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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitsstättenverordnung: Richtige Bodenbeläge wählen

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Von Wolfram von Gagern,

Nahezu jeder 5. Arbeitsunfall in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland wird durch Stolpern, Rutschen und Stürzen verursacht.

Damit liegen die so genannten SRS-Unfälle – mit über 1.000 Unfällen am Tag – seit Jahren an der Spitze des Unfallgeschehens. Mehr als 6.000 dieser Unfälle führen jährlich zu derart schweren Verletzungen der Betroffenen, dass sie eine Unfallrente erhalten. Die Ursache für diese folgenschweren Ereignisse bilden oft glatte, verschmutzte oder nasse Fußböden. Leider sind sie in manchen Arbeitsbereichen unvermeidbar: etwa in Küchen, in Schlachtbetrieben, in Gärtnereien und in Metallwerkstätten mit übermäßiger Öl-Schmiermittelbelastung.

Lesen Sie hier, wie Sie in Arbeitsbereichen mit erhöhten Rutschgefahren durch die richtige Auswahl rutschhemmender Bodenbeläge – auch für die Auftrittsflächen von Treppen – Prellungen, Knochenbrüche und schlimmere Verletzungen verhindern.

Das verlangen die Vorschriften

Arbeits- und Verkehrsbereiche müssen nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) so beschaffen sein, dass sie ein sicheres Arbeiten ermöglichen. Für Fußböden gilt dabei: Sie dürfen keine Stolperstellen haben, müssen eben und rutschhemmend ausgeführt sein und sich noch dazu leicht reinigen lassen (Anhang 1.5 ArbStättV). Auch Außenbereiche müssen bei jeder Witterung sicher begehbar sein. Diese Anforderungen sollten Sie als Sicherheitsfachkraft schon bei der Planung der Fußbodengestaltung und der Auswahl des Fußbodenbelags im Auge behalten, denn Nachbesserungen, z. B. durch chemische Nachbehandlung der Böden, sind teuer und aufwendig!

Bewerten Sie die Rutschgefahr

In vielen Arbeitsstätten können sich Beschäftigte und Besucher sicher be - wegen, ohne mit besonderen Rutschgefahren rechnen zu müssen. Beispiele: Ein Bürogebäude (abgesehen vielleicht von den Eingangsbereichen, wo bei schlechtem Wetter Nässe und sogar Schneereste mit hineingeschleppt werden könnten), eine Bibliothek oder ein Lager für Elektromontageteile. In nicht minder vielen anderen Bereichen ist es um die Rutschsicherheit jedoch nicht so gut bestellt: Das wird in der Regel der Fall sein, wenn produktions- oder arbeitsbedingt gleitfördernde Stoffe wie etwa Fette oder Öl(filme), Wasser, Pflanzenabfälle oder Speisereste auf den Fußboden gelangen und ihn umso rutschiger machen.

Achtung: Das Zusammenwirken verschiedener gleitfördernder Stoffe, z. B. Fett und Wasser, erhöht das Gefährungpotenzial. Bewerten Sie darum zunächst das Ausmaß der Rutschgefahr, bevor Sie sich für eine bestimmte Fußbodenart entscheiden. Dabei müssen Sie prüfen, ob und durch welche gleitfördernden Stoffe in Ihrem Betrieb (oder in bestimmten Betriebsbereichen) möglicherweise eine erhöhte Rutschgefahr vorliegt.

Legen Sie zur Bewertung der Rutschgefahr vor allem folgende Kriterien zu Grunde:

• Häufigkeit des Auftretens gleitfördernder Stoffe auf dem Boden und deren Verteilung,

• Art und Eigenschaft der gleitfördernden Stoffe,

• der durchschnittliche Grad, z. B. die Menge des Stoffs, der Verunreinigung des Fußbodens durch diese Stoffe, • bauliche Verhältnisse, z. B. abschüssige Flure oder Rampen.

Von Bedeutung für die Bewertung der Rutschgefahr sind auch die

• Größe des Arbeitsraums oder -bereichs: Räumliche Enge erhöht die Gefahren!

• Art und Anzahl der Geräte, Einrichtungen und Maschinen: Kann man z. B. durch Ausrutschen mit bewegten Maschinenteilen oder heißen Oberflächen in Berührung kommen?

• Verkehrswegführung: Bewegen sich Fußgänger und Flurförderzeuge gleichzeitig in einem engen Gang? Sind Sie aufgrund Ihrer Überlegungen zu dem Ergebnis gelangt, dass in Ihrem Betrieb mit Rutschgefahren zu rechnen ist, müssen Sie rutschhemmende Bodenbeläge verwenden.

R-Wert und V-Wert: Maßzahlen für die Rutschhemmung

Dazu steht Ihnen prinzipiell eine breite Palette unterschiedlicher Materialien zur Verfügung, aus denen Sie – je nach den sonstigen betrieblichen Anforderungen, die z. B. von der Nutzung der Betriebsräume abhängen – wählen können. Es gibt feinraue, raue oder profilierte Bodenbeläge, wie etwa keramische Fliesen, Natur- oder Betonwerksteinplatten, Bodenbeläge aus Holz, Estriche aus mineralischen Bestandteilen, Kunstharzbeschichtungen, Kunststoffroste, Glasplatten, Metallroste und -bleche, elastische Bodenbeläge sowie gegen ein Verschieben gesicherte Matten. Achten Sie bei der Auswahl allerdings immer auf den angemessenen „RWert“ für den Grad der Rutschhemmung an. Dabei gibt es 5 Bewertungsgruppen, von R9 mit der geringsten bis R13 mit der höchsten Rutschhemmung (die genaue Ermittlung dieses Werts richtet sich nach der DIN 51130 „Prüfung von Bodenbelägen – Bestimmung der rutschhemmenden Eigenschaft – Arbeitsräume und Arbeitsbereiche mit Rutschgefahr“).

Als weitere Kennzahl müssen Sie in bestimmten Fällen auch noch den sogenannten „V-Wert“ (Maßzahl für den Verdrängungsraum ) in Betracht ziehen. Der Verdrängungsraum eines Bodenbelags (der offene Hohlraum unterhalb der Gehebene, z. B. unter- halb eines Gitterrostes) ist vergleichbar mit dem Profil einer Schuhsohle oder eines Reifens. Es handelt sich dabei um gleichmäßig angeordnete Profilierungen oder Vertiefungen im Bodenbelag, in die gleitfördernde Substanzen (z. B. Wasser, Öl) von der Oberfläche des Bodens abfließen. Ein Bodenbelag darf mit dem Kennzeichen „V“ für Verdrängungsraum gekennzeichnet werden, wenn das Volumen des Verdrängungsraums das Maß von 4 cm 3 /dm 2 überschreitet. In der Regel erfordern Bodenbeläge in Arbeitsräumen und -bereichen mit hoher Rutschgefahr, hervorgerufen durch große Mengen gleitfördernder Stoffe (etwa regelmäßig anfallende Fleisch-, Gemüse-, Obst- und Fettteile in Lebensmittelbetrieben), auch größere Verdrängungsräume.

Beispiele für Fußbodenbeläge unterschiedlicher Rutschhemmung

Eine Liste mit Bodenbelägen für zahlreiche typische Arbeitsbereiche mit Rutschgefährdung und ihren jeweils erforderlichen R- und V-Werten enthält die Berufgenossenschaftliche Regel „Fußböden in Arbeitsräumen und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr“ (BGR 181). Geben Sie Ihrem Lieferanten bzw. Verlegebetrieb bei der Bestellung von Bodenbelägen diesen Wert an, um sicherzustellen, dass Ihre Bodenbeläge eine ausreichende Rutschhemmung aufweisen.

Achtung: Diese Werte sind nur Richtwerte! Je nach Ihrer Bewertung der Rutschgefahr können sich im Einzelfall höhere oder niedrigere Anforderungen ergeben. .

TIPP: Beim Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz (BGIA) können Sie eine „Geprüfte Bodenbeläge-Positivliste“ bekommen, die regelmäßig aktualisiert wird (Tel.: 02241 231- 2721, Fax: 02241 231-2234). Darüber hinaus erteilen die Hersteller Auskünfte über die Zuordnung ihrer Bodenbeläge zu den einzelnen Bewertungsgruppen.


So sichern Sie die Übergange

Besonderes Augenmerk sollten Sie auch den Übergängen zwischen Flächen mit unterschiedlichen Bodenbelägen widmen, denn hier treten bei stark unterschiedlicher Rutschhemmung Sturzunfälle vermehrt auf. Wenn in benachbarten Arbeitsbereichen Bodenbeläge unterschiedlicher Rutschhemmung verlegt werden sol- len, achten Sie darauf, dass diese jeweils benachbarte R-Werte aufweisen, also z. B. R 10 und R 11 oder R 11 und R 12. Benachbarte Arbeitsbereiche mit unterschiedlicher Rutschgefahr, in denen die Beschäftigten wechselweise tätig sind, sollten einheitlich mit dem Bodenbelag der jeweils höheren R-Gruppe ausgestattet sein.

Sonderfall Barfußbereiche

Bei Bodenbelägen für Nassbereiche, die barfuß begangen werden (etwa in Bädern, Krankenhäusern sowie Umkleide-, Wasch- und Duschräumen), müssen Sie andere Anforderungen einhalten. Sie sind in der GUV-I (Informationen der Unfallversicherungsverbände der öffentlichen Arbeitgeber) 8527 „Bodenbeläge für nass belastete Barfußbereiche“ nachzugelesen. Werden Arbeitsbereiche wechselweise barfuß und mit Schuhen begangen, müssen Sie beide Regelwerke – die GUV-I 8527 und die BGR 181 – berücksichtigen.

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