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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Neue ASR V3a.2: Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten

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Von Martin Weyde,

Die neue ASR V3a.2 vom 31.08.2012 zählt zu den Technischen Regeln für Arbeitsstätten, zu denen es keine alte Arbeitsstätten-Richtlinie gab. Sie konkretisiert die Anforderungen an Arbeitsstätten, in denen Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind.

 

Die ASR V3a.2 enthält allgemeine Grundlagen der barrierefreien Gestaltung von Arbeitsstätten. Darüber hinaus ergänzt sie die Anforderungen der ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ sowie der ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“. Die erforderlichen Maßnahmen zur barrierefreien Gestaltung richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung.
Als Behinderungen im Sinne dieser ASR gelten zum Beispiel Gehbehinderungen, Lähmungen, Kleinwüchsigkeit, starke Sehbehinderungen, Schwerhörigkeit oder erhebliche Krafteinbußen durch Muskelerkrankungen. Die ASR geht an mehreren Stellen auf die Bedürfnisse Ihrer Kollegen ein, die eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl benutzen.
Eine wichtige Grundlage barrierefreier Gestaltung unter Sicherheits- und Gesundheitsaspekten ist das Zwei-Sinne-Prinzip, das für alternative Wahrnehmung steht: Wenn einer der Sinne ausfällt, mit denen wir Informationen aufnehmen, dann muss ein anderer Sinn dafür einspringen. Deshalb müssen Ihre Informationen immer für 2 der 3 Sinne „Hören, Sehen und Tasten“ zugänglich sein - zum Beispiel gleichzeitig optisch und akustisch.
Die ASR V3a.2 definiert diese drei Arten von Zeichen, mit denen Sie Informationen vermitteln können:

  • visuelle, also sichtbare, wie z. B. Schriften, Bilder, Symbole, Hand- oder Leuchtzeichen
  • akustische, also hörbare, wie z. B. Schallzeichen, Sprache oder Laute
  • taktile, also fühl- oder tastbare, wie z. B. Bodenindikatoren, Rippen- oder Noppenplatten, Braille’sche Blindenschrift oder geprägte Reliefpläne

Auch die barrierefreie Gestaltung folgt dem TOP-Prinzip: Erst wenn die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, dürfen Sie organisatorische oder personenbezogene Maßnahmen ergreifen. Maßgeblich sind dabei die individuellen Bedürfnisse Ihrer Kollegen.

 

Zu den in der ASR A1.3 geregelten Sicherheitszeichen enthält die ASR V3a.2 unter anderem folgende Ergänzungen:

  • Sie müssen sie für Rollstuhlbenutzer und Kleinwüchsige auf Augenhöhe erkennbar anbringen.
  • Hindernisse und Gefahrenstellen müssen Sie für blinde Kollegen taktil kennzeichnen.
  • Ihre blinden Kollegen müssen Fahrwegbegrenzungen auf dem Boden taktil erfassen können.
  • Für Kollegen mit Hörbehinderung müssen Sie akustische Sicherheitsaussagen zugleich taktil oder visuell machen.

Auch die Anforderungen an Fluchtwege gemäß ASR A2.3 ergänzt die ASR V3a.2 in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel:

  • Sie müssen Fluchtwege und Treppenräume für Rollstuhl- und Gehhilfenbenutzer breit genug anlegen.
  • Ihre Türen und Tore müssen für Rollstuhl- und Gehhilfenbenutzer frei anfahrbar sein und über freie Bewegungsflächen verfügen.
  • Wenn sich auf Ihren normalen Fluchtwegen Schrankenanlagen mit Drehkreuz befinden, dann müssen Sie für Rollstuhl- und Gehhilfenbenutzer alternative Fluchtwege anlegen.
  • Entriegelungseinrichtungen müssen auch Ihre Kollegen im Rollstuhl bedienen können, die nur über eine eingeschränkte Hand-/Arm-Motorik verfügen.
  • Für eine Evakuierung müssen Sie ausreichend eingewiesene Mitarbeiter vorsehen, die ihre Kollegen mit Behinderungen auf Gefahren hinweisen, sie begleiten oder ihnen behilflich sind.
  • Sie müssen den Kollegen mit Behinderungen Ihre Maßnahmen vermitteln und sie mit ihnen abstimmen.

Die ASR V3a.2 gilt in den Bereichen einer Arbeitsstätte, in denen Beschäftigte mit Behinderungen tätig sind. Nach dem Bauordnungsrecht der Länder müssen Sie öffentlich zugängliche Arbeitsstätten aber auch dann barrierefrei gestalten, wenn dort keine Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind.

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