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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Neue Arbeitsstättenregel: So machen Sie Türen und Tore sicher

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Von Wolfram von Gagern,

Türen und Tore müssen so beschaffen sein, dass sie keine Unfallgefahren darstellen, z. B. durch Quetschen oder plötzliches Zuschlagen. Geregelt ist das in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV).

Die praktische Umsetzung dieser Vorschrift wirft jedoch in vielen Betrieben Fragen auf. Antworten darauf liefert die neue Technische Regel für Arbeitsstätten „Türen und Tore“ (ASR A1.7), die am 3.12.2009 im Gemeinsamen Ministerialblatt bekannt gegeben wurde und seither rechtswirksam ist. Sie präzisiert insbesondere die Punkte 1.7 (Türen, Tore) und 2.3 Abs. 2 (Türen im Verlauf von Fluchtwegen oder Notausgängen) des Anhangs der ArbStättV.

Arbeitsstättenverordnung: Wofür die ASR A1.7 gilt

Die neue Arbeitsstättenregel gilt für das Einrichten und Betreiben von Türen und Toren in Gebäuden und auf dem Betriebsgelände sowie auf Baustellen. Sie ist jedoch nicht anwendbar auf Türen und Tore von maschinellen Anlagen (z. B. Aufzüge) und ebenso wenig auf provisorische Türen und Tore auf Baustellen. Die alten Arbeitsstättenrichtlinien ASR 10/1 „Türen und Tore“, ASR 10/5 „Glastüren, Türen mit Glaseinsatz“, ASR 10/6 „Schutz gegen Ausheben, Herausfallen und Herabfallen von Türen und Toren“ und ASR 11/1-5 „Kraftbetätigte Türen und Tore“ sind mit Erscheinen der ASR A1.7 ungültig geworden.


Das finden Sie in der ASR A1.7

Neben wichtigen Begriffsbestimmungen (z. B. zu den unterschiedlichen Typen von Türen und Toren) enthält die Arbeitsstättenregel Abschnitte zu den Themen

  • Planung und
  • Auswahl von Türen und Toren,
  • Sicherung gegen mechanische Gefährdungen,
  • Sicherung der Flügelbewegung,
  • Sicherheit der Steuerung,
  • Anforderungen an Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen sowie
  • Instandhaltung einschließlich sicherheitstechnische Prüfung.

Arbeitsstättenverordnung: Sicherheit fängt mit der Planung an

Schon bei der Planung Ihrer Türen und Tore können Sie Sicherheit mit „einbauen“: Achten Sie z. B. darauf, dass sie nicht in einen Treppenlauf aufschlagen oder durch Windbelastung von selbst zuschlagen können. Griffe und andere Einrichtungen für die Betätigung von Türen und Toren dürfen keine Quetsch- und Scherstellen bilden; Türen dürfen Verkehrswege nicht unzulässig einengen.

Die richtige Auswahl

Selbstverständlich müssen Türen und Tore den für sie geltenden Vorschriften entsprechen, in erster Linie der EG-Bauproduktenrichtlinie 89/106/EWG und dem deutschen Bauproduktegesetz (BauPG). Wichtige Hinweise, worauf Sie je nach Besonderheiten Ihres Betriebs außerdem noch achten müssen, finden Sie in Abschnitt Kapitel 5 dieser ASR. So gelten etwa für Türen von Laboratorien zusätzliche Anforderungen aus dem Gefahrstoffrecht (Sicherheitsschleusen müssen z. B. besonders dichtschließend konstruiert sein); in vielen Fällen kommen auch Anforderungen aus dem Baurecht hinzu (z. B. feuerhemmend, feuerbeständig, selbstschließend).

Sicherung gegen mechanische Gefährdungen

Diesem Thema widmet die neue Arbeitsstättenregel naturgemäß besonders breiten Raum. So muss bei kraftbetätigten Türen und Toren eine wirksame Sicherung vor mechanischen Gefährdungen bis zu einer Höhe von 2,50 m über dem Fußboden vorhanden sein, was Sie beispielsweise durch druckempfindliche oder berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen erreichen können. Einzugsgefahren bannen Sie vornehmlich durch glattflächige Flügel, andernfalls – z. B. bei Rollgittern – sind weitere Schutzmaßnahmen nötig. Damit zwischen den hinteren Kanten der Flügel (Nebenschließkanten) von kraftbetätigten Schiebetüren/-toren und festen Teilen der Umgebung keine Quetschstellen entstehen, müssen Sie für ausreichend bemessene Sicherheitsabstände sorgen. Welche Mindestmaße hier gelten, ist in der ASR A1.7 genau angegeben.

Arbeitsstättenverordnung: So sichern Sie die Flügelbewegung

Weitere Gefährdungen können durch unkontrollierte Bewegungen der Tür- bzw. Torflügel entstehen – nicht nur in horizontaler Richtung etwa durch Windeinfluss, sondern auch in vertikaler Richtung, etwa bei senkrecht bewegten kraftbetätigten Türen und Toren mit Seil-, Gurt- oder Kettenaufhängung. Hier sind z. B. – ähnlich wie bei Aufzügen – automatische Fangvorrichtungen vorzusehen. Bei Rolltoren muss durch Begrenzungseinrichtungen wie Stopper oder Anschläge gewährleistet werden, dass das Tor nicht etwa aus der Führung herausspringen kann.


Steuerung und Not-Halt-Vorrichtung

Bei der Steuerung sollten Sie besonders auch an Gefährdungen bei Ausfall der Energieversorgung (z. B. Stromausfall) achten: Damit gefährliche Flügelbewegungen nach Abschalten des Antriebs oder bei Ausfall der Energieversorgung (z. B. elektrisch, pneumatisch, hydraulisch) für den Antrieb verhindert werden, muss nach Abschalten des Antriebs oder bei Ausfall der Energieversorgung die Bewegung der Flügel unmittelbar zum Stillstand kommen. Prüfen Sie außerdem im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung, ob Sie eine Not-Halt-Vorrichtung installieren müssen: Sie ist generell erforderlich, wenn dadurch eine zusätzliche Sicherheit erreicht werden kann – das ist z. B. bei elektrischen Karusseltüren immer der Fall.

Türen und Tore in Fluchtwegen

Automatische Schiebetüren und Schnelllauftore (ausgenommen Feuer- und Rauchschutztüren und -tore) sind nur erlaubt, wenn sie sich bei Ausfall der Energiezufuhr selbsttätig öffnen oder über eine manuelle Öffnungsmöglichkeit (Break-out) verfügen. Automatische Karusseltüren dürfen nur verwendet werden, wenn sich Teile der Innenflügel ohne größeren Kraftaufwand von Hand und ohne Hilfsmittel auf die erforderliche Fluchtwegbreite öffnen lassen.

Tipp: Weitere Bestimmungen zu Türen und Toren im Verlauf von Fluchtwegen enthält die ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“.

Sorgen Sie für fachgerechte Instandhaltung

Halten Sie sich dazu an die Betriebs-, Instandhaltungs- und Prüfanleitungen des Herstellers. Damit notwendige Prüfungs- und Instandhaltungsmaßnahmen reibungslos durchgeführt werden können, achten Sie schon beim Einbau der Tore und Türen darauf, dass alle Bauteile, von denen der sichere Betrieb der Türen und Tore abhängt, leicht zugänglich sind. Bei rahmenlosen Glastüren und Glasschiebeelementen müssen Sie außerdem durch regelmäßige Sichtprüfungen sicherstellen, dass jegliche Beschädigungen des Glases rechtzeitig entdeckt werden, um Glasbruch vorzubeugen.

Kraftbetätigte Türen und Tore müssen nach den Vorgaben des Herstellers vor der ersten Inbetriebnahme, nach wesentlichen Änderungen sowie wiederkehrend auf ihren sicheren Zustand geprüft werden; mindestens einmal jährlich sollte eine wiederkehrende Prüfung erfolgen. Die sicherheitstechnische Prüfung von kraftbetätigten Türen und Toren darf nur durch Sachkundige durchgeführt werden – in der Praxis ist das in der Regel der Hersteller bzw. ein von ihm autorisierter Fachbetrieb.

Besondere Anforderungen gelten für Brandschutztüren und -tore, die im Notfall einwandfrei schließen müssen. Diese Anforderungen ergeben sich aus der bauaufsichtlichen Zulassung bzw. dem Prüfzeugnis. Häufig müssen z. B. Feststellanlagen einmal monatlich durch den Betreiber und einmal jährlich durch den Sachkundigen regelmäßig geprüft werden.

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