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Redner-Vorbild: Goethe

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GoetheVon berühmten Rednern lernen – Johann Wolfgang Goethe

Johann Wolfgang Goethe ist der bekannteste deutsche Dichter. Noch heute können wir viel von ihm lernen. Zum Thema Reden hat Goethe seinem Faust 1808 Folgendes in den Mund gelegt:

„Es trägt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor; / Und wenn‘s euch Ernst ist, was zu sagen, / Ist‘s nötig, Worten nachzujagen? / Ja, eure Reden, die so blinkend sind, / In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt, / Sind unerquicklich wie der Nebelwind, / Der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt!“

Die Kunstfertigkeit, mit der er den Faust reden lässt, macht seine Worte so druckreif, dass sie inzwischen sprichwörtlich geworden sind.

Rhetorische Stilmittel

Wir würden längst nicht mehr über Faust reden, wenn die Monologe und Dialoge rhetorisch und stilistisch nicht so meisterlich ausgefeilt wären.

„Es trägt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor“ – das ist eine unwillige und ungeduldige Bemerkung des Doktor Faust gegenüber seinem Schüler Wagner, der ihn mitten in der Nacht mit lästigen Fragen stört.

Wagner hatte geglaubt, Faust habe aus einem griechischen Trauerspiel deklamiert, um – mithilfe der Stilkunst des Altertums – das Reden zu üben. Faust antwortet unwirsch, man könne nicht vom Papier allein reden lernen: „Wenn ihr‘s nicht fühlt, ihr werdet‘s nicht erjagen, / Wenn es nicht aus der Seele dringt / Und mit urkräftigem Behagen / Die Herzen aller Hörer zwingt.“

Reden & Schreiben mit Urkraft

Dem gekünstelten Papierdeutsch und den gestelzten Phrasen in den Theaterstücken seiner Zeit stellt er das Reden und Schreiben aus innerem Engagement und aus der Urkraft der Gefühle entgegen.

Das gibt genau wieder, was auch Goethe dachte! Denn er hatte schon als Kind einen guten Rhetoriklehrer. Der Hauslehrer hat Goethe beigebracht: Es existiert eine eigene Wissenschaft, die Antwort auf die Fragen gibt, wie Könner mit sprachlichen Mitteln Wirkung erzielen – und womit man welche Wirkung hervorrufen kann.

Wenn jemand fragt: Wie drücke ich mich anschaulich aus? Wie erzeuge ich Spannung? Wie ziehe ichandere (Hörer, Leser, Betrachter) in meinen Bann – die Rhetorik gibt darauf Antwort.

Im Sprachunterricht hat Goethe gelernt: Wer anderen etwas einprägen und einhämmern will, greift am besten zum Mittel der Wiederholung. Und im Musikunterricht wurde er darauf aufmerksam gemacht: Das Stilmittel der Wiederholung wird auch von den Komponisten angewendet. So hat jedes Kinderlied einen Refrain, der sich durch die mehrfache Wiederholung leichter merken lässt. Sicher haben die Lehrer das nicht bloß gesagt, sondern durch Beispiele vermittelt. Das ist ebenfalls ein bewährtes rhetorisches Mittel: anschauliche Beispiele bringen.

Im Unterricht wurden Texte von Dichtern (auch im Griechischen und Lateinischen) gelesen, damit der Sprachgebrauch und die Eigenart der Autoren den Schülern als Vorbild dienten. Hier wurde der Keim für Sprachgefühl und stilistische Kunstfertigkeit gelegt.

Goethes rhetorische Wurzeln

Bis heute ist ein Notizheft Goethes erhalten, in dem er sich Zitate, Weisheiten und Lesefrüchte notiert hatte. Interessanterweise widmet er dabei dem Werk des römischen Rhetoriklehrers Quintilian „Über die Redekunst“ besondere Beachtung. Man sagt, von der Rhetorik-Vorlesung über Cicero bei Professor Ernestis in Leipzig habe Goethe sehr profitiert.

Goethe hatte später auch zwei Rhetorik- Lexika in seiner Weimarer Handbibliothek: zum einen das „Lexikon der Technik der griechischen Rhetorik“ und zum anderen das „Lexikon der Technik der römischen Rhetorik“. „Dadurch erfuhr ich wiederholt, was ich in meiner schriftstellerischen Laufbahn recht und unrecht gemacht habe.“

Eine Frage zu Goethe bleibt: Er war Minister und genoss das Vertrauen seines Herzogs. Und trotzdem kennt man von Goethe nur wenige Reden. Wie kommt das?

Er hatte bestimmt viele Gelegenheiten, öffentlich zu reden. Vielleicht lag ihm das große Auditorium nicht? Oder zog er den kleinen Kreis vor?

Vielleicht sehen wir die Dinge zu sehr aus heutiger Perspektive. Vermutlich hat Goethe – gemessen an seiner Zeit und an dem kleinen Fürstentum – eine Menge Vorträge gehalten. Es ist sicher auch falsch, ihn in dieser Hinsicht mit einem heutigen Minister zu vergleichen, der in einem Jahr so viele Reden hält, dass er sie gar nicht mehr selbst schreiben kann.

Goethe und die Rede-Pannen

Umso tröstlicher, dass auch ein Genie wie er nicht vor kleinen Pannen gefeit war. Bei einem Auftritt im idyllischen Ilmenau sollte Goethe bei der Eröffnung des dortigen Bergwerks eine Rede halten. Der Dichterfürst er-litt einen Blackout. Bewundernswert, wie er mit der Situation fertig geworden ist. Andererseits: Wie kann man zu einer so hochoffiziellen Gelegenheit ohne Manuskript antreten?!

Das war wirklich leichtsinnig. Wie Goethes Sekretär Eckermann berichtet, geschah alles am 24. Februar 1784. Goethe war 34 Jahre alt und angetreten, die Festrede zur Wiedereröffnung der Ilmenauer Gruben zu halten. Mittendrin verlor er den Faden und konnte sich auf kein Wort mehr besinnen.

Eckermann: „Dies hätte jeden Andern in große Verlegenheit gebracht, ihn aber keineswegs. Er blickte vielmehr wenigstens zehn Minuten lang fest und ruhig in dem Kreise seiner zahlreichen Zuhörer umher, die durch die Macht seiner Persönlichkeit gebannt waren, so dass während der sehr langen, ja fast lächerlichen Pause Jeder vollkommen ruhig blieb. Endlich schien er wieder Herr seines Gegenstandes geworden zu sein, er fuhr in seiner Rede fort und führte sie sehr geschickt ohne Anstoß bis zu Ende, und zwar so frei und heiter, als ob gar nichts passiert wäre.“ (Originalschreibweise beibehalten)

Goethe hat gezeigt: In jeder Krise steckt eine Chance; gibt sie dem Redner doch die Gelegenheit zu beweisen, was wirklich in ihm steckt. Oder war das nur ein Trick, nur eine Inszenierung? Schließlich war er ja auch Theaterintendant. Vieles ist neu, und vieles Alte ist verschwunden, vergessen.

Goethe ist allerdings nicht vergessen. Er ist nicht tot. Er lebt fort. Seine Kunst, die Menschen zu gewinnen und die Stoffe zu bezwingen in Wort und Schrift, haben ihn unsterblich gemacht. Die Rhetorik war nicht ganz unbeteiligt daran.

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