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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitstättenverordnung: Sichere Arbeitsstätten

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Von Wolfram von Gagern,

Die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen an Arbeitsstätten und Arbeitsplätze sind vor allem in der Arbeitsstättenverordnung geregelt.

Von den Festlegungen der Arbeitsstättenverordnung sind nur wenige besondere Arbeitsplätze ausgenommen, z. B. Tätigkeiten im Reisegewerbe und auf Feldern von landwirtschaftlichen Betrieben, die außerhalb ihrer bebauten Fläche liegen. Arbeitsstätten sind Orte in einem Gebäude oder im Freien in- und außerhalb des Betriebs (Baustellen!), die zur Nutzung als Arbeitsplätze vorgesehen sind, also etwa Fabrikhallen und Büros. Arbeitsplätze sind Orte, an denen sich Beschäftigte regelmäßig über einen längeren Zeitraum oder im Verlauf der täglichen Arbeitszeit nicht nur kurzfristig aufhalten müssen – darunter fällt z. B. auch das Dach, das gerade vom Dachdecker repariert wird, oder die Kabine eines Kranführers. Zur Arbeitsstätte gehören auch:

  • Verkehrswege, Fluchtwege und Notausgänge
  • Lager-,Maschinen- und Nebenräume
  • Umkleide-,Wasch- und Toilettenräume
  • Pausen- und Bereitschaftsräume
  • Erste-Hilfe-Räume
  • Unterkünfte

Arbeitsstätten sind so zu errichten (bzw. einzurichten) und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die Beschäftigten ausgehen. Wenn Sie in Ihrem Betrieb Behinderte beschäftigen, müssen Sie besonders darauf achten, dass diese Anforderung auch für sie erfüllt ist. Sie müssen also die Flucht- und Rettungswege so gestalten, dass sich auch Rollstuhlfahrer über sie in Sicherheit bringen können und nicht etwa an unüberwindbaren Stufen scheitern.

Das bedeutet für Sie: Veranlassen Sie Ihren Chef dazu, dass Sie als Sicherheitsfachkraft frühzeitig eingebunden werden, wenn Ihr Betrieb neue Betriebsteile und Arbeitsstätten plant, und stellen Sie sicher, dass die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung erfüllt werden. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen

  • für das Errichten und
  • für das Betreiben, also die fortdauernde Nutzung, von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen kurz zusammengefasst.

Diese Anforderungen müssen Sie beim Errichten von Arbeitsstätten berücksichtigen (§ 3 Arbeitstättenverordnung)

Errichten und Einrichten umfassen insbesondere

  1. bauliche Maßnahmen oder Veränderungen: Dies betrifft z. B. die ausreichende Größe und Höhe von Arbeitsräumen einschließlich Pausen- und Sanitärräumen, die Fensterflächen und die Lärmdämmung;
  2. die Installation ausreichender Beleuchtungs-, Lüftungs-, Heizungs- und Brandschutzeinrichtungen;
  3. die Gestaltung und Kennzeichnung von Verkehrs- und Fluchtwegen sowie die Kennzeichnen von Gefahrenstellen, Feuerlösch- und Erste-Hilfe-Ausrüstungen: Dazu gehört auch ein Flucht- und Rettungsplan;
  4. das Festlegen von Arbeitsplätzen: Sie müssen u. a. ohne Gefährdung zugänglich sein, also z. B. bei häufiger Benutzung über Treppen statt über Leitern. Außerdem müssen Arbeitsplätze so angeordnet sein, dass sich die Beschäftigten an benachbarten Arbeitsplätzen (etwa in einem Schlachthof) nicht gegenseitig in Gefahr bringen. Die Novellierung der Arbeitstättenverordnung im Jahr 2004 hat Ihnen hierzu neue Freiheiten beschert. Denn in der alten Verordnung und den dazu erlassenen Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) waren fast alle Anforderungen an Arbeitsstätten unmissverständlich festgelegt: von der Größe der Fensterflächen über die Breite der Verkehrswege bis zur Temperatur in den Sanitärräumen. Jetzt werden stattdessen „ausreichend Tageslicht“, „gesundheitlich zuträgliche Temperaturen“ usw. verlangt – Formulierungen, die vielen Arbeitgebern und Sicherheitsfachkräften Rätsel aufgeben.

Der Vorteil für Sie jedoch ist: Es liegt jetzt mehr in Ihrem eigenen Entscheidungsspielraum, wie Sie die Schutzziele konkret erreichen. Gehen Sie dabei immer von einer Gefährdungsbeurteilung, dem Grundprinzip des Arbeitsschutzes, aus und treffen Sie je nach den Ergebnissen entsprechende Maßnahmen.

Achtung: Bei bestimmten Anforderungen, z. B. zu Fenstern, müssen Sie zusätzlich zur Arbeitstättenverordnung die Bauordnungen er Länder einhalten.

Diese Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung müssen Sie bei der weiteren Nutzung von Arbeitsstätten einhalten

Sorgen Sie dafür, dass die Arbeitsstätte während ihrer gesamten Nutzungsdauer instand gehalten wird, und stellen Sie sicher, dass Gefahrenquellen – z. B. eine Ölpfütze, in der jemand ausrutschen könnte – umgehend beseitigt werden. Zur Instandhaltung gehören auch

  • die regelmäßige fachgerechte Reinigung der Arbeitsstätte (§ 4 Arbeitstättenverordnung).
  • die regelmäßige Prüfung und ggf. Wartung aller Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung oder Beseitigung von Gefahren, wie Sicherheitsbeleuchtungen, Feuerlöscher, Signalanlagen usw. (§ 4 Arbeitstättenverordnung).
  • die Instandhaltung der Verkehrswege, Fluchtwege und Notausgänge: Notausgänge dürfen nicht durch abgestellte Gegenstände blockiert werden, Treppen nicht durch beschädigte Stufen gefährliche Stolperfallen darstellen, Notausgänge müssen sich leicht öffnen lassen (§ 4 Arbeitstättenverordnung).

Schutz von Nichtrauchern vor ihren rauchenden Kollegen jetzt in Arbeitsstättenverordnung geregelt

In der Neufassung der Arbeitstättenverordnung wurde auch der Nichtraucherschutz ausdrücklich festgeschrieben: Danach hat jeder Beschäftigte das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Ausnahmen hiervon gibt es nur für bestimmte Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr, z. B. Gaststätten. Ergreifen Sie deshalb geeignete Maßnahmen, damit die Interessen der Nichtraucher eingehalten werden. In Betracht kommen hierzu unterschiedliche Lösungen wie getrennte Arbeitsräume für Raucher und Nichtraucher, die Einrichtung spezieller Raucherzonen, das Rauchverbot in Kantinen und Besprechungsräumen usw.

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