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Für die Sicherheitsfachkraft sind Betriebsanweisungen ein wertvolles Hilfsmittel, um die Mitarbeiter zu unterweisen und vor Gefährdungen am...

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Betriebsanweisung bei Sanierung von Asbest-Altbauten unentbehrlich

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Arbeitsschutz Betriebsanweisung

Von Wolfram von Gagern,

Asbest ist krebserzeugend und bezeichnet eine Gruppe natürlich vorkommender, feinfaseriger Minerale.

Gerade bei Abbruch-, Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten (ASIArbeiten) auf Ihrem Betriebsgelände kann es zur Freisetzung dieses äußerst hitze- und weitgehend chemikalienbeständigen Gefahrstoffs kommen.

Weißasbest (Chrysotil) und Blauasbest (Krokydolith) gehörten lange Jahre zu den am meisten verwendeten Asbestarten. Heute dürfen Sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Asbest nicht mehr verwenden. Trotzdem sterben pro Jahr rund 1.000 Menschen an Krankheiten, die durch Asbest verursacht wurden. Der Grund: Asbesterkrankungen gehen auf Gefährdungen zurück, die bis zu 30 Jahre zurückliegen können.

Gesundheitsgefahren

Eingeatmete Asbestfasern können die Krankheit „Asbestose“ verursachen. Diese Atemwegserkrankung wird durch das Einatmen von Asbestfasern hervorgerufen. Sie hat zur Folge, dass das Lungengewebe vernarbt und die Atmung erschwert ist. Diese chronische Lungenkrankheit wird als Berufskrankheit anerkannt. Aufgrund seiner krebserzeugenden Wirkung ist Asbest nach der Gefahrstoffverordnung (Gef- StoffV) als besonders gefährlicher Gefahrstoff eingestuft. Für gesundheitliche Schäden ist nach derzeitigem Erkenntnisstand die Aufnahme der Asbestfasern aus der Luft durch Einatmen entscheidend.

Verwendung

Dieser tückische Gefahrstoff wurde wegen der beträchtlichen Gesundheitsschädlichkeit zunächst 1979 als Spritzasbest im Baubereich verboten. Seit 1993 ist in Deutschland der Einsatz von Asbest grundsätzlich verboten. Seit 2005 gibt es ein EU-weites Verbot. Dieser Gefahrstoff wurde zur Herstellung einer Vielzahl langlebiger Produkte verwendet. Gerade in Altbauten müssen Sie damit rechnen, dass „damals“ bei der Errichtung des Gebäudes oder der Einrichtung des Arbeitsplatzes asbesthaltige Materialien verwendet wurden. Daher ergibt sich eine Gefährdung durch Asbest in erster Linie bei diesen Tätigkeiten:

  1. Abbrucharbeiten
  2. Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten an bestehenden Anlagen, Fahrzeugen, Gebäuden, Einrichtungen oder Geräten mit Ausnahme von
  • Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern,
  • Reinigungs- und Beschichtungsarbeiten an unbeschichteten Asbestzementdächern,
  • Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen, wie z. B. Abschleifen, Druckreinigen oder Abbürsten, es sei denn, es handelt sich um emissionsarme Verfahren, die behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannt sind.

Bereiten Sie in 5 Schritten Ihre Arbeiten mit Asbest vor

1. Schritt: Sammeln Sie Informationen

Zur Beurteilung der Gefährdung bei Tätigkeiten mit Asbest gemäß § 7 Gef- StoffV haben Sie vor Beginn der Arbeiten zunächst festzustellen, ob Ihre Kollegen Tätigkeiten mit asbesthaltigen Gefahrstoffen durchführen oder ob solche bei diesen Tätigkeiten freigesetzt werden. Sie müssen insbesondere prüfen, ob Asbest in schwach gebundener Form vorliegt. Liegen Ihnen hierzu keine Angaben vor, müssen Sie gegebenenfalls Materialproben bei der amtlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) in Bremen oder einem anderen Labor für Baustoffanalysen untersuchen lassen. Diese Informationen brauchen Sie zur Gefährdungsbeurteilung:

  • Art und Bezeichnung der vorhandenen asbesthaltigen Produkte
  • deren mechanischen Zustand und ggf. relevante Kontaminationen

TIPP: Eine schwache Asbestfaserbindung liegt vor allem im Spritzasbest und anderen Produkten wie beispielsweise Leichtbauplatten, Asbestpappen, Dichtungsschnüren usw., die für die Bereiche Brandschutz, Schallschutz sowie Wärme- und Feuchtigkeitsschutz eingesetzt wurden, vor. Insbesondere bei Produkten mit schwacher Faserbindung besteht eine erhöhte Gefahr der Freisetzung von Asbestfasern. Feste Asbestfaserbindung liegt insbesondere in Asbestzementprodukten vor, die z. B. als ebene und profilierte Platten oder als Rohre in großem Umfang verbaut wurden. Solche Asbestfasern sind allerdings auch in Bremsbelägen enthalten.

2. Schritt: Beurteilen Sie die Gefährdung

Führen Sie die Gefährdungsbeurteilung für jede Tätigkeit mit Asbest durch. Dabei haben Sie diese Punkte zu berücksichtigen:

  • Ausmaß und Dauer der inhalativen Exposition
  • Arbeitsbedingungen und Verfahren einschließlich der Arbeitsmittel und der Menge des Asbestprodukts
  • erforderliche Schutzmaßnahmen
  • Festlegungen zur Wirksamkeitsprüfung der getroffenen Schutzmaßnahmen

Beziehen Sie in Ihre Gefährdungsbeurteilung nicht nur die Mitarbeiter ein, die unmittelbar Tätigkeiten mit asbesthaltigen Gefahrstoffen durchführen. Berücksichtigen Sie auch Kollegen oder andere Personen, soweit eine Gesundheitsgefährdung möglich und ihr Aufenthalt im Gefährdungsbereich notwendig ist. Dokumentieren Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung. Geben Sie in der Dokumentation auch die Schutzmaßnahmen an. Aktualisieren Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung bei jeder maßgeblichen Veränderung.

Hinweis : Am besten erstellen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung gemeinsam mit dem Arbeitsplan.

3. Schritt: Formulieren Sie einen Arbeitsplan

Bevor Sie mit Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Asbest und der Abfallbeseitigung beginnen, haben Sie einen Arbeitsplan aufzustellen. Berücksichtigen Sie bei der Erstellung dieses Plans auch die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung. Aus Ihrem Arbeitsplan muss Folgendes hervorgehen:

  1. Vorgehensweise und Arbeitstechniken bei der Entfernung von Asbest und asbesthaltigen Materialien sowie Einrichtungen zum Schutz und zur Dekontamination der Beschäftigten und anderer Personen, die im Gefahrenbereich tätig sind
  2. Angaben zur Persönlichen Schutzausrüstung
  3. Überprüfung, ob im Arbeitsbereich von Innenräumen nach Abschluss der ASI-Arbeiten keine Gefährdung durch Asbest mehr besteht
  4. Angaben zur vorgesehenen ordnungsgemäßen Abfallbeseitigung

Bei wesentlichen Änderungen haben Sie Ihren Arbeitsplan zu aktualisieren.

4. Schritt: Erstellen Sie Betriebsanweisung

Erstellen Sie auf der Basis Ihrer Gefährdungsbeurteilung eine arbeitsplatzbezogene schriftliche Betriebsanweisung. Tragen Sie in Ihre Betriebsanweisung mindestens diese Informationen ein:

  • Angaben über die am Arbeitsplatz auftretenden asbesthaltigen Gefahrstoffe sowie die Gesundheitsgefährdungen
  • Hinweise über angemessene Vorsichtsmaßregeln und Maßnahmen, die der Beschäftigte zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen Beschäftigten am Arbeitsplatz durchzuführen hat. Dazu gehören insbesondere:
  1. Hygienemaßnahmen
  2. Informationen über expositionsmindernde Maßnahmen
  3. Informationen zum Tragen und Benutzen von Schutzausrüstungen und Schutzkleidung
  4. Maßnahmen bei Betriebsstörungen, Unfällen und Notfällen und zur Ersten Hilfe
  5. Informationen über die sachgerechte Behandlung und Beseitigung entstehender Asbestabfälle

Hängen Sie Ihre Betriebsanweisung am Arbeitsplatz aus. So stellen Sie sicher, dass jeder Mitarbeiter Zugang zu dieser Information hat

5. Schritt: Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter

Anhand Ihrer Betriebsanweisung haben Sie Ihre Mitarbeiter über auftretende Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnahmen mündlich zu unterweisen. Sie haben diese Unterweisung vor Beginn der Arbeiten durchzuführen. Wiederholen Sie die Unterweisung danach mindestens jährlich. Bei umfangreichen Arbeiten, wie beispielsweise dem Entfernen von schwach gebundenen Asbestprodukten an Dachbindern, Wänden und Decken, haben Sie Ihre Kollegen zusätzlich objektbezogen hinsichtlich Gefährdungen und Schutzmaßnahmen einzuweisen.

Sprechen Sie bei der Unterweisung insbesondere diese 7 Punkte an:

  1. Die Eigenschaften von Asbest und seine Wirkungen auf die Gesundheit einschließlich der verstärkenden Wirkung des Rauchens, ggf. ist ein Arzt zu beteiligen.
  2. Weisen Sie auf gewerkspezifische asbesthaltige Produkte hin.
  3. Nennen Sie Tätigkeiten, bei denen eine Asbestexposition auftreten kann. Informieren Sie auch über die Bedeutung von Maßnahmen zur Expositionsminderung wie beispielsweise staubarme Arbeitsmethoden.
  4. Unterrichten Sie Ihre Kollegen über die sachgerechte Anwendung sicherer Arbeitsverfahren und persönlicher Schutzausrüstungen.
  5. Erklären Sie Maßnahmen bei Störungen des Betriebsablaufs.
  6. Geben Sie an, wie Abfall sachgerecht zu entsorgen ist.
  7. Unterrichten Sie über die Möglichkeiten der arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Schreiben Sie genau auf, wann Sie die Unterweisung durchgeführt und worüber Sie Ihre Kollegen informiert haben. Lassen Sie sich anschließend dieses Protokoll von den Unterwiesenen gegenzeichnen. Diese Dokumentation haben Sie mindestens bis zur nächsten Unterweisung aufzubewahren.

Wichtig: Sie dürfen in Ihrem Betrieb mit ASI-Arbeiten erst beginnen, wenn Sie sichergestellt haben, dass Ihre personelle und sicherheitstechnische Ausstattung für diese Arbeiten geeignet ist. Eine ausreichende personelle Ausstattung ist vorhanden, wenn Sie sachkundige Personen beschäftigen. Sie können die Sachkunde durch die Teilnahme an einem Lehrgang gemäß Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 519 „Asbest, Abbruch-, Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten“ erwerben.

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