Titel "Azubis auf Dienstreisen" mit Zeichnung einer Person mit Koffer und Dokument.

Azubis auf Dienstreise – was gibt es zu beachten?

Welche Regelungen gelten, wenn Azubis auf Dienstreise gehen? Wichtig ist hier vor allem das Alter des Auszubildenden. Falls Sie vorhaben, Ihre Auszubildenden auf eine Dienstreise oder Montage zu schicken, sollten Sie die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Arbeitszeiten für Auszubildende gut kennen. Schließlich haben Sie als Ausbilder die Fürsorgepflicht für Ihre Arbeitnehmer und sollten daher die abweichenden, aber bindenden Regelungen für minderjährige Auszubildende beachten.
Inhaltsverzeichnis

Azubis auf Dienstreise: Das ist für die Arbeitszeit für Auszubildende wichtig

Bei der Frage, wie lange Ihr Azubi im Rahmen einer Dienstreise arbeiten darf, kommt es zunächst einmal auf das Alter des Auszubildenden an. Denn die Arbeitszeit, also die Zeit, die Ihr Azubi pro Tag maximal arbeiten darf, ist gesetzlich geregelt. Ob ein Ausbildungsbetrieb generell im Schichtsystem oder mit flexiblen Arbeitszeiten arbeiten, spielt dabei keine Rolle.

Arbeitszeit für volljährige Auszubildende

Für Azubis, die bereits das 18. Lebensjahr vollendet haben, gilt wie für alle Arbeitnehmer bei der Beurteilung der Arbeitszeit das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). So dürfen volljährige Auszubildende laut § 3 des Arbeitszeitgesetzes die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschreiten. Außerdem dürfen sie pro Woche höchstens 48 Stunden arbeiten, wobei auch ein regulärer Samstag ein zulässiger Werktag ist.

Im Ausnahmefall darf die Arbeitszeit jedoch gemäß dem Gesetz auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Voraussetzung ist, dass innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Ruhepausen und Ruhezeiten für volljährige Auszubildende während einer Geschäftsreise

Die Ruhezeiten und Ruhepausen für volljährige Auszubildende sind ebenfalls im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Nach § 4 ArbZG steht einem Azubi bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten zu. Bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden sind mindestens 45 Minuten vorgeschrieben. Länger als sechs Stunden hintereinander darf Ihr Azubi nicht ohne Ruhepause arbeiten.

Gut zu wissen

Die Ruhepausen können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Zudem muss nach § 5 ArbZG zwischen zwei Arbeitstagen eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden liegen.

Beispiel: Im Rahmen einer Dienstreise besuchen Sie eine ausländische Messe. Ihr volljähriger Lehrling hat an einer Abendveranstaltung teilgenommen, die um 22.30 Uhr beendet war. In diesem Fall wäre es unzulässig, den nächsten Messetag bereits wieder um 8.30 Uhr zu beginnen. Da die gesetzliche Ruhezeit 11 Stunden beträgt, könnte der neue Arbeitstag für Ihren Auszubildenden während einer Dienstreise frühestens um 9.30 Uhr beginnen.

Arbeitszeit für minderjährige Auszubildende

Bei minderjährigen Azubis gelten vom Gesetzgeber besondere Schutzmaßnahmen in Bezug auf die Arbeitszeit. Diese sind im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) klar geregelt. So erläutert der § 8, dass Jugendliche nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden dürfen. Arbeitet Ihr minderjähriger Azubi an einem Werktag weniger als acht Stunden, darf er dies in derselben Woche an anderen Werktagen ausgleichen und dort bis zu achteinhalb Stunden arbeiten.

Die beiden § 16 und § 17 des Gesetzes legen zudem fest, dass minderjährige Auszubildende in der Regel nicht am Wochenende arbeiten dürfen. Doch auch hier gibt es für klar umrissene Tätigkeitsgebiete im Ausbildungsverhältnis, wie z. B. in Krankenanstalten oder im ärztlichen Notdienst gewisse Ausnahmeregelungen. Ist eine Tätigkeit am Wochenende notwendig, muss Ihr minderjähriger Azubi dafür an einem anderen Arbeitstag derselben Woche freigestellt werden. Da die Woche im Jugendarbeitsschutzgesetz von Montag bis Sonntag zählt, liegt dieser freie Tag in der Regel vor dem Wochenendeinsatz. Der freie Tag darf außerdem nicht auf einen Berufsschultag fallen.

Ruhezeiten und Ruhepausen für minderjährige Auszubildende während einer Geschäftsreise

Die Ruhepausen und Ruhezeiten für minderjährige Auszubildende weichen von den Regelungen des Arbeitszeitgesetzes für volljährige Arbeitnehmer ab. Auch sie werden im JArbSchG in den § 11 und § 13 geregelt. Demnach müssen minderjährige Azubis bei einer Arbeitszeit von viereinhalb bis sechs Stunden 30 Minuten und nach mehr als sechs Stunden 60 Minuten pausieren. Länger als viereinhalb Stunden hintereinander dürfen Jugendliche nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

Doch Vorsicht: Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mindestens 15 Minuten. Daher gelten sogenannte „Mini-Breaks“ im Sinne des Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht als Pause.

Zusätzlich ist zu beachten, dass bei minderjährigen Auszubildenden immer zwölf Stunden ununterbrochene Freizeit zwischen zwei Arbeitstagen liegen muss. Außerdem dürfen Jugendliche in der Regel nur zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr abends beschäftigt werden. Dies wird im § 14 JArbSchG geregelt.

Im oben genannten Beispiel würde dies für einen minderjährigen Auszubildenden Folgendes bedeuten:

Im Rahmen einer Geschäftsreise besuchen Sie eine ausländische Messe. Ihr minderjähriger Auszubildender hat an einer Abendveranstaltung teilgenommen, die bis 22.30 Uhr angesetzt war. Sie müssen Ihren minderjährigen Azubi allerdings bereits um 20 Uhr von der Abendveranstaltung freistellen. So kann er am nächsten Tag frühestens wieder um 8 Uhr morgens, mit dem neuen Arbeitstag beginnen.

Azubis auf Dienstreise: Reisezeiten während einer Geschäftsreise

Bei einer Dienstreise fallen in der Regel Fahrtzeiten oder Reisezeiten an. Reist Ihr Azubi mit Bahn oder Flugzeug und muss dabei keine Aufgaben erledigen, wird die Reisezeit bislang überwiegend nicht als Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes gewertet. Geben Sie Ihrem Azubi dagegen eine Arbeitsaufgabe für die Fahrt, zum Beispiel E-Mails zu bearbeiten oder Unterlagen vorzubereiten, zählt diese Zeit als Arbeitszeit.

Müssen Ihre Azubis die Anreise selbst mit dem Auto übernehmen, handelt es sich um Arbeitszeit. Benutzt Ihr Azubi zur Anreise an den Ort der Dienstreise also zum Beispiel das eigene Auto oder ein Firmenfahrzeug und fährt selbst, so gilt die gesamte Fahrtzeit auf den Wegstrecken, also Hin- und Rückfahrt, als Arbeitszeit.

Planen Sie die Dienstreise daher vorsichtshalber so, dass Höchstarbeitszeit und Ruhezeit auch dann eingehalten werden, wenn die Reisezeit als Arbeitszeit gezählt würde. Bei minderjährigen Azubis empfiehlt sich diese vorsichtige Planung besonders.

Checkliste: Azubis und Dienstreise

  1. Einverständnis: Bei minderjährigen Azubis muss eine Einwilligung der Eltern oder gesetzlichen Vertreter vorliegen.
  2. Rechtsvorschriften: Arbeitszeitgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz gelten auch auf Dienstreisen (z. B. maximale Arbeitszeiten, Pausen).
  3. Anrechnung der Zeit: Reisezeiten, in denen Ihr Azubi arbeitet oder selbst fährt, sind Arbeitszeit.
  4. Kostenübernahme: Der Betrieb sollte Reisekosten (z. B. Fahrt, Unterkunft, Verpflegung) übernehmen oder klären, welche Kosten erstattet werden.

Fürsorgepflicht des Ausbilders

Aus dem §14 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) ergibt sich eine besondere Fürsorgepflicht für die auszubildende Stelle, sowie für den eingesetzten Ausbilder. Im Unterpunkt 5 ist festgelegt, dass Ausbilder dafür zu sorgen haben, dass man Auszubildende charakterlich fördert, sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet.

Minderjährige Azubis verdienen dabei besondere Beachtung. Schließlich sind Sie dazu verpflichtet, nur Aufgaben oder Tätigkeiten zu verlangen, die den körperlichen Kräften angemessen sind und gleichzeitig dem Zweck der Ausbildung dienen. Außerdem müssen Sie im Rahmen der Fürsorgepflicht bei minderjährigen Azubis besonders darauf achten, wie diese die Freizeit verbringen und geeignete Maßnahmen zur Unfallverhütung treffen. Ebenso sollten Sie bei Ihren Planungen der Dienstreise beachten, dass alle Azubis im Sinne der Fürsorgepflicht gefördert werden.

Dürfen Azubis auf Montage?

Unter Montage wird ein beruflicher Einsatz in größerer Entfernung verstanden. Der Arbeitnehmer arbeitet für einen gewissen Zeitraum also nicht am normalem Arbeitsort bzw. in der Heimat, sondern an unterschiedlichen Orten deutschlandweit oder international. Der Vorteil: Wer auf Montage fährt, lernt viele neue Leute, Arbeitsplätze, Umgebungen und Unternehmen kennen.

Für volljährige Auszubildende gibt es keine Regelung, die Montagetätigkeiten untersagt. Schließlich werden sie als erwachsene Arbeitnehmer wie alle anderen nach dem Arbeitszeitgesetz beurteilt. Etwas anders verhält es sich für Azubis unter 18 Jahren.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet Montagetätigkeiten nicht. Es kennt aber eine Sonderregel zur Schichtzeit. Diese darf bei Jugendlichen nach § 12 JArbSchG höchstens zehn Stunden betragen, auf Bau- und Montagestellen jedoch bis zu elf Stunden. Die vorgeschriebenen Arbeits-, Ruhe- und Pausenzeiten sind auch auf Montage einzuhalten.

Außerdem sollten die Tätigkeiten auf Montage in den Ausbildungsrahmenplan passen, wichtige Inhalte vermitteln und nicht während der Berufsschultage stattfinden. Denn Auszubildende sind nach § 15 BBiG für den Berufsschulunterricht und für Prüfungen freizustellen, sie dürfen beides nicht wegen einer Montage verpassen.

Azubis auf Dienstreise: Zusammenfassung und Fazit

Dienstreisen, Exkursionen und Montagen sind für Auszubildende eine sehr gute Möglichkeit, Ausbildungsinhalte zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen. Deshalb gelten für Dienstreisen dieselben Arbeitszeit- und Schutzvorschriften wie für die Ausbildung im Betrieb, sofern die Reise dem Ausbildungszweck dient.

Allerdings sollten Sie für die Planung einer Dienstreise die gesetzlichen Regelungen immer im Blick behalten und das Programm und den Ablauf der Dienstreise kritisch prüfen. Denn so können Sie die Reise mit und für Ihre Azubis so planen, dass diese im Unternehmenssinne stattfindet, Ihren Auszubildenden neue Ausbildungsinhalte vermittelt und gleichzeitig die Vorgaben des Gesetzgebers einhält. Schließlich haben Sie als Ausbildungsbetrieb oder verantwortlicher Ausbilder eine Fürsorgepflicht für Ihre Auszubildenden, die sich auf die Arbeitszeiten, die korrekte Anwendung von Pausenzeiten, aber auch im Hinblick auf Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen bezieht.

FAQ zum Thema Dienstreise von Auszubildenden

Eine Dienstreise ist eine Reisetätigkeit, die beruflich notwendig ist. Sie kann entweder vom Arbeitgeber veranlasst oder vom Arbeitnehmer beantragt werden.
Nein, in der Regel nicht. Eine Dienstreise ordnen Sie als Ausbildungsbetrieb an, damit Ihr Azubi betriebliche Aufgaben oder Ausbildungsinhalte außerhalb der Ausbildungsstätte erledigt. Die Berufsschule ist dagegen ein eigener Lernort, den Ihr Azubi regelmäßig besucht. Sie müssen ihn dafür freistellen, und Wegezeiten zwischen Berufsschule und Betrieb werden auf die Ausbildungszeit angerechnet.
Ja, gemäß § 10 Abs. 1 steht Auszubildenden bei Dienstreisen oder Reisen zur Ablegung von Prüfungen eine Entschädigung in entsprechender Anwendung zu. Auch alle sonstigen Reisekosten, die mit der Tätigkeit in Verbindung stehen, übernimmt der Ausbildungsbetrieb.
Reisekostenvergütung bezeichnet die Aufwendungen, die Beamte, Richter, Soldaten und all diejenigen erhalten, die beim Staat angestellt sind. Das Bundesreisekostengesetz regelt genau, wie hoch die Reisekostenvergütung ausfällt – auch für Azubis.