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Unabhängig von der Branche, den Tätigkeiten und der Anzahl der Mitarbeiter ist jedes Unternehmen verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen.

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Gefährdungen durch Feuchtarbeit in 3 Schritten wirksam bekämpfen

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Küche
Urheber: Kzenon | Fotolia

Von Friedhelm Kring,

In Küchen und Kantinen, im Reinigungsgewerbe, in Pflegeberufen und im Friseurhandwerk: Feuchtarbeit gehört für viele Beschäftigte zum Alltag. Das hat Folgen: Der ständige Kontakt mit Wasser zerstört den wichtigen Schutzmantel der Haut – sie wird rau und rissig, Bakterien dringen ein und es kommt zu Hauterkrankungen. Sie gehören zu den wichtigsten Auslösern für Berufskrankheiten. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie das Problem in Ihrem Betrieb in 3 Schritten schnell lösen können.

Was ist Feuchtarbeit?

Feuchtarbeit umfasst nach Abschnitt 3.3.4 der Technischen Regel für Gefahrstoffe „Gefährdung durch der Hautkontakt: Ermittlung – Beurteilung – Maßnahmen“ (TRGS 401) Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten

  • regelmäßig mehr als 2 Stunden pro Tag mit ihren Händen Arbeiten im feuchten Milieu ausführen, z. B. in Küchen,
  • über einen entsprechenden Zeitraum flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen und
  • sich häufig die Hände waschen müssen (ab 20-mal am Tag).

Zeiten der Arbeiten im feuchten Milieu und Zeiten des Tragens von flüssigkeitsdichten Handschuhen müssen Sie dabei addieren, wenn Sie nicht wirksame Maßnahmen zur Regeneration der Haut getroffen haben, z. B. durch einen Hautpflegeplan (s. Seite 5).

Die Hautgefährdungen sind aber nicht nur von der Kontaktdauer abhängig: Oft enthält das Wasser z. B. auch Reinigungsmittel, die die Haut zusätzlich gefährden. Manche Inhaltstoffe können sogar Allergien auslösen. Dann kann die kritische Grenze schon in weitaus kürzerer Zeit erreicht sein. Um darüber Klarheit zu gewinnen, müssen Sie eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Diese schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor, ebenso wie die Gefahrstoffverordnung: Denn nach dieser Verordnung gilt auch gewöhnliches Wasser als Gefahrstoff, wenn es z. B. Hautschäden verursachen kann.

1. Schritt: Ermitteln und beurteilen Sie die Hautgefährdungen

Stellen Sie zunächst fest, wo genau bei Ihnen Feuchtarbeit, wie oben beschrieben, vorkommt. Führen Sie zu diesem Zweck – besonders in größeren Betrieben – am besten eine Arbeitsplatzbegehung durch und befragen Sie die Kollegen dazu persönlich. Weitere Hinweise dazu erhalten Sie, indem Sie anhand der vorhandenen Betriebsanweisungen prüfen, wo welche Art von Schutzhandschuhen vorgeschrieben ist und wo welche Reinigungsmittel benutzt werden. Finden Sie auch heraus, welche Beschäftigten sich besonders häufig die Hände reinigen müssen. Wenn die Kriterien für Feuchtarbeit erfüllt sind, müssen Sie Schutzmaßnahmen einleiten.

Auch wenn – trotz kürzerem Kontakt mit Wasser – z. B. scharfe Reinigungsmittel benutzt werden, kann dies der Fall sein. Um das beurteilen zu können, sehen Sie sich einmal genau die Etiketten an. Stehen dort „H-Sätze“ (von englisch hazard = Gefahr) wie „Gesundheitsschädlich bei Hautkontakt“ oder „Verursacht Hautreizungen“? Dann versuchen Sie, für solche Reiniger unbedenklichere Ersatzmittel zu finden.

2. Schritt: Legen Sie Schutzmaßnahmen fest

Bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen gehen technische Maßnahmen immer vor; dann folgende organisatorische, und erst zum Schluss kommen personenbezogene Maßnahmen (TOP-Prinzip).

1. Technische Maßnahmen: Hierzu gibt es nach den ausgeführten Tätigkeiten unterschiedliche Möglichkeiten. Beispiel: In Großküchen kann Handarbeit durch Putzautomaten oder automatische Topfspülen vermieden werden.

2. Organisatorische Maßnahmen: Wo technische Maßnahmen nicht ausreichen, ergreifen Sie organisatorische Schutzmaßnahmen. Sorgen Sie beispielsweise dafür, dass unvermeidbare Feuchtarbeit auf mehrere Beschäftigte verteilt oder eine Arbeitsplatzrotation eingeführt wird.

3. Personenbezogene Maßnahmen: Hierzu gehören Unterweisung, Schutzhandschuhe und Hautschutzmittel.

Unterweisung: Informieren Sie die betroffenen Mitarbeiter über Risiken durch Feuchtarbeit und wie man sich davor wirksam schützt, vor allem durch den Gebrauch von Schutzhandschuhen sowie geeignete Hautschutzmittel. Führen Sie dazu eine Erstunterweisung für alle neuen Mitarbeiter und danach jährliche Folgeunterweisungen durch. Ergänzen Sie diese durch schriftliche Betriebsanweisungen und hängen Sie sie an den Arbeitsplätzen aus.

Schutzhandschuhe: Sie sind bei Feuchtarbeit das Mittel der Wahl. Aber: Es müssen genau die richtigen für den jeweiligen Einsatzzweck sein. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Punkte:

  • Sie müssen so reißfest sein, dass sie bei der Arbeit nicht beschädigt werden, aber gleichzeitig auch dünn genug, um das Tastgefühl möglichst wenig einzuschränken.
  • Sie sollen nur auf trockener und sauberer Haut getragen werden, ggf. Stoffunterziehhandschuhe daruntertragen.
  • Sie sollen möglichst puderfrei und allergenarm sein.
  • Sie müssen – je nach Tätigkeit – ausreichend lange Stulpen haben, damit kein Wasser in die Handschuhe hineinläuft.
  • Sie müssen ausreichend undurchlässig sein – nicht nur gegen Nässe, sondern auch z. B. gegenüber den Inhaltsstoffen von Reinigern usw. Welche das sind, steht auf den Etiketten und ggf. in den Sicherheitsdatenblättern. Je nach Inhaltsstoffen sollten spezielle Chemikalienschutzhandschuhe zur Verfügung gestellt werden.
  • Beziehen Sie die Benutzer in die Auswahl der Handschuhe ein, denn dann werden sie auch eher getragen.

Halten Sie die Schutzhandschuhe immer in unterschiedlichen Größen bereit: Wenn sie nicht passen, werden sie nicht benutzt oder verlieren ihre Schutzwirkung. Außerdem muss jeder seine eigenen Handschuhe besitzen, sonst sind sie die besten Krankheitsüberträger!

Schutz gegen Schutzhandschuhe? Leider haben auch feuchtigkeitsdichte Handschuhe Nachteile: Zu häufiges Tragen nimmt die Haut übel. Sie sollten daher zusammen mit dem Betriebsarzt gründlich abwägen, ob sie der Haut möglicherweise mehr schaden als die Nässe. Ggf. sollte die Tragedauer auf das unbedingt nötige Maß begrenzt werden! Das Tragen solcher Handschuhe sollten Sie ebenfalls in einer Betriebsanweisung regeln.

Hautschutzplan: Außer Schutzhandschuhen sollten spezielle Hautschutz- bzw. schonende Hautreinigungs- und Hautpflegemittel eingesetzt werden. Erstellen Sie hierzu einen Hautschutzplan und hängen ihn an gut sichtbarer Stelle aus, z. B. am Handwaschplatz. Die Schutz- und Pflegemittel müssen zu den in der Gefährdungsbeurteilung festgestellten Risiken, also z. B. den Chemikalien, passen. Wenn Sie bei der Auswahl unsicher sind, fragen Sie den Betriebsarzt oder die Fachleute bei Ihrer Berufsgenossenschaft. Auch Lieferanten von Hautschutzmitteln halten oft entsprechende Informationen bereit.

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3. Schritt: Kontrollieren Sie, ob Ihre Maßnahmen funktionieren

Führen Sie nach einiger Zeit (6–8 Wochen) Erfolgskontrollen durch:

  • Benutzen alle die vorgeschriebenen Schutzhandschuhe? Bei Verstößen nachdrücklich erinnern und gleichzeitig prüfen, warum die Vorschrift nicht befolgt wird (z. B. weil sie nicht passen?).
  • Werden die Betriebsanweisungen befolgt? Wenn Details nicht verstanden worden sind, ggf. nachschulen – andernfalls auch hier ein ernstes Wort mit dem Kollegen reden und, falls nötig, den Vorgesetzten einschalten.
  • Gehen die Hauterkrankungen tatsächlich spürbar zurück? Dann können Sie zufrieden sein – wenn nicht, ist weitere Ursachenforschung erforderlich. Haben Sie die Gefährdungen übersehen, oder sind vielleicht neue feuchtigkeitsbelastete Arbeitsverfahren eingeführt worden?

Pflichtvorsorge bei mehr als 4 Stunden Feuchtarbeit

Nach der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) ist für Beschäftigte mit regelmäßig über 4 Stunden Feuchtarbeit pro Schicht eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge der Haut vorgeschrieben (Erst- und regelmäßige Nachuntersuchungen). Beschäftigten mit regelmäßig über 2 Stunden Feuchtarbeit pro Schicht hat der Arbeitgeber eine Angebotsvorsorge zu ermöglichen.

Die Pflichtvorsorge muss vom Arbeitgeber vor Aufnahme der Tätigkeit veranlasst werden, andernfalls darf der Betroffene an dem vorgesehenen Arbeitsplatz nicht eingesetzt werden. Ohne die erfolgte Pflichtvorsorge darf er die Tätigkeit nicht ausüben (§ 4 ArbMedVV). Der Arzt muss dem Arbeitgeber eine Bestätigung über die erfolgte Vorsorge überlassen – das Ergebnis darf er ihm jedoch nur mit Zustimmung des Beschäftigten mitteilen.

Die Angebotsvorsorge hat der Arbeitgeber anzubieten – der Beschäftigte entscheidet jedoch selbst, ob er dieses Angebot wahrnimmt (§ 5 ArbMedVV).

Die Kosten für die Vorsorge trägt der Betrieb. Besonders empfindlichen oder belasteten Mitarbeitern sollten Sie unbedingt zu einer regelmäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung der Haut raten.

 

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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