Gratis-Download

Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der...

Jetzt downloaden

Der Betriebsarzt – so wird er Ihr Verbündeter im Kampf gegen psychische Belastungen

0 Beurteilungen
Betriebsarzt
Urheber: Gina Sanders | Fotolia

Von Peter Strohbach,

Jeder Arbeitgeber muss einen Betriebsarzt zur Verfügung stellen. Oft sind es jedoch leider nur die klassischen Funktionen, in die ein Betriebsarzt einbezogen wird. Dabei gibt es zahlreiche Ansätze und Möglichkeiten, wie er einem Arbeitgeber auch bei der Erkennung einer psychischen Gefährdung zur Seite stehen kann. Die folgende Übersichtsliste sollten Sie dafür kennen!

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat in ihren beiden Leitfäden ganz klar die Möglichkeiten und Aspekte zusammengestellt, bei denen Ihr Betriebsarzt als wichtiger Partner agiert − auch und gerade wenn es um die Erkennung von psychischen Belastungen geht.

Da er der ärztlichen Schweigepflicht unterworfen ist, haben Mitarbeiter zu ihm einen positiven Zugang und deren Gesprächsbereitschaft ist höher als mit einem Personalreferenten oder Arbeitsschutzexperten. Aufgrund von notwendigen Vorsorgeuntersuchungen besteht ein unvoreingenommener Anlass, seinen Betriebsarzt aufzusuchen. Er kann die Person sein, der sich Ihre Mitarbeiter anvertrauen.

Durch seine betriebliche Tätigkeit hat der Betriebsarzt grundsätzlich viele Möglichkeiten, psychische Belastungen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Deshalb sollten Sie unbedingt sein Wissen, aber auch seine Erkenntnisse nutzen, um eine drohende psychische Gefährdung zu unterbinden. Dazu sollten Sie wissen, bei welchen Anlässen Ihr Betriebsarzt durch seine Tätigkeit automatisch Informationen aufgrund eigener Beobachtung erhält:

  • Bei den arbeitsmedizinischen Pflicht-, Angebots- und Wunschuntersuchungen: Je nach Verordnung oder Unfallverhütungsvorschrift wird der Betriebsarzt mit Arbeitnehmern im Gespräch sein. Dabei kann er wertvolle Hinweise erhalten, um psychische Gefährdungen zu erkennen.
  • Bei der Arbeitsplatzbesichtigung oder Betriebsbegehung: Hier kann er beispielsweise räumliche und/oder technisch belastende Verhältnisse erkennen und auf eine entsprechende Gefährdung hinweisen. Vielleicht wird er von einem Arbeitnehmer aber auch auf Missstände angesprochen!
  • Bei einer Unfalluntersuchung kann die Ursache „psychische Beanspruchung“ durch Analyse der Unfallentstehung durchaus erkannt werden.
  • Bei der Gefährdungsbeurteilung ist er ebenfalls involviert: Die physische Gefährdungsbeurteilung verschmilzt dabei oft mit der psychischen Gefährdungsbeurteilung; der Betriebsarzt kann in beiden Fällen psychische Gefahren erkennen.
  • Oft sind Betriebsärzte auch beim betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) oder den Gesprächen zur Wiedereingliederung dabei und können durch Befragung und Beobachtung psychische Belastungen aus der Vergangenheit herleiten.
  • Und natürlich ist der Betriebsarzt oft auch allgemeiner Ansprechpartner, z. B. für die Personalvertretung, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und alle Arbeitnehmer. Auch hierbei kann er wichtige Erkenntnisse über eine drohende psychische Gefährdung am Arbeitsplatz erhalten.

Nicht jeder Betriebsarzt hat sich auf psychische Belastungen, die sehr vielschichtig sein können, spezialisiert. Dann macht ein externer Berater natürlich Sinn! Wenn der Betriebsarzt aber Ihr Partner im Kampf gegen psychische Belastungen werden kann und dies auch möchte, bietet es sich an, eine klare Struktur und feste Regeln einzuführen.

Anzeige

Gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Vereinbaren Sie mit Ihrem Betriebsarzt ein Gespräch, in dem Sie darüber informieren, dass Sie die psychischen Gefährdungen und Belastungen zukünftig frühzeitig und besser erkennen möchten. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihn als wichtigen Gesprächspartner und Kompetenzträger ernst nehmen!
  2. Damit Sie als Arbeitgeber Ihrer Fürsorgepflicht (§§ 617 bis 619 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 62 Handelsgesetzbuch (HGB)) gerecht werden und Haftungsprobleme vermeiden, soll Ihnen der Betriebsarzt zukünftig einmal im Quartal oder im Rahmen des Arbeitsschutzausschusses einen Kurzbericht erstellen, der die aktuelle Situation aus seiner Sicht schildert.
  3. Diese Information wird später auch in der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen berücksichtigt bzw. integriert werden!
  4. Zusätzlich informieren Sie Ihre Arbeitnehmer über die zukünftig besser ausgebaute Rolle Ihres Betriebsarztes, beispielsweise in Form eines Begleitschreibens bei der Lohnabrechnung.
  5. 5. Der Betriebsarzt sollte auch eine wichtige Rolle bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung spielen. Sprechen Sie ihn darauf an, inwieweit er bereit ist mitzuwirken. Sollte er geeignete Verfahren und Werkzeuge kennen, bietet es sich natürlich an, ihn einzubeziehen.
  6. 6. Präsentieren Sie im Arbeitssicherheitsausschuss die neuen Ansätze. Sorgen Sie dafür, dass zukünftig bei jeder Sitzung immer das Thema Psyche berücksichtigt wird.

Hinweis: Gerade bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung hat es sich als sehr praktikabel erwiesen, wenn ein zusätzlicher externer Auditor oder Moderator dabei ist, der unter Umständen auch noch weitere Experten hinzuziehen kann. So profitiert die gesamte Arbeitnehmerschaft von den vielen wertvollen Erkenntnissen! Dies muss nicht unbedingt die Fachkraft für Arbeitssicherheit sein, es kann auch der Sicherheitsbeauftragte oder ein externer Berater diese Rolle übernehmen.

Arbeitssicherheit aktuell

Sichern Sie sich praxisrelevante Tipps, Anregungen und Hinweise auf aktuelle Urteile und Gesetzesänderungen mit leicht nachvollziehbaren Lösungsansätzen für Ihrer tägliche Arbeit als Sicherheitsbeauftragter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Datenschutz

Anzeige

Jobs