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Das Manuskript: Fluch oder Segen?

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Von Alexandra Sievers,

Zu welchem Manuskript-Typ gehören Sie? Stehen Sie am liebsten mit einem bis ins Detail ausgefeilten Manuskript am Rednerpult und lesen Wort für Wort ab? Oder bevorzugen Sie handliche Stichwortkärtchen und die Möglichkeit, sich während Ihres Rede-Auftritts frei zu bewegen?

Warum heißt der Redner "Redner"? 

Natürlich sprechen viele Aspekte für das vollständig ausformulierte Manuskript. Es gibt Ihnen zum Beispiel die Sicherheit, dass Sie keinen Punkt Ihrer Rede vergessen. Vorausgesetzt natürlich, Sie haben Ihr Manuskript nicht zu Hause oder im Büro auf dem Schreibtisch liegen lassen und - falls nötig - auch Ihre Brille parat.

Mit einem solchen Manuskript fällt es Ihnen auch nicht schwer, die vielen schönen Formulierungen, an denen Sie bei Ihrer Vorbereitung so lange herumgefeilt haben, wortgetreu wiederzugeben. Und auch bei den Zitaten, die Sie sorgsam ausgewählt und an die perfekten Stellen Ihrer Rede platziert haben, kann Ihnen kein Fehler unterlaufen. Oder zumindest sind die Fehlerquellen stark reduziert, wenn Sie sich nicht gerade verlesen, verhaspeln, die Manuskriptseiten durcheinanderwirbeln oder Ihr Wasserglas über Ihr Vortragswerk kippen.

Ich gebe ja zu: So ein Manuskript hat schon Vorzüge, die im ersten Moment verlockend klingen. Aber bei genauer Betrachtung schneidet es für mich dann doch wieder ziemlich schlecht ab. Und das beginnt schon damit, dass ein Redner, der alles von seinem Manuskript abliest, keine Rede hält, sondern eine Lesung. Und damit erfüllt er seine Aufgabe nicht. Denn ein Redner soll reden - und das am besten frei von der Leber weg, engagiert und publikumsnah.

Und gerade in Bezug auf die Publikumsnähe ist so ein Manuskript geradezu ein Hemmschuh. Denn wo hat ein Redner, der vorliest, seine Augen? Die meiste Zeit heftet er sie doch auf das Papier. Und was ist mit den Zuhörern? Wann bekommen die einen Blick ab? In den kurzen Momenten, in denen der Redner sich eine Lesepause gönnt? Sagen Sie selbst, liebe Leserin, lieber Leser: Reicht das aus, um dem Publikum nah zu sein?

Selbst wenn sich der lesende Redner in seinem Manuskript durchgehend die Vortragsanweisung "Blickkontakt halten!" notiert und mit Leuchtstift markiert hat: Eine Beziehung wird er auf diese Weise kaum zu seinen Zuhörern herstellen.

Außerdem bekommt der lesende Redner die Reaktionen seines Publikums oft nicht mit. Gut, lauten Szenen-Applaus kann er hören und auch Zwischenrufe werden ihm wohl nicht entgehen. Aber alle leisen Reaktionen seines Publikums bleiben ihm verborgen: sei es ein zustimmendes Nicken, ein fragender Blick, ein missmutiges Kopfschütteln oder auch ein gesenktes Kinn, das andeutet, dass die entsprechende Person allmählich in den Dämmerzustand übergeht.

Für einen lesenden Redner ist schon ein lautstarkes Schnarchen notwendig, um ihn davon in Kenntnis zu setzen, dass sich sein Publikum zumindest gedanklich schon lange verabschiedet hat.

Über den oft mangelnden Blickkontakt hinaus gibt es noch ein weiteres Manko, das mit dem vollständig ausformulierten Rede-Manuskript verbunden ist - und paradoxerweise hat ausgerechnet dieses Manko den Redner im Vorfeld meist sehr viel Zeit gekostet:

Es sind die "ach so herrlich geschliffenen" Formulierungen und vom Standpunkt eines Germanisten aus unantastbaren Sätze, mit denen der lesende Redner sich im Weg steht. Denn von der goldenen Regel "Sprich die Sprache deines Publikums" ist er damit meilenweit weg.

Schriftsprache ist immer anders als gesprochene Sprache. Und wenn Sie als Redner, liebe Leserin, lieber Leser, Schriftsprache verwenden, heben Sie sich von Ihren Zuhörern ab. Meist kommt es aber besser an, wenn Sie Ihrem Publikum das Gefühl geben: "Ich bin einer von euch, ich denke und fühle wir ihr, ich kann euch verstehen ..." etc.

"Und was ist, wenn ich gerade deshalb als Redner auserkoren wurde, weil ich einen Expertenstatus besitze, meine Fachkompetenz gefragt ist oder weil ich in der Hierarchie oben angesiedelt bin?", werden Sie mich jetzt vielleicht fragen. "Dann wird doch von mir erwartet, dass ich mich von meinem Publikum abhebe."

Tipp: Untermauern Sie Ihre Position mit dem Inhalt Ihrer Rede und bleiben Sie bei einer für alle verständlichen Sprache. Wenn Sie sich sprachlich zu sehr abheben, lauert die Gefahr, dass Ihr Publikum Sie für "abgehoben" oder "überheblich" hält.

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Aber noch einmal zurück zum vollständig ausformulierten Manuskript und zu einem weiteren Punkt, der für mich dagegen spricht: Es verleitet geradezu, vorgelesen zu werden - auch wenn der Redner sich etwas anderes vornimmt und es nur als Gedankenstütze verwenden möchte. Und wer kann schon wirklich gut lesen?!

Vorlesen ist eine Kunst, die zu beherrschen nicht nur sehr viel Übung, sondern auch Talent erfordert. Die Stimme emotional färben, Spannung aufbauen und die Zuhörer in den Bann ziehen: Das gelingt vielen Menschen beim Vorlesen nicht. Aber kaum sprechen diese Menschen frei, werden ihre Worte meist lebendig und vermitteln uns einen Eindruck von der Persönlichkeit, die in diesen Menschen steckt.

Verzichten Sie als Redner, liebe Leserin, lieber Leser, also nicht darauf, sich Ihrem Publikum durch eine möglichst freie Rede als Persönlichkeit zu zeigen. Trennen Sie sich von Ihrem ausformulierten Manuskript und reden Sie!

Fehlt einem Redner die Persönlichkeit, fällt das jedem im Publikum auf. Fehlen ein paar Sätze, merkt es keiner!

Reden Sie möglichst frei

Ihre Rede sollte spontan wirken. Eingepauktes oder auswendig Aufgesagtes vermittelt Ihren Zuhörern jedoch nicht den Eindruck von Spontaneität. Sprechen Sie deshalb möglichst frei. Je lebhafter Ihr Vortrag, desto interessierter ist Ihr Publikum. Ihre Zuhörer wollen keine Konserve, sondern frische Ware. Beim Live-Auftritt darf auch einmal etwas danebengehen. Ihr Publikum hat dafür Verständnis.

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