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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitsplatzbeleuchtung - auf Tageslicht oder biologisch wirksame Beleuchtung setzen?

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Beleuchtung
Urheber: virtua73 | Fotolia

Von Friedhelm Kring ,

Der Einfluss des Lichts auf unsere Gesundheit, unser Leistungsvermögen und Wohlbefinden ist höher, als dies noch vor einigen Jahren vermutet wurde. Gleichzeitig kommen immer neue Beleuchtungstechnologien auf den Markt, die u. a. mit der Simulation von Tageslicht für sich werben. Oft ist dabei von biologischen Lichtwirkungen die Rede, die der Gesundheit dienen sollen. Was genau ist darunter zu verstehen und was sagen die Arbeitsschutzvorschriften dazu? Erfahren Sie dies im folgenden Beitrag.

 

Auch auf Gesundheits- und Arbeitsschutzmessen stößt man auf technisch ausgefeilte Beleuchtungslösungen, die als "biodynamisches Lichtmanagement" oder "biologisch wirksame Lichtgestaltung" beworben werden. Das klingt nach Gesundheit und Aktivität, könnte also ein neuer Anstoß für den betrieblichen Gesundheitsschutz sein.

Biologisch wirksames Licht für den betrieblichen Gesundheitsschutz?

Oft wollen die neuen Konzepte für die Beleuchtung von Arbeitsplätzen das natürliche Tageslicht nachbilden. Das künstliche Licht soll die Helligkeit, Farbe und Dynamik des natürlichen Lichts in seinem Tagesverlauf simulieren. Das Licht in einem Büro soll z. B. möglichst flächig und von oben auf einen Arbeitsplatz scheinen, so als ob man im Freien arbeiten würde.

Oder die Beleuchtung wechselt im Tageslauf vom Warmweiß zu einer kälteren Lichtfarbe. Laut den Anbietern sind die positiven Effekte solcher Lösungen auf die Gesundheit durch Studien belegt. Doch die Forschungsergebnisse zu den Wirkungen von biologischem Licht sind keineswegs eindeutig und gesicherte Erkenntnisse rar.

Die DIN SPEC 67600:2013-04 "Biologisch wirksame Beleuchtung" gibt Empfehlungen für den gezielten Einsatz biologischer Lichtwirkungen, z. B. für Büroräume oder Arbeitsplätze in der Fertigung. Eine DIN SPEC ist jedoch eine Vornorm, die nicht den Status einer Norm erreicht. Andere Akteure, u. a. die in Deutschland maßgebliche Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN), halten solche Empfehlungen für verfrüht.

Diese Lichtwirkungen sind belegt

Unbestritten unter Arbeitsmedizinern und anderen Fachleuten sind die folgenden Punkte:

  • Licht hat neben der Grundlage unseres Sehvorgangs auch nichtvisuelle Wirkungen.
  • Die Lichtverhältnisse sind mitbestimmend für unser Wohlbefinden. Jede Art von Licht ist biologisch wirksam und hat Auswirkungen auf unsere Physiologie und Psyche.
  • Licht steuert den Takt unserer inneren Uhr und regelt die Produktion von Hormonen.
  • Die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz beeinflussen die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.
  • Fehlendes Tageslicht wirkt sich auf die Psyche aus, ein Zuwenig an natürlichem Licht kann krank machen.

Dies klingt, als wäre die Beleuchtung ein einfacher "Schalter" für besonders gesunde Arbeitsbedingungen. 2 Aspekte erschweren jedoch einen gezielten Einsatz von Licht:

1. Licht ist nicht gleich Licht. Maßgeblich für Lichtwirkungen sind viele Faktoren wie die Lichtmenge, die spektrale Zusammensetzung des Lichts, die Verteilung von Licht und Schatten, Reflexionen u. a.

2. Mensch ist nicht gleich Mensch. Je nach persönlicher Vorliebe und Erfahrung kann ein bestimmtes Licht unterschiedliche Stimmungen hervorrufen. Auch gibt es kulturelle Präferenzen bei der Farbtemperatur. Menschen aus wärmeren Erdregionen bevorzugen kälteres Licht und umgekehrt. Langzeit-Tests mit LED-Leuchten an Büro-Arbeitsplätzen, deren Farbtemperatur die Mitarbeiter individuell einstellen konnten, bestätigen derartige Präferenzen. In den warmen Monaten zogen die Probanden das kaltweiße Licht dem wärmeren Farbton vor und umgekehrt.

Individuelle Präferenz bedeutet auch, dass es eine optimale Universalbeleuchtung für alle Mitarbeiter und Arbeitsplätze nicht geben kann. Daher werden bereits neue Technologien entwickelt, die jedem Beschäftigten sein eigenes, auf ihn optimal zugeschnittenes Lichtmilieu versprechen. Sensorik und Digitalisierung in "smarten" Gebäuden ermöglichen es, dass die Beleuchtungssteuerung automatisch erkennt, wer sich wo in einem Gebäude aufhält. Das Licht könnte sich dann individuell dem Mitarbeiter und seiner Tätigkeit anpassen.

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Das fordern die Regelwerke

Bis die Chancen und Risiken einer "biologisch wirksamen" Beleuchtung für den Gesundheitsschutz eindeutiger geklärt sind und diese Erkenntnisse in die Regelwerke einfließen, können Sie sich an die aktuellen Vorgaben halten. Die aktuelle Arbeitsstättenverordnung mit Stand November 2016 macht (noch) keine Aussagen zu künstlicher, biologisch wirksamer Beleuchtung. Sie äußert sich aber eindeutig zur Bedeutung von Tageslicht.

"Der Arbeitgeber darf als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben." (ArbStättV 3.4)

Neben der Forderung nach Tageslicht ist auch der "Blick aus dem Fenster" verpflichtend vorgeschrieben. Dies gilt nicht nur für Arbeitsräume, sondern auch für Pausen- und Bereitschaftsräume, Kantinen oder Unterkünfte. Das "möglichst" im zitierten Satz schwächt diese Pflicht jedoch etwas ab und deutet an, dass es auch Ausnahmen gibt.

Diese gelten z. B. für Bahnhöfe, Flughäfen, Einkaufszentren, Lagerhallen oder Tiefgaragen, wo eine Versorgung mit Tageslicht schwierig wäre. Auch Räume, in denen sich Mitarbeiter "nur kurzzeitig aufhalten müssen", wie Maschinenräume, Archive oder innenliegende Teeküchen gelten als Ausnahme von der Tageslicht- und Fensterpflicht. Dazu kommt ein Bestandsschutz, der so lange gilt, bis ein Gebäude erweitert oder umgebaut wird.

Deutlicher hinsichtlich der Alternative Tageslicht und tageslichtsimulierender künstlicher Beleuchtung wird die nachgeschaltete Technische Regel A3.4 zur Beleuchtung von Arbeitsstätten.

"Die Arbeitsstätten müssen möglichst ausreichend Tageslicht erhalten. (...) Tageslicht weist Gütemerkmale (z. B. die Dynamik, die Farbe, die Richtung, die Menge des Lichts) auf, die in ihrer Gesamtheit von künstlicher Beleuchtung nicht zu erreichen sind." (ASR A3.4, 4.1)

So sorgen Sie für eine gesundheitsgerechte Beleuchtung an Arbeitsplätzen

Es ist zu erwarten, dass Systeme mit künstlicher, biologisch wirksamer Beleuchtung auch für die Ausstattung von Arbeitsstätten an Bedeutung gewinnen. Sie tun gut daran, gerade bei der Neuplanung und Umrüstung nicht nur auf Energieeffizienz, sondern auch mögliche Gesundheitseffekte zu achten. Für neuere Beleuchtungskonzepte gilt jedoch wie für bereits bestehende Beleuchtungen:

  • Eine künstliche Beleuchtung bleibt die zweitbeste Lösung für Arbeitsplätze. Sie kann dem Tageslicht ähneln, dieses aber nicht ersetzen. Sorgen Sie wo immer dies möglich ist, für den Einfall von natürlichem Tageslicht.
  • Die Beleuchtungsstärke sollte mindestens die Anforderungen der ASR A 3.4 erfüllen.
  • Ihre Mitarbeiter sollten die Beleuchtung individuell einstellen können, z. B. wenn sie zu einer Aufgabe wechseln, die ein hohes Maß an Feinmotorik erfordert.
  • Bringen Sie Beleuchtungskörperso an, dass Blendeffekte, Spiegelungen und Reflexionen an glatten Oberflächen vermieden werden.
  • Achten Sie darauf, dass die Beleuchtung nicht flimmert und keine Brummtöne erzeugt.
  • Vermeiden Sie es, den circadianen Tat-Nacht-Rhythmus durch künstliche Beleuchtung mehr als unvermeidbar zu stören.
  • Ermöglichen Sie Sichtverbindungen ins Freie, wo immer dies machbar und zumutbar ist. Manchmal lassen sich auch ehemals verkleidete Wanddurchbrüche wieder öffnen und ein neues Fenster wertet den Arbeitsplatz auf.
  • Stimmen Sie Lichtplanungen mit Fachleuten ab, insbesondere bei speziellen Lichtlösungen (dynamisches Licht, biologisch wirksames Licht usw.) oder anspruchsvollen Bedingungen wie Schicht- und Nachtarbeit (s. Infokasten zu Lichtfarben).

Das sagen Arbeitsmediziner zu den Lichtfarben

Kaltes Licht gilt als günstiger zum Arbeiten. Es hat einen höheren Blau-Anteil, der das Hormon Melatonin unterdrückt und damit anregend wirkt. Daher ist kaltweißes Licht für den Abend eher weniger geeignet und kann sich negativ auf den Schlaf auswirken.

Auch in rollierenden Drei-Schicht-Systemen hat sich kaltweiße LED-Beleuchtung als ungünstig herausgestellt. Eine gut gemeinte "künstliche Tageslicht-Beleuchtung" kann bei Nachtschichten möglicherweise kurzfristig die Leistung steigern, sich aber langfristig negativ auf den Tag-Nacht-Rhythmus auswirken und ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Zwar sind gesundheitliche Langzeit-Auswirkungen von "falscher" künstlicher Beleuchtung noch zu wenig erforscht. Doch es zeichnet sich ab, dass man auf eine falsche Art und Weise beleuchten kann, auch wenn man die Vorgaben der ASR A3.4 formal einhält. So raten Arbeitsmediziner, während Nachtschichten eine zu helle Beleuchtung mit hohen Blauanteilen zu vermeiden.

Last, not least: Tageslicht kann aber auch ein Zuviel des Guten bedeuten. Laut der Arbeitsstättenverordnung müssen Ihre Mitarbeiter die Stärke des Tageslichteinfalls an ihrem Arbeitsplatz und je nach Art der Tätigkeit regulieren können. Dies dient im Sommer auch dazu, dem Aufheizen von Räumen durch Sonneneinstrahlung entgegenzuwirken, etwa durch Rollläden, Stores, Markisen usw.

 

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