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Unabhängig von der Branche, den Tätigkeiten und der Anzahl der Mitarbeiter ist jedes Unternehmen verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen.

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Gefährdungsbeurteilung: Mit diesen Tipps setzten Sie die Leitlinie schnell um

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Gefährdungsbeurteilung:

Von Günter Stein,

Am 11.6.2008 haben Bund, Länder und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung die neue „Leitlinie zur Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation“ verabschiedet. Damit existieren erstmals einheitliche und übergreifende Regeln für die Überprüfung von Gefährdungsbeurteilungen durch die Arbeitsschutzämter, Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Was viele Betriebe immer noch nicht wissen: Prüfer werden in Zukunft nicht mehr über Lücken oder Mängel bei der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung hinwegsehen. Und das kann Bußgelder von bis zu 25.000 € nach sich ziehen.

Es ist also besser, schnell etwas zu unternehmen, damit die Gefährdungsbeurteilungen in Ihrem Betrieb auch vor den kritischen Augen der Prüfer bestehen.

In 7 Schritten zur Gefährdungsbeurteilung

1. Legen Sie Arbeitsbereiche und Tätigkeiten fest: Beziehen Sie alle Arbeitsbereiche und Tätigkeiten in Ihre Gefährdungsbeurteilung ein. Vergessen Sie nicht die vermeintlich sicheren Büro- und Außen-dienstmitarbeiter. Achten Sie auf Sonderfälle: Wenn Mitarbeiter unter das Jugendarbeitsschutzgesetz oder die MutterschutzrichtlinienVerordnung fallen, müssen Sie diese Verordnungen in Ihre Arbeits- und Tätigkeitsbereiche einbeziehen.

2. Ermitteln Sie alle Gefährdungen: Denken Sie auch an solche Gefahren, die außerhalb des normalen Betriebsalltags auftreten können, wie Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, Reparaturen, kurzfristige Baustellen, Stromausfälle.

3. Beurteilen Sie die Gefährdungen: Nachdem Sie nun eine Übersicht über alle Gefährdungen in Ihrem Betrieb haben, müssen Sie diese beurteilen. Vergleichen Sie dabei die festgelegten Grenzen aus anderen Verordnungen (z. B. Lärmschutzverordnung) mit Ihren Ist-Werten und leiten Sie die Gefährdungen ab.

4. Legen Sie konkrete Arbeitsschutzmaßnahmen fest: Bei diesem Schritt müssen Sie die Rangfolge der Schutzmaßnahmen nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) beachten. Der Paragraf regelt das Maßnahmenprinzip. So stehen technische Maßnahmen an erster Stelle, organisatorische erst an 2. Stelle. Zuletzt schließen Sie die personenbezogenen Maßnahmen an (TOP-Prinzip).

5. Führen Sie die Maßnahmen durch.

6. Überprüfen Sie die Wirksamkeit der Maßnahmen und dokumentieren Sie diese.

7. Passen Sie die Gefährdungsbeurteilung laufend an

Achten Sie insbesondere darauf, wenn neue Arbeitsplätze entstehen oder neue Arbeitsverfahren eingeführt werden.

So führen Sie Gefährdungsbeurteilungen in Betrieben mit mehr als 10 Mitarbeitern durch

Die Dokumentation von Gefährdungsbeurteilungen ist in § 6 ASchG festgelegt. Dort heißt es für Unternehmen mit 10 oder mehr Mitarbeitern: „Der Arbeitgeber muss über die, je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten, erforderlichen Unterlagen verfügen, aus denen das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die von ihm festgelegten Maßnahmen des Arbeitsschutzes und das Ergebnis ihrer Überprüfung ersichtlich sind. Bei gleichartiger Gefährdungssituation ist es ausreichend, wenn die Unterlagen zusammengefasste Angaben enthalten“ (§ 6 Abs. 1 ASchG). Die Dokumentation ist grundsätzlich eine schriftliche Unterlage. Für Betriebe über 10 Beschäftigte müssen Sie folgende Punkte schriftlich festhalten:

  • das Ergebnis der Prozessschritte (siehe Checkliste),
  • das Festlegen konkreter Arbeitsschutzmaßnahmen sowie
  • das Überprüfen der Durchführung und der Wirksamkeit der Maßnahmen.

Hinweis: Es gibt spezielle Arbeitsschutzvorschriften, die eine schriftliche Dokumentation unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten verlangen. Zu ihnen gehören

  • die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung,
  • die Gefahrstoffverordnung (außer bei geringen Gefährdungen),
  • die Biostoffverordnung (wobei die Arbeitsschutzbehörde auf Antrag eine Abweichung von der Schriftform erlauben kann) und die Betriebssicherheitsverordnung, wenn die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären nicht sicher verhindert werden kann (das so genannte Explosionsschutzdokument).

Hinweis: Wenn die Arbeitsschutzbehörde sie auffordert, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen oder eine bereits erstellte Gefährdungsbeurteilung nachzubessern, sollten Sie das unbedingt tun. Reagieren Sie nämlich nicht (fristgerecht), kann ein Bußgeld bis 25.000 € drohen.

Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern haben es bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilung leichter

Gemäß der Leitlinie ist für Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern eine vereinfachte Dokumentation ausreichend. Die Anforderungen an die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung gelten dann als erfüllt, wenn Sie

  • eine Hilfe zur Gefährdungsbeurteilung nutzen, die Ihr Unfallversicherungsträger oder die zuständige staatliche Arbeitsschutzbehörde zur Verfügung gestellt hat, oder
  • an einer so genannten „Regelbetreuung“ teilnehmen bzw. an einem alternativen Betreuungsmodell Ihrer Berufsgenossenschaft (Beispiel „Unternehmermodell“).

Bei der Regelbetreuung gewährleisten Sie eine Grundbetreuung durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und einen Betriebsarzt in festgelegten Zeitabständen (für die meisten Branchen alle 2 Jahre), darüber hinaus außerdem eine Betreuung bei besonderen Anlässen. Über die Betreuung müssen Sie Ihre Beschäftigten unterrichten.

Beim Unternehmermodell nehmen Sie einmalig an bestimmten Seminaren oder Fernlehrgängen teil und verpflichten sich zur regelmäßigen Teilnahme an Fortbildungen. Außerdem sorgen Sie für eine bedarfsgerechte Betreuung des Betriebs durch Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit bei bestimmten Anlässen. Entscheidende Voraussetzung für das Unternehmermodell ist, dass der Unternehmer persönlich an den von der Berufsgenossenschaft festgelegten Seminaren bzw. Fernlehrgängen über Arbeitsschutz teilnimmt.

Hinweis: Der Aufwand, um den Arbeitsschutz im Betrieb umzusetzen, ist im Rahmen der Regelbetreuung größer als im Unternehmermodell. Daher ist die Teilnahme am Unternehmermodell zu empfehlen.

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