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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Denken Sie beim Thema Arbeitssicherheit auch an ältere Kollegen

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Arbeitsstaettenverordnung Arbeitssicherheit

Von Wolfram von Gagern,

Sieht man sich die Zahl der Langzeiterkrankten oder häufig Kurzerkrankten in Unternehmen an, dann wird eines schnell klar: Betroffen sind hier vor allen Dingen die älteren Kollegen.

Grund genug für Sie als Betriebsrat einzugreifen. Sie können das auch, denn nach §§ 87 Abs. 1 Nr. 7, 89 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) ist es Ihre Aufgabe als Betriebsrat, sich dafür einzusetzen, dass alle arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen im Betrieb eingehalten und Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten vermieden werden. Dazu gehört auch der Schutz besonderer Personengruppen - und hierzu zählen Ältere wegen ihrer stärkeren Anfälligkeit auch. Besonders wichtig für Ihre Arbeit ist aber § 80 Abs. 1 Nr. 4 und 6 BetrVG, denn danach haben Sie explizit die Beschäftigung Älterer im Betrieb zu fördern. Förderung heißt auch, Gesundheitsgefahren im Rahmen der täglichen Arbeit auszuschalten.

Arbeitssicherheit: Das können Sie präventiv für Ältere tun

Sie haben bezüglich des Arbeitsschutzes älterer Kollegen ein Mitwirkungsrecht. Leider hat Ihnen das BetrVG hier keine konkreten Handlungsrechte an die Hand gegeben. Um Ihre älteren Kollegen adäquat zu schützen, empfehle ich Ihnen die folgende Vorgehensweise:

1. Hauptbelastungen finden. Wo liegt in Ihrem Betrieb eine besondere Stressbelastung für ältere Kollegen? Denken Sie an mehrjährige Schichtarbeit, die Anhäufung von Überstunden … Arbeiten Sie hier mit dem Betriebsarzt (wenn vorhanden) zusammen. Zudem muss Ihnen Ihr Arbeitgeber nach § 80 Abs. 1 Satz 1 und 2 BetrVG auf Verlangen alle notwendigen Unterlagen (etwa über die Krankheitsrate der älteren Mitarbeiter) vorlegen, die Sie zur Wahrnehmung Ihrer Pflicht aus § 80 BetrVG brauchen.

2. Geben Sie neue Impulse. Ihr Arbeitgeber wird auch die älteren Kollegen mit der persönlichen Schutzausrüstung ausstatten und auch ihnen einen Freizeitausgleich gewähren. Aber ab einem gewissen Alter reicht das oft nicht mehr. Nach 30 oder mehr Jahren körperlicher Arbeit ist so mancher einfach abgearbeitet. Hier muss es dann etwas mehr sein, wie z. B. Übungen für den Rücken.

Tipp: Ihr Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmern Rückenschulen sogar steuerbegünstigt zukommen lassen (Jahressteuergesetz 2009)! Geben Sie dies an ihn weiter - er tut seinen Arbeitnehmern etwas Gutes und kann sogar noch sparen! Denken Sie hier aber nicht nur an die Arbeiter, sondern auch an Ihre Schreibtischtäter. Das Herz eines 50-Jährigen steckt Stress nicht mehr so einfach weg wie das eines 20-Jährigen. Auch hier können Entspannungsübungen helfen. Oder wie wäre es mit einem gleitenden Übergang in den Ruhestand über die Altersteilzeit?

3. Neue Arbeitsformen braucht das Land. Sie bewegen sich hier in einem schwierigen Bereich. Denn bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und ein älterer Mitarbeiter nicht wirklich erkrankt ist, haben Sie wenig in der Hand. Machen Sie Ihre Aktivität Ihrem Arbeitgeber deswegen schmackhaft. Sagen Sie ihm ganz klar, dass er sparen kann, wenn er Ihren Vorschlägen folgt: Ältere bleiben länger fit und deswegen als Wissens- und Leistungsträger auch länger erhalten. Sie werden seltener krank, das spart die Entgeltfortzahlung. Wie er das erreichen kann? Etwa durch eine gesundheitsförderliche Arbeitsorganisation, wie z. B. Teamarbeit oder Job-Rotation, Teilzeit oder Heimarbeit. Bei diesen Arbeitsformen sind Ihre Kollegen nicht kontinuierlich in Stressphasen, sondern eben auch mal in Ruhephasen. Dies kann vor allem Berufsgruppen mit körperlich besonders belastenden Tätigkeiten helfen, wie z. B. Im Bau- oder Transportgewerbe.

4. Schalten Sie Fehlerquellen aus. Ältere werden oft vernachlässigt. Der Junge wird gelobt, beim Älteren ist die gute Leistung selbstverständlich. Schade, denn die Erfahrung zeigt, dass es sich besonders positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn Mitarbeiter sich geschätzt fühlen.

Tipp: Sie werden Ihren Arbeitgeber zum Handeln auffordern, und er wird abwinken. Aber Sie haben einen Trumpf im Ärmel: das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Ihr Arbeitgeber muss Ältere gleich behandeln. Tut er das ohne sachlichen Grund nicht, blüht ihm Schadensersatz!

Arbeitssicherheit: So holen Sie Ältere zurück an den Arbeitsplatz

Ist es so weit gekommen, dass ein älterer Kollege „dauerkrank“ wird, ist trotzdem noch nicht alles verloren. Denn nach § 84 Abs. 2 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) sind alle Arbeitgeber zum Eingliederungsmanagement verpflichtet, das heißt zur Rückführung des erkrankten Arbeitnehmers ins Arbeitsleben. Und zwar dann, wenn ein Arbeitnehmer länger als 6 Wochen ununterbrochen oder wiederholt innerhalb eines Jahres arbeitsunfähig ist.

Wichtig: Die Regelung zum BEM findet sich im SGB IX – dem Recht der schwerbehinderten Menschen. Ihr Arbeitgeber muss es aber bezüglich jedes Arbeitnehmers durchführen, ob schwerbehindert oder nicht. Außerdem besteht die Pflicht ganz unabhängig von der Betriebsgröße. Und das Beste: Sie sind zu beteiligen, das verlangen §§ 84 Abs. 2 und 93 SGB IX ausdrücklich. Und so gehen Sie am besten vor:

Arbeitssicherheit: Wie Sie als Betriebsrat am Besten vorgehen

1. Ziel des BEM ist es, erkrankte Arbeitnehmer Schritt für Schritt wieder einzugliedern. Aber: Das BEM folgt dem Freiwilligkeitsgrundsatz. Sprechen Sie deshalb vorher mit ihm, erklären Sie ihm Sinn und Zweck des BEM. Sagen Sie ihm aber auch offen, dass er einiges von sich wird offenbaren müssen. Zu denken ist hier an die ärztliche Prognose. Kennen Sie diese nicht, kann ein BEM nicht sinnvoll durchgeführt werden.

2. Der Betriebsarzt (soweit vorhanden) sollte von Anfang an dabei sein. Ebenso die Schwerbehindertenvertretung. Diese hat neben Ihnen auch ein Mitwirkungsrecht.

3. Klären Sie, zusammen mit dem Arbeitgeber, dem Beschäftigten und dem Betriebsarzt, diese Fragen:

  • Welche Qualifikationen und besonderen Stärken hat der Mitarbeiter?
  • Welche Einschränkungen liegen vor (z. B. Für schwere körperliche Arbeit)?
  • Welche Vorstellungen von seinem weiteren Berufsweg hat der Mitarbeiter selbst?
  • Kann er zukünftig weiter eingesetzt werden, und wenn ja: an welchen Arbeitsplätzen und unter welchen Bedingungen?

Entsprechend den Antworten lässt sich dann die Wiedereingliederung planen.

4. Wenn weitere Einsatzmöglichkeiten bestehen, legen Sie mit dem Betriebsarzt, dem Arbeitgeber und dem Betroffenen konkrete Integrationsmaßnahmen fest:

  • Prüfen Sie unter Einbeziehung der Reha-Träger die Möglichkeiten der medizinischen Rehabilitation.
  • Stellen Sie fest, ob der Arbeitsplatz umgestaltet werden muss.
  • Prüfen Sie, ob der Betroffene an einen anderen Arbeitsplatz umgesetzt werden kann.
  • Ermitteln Sie, ob und welche Schulungen ggf. erforderlich sind.

5. Kontrollieren Sie nach einigen Wochen oder Monaten, ob der Mitarbeiter an seinem neuen bzw. veränderten Arbeitsplatz wieder normal leistungsfähig ist.

Tipp: Für Eingliederungsmaßnahmen von Langzeitkranken leistet die Deutsche Rentenversicherung Bund organisatorische und finanzielle Unterstützung (Tel.: 030/865-22801, www.deutsche-rentenversicherung.de ).

 

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