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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitssicherheit: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

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Von Wolfram von Gagern,

Am Beispiel dieser Betriebsanweisung für das Arbeiten mit Motorkettensägen sehen Sie, wie Sie bei der Erstellung von Betriebsanweisungen entsprechend der oben vorgestellten Gliederung in 6 Schritten zum Ziel kommen (für Gefahrstoff-Betriebsanweisungen sind es 7 Schritte).

 

Betriebsanweisung für das Arbeiten mit Motorkettensägen

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Stand: tt.mm.jj

Nummer:

Betrieb:

Arbeitsbereich:

Betriebsanweisung für den Umgang mit Motorkettensägen

Gefahren für Mensch und Umwelt

  • Gefahr schwerer Schnittverletzungen im Bereich des Oberkörpers und des Kopfes durch Rückschlag sowie im Bein- und Fußbereich durch Abrutschen der Sägeschiene
  • Verletzungsgefahr durch herumfliegende Splitter und Späne
  • Gesundheitsgefahren durch Motorabgase
  • Gefahr der Gehörschädigung durch Lärm
  • Gesundheitsgefahren durch Vibration
  • Umweltgefährdung durch austretende Kraftstoffe und Öle

Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

  • Motorsägen dürfen nur von geschulten Motorsägenführern bedient werden.
  • Prüfen Sie die Säge vor jeder Benutzung auf Beschädigungen und Funktionssicherheit. Bei festgestellten Mängeln Motorsäge nicht benutzen und beim Gerätewart abliefern.
  • Motorsägearbeiten nur bei Anwesenheit einer 2. Person durchführen.
  • Bedienungsanleitung des Herstellers unbedingt beachten.
  • Schutzhelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, Schutzhandschuhe, Schnittschutzhose und Schutzschuhe mit Schnittschutz tragen.
  • Motorsägearbeiten nur bei sicherem Stand durchführen (z. B. Boden, Arbeitsplattform, Gerüst).
  • Gefahrbereich der Motorsäge (ausgestreckter Arm des Motorsägenführers + 2-fache Motorsägenlänge) von Personen freihalten.
  • Beim Starten der Motorsäge diese sicher abstützen und sicherstellen, dass die Kettenbremse festgestellt ist.
  • Mit einlaufender Kette schneiden und den Krallenanschlag benutzen, um Rückschlag zu verhindern.
  • Motorsäge nur beidhändig bedienen.
  • Rückschlagarme Schneidgarnituren verwenden.
  • Bei Spannung im Holz Zug- und Druckverhältnisse beachten.
  • Bei Arbeitsunterbrechungen und beim Transport Motor abstellen bzw. die Kettenbremse einlegen. Sägeschiene mit dem Transportschutz sichern.
  • Zum Betanken Sicherheitseinfüllstutzen verwenden und nicht rauchen.
  • Nur benzolfreie Sonderkraftstoffe verwenden.
  • Maschine nicht am Betankungsort starten.

Verhalten bei Störungen

  • Motor abstellen, Kettenbremse feststellen und Zündkerzenstecker ziehen.
  • Im Holz eingeklemmte Motorsäge nicht erneut starten.
  • Motorsäge nach Benutzung nicht auf leicht entflammbarem Material (Laub, Späne) ablegen.

Verhalten bei Unfällen/Erste Hilfe

  • Verletzten aus Gefahrenbereich retten und Erste Hilfe leisten.
  • Rettungswagen/Notarzt rufen: Tel. 112.
  • Vorgesetzten informieren.
  • Jede Verletzung ins Verbandbuch eintragen.

Instandhaltung

  • Nur Arbeiten durchführen, die laut Bedienungsanleitung vom Benutzer erledigt werden dürfen. Dabei Angaben in der Bedienungsanleitung genau beachten.
  • Regelmäßige Prüfung der Motorsäge durch Fachwerkstatt nach Herstellerangaben.

Datum: tt.mm.jj

Unterschrift des Vorgesetzten: …………………………

Nächste Überprüfung: tt.mm.jj
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1. Schritt: Legen Sie den Anwendungsbereich fest

Aus der Betriebsanweisung muss eindeutig hervorgehen, für welche Arbeitsbereiche sie gilt. In unserem Motorsägen-Beispiel muss das nicht näher bestimmt werden, denn diese Anweisung gilt für das Arbeiten mit Kettensägen generell. Manchmal ist es aber notwendig, den Geltungsbereich näher einzugrenzen: Bei Betriebsanweisungen für Gabelstapler etwa könnte es sinnvoll sein, wenn Sie getrennte Anweisungen für den Einsatz innerhalb von Gebäuden (Lagerhalle), auf dem Betriebsgelände und im öffentlichen Verkehrsraum erstellen.

Bei Gefahrstoffen könnte der Anwendungsbereich beispielsweise die Scheuer- und Wischdesinfektion in Patientenzimmern oder das Be- und Entladen einer Chemischreinigungsmaschine sein.

2. Schritt (nur bei Gefahrstoff-Betriebsanweisungen)

Nennen Sie hier den entsprechenden Stoff bzw. seine gefährlichen Inhaltsstoffe entsprechend den Angaben im Sicherheitsdatenblatt.

Beispiel: Bakit FL Kunstharz-Fertigparkettklebstoff – Gefährliche Inhaltsstoffe: Methylacetat, Ethylacetat, Ethanol.

3. Schritt: Gefahren für Mensch und Umwelt

Bei unseren Kettensägen liegt die Hauptgefahr in schweren Schnittverletzungen, aber auch vor Gefahren durch Lärm und Abgase müssen Sie hier warnen. Bei Leitern hingegen können sich vor allem Gefahren durch Abstürzen, bei Gefahrstoffen durch Vergiftungen beim Einatmen der Dämpfe oder durch Hautschäden bei Hautkontakt ergeben.

4. Schritt: Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

Hier müssen Sie folgende Punkte ansprechen:

  • Technische Schutzmaßnahmen: Bei der Kettensäge ist das z. B. die Anweisung, zum Betanken den Sicherheitseinfüllstutzen zu verwenden. Bei Schleifmaschinen müssten Sie etwa darauf hinweisen, immer die Schutzabdeckung der Schleifscheibe zu benutzen.
  • Organisatorische Schutzmaßnahmen: Dazu gehört in unserem Beispiel die Anweisung, mit der Säge nur in Anwesenheit einer 2. Person zu arbeiten. Beim Umgang mit Gefahrstoffen könnte die Betriebsanweisung z. B. das Verbot enthalten, am Arbeitsplatz zu essen, zu trinken oder zu rauchen.
  • Persönliche Schutzmaßnahmen: Hierunter fallen vor allem Körperschutzmittel bzw. Persönliche Schutzausrüstungen wie Schutzkleidung, Helm, Atemschutzmasken, aber auch Hautschutzmittel wie z. B. Cremes. Ggf. müssen Sie neben der genauen Bezeichnung der Schutzausrüstung auch präzise angeben, bei welchen Tätigkeiten sie zu benutzen ist!

5. Schritt: Verhalten bei Störungen/Verhalten im Gefahrfall

Was tun Sie, wenn die Motorsäge – oder ein anderes Arbeitsmittel – beschädigt ist? Diese Frage beantworten Sie unter dem Punkt „Verhalten bei Störungen“. Bei einem Gabelstapler kann das eine defekte Bremse sein, bei einer Leiter eine beschädigte Sprosse. In diesem Abschnitt sollten Sie in der Regel angeben, dass das beschädigte Arbeitsmittel nicht weiter benutzt werden darf und an wen es zu melden ist.

Bei Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe heißt dieser Abschnitt statt „Verhalten bei Störungen“ in der Regel „Verhalten im Gefahrfall“. Das kann z. B. austretendes Gas bei einer Leckage oder das Verschütten einer gefährlichen Flüssigkeit sein. Hier beschreiben Sie die Schutzmaßnahmen entsprechend den Angaben im Sicherheitsdatenblatt, die Sie ggf. um Ihre betriebsspezifischen Regelungen ergänzen (z. B. wer zu benachrichtigen ist).

6. Schritt: Verhalten bei Unfällen / Erste Hilfe

Geben Sie nur die Erste-Hilfe-Maßnahmen an, die der „Mann vor Ort“ (bzw. sein Kollege) schnell leisten kann und leisten muss, z. B. die Sicherung der Unfallstelle und die Alarmierung des Ersthelfers oder des Notarztes. Bei Gefahrstoff-Betriebsanweisungen müssen Sie auch Maßnahmen nennen, die der Betroffene (oder sein Kollege) selbst ohne fachmännische Hilfe durchführen kann, z. B. die Benutzung der Augendusche oder das Öffnen der Fenster, um Frischluft zuzuführen.

7. Schritt: Sachgerechte Entsorgung

Hier geben Sie an, wie Betriebsstoffe (z. B. Kühlschmierstoffe), Abfälle oder Gefahrstoffe unschädlich zu beseitigen sind bzw. wo im Betrieb sie zur fachgerechten Entsorgung abgegeben werden.

TIPP: Weitere Hinweise und Hilfestellungen zu Betriebsanweisungen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen enthalten die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 555 „Betriebsanweisung und Unterweisung“, für Tätigkeiten mit Biostoffen die Berufsgenossenschaftliche Information (BGI) 853 „Betriebsanweisungen nach der Biostoffverordnung“.

Daran müssen Sie noch denken

Die Betriebsanweisung muss von Ihnen so bekannt gemacht werden, dass der Arbeitnehmer sie auch wirklich zur Kenntnis nehmen kann. Stellen Sie eine neue Betriebsanweisung deshalb am besten gleich im Rahmen einer Unterweisung vor und hängen Sie sie sichtbar am jeweiligen Einsatzort der Maschine, der Gefahrstofftätigkeit usw. aus!

Auch in Sachen Aktualität der Betriebsanweisung müssen Sie ein wachsames Auge haben

Das Gesetz verlangt nämlich, dass Sie die im Unternehmen geltenden Betriebsanweisungen „bei jeder maßgeblichen Veränderung“ der Arbeitsbedingungen aktualisieren.

Beispiel: Bislang wurden die in der Produktion erzeugten Stahlmanschetten von den Arbeitnehmern im letzten Arbeitsgang in einem Laugenbad von Hand gereinigt. Dieser Vorgang erfolgt nun vollautomatisch.

Die Arbeitnehmer kommen dadurch nicht mehr direkt mit dem Laugenbad in Berührung. Wohl aber müssen die mit dem Einsatz der neuen Maschine betrauten Arbeitnehmer alle 4Wochen die Laugenbehälter sachgerecht entleeren, reinigen, neu befüllen und wieder in der automatischen Reinigungsanlage installieren.

Folge: Obwohl der Gefahrstoff derselbe geblieben ist, müssen Sie bzw. der Arbeitgeber eine neue Betriebsanweisung erstellen, da hier eine „maßgebliche Veränderung“ der Arbeitsdingungen vorliegt.

Wenn Sie diese Punkte beherzigen, wird Ihr Unternehmen in Sachen Betriebsanweisungen stets auf der rechtssicheren Seite sein!

 

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