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Arbeitnehmerdatenschutz: Unternehmen darf neugierigen Systemadministrator feuern

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Datenschutz

Von Wolfram von Gagern,

Um die Daten und Berechtigungen der Beschäftigten verwalten zu können, verfügt vielleicht auch Ihr Systemadministrator über die umfassendsten Administrationsrechte im ganzen Unternehmen. Und weil sich die Arbeit eines Systemadministrators manchmal nur schwer kontrollieren lässt, beschleicht Sie vielleicht ein etwas mulmiges Gefühl.

Schließlich macht Gelegenheit nicht nur Diebe. Das Landesarbeitsgericht (LAG) München beschäftigte sich nun mit dem Fall eines Systemadministrators, der seine Kompetenzen offensichtlich überschritt.

Arbeitnehmerdatenschutz: Systemadministrator hatte eingehende E-Mails gelesen

Der Fall: Ein Unternehmen mit 2 Geschäftsführern beschäftigte einen Systemadministrator. Nach Aussage des Systemadministrators hätte es aufgrund einer betrieblichen Übung zu seinen Aufgaben gezählt, auf das Postfach eines abwesenden Geschäftsführers zuzugreifen. Dabei hätte er eingehende E-Mails lesen, wichtige E-Mails ausdrucken und dem anwesenden Geschäftsführer vorlegen sollen. Als ein Geschäftsführer in Urlaub war, öffnete der Administrator per Fernzugriff dessen E-Mail-Postfach.

Nach seinen Angaben will er im Posteingang auf eine neue E-Mail zugegriffen haben, die mit einer alten E-Mail im Ordner „Gesendete Objekte“ verbunden gewesen wäre. Weil er der Ansicht war, dass diese E-Mail ein unternehmensschädigendes Verhalten des abwesenden Geschäftsführers belegt, hätte er diese ausgedruckt und dem anderen Geschäftsführer vorgelegt. Tatsächlich waren jedoch während der Abwesenheit des urlaubenden Geschäftsführers überhaupt keine E-Mails in dessen Postfach eingegangen. Insofern musste der Systemadministrator dieses Postfach nach belastendem Material durchsucht haben.

Dieses Vorgehen kam nicht gut an. Der Systemadministrator wurde sofort vor die Tür gesetzt. Erfolglos versuchte dieser, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Arbeitnehmerdatenschutz: Kündigung das Systemadministrators war rechtens

So urteilte das Gericht: Das LAG München basiert sein Urteil auf den Feststellungen des Arbeitsgerichts München und führt in seinem Urteil vom 8.7.2009 (Az. 11 Sa 54/09) aus, dass die fristlose Kündigung des Systemadministrators rechtens ist. Im konkreten Fall hat der Administrator gegen seine vertraglichen Pflichten verstoßen und unter Missbrauch seiner Befugnisse und der technischen Möglichkeiten auf die Emails des abwesenden Geschäftsführers zugegriffen.

Der Missbrauch von Zugriffsrechten durch einen Systemadministrator rechtfertigt regelmäßig eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung. Weil sich die vom Administrator ausgedruckte und dem anwesenden Geschäftsführer vorgelegte E-Mail nicht im Posteingangsordner befunden haben kann, muss der Administrator im Postfach des abwesenden Geschäftsführers Suchvorgänge durchgeführt haben.

Arbeitnehmerdatenschutz: Systemadministrator hat eine Vertrauensposition

Fazit: Weisen Sie bei Gelegenheit – beispielsweise während einer Schulung – Ihren Systemadministrator auf die Entscheidung hin. Sie macht deutlich, dass es sich bei der Position des Systemadministrators um eine Vertrauensposition handelt. Wird das Vertrauen enttäuscht, weil der Systemadministrator seine Berechtigungen missbraucht, kann das Unternehmen drastische Konsequenzen ziehen.

Im Übrigen zeigt dieses Urteil, dass datenschutzrechtliches Fehlverhalten auch ganz ohne Rückgriff auf das Bundesdatenschutzgesetz & Co. Geahndet werden kann. Gleichwohl hätte es für den Systemadministrator unter Umständen noch schlimmer kommen können. Beim unberechtigten Zugriff auf E-Mails, sprich der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, ist auch eine strafrechtliche Verfolgung denkbar (vgl. § 206 Strafgesetzbuch, § 88 Telekommunikationsgesetz).

Verpflichten Sie Ihren Administrator - Gerade in kleineren Unternehmen ist es oftmals unvermeidlich, dass einem Systemadministrator aus technischen oder organisatorischen Gründen mehr Rechte eingeräumt werden, als Ihrem Unternehmen lieb ist. Im Interesse aller kann eine klarstellende Verpflichtung sinnvoll sein.

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