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Störfälle klassifizieren: Risiko-Check für Ihre Instandhaltung

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Von Günter Stein,

Eine Glühbirne fällt aus: Passiert häufig, ist jedoch ungefährlich. Es brennt: Passiert sehr selten, ist aber existenzbedrohend. Kategorisieren Sie alle denkbaren Störfälle, um wirksame vorbeugende Maßnahmen treffen zu können.

 

Klassifizierung von Störfällen

Bevor Sie sich daranmachen, einzelne Störungen und Gefahren zu erkennen, sollten Sie ein Schema entwickeln, in das Sie später die einzelnen Ereignisse einteilen. Dabei sind 3 Fragen ausschlaggebend:

  • Wie schwerwiegend sind die Folgen?
  • Wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit?
  • Habe ich einen Einfluss auf das Eintreten?

Aus den Antworten auf die beiden ersten Fragen lässt sich eine Matrix erstellen, mit der Sie die Höhe des Risikos abschätzen können. Im einfachsten Fall geben Sie nur 2 Antwortalternativen („hoch“ und „niedrig“) vor und erhalten eine 2x2-Matrix. Als ausreichend genau und trotzdem wirkungsvoll hat sich eine 3x3-Variante mit den möglichen Antworten „hoch“, „mittel“, „gering“ erwiesen.

Die Nummerierung der Felder ist dabei nicht als Risikoskala zu sehen – zwar ist der Fall 9 eindeutig die größte und Kategorie 1 die geringste Bedrohung, aber bei den Zwischenstufen wird das Anwachsen des Risikos eher durch die Farbabstufung dargestellt. Wichtiger als die Einstufung, welches Ereignis am gefährlichsten ist, sind aber die Art und Weise, wie Sie auf die unterschiedlichen Arten von Gefährdungen reagieren. Zu diesem Zweck kommt noch eine 3.Bewertung hinzu: die Möglichkeit zur Einflussnahme.

Höhere Gewalt? Da dieses Kriterium allerdings zunächst einmal nichts über die Höhe der Gefährdung aussagt, wollen wir diesen Einfluss erst in einem 2. Analyseschritt berücksichtigen.

1. Beispiel für einen Risiko-Check von Störfällen: Ein Brand in der Produktionshalle

Sie arbeiten mit Schweißgeräten und die elektrische Anlage ist an einigen Stellen schon ein wenig marode, also nehmen wir eine mittlere Wahrscheinlichkeit an. Die Folgen eines Brandes sind in der Regel katastrophal. Risikoexperten gehen davon aus, dass jedes 2. Unternehmen, das einen größeren Brand zu beklagen hatte, die Folgen existenziell nicht übersteht.

Geringe Wahrscheinlichkeit, aber katastrophale Folgen

Nach unserer Matrix ist ein Brand bei erhöhter Wahrscheinlichkeit ein Ereignis der Kategorie 8. Im 2. Schritt müssen Sie nun festlegen, welche Einflussnahme Sie auf die beiden Kriterien haben. An der Folgenschwere lässt sich nur wenig ändern, also konzentrieren wir uns bei einem Brand auf das Herabsenken der Wahrscheinlichkeit. Wäre ein Brand hingegen in Ihrem Unternehmen sehr unwahrscheinlich, dann müssten Sie sich vornehmlich darauf konzentrieren, die möglichen Folgen zu reduzieren.

2. Beispiel für einen Risiko-Check von Störfällen: Ausfall der Telefonanlage

Bei der Risikoanalyse ist ein wichtiger Lernprozess die Erkenntnis, wie abhängig Sie von bestimmten technischen Systemen und Geräten sind. Für die Beantwortung der Folgenschwere müssen Sie sich also die Frage stellen: „Was wäre, wenn?“ Wenn die Telefonanlage außer Betrieb ist, laufen alle Kundenanfragen ins Leere, Sie können keine Lieferanten kontaktieren und auf der anderen Seite selbst keinen Support bieten. Die Folgen wären also schwerwiegend. Eine weitere Abstufung ist nicht erforderlich. Auch wenn ein Brand ungleich schlimmere Folgen hat, wäre die Einstufung eines Ausfalls der Telefonanlage in die oberste Kategorie durchaus gerechtfertigt.

Hohe Wahrscheinlichkeit und vermeidbare Folgen von Störfällen

Wie sieht es nun mit der Wahrscheinlichkeit aus? Für den Ausfall einer Telefonanlage kann es viele Gründe geben. Auch hier ist eine Stärke der Risikoanalyse zu erkennen. Sie sind gezwungen, sich ganz konkret darüber Gedanken zu machen, was ein solches Gefahrenereignis auslösen kann. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Reihe von verketteten Ereignissen und jedes Teilereignis können Sie wiederum isoliert betrachten. So kann der Störfall „Ausfall der Elektroversorgung“ zu dem Folgeschaden „Ausfall der Telefonanlage“ führen. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass gerade das Durchdenken solcher „Was-wäre-wenn-Szenarien“ immer wieder Risiken an den Tag bringt, die überhaupt nicht berücksichtigt wurden, weil die Anlage bis zum aktuellen Zeitpunkt nie ausgefallen war. Sie dürfen dabei nicht die Wahrscheinlichkeit mit der Häufigkeit verwechseln. Aufgrund der empfindlichen Elektronik, der Abhängigkeit von Strom- und Telefonleitungen, der Fehlerquelle „Telefonanbieter“ etc. ist im konkreten Fall die Wahrscheinlichkeit hoch.

Wir haben also einen Fall der Kategorie 9 und müssen sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Folgen senken. Eine Maßnahme zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit wäre z. B. eine Notstromversorgung. Die Folgen eines Ausfalls könnten z. B. mit einer kleineren Notanlage oder einer Umleitung aufs Handy in der Vermittlungsstelle gemildert werden, die auch dann funktionieren würde, wenn der Fehler beim Telefonanbieter liegt.

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist: Notfallplan für Störfälle

Auch nach Katastrophen muss es weitergehen. Leichter wird das, wenn Sie sich schon frühzeitig Gedanken über Ihr Vorgehen in diesem Fall machen. Vielleicht kann eine Niederlassung Teile der Produktion übernehmen? Oder Sie bauen rechtzeitig Kontakte zu Dienstleistern auf, die einspringen können.

Die folgende Tabelle gibt Ihnen Schritt-für-Schritt vor, wie Sie eine Risikoanalyse durchführen.

1. Schritt: Listen Sie alle Ereignisse aufAusfall der Elektroversorgung
Brand im Treibstofflager
Diebstahl des Firmen-Servers
2. Schritt: Ermitteln Sie die UrsachenKabelbruch
Fehlbedienung einer Maschine
Ausfall einer Temperaturüberwachung
3. Schritt: Ermitteln Sie die FolgenProduktionsstillstand
Qualitätseinbuße in der Produktion
Erhöhte Kosten
Unfall mit Personenschäden
4. Schritt: Legen Sie die Kategorie des Ereignisses festStufen Sie das Ereignis ein.
5. Schritt: Ermitteln Sie die Position in der MatrixWo steht das Ereignis in der Matrix?
6. Schritt: Analysieren Sie die EinflussmöglichkeitenWenn kein Einfluss besteht, müssen Sie sich auf die Reduzierung der Folgen konzentrieren.
7. Schritt: Ermitteln Sie Maßnahmen zur RisikoabsenkungUmsetzung zur Vermeidung des Störfalls.
8. Schritt: Erstellen Sie einen NotfallplanVerhaltensregeln nach Eintreten des Störfalls.

 

 

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