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Kundendatenschutz: EC-Kartendienstleister als Datenkrake im Supermarkt

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Datenschutz EC-Karten

Von Wolfram von Gagern,

Die EC-Dienstleister wie Easycash, Telecash und Intercash haben anscheinend ohne Rechtsgrundlage eine umfangreiche Datensammlung über EC-Kartenbesitzer angelegt, die an der Supermarktkasse oder im Einzelhandel für Entscheidungen über die Zahlungsfähigkeit von Kunden genutzt werden.

Allein bei Easycash umfasst die Datenbasis 21,7 Millionen Bankverbindungen pro Monat und 50 Millionen Bankverbindungen.

Kundendatenschutz: „Gute Kunden“ zahlen mit ihrem „guten Namen“

Da das Risiko eines Zahlungsausfalls hier beim Händler liegt, darf der Kunde nur dann häufiger und auch höhere Beträge mit Unterschrift zahlen, wenn er beim EC-Dienstleister als solvent gilt. Für den Händler ist dies der kostengünstigere Zahlungsweg. Gilt die Bonität des Kunden hingegen eher als fragwürdig, muss er seine Geheimzahl eingeben, damit die Zahlung durch Anfrage bei der Bank des Kunden abgesichert werden kann. Um zu dieser Kundengruppe zu gehören, reicht es, wenn die Umsätze niedrig sind.

Kundendatenschutz: Prüfen Sie doch mal die Bonität Ihres Vordermannes an der Kasse

Theoretisch können Sie also selbst an der Kasse sehen, ob Ihr Vordermann eventuell nicht als ganz so liquide gilt wie sie. Allerdings wissen Sie als Kunde natürlich nicht, ob gerade an dieser Kasse die Bonitätsprüfung überhaupt durchgeführt wird oder ob generell nur das eine oder andere der beiden Zahlungssysteme angewandt wird. Nur wenn Ihr Vordermann seine PIN eingibt und Sie selbst beispielsweise unterschreiben „dürfen“, haben Sie Klarheit… Normalerweise bekommt der Inhaber der Karte von alldem nichts mit. Erst nachdem seine Daten an den EC-Netzbetreiber übermittelt sind, wird er von der Kassiererin aufgefordert, nachträglich mit seiner Unterschrift zu bestätigen, dass sie "für Zwecke der Zahlungsabwicklung elektronisch gespeichert und verarbeitet werden" dürfen, wie es bisher auf Kassenbontexten von Easycash hieß. Es gibt dabei gar keine Möglichkeit, dieser Speicherung zu widersprechen – und von der weiteren Verwendung seiner Daten durch Easycash erfuhr der Kunde bislang auch nichts, geschweige denn, dass er sie gestattet hätte.

Kundendatenschutz: Es geht mal wieder ums Geld

Warum das ganze überhaupt? Die Kosten einer PIN-basierten EC-Zahlung sind höher als bei einer Zahlung per Unterschrift. Sie richten sich nach der Höhe des zu zahlenden Betrags und betragen 0,3 % des Umsatzes, mindestens 8 Cent. Letztlich geht es also um das Ausreizen des letzten kleinen Prozentpünktchens hinter dem Komma der Handelsmarge. Das man für diese 0,3% als Händler völlig legal auf der sicheren Seite ist, scheint viele nicht zu interessieren.

Kundendatenschutz: Rewe hat bereits reagiert …

Immerhin hat einer der größten Kunden von Easycash früh reagiert: die Rewe Group. Im Mai schon hat das mächtige Handelsunternehmen, mit seinen Supermarktketten Rewe und Penny, den Bau- und Verbrauchermärkten von Toom und der Elektronikkette Promarkt, nach einem Bericht von NDR Info entschieden, dass es vorerst kein Lastschriftverfahren mehr durchführen wird. Seit Ende Juli kann man an den Rewe-Kassen zwar wieder mit EC-Karte und Unterschrift zahlen. Der Konzern verzichtet jedoch ausdrücklich auf die Nutzung des fragwürdigen Datenpools von Easycash. Ein Rewe-Sprecher begründete dies mit "zahlreichen ungeklärten Fragen". Das zeigt übrigens auch, dass das Problem nicht erst seit letzter Woche bekannt ist, sondern vorher lediglich keinen großen Widerhall in der Öffentlichkeit fand. Ebenfalls reagiert hat Easycash, indem es seine Vertragsbedingungen plötzlich geändert hat. Jetzt soll jeder Karteninhaber mit seiner Unterschrift auch zustimmen, dass seine Daten "zur Festlegung künftiger Zahlungsverfahren" gespeichert werden dürfen. Dass die Computer von Easycash nichts mehr vergessen und so fast jeder erwachsende Deutsche zum gläsernen Kunden wird, erfährt er nicht.

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