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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitsstättenverordnung:Arbeitsmedizinische Vorsorge organisieren

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Arbeitssicherheit Arbeitsstättenverordnung

Von Wolfram von Gagern,

Sie haben die Pflicht, Maßnahmen zur Sicherheit und zum Schutz der Gesundheit Ihrer Kollegen zu treffen.

Sobald Sie in Ihrem Betrieb Gefahrstoffe verwenden, ist die arbeitsmedizinische Vorsorge zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren unverzichtbar. Die Gefahrstoffverordnung verlangt von Ihnen, dass Sie eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Aber was ist angemessen? Sie können in 5 Schritten die Gefährdung beurteilen und nötige Vorsorgemaßnahmen festlegen.

Arbeitsstättenverordnung: Belastung überprüfen

1. Schritt: Beurteilen Sie, ob eine Gefahrstoffbelastung Ihrer Mitarbeiter besteht.

Grundlage für das Erkennen von Gefahren in Ihrem Betrieb ist die Gefährdungsbeurteilung. Durch das systematische Erfassen von Gefährdungen, wie z. B. Lärm, Staub, Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, stellen Sie fest, welchen gesundheitlichen Gefahren Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

So gehen Sie vor:

  1. Ermitteln Sie im Rahmen einer Begehung oder durch Gespräche mit Ihren Kollegen, welche Tätigkeiten durchgeführt werden.
  2. Anhand des Gefahrstoffetiketts, der Sicherheitsdatenblätter und der Angaben im Gefahrstoffverzeichnis erfahren Sie auch, welche Chemikalien verwendet werden.
  3. Prüfen Sie, ob einer oder mehrere der in Tabelle 1 (s. S. 5) aufgeführten Gefahrstoffe zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für Tätigkeiten, die in Tabelle 2 aufgelistet sind.

2. Schritt: Beauftragen Sie einen qualifizierten Arzt

Wenn Sie oder Ihre Kollegen mit gefährlichen Substanzen arbeiten oder solche Tätigkeitn ausüben, haben Sie arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anzubieten oder zu veranlassen. Diese Untersuchungen dürfen ausschließlich von Ärzten durchgeführt werden, die nach Gefahrstoffverordnung qualifiziert sind. Der „Facharzt für Arbeitsmedizin“ oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ ist geeignet. Wichtig: Lassen Sie sich die Qualifikation vom behandelnden Arzt nachweisen.

Arbeitsstättenverordnung: Betriebsarzt beteiligen

3. Schritt: Beteiligen Sie den Betriebsarzt an der Gefährdungsbeurteilung

Sobald Sie feststellen, dass Sie arbeitsmedizinische Fachkenntnisse zur Beurteilung der Gesundheitsgefährdung durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz benötigen, sollten Sie den Betriebsarzt hinzuziehen. Die Gefahrstoffverordnung verlangt von Ihnen, dass Sie bei Durchführung der Gefährdungsbeurteilung sowohl die Arbeitsplatzgrenzwerte als auch die biologischen Grenzwerte berücksichtigen. Anlässlich der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung ermittelt der Arzt aus dem biologischen Material (z. B. Blut, Urin) Ihrer Mitarbeiter die biologischen Grenzwerte. Diese Art der Untersuchung bezeichnet man auch als Biomonitoring. Die so ermittelten Laborwerte werden mit den zulässigen Grenzwerten in der TRGS 903 „biologische Grenzwerte“ verglichen. Bei Einhaltung des biologischen Grenzwerts wird im Allgemeinen die Gesundheit Ihrer Kollegen nicht beeinträchtigt.

Wichtig: Soweit anerkannte Verfahren für das Biomonitoring verfügbar sind und darüber hinaus Werte zur Beurteilung, wie biologische Grenzwerte, vorhanden sind, ist das Biomonitoring verpflichtender Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach der Gefahrstoffverordnung.

4. Schritt: Beraten Sie Ihre Mitarbeiter über Gesundheitsgefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz

Sie müssen sicherstellen, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, beraten werden. Diese „allgemeine arbeitsmedizinisch- toxikologische Beratung“ soll auf die besonderen Gesundheitsgefährdungen bei Tätigkeiten mit bestimmten Gefahrstoffen hinweisen. Zusätzlich müssen Sie die Kollegen über die Möglichkeit der Teilnahme an arbeitsmedizinischen Angebotsuntersuchungen nach der Gefahrstoffverordnung informieren.

Tipp: Die allgemeine arbeitsmedizinischtoxikologische Beratung darf von Ihnen als Fachkraft für Arbeitssicherheit oder einer anderen hierzu beauftragten Person durchgeführt werden. Hinweise zu Gesundheitsgefährdungen durch Gefahrstoffe können Sie beispielsweise den Sicherheitsdatenblättern entnehmen oder beim Hersteller erfragen.

Wichtig: Diese Beratung soll im Rahmen der arbeitsplatzbezogenen Unterweisung vor Aufnahme der Beschäftigung und danach mindestens jährlich durchgeführt werden. Natürlich können Ihre Kollegen während der Beratung auch arbeitsmedizinische Fragen stellen. Sofern Sie oder eine andere beratende Person aufgrund mangelnder medizinischer Kenntnisse diese Fragen nicht beantworten können, müssen Sie den beauftragten Arzt hinzuziehen.

5. Schritt: Veranlassen oder bieten Sie Ihren Kollegen Untersuchungen an

Das aktuelle Konzept der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach der Gefahrstoffverordnung unterscheidet zwischen so genannten Pflicht- und Angebotsuntersuchungen, die Sie Ihren Kollegen anbieten müssen. Hierbei geht es um Erstuntersuchungen vor Aufnahme der gefährdenden Tätigkeit, regelmäßige Nachuntersuchungen während und nach Beendigung der Tätigkeit. Das sind die Merkmale der Pflichtuntersuchung: Diese Untersuchung

  • ist eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung, die Sie regelmäßig in den vom untersuchenden Arzt vorgegebenen Zeitabständen veranlassen müssen;
  • muss bei bestimmten Gefahrstoffbelastungen bzw. Tätigkeiten, die in den nebenstehenden Tabellen genannt sind, durchgeführt werden;
  • ist Voraussetzung dafür, dass Mitarbeiter mit bestimmten Tätigkeiten beschäftigt oder weiterbeschäftigt werden dürfen;
  • ist verbunden mit der Weitergabe des ärztlichen Untersuchungsergebnisses, ob und inwieweit gegen die Ausübung derTätigkeit gesundheitliche Bedenken bestehen, und zwar sowohl an den Beschäftigten als auch an den Arbeitgeber.

Das sind die Merkmale der Angebotsuntersuchung: Diese Untersuchung

  • ist eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung, die Sie als Arbeitgeber den Mitarbeitern bei bestimmten Gefahrstoffbelastungen bzw. Tätigkeiten anbieten müssen;
  • ist für Ihre Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich freiwilliger Natur;
  • ist verbunden mit der Weitergabe des ärztlichen Untersuchungsergebnisses ausschließlich an den untersuchten Mitarbeiter. Es wird mitgeteilt, in wie – weit gegen die Ausübung der Tätigkeit gesundheitliche Bedenken bestehen.

Arbeitsstättenverordnung: Konsequenzen ziehen

6. Schritt: Ziehen Sie Konsequenzen aus den Untersuchungen

Sobald Sie erfahren, dass der untersuchende Arzt bei einem Kollegen aufgrund der Arbeitsplatzbedingungen gesundheitliche Bedenken gegen die weitere Ausübung der Tätigkeit hat, müssen Sie unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen. Das bedeutet für Sie: Prüfen Sie, ob Ihrem Kollegen eine andere Aufgabe übertragen werden kann, bei der keine Gefährdung durch eine weitere Exposition durch Gefahrstoffe besteht.

Wichtig: Informieren Sie auch Ihren Arbeitgeber, den Betriebs- oder Personalrat sowie die zuständige Behörde über die vom Arzt mitgeteilten gesundheitlichen Bedenken und die getroffenen Maßnahmen. Versäumen Sie es nicht, auch für die neu zugewiesene Tätigkeit eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Wichtig für Sie: Schreiben Sie genau auf, welche Tätigkeiten von wem durchgeführt werden. Diese Dokumentation müssen Sie unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten und vor Aufnahme der Tätigkeit mit Gefahrstoffen dokumentieren und stets auf dem neuesten Stand halten.

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