Freude und einer tiefen Dankbarkeit.
Die Hebräische Universität Jerusalem – sie ist nun auch meine Universität [...]

Die Universität als „meine Universität“ zu verstehen begründet eine sympathische Nähe, ist fast schon ein intimes Bekenntnis. Ohne rührselig zu werden, verknüpft Angela Merkel damit ihre eigene Biografie mit der Institution – ein Mittel, das auch für Ihre nächste Laudatio bedeutend sein kann.

[...] „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Sie alle kennen diesen berühmten Satz von Theodor Herzl. Als er ihn sprach, 1897 in Basel, wurde er von vielen als Utopist bezeichnet. Aber ein Vierteljahrhundert später begannen die Bauarbeiten an der Hebräischen Universität [...]

Der Rückgriff auf die Anfänge des Staates Israel ist schon fast ein politisches Muss. Aber der geschichtliche Abriss kommt hier nicht als Floskel daher, sondern eher als kenntnisreich und realitätsnah.

[...] Dass ich, die ich Physikerin bin, einmal eine akademische Auszeichnung erhalten würde, die mich an eben dieser Universität zum Doktor der Philosophie macht, hätte ich mir vor einigen Jahren nicht träumen lassen. Nun aber freue ich mich sehr über diese neue Verknüpfung naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Denkens auch in meinem persönlichen Leben. Diese Verknüpfung halte ich im Übrigen für absolut zukunftsweisend. Und ich weiß, dass sie an dieser Universität auch praktiziert und gelebt wird.

Wieder wird die persönliche Ebene mit der geschichtlichen Ebene verwoben. Ein gelungenes Rezept, das sich für alle Ehrungen gut eignet. Denn die Person wird so in die Zeitgeschichte hineingestellt und dadurch auch für die Zuhörer in ihrer Verankerung von Zeit und Ort verständlich gemacht.
Es folgen Ausführungen zu den Beziehungen zwischen den israelischen und deutschen Universitäten, die immer wieder durch sehr persönliche Erlebnisse angereichert werden. Unausweichlich muss Angela Merkel aber auch auf die kritische Lage im Nahen Osten eingehen. Wie bewältigt sie diese heikle Aufgabe?
[...] Mein Besuch fällt in eine schwierige Zeit. Aber er fällt auch in eine Zeit, in der wir gemeinsam das Gefühl haben: Die Dinge sind in Bewegung. Wir haben ein Fenster der Gelegenheit. Ich weiß sehr wohl: Generationen von Politikern haben versucht, Frieden in Nahost zu schaffen. Und ebenso viele Generationen von Politikern sind daran gescheitert. Dennoch sollten wir in dem Bemühen darum nicht nachlassen.
Ich weiß: Der Weg dahin ist sicherlich noch sehr lang. Ich weiß auch sehr wohl, dass wir Europäer uns davor hüten sollten, zu glauben, wir könnten mal eben eine Lösung herbeizwingen, vielleicht sogar von oben herab. Nein, das können wir nicht und das will ich auch nicht. Ich möchte etwas anderes. Ich möchte Sie im Rahmen
meiner Möglichkeiten dabei unterstützen, den Weg für Frieden im Nahen Osten gehen zu können, nicht mehr und nicht weniger.
Deswegen bin ich heute hier und ganz sicher nicht zum letzten Mal [...]

Die Bundeskanzlerin findet die Balance zwischen Anspruch und Bescheidenheit, die für Konfliktfälle generell in öffentlichen Reden angebracht ist. Reden sind keine Verhandlungen. Sie geben die Richtung vor, in der gedacht werden soll. Das führt Angela Merkel hier exakt aus. Und das kann auch Vorbild für knifflige Situation sein, die Sie in Ihren Reden eventuell ansprechen müssen.
Beim Redeschluss greift die Bundeskanzlerin wieder auf die bewährte Struktur der ganzen Rede zurück. Die persönliche Sicht und Erfahrung und das persönliche Erleben werden mit der Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten verbunden. Der Schlusssatz hätte noch stärker ausfallen können, wenn er in der Ich- Form formuliert worden wäre.
[...] Bei meinem Israel-Besuch vor einem Jahr durfte ich hier in Jerusalem, im Wald der Nationen, einen Baum pflanzen als Symbol für Gedeihen, Aufbau und Hoffnung. Ich habe mir sagen lassen, dass dieser Baum seitdem ein gutes Stück gewachsen ist. Lassen Sie uns gemeinsam einen Beitrag dazu leisten, dass der Baum der Hoffnung und der Verständigung gleichsam auch hier in der Region politisch wachsen, blühen und gedeihen kann. [...] So nehme ich auch diese Ehrendoktorwürde an: im Geist der Hoffnung und der Zuversicht, dass Israelis und Palästinenser ihr Leben Seite an Seite, in sicheren Grenzen und in Frieden und Freiheit gestalten können [...] Dafür lohnt sich jede Anstrengung.

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