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Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der…

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Boreout in Unternehmen: Ursachen, Symptome, Behandlung & Prävention

 
Boreout: Langeweile am Arbeitsplatz
© Markus Bormann - Fotolia.com

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Boreout kann neben der betroffenen Person auch das Unternehmen belasten. Lesen Sie hier, wie Sie Anzeichen erkennen und mit geeigneten Maßnahmen helfen.

Was genau ist ein Boreout bzw. Boreout-Syndrom?

Der englische Begriff Boreout bedeutet übersetzt „ausgelangweilt sein“. Er beschreibt den Zustand chronischer Unterforderung am Arbeitsplatz. Das Boreout-Syndrom sorgte erstmals im Jahr 2007, nach Veröffentlichung des Buches „Diagnose Boreout“ von Philippe Rothlin und Peter Werder für öffentliches Interesse. Dennoch ist es heute weitaus weniger bekannt als das Burnout. Letzteres beschreibt ein starkes Gefühl von Überforderung und Überlastung.

Fälschlicherweise wird Boreout oft für reine Langeweile gehalten und Betroffene daher häufig belächelt. Zudem erkennen viele Mediziner das Boreout-Syndrom nicht als Krankheit an. Dennoch können die Folgen eines Boreouts belastend sein, wenn es sich auf die körperliche sowie psychische Gesundheit auswirkt.

Was sind die Ursachen eines Boreouts?

Es gibt verschiedene Ursachen, die im Zusammenspiel zur chronischen Langeweile von Mitarbeitern bei der Arbeit führen können. Primär trägt eine fachliche Unterforderung und somit Überqualifizierung der Arbeitskräfte dazu bei. Diese entsteht meist durch unpassende oder zu wenige Aufgaben. Die Diskrepanz zwischen dem, was der Mitarbeiter eigentlich leisten kann und dem, was der Arbeitgeber von ihm verlangt, führt unter Umständen zu großer Frustration. Empfindet der Arbeitnehmer die Arbeitsvorgänge als zu monoton oder zu leicht, ist durch die Fehlbelastung ein Boreout möglich.

Als Ursache kommen auch ein geringes oder fehlendes Feedback durch den Arbeitgeber oder eine ungerecht empfundene Aufgabenverteilung in Frage. Fehlende Erfolgserlebnisse und Anerkennung im Job können dazu führen, dass sich die betroffenen Personen gestresst fühlen. Da sie die Aufgaben als zu einfach empfinden, fühlen sie sich eventuell austauschbar und sprechen ihre Anliegen, aus Angst vor einer Kündigung, selten von allein an. Der dauerhafte Stress und die Sorge um mögliche Konsequenzen können im Zusammenspiel die Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden.

Symptome: Wie erkennen Sie ein Boreout?

Zwar grenzen sich die möglichen Ursachen für ein Boreout von denen eines Burnouts ab, aber die möglichen Symptome können sich ähneln. Folgende Symptome weisen unter Umständen auf ein Boreout hin:

  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Infektionsanfälligkeit
  • Magenbeschwerden
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • gesteigertes Aggressionspotential
  • starkes Desinteresse
  • Depressionen

Anders als beim Burnout, entsteht die körperliche und psychische Erschöpfung allerdings nicht durch den Stress der Überforderung, sondern eher durch Unterforderung und Langeweile im Job.

Boreout ist für Außenstehende nur schwer erkennbar. Das liegt unter anderem daran, dass sich Betroffene meist beschäftigt zeigen und nicht offen kommunizieren, dass sie unglücklich und unterfordert mit den Aufgaben und der Arbeit sind. In dem Fall überwiegt die Furcht vor der Kündigung oder davor, dass andere sie als unmotiviert und faul halten. Doch es gibt verschiedene Auffälligkeiten und Verhaltensmuster, die Ihnen dabei helfen können, Boreout bei Mitarbeitern zu erkennen:

  • Aufgaben werden unverhältnismäßig in die Länge gezogen
  • Mitarbeiter berichtet oft von vielen Aufgaben
  • unnötige Überstunden
  • Mitarbeiter scheint zu arbeiten, starrt aber nur auf den Bildschirm
  • Arbeitszeit wird anderweitig genutzt, zum Beispiel zur Planung privater Angelegenheiten

Ein Boreout äußert sich meist durch eine Kombination der oben genannten Verhaltensweisen. Wenn Sie diese über einen längeren Zeitraum bei Mitarbeitern beobachten, könnten sie ein Indiz für ein Boreout und somit Anlass für ein Personalgespräch sein. Sie sind jedoch lediglich Anhaltspunkte, die natürlich auch andere Ursachen haben können.

Wie sollten Sie mit  Arbeitnehmern mit Boreout umgehen?

Boreout wirkt sich, wie bereits erwähnt, nicht nur negativ auf die Gesundheit der Betroffenen, sondern auch auf das gesamte Unternehmen aus. Schöpfen Sie das Potenzial des Mitarbeiters nicht aus, führt das beispielsweise zu übermäßigen Personalkosten. Die Mitarbeiterzufriedenheit sinkt und es können Fluktuationskosten entstehen.

Sie sollten deshalb bei einem Boreout-Verdacht möglichst zeitnah das persönliche Gespräch mit der betroffenen Person suchen und geeignete Maßnahmen ergreifen. Besonders wichtig ist hierbei, dass Sie Vertrauen schaffen:

  • Zeigen Sie Verständnis und signalisieren Sie, dass Sie an einer gemeinsamen Lösung, für die bisher unzufriedenstellende Situation, interessiert sind.
  • Nehmen Sie dem Mitarbeiter die Furcht vor einer Kündigung.
  • Überlegen Sie gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt, der Unterforderung bei der Arbeit entgegenzuwirken. Ein regelmäßiger Austausch ist essenziell, um passende Aufgaben zu finden und Befindlichkeiten zu kommunizieren.

Doch nicht immer reicht das Gespräch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es können auch weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig sein. Sie sollten Betroffene unter Umständen besser an einen Arzt verweisen.

Bei einer Depression gibt es verschiedene Therapieformen für den Arbeitnehmer. So könnte beispielsweise eine Verhaltenstherapie dem Patienten dabei helfen, sein Selbstwertgefühl zu stärken. In schweren Fällen kann auch die Behandlung durch einen Psychiater oder eine stationäre Behandlung erforderlich sein. Wenn die Therapie die Situation des Arbeitnehmers nicht verbessert, sollte dieser über den Wechsel des Arbeitsplatzes oder der beruflichen Tätigkeit nachdenken.

Prävention: Wie kann Boreout im Unternehmen vorgebeugt werden?

Da ein Boreout ernsthafte Folgen für den Mitarbeiter und das Unternehmen haben kann, sollten Sie dem rechtzeitig entgegenwirken. Die Prävention beginnt optimalerweise bereits im Recruiting-Prozess. Hierbei sollten Sie neben passenden Einstellungskriterien und Qualifikationen auch die Vorstellungen und Wünsche des Kandidaten berücksichtigen. Zeigen Sie dem Bewerber auch die möglichen Entwicklungsperspektiven im Job auf. So ist sichergestellt, dass er weiß, was ihn erwartet. Dann kann er sein Potenzial im Unternehmen bestmöglich ausschöpfen.

Eine weitere wichtige Präventivmaßnahme bietet eine Gefährdungsbeurteilung. So können Sie vorzeitig Missstände am Arbeitsplatz aufdecken, welche die Gesundheit der Mitarbeiter möglicherweise belasten können. Die Gefährdungsbeurteilung ermittelt auch, ob bei der Einstellung neuer Mitarbeiter mögliche Überqualifikation der Bewerber geprüft wurden.

Zusätzlich können regelmäßige Gespräche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einem Boreout vorbeugen. Wichtig ist, dass das Feedback von beiden Seiten erfolgt und die Unternehmenskultur bestenfalls Ehrlichkeit und Vertrauen vermittelt. So können Sie regelmäßig untersuchen, ob die Aufgaben noch immer zum Mitarbeiter passen und ihn die Arbeit ausreichend fordert. Gleichzeitig geben Sie dem Mitarbeiter die Chance, seine Anliegen frühzeitig zu thematisieren, bevor sich eine chronische Unterforderung und krankhafte Langeweile entwickeln kann.

Fazit: Durch rechtzeitiges Eingreifen Arbeitnehmer und Unternehmen schützen

Ein Boreout kann nicht nur ernsthafte gesundheitliche Auswirkungen auf den betroffenen Mitarbeiter haben, sondern langfristig auch dem Unternehmen schaden. Da die Betroffenen in den meisten Fällen versuchen, ihre chronische Unterforderung zu unterdrücken, ist es für den Arbeitgeber nicht leicht, ein Boreout zu erkennen. Es ist empfehlenswert, frühestmöglich durch eine Gefährdungsbeurteilung mögliche Missstände aufzudecken. Außerdem sollten Sie eine offene sowie vertrauensvolle Kommunikationsstruktur aufbauen, sodass sich unterforderte Mitarbeiter frühzeitig an Sie wenden und gar nicht erst Symptome entstehen.

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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