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Schadensregulierung im Fuhrpark: So kommen Sie schnell an Ihr Geld

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Urheber: Gerhard Bittner | Fotolia

Von Uwe E. Wirth,

Als Fuhrparkverantwortlicher wissen Sie: Wer viele Kilometer fährt, trägt auch ein erhöhtes Unfallrisiko. Ist ein Unfall an sich schon ärgerlich genug, so wird es noch schlimmer, wenn Sie anschließend hinter Ihrem Geld herlaufen und sich mit der eigenen oder gegnerischen Versicherung herumschlagen müssen. Doch mit ein bisschen Umsicht kommen Sie schnell und einfach an die Ihnen zustehende Entschädigung.

Betrachten Sie die Verkehrsunfall-Statistik des Statistischen Bundesamts, so sehen Sie Bedenkliches: Waren es im Jahr 2014 noch 2.406.685 Unfälle, stieg diese Zahl im Jahr 2015 auf 2.507.881. Kein Wunder, dass die Versicherer bei der Regulierung immer stärker um jeden Euro feilschen und die Abwicklung von Schäden immer schwieriger und komplizierter machen.

Früher war die Regulierung eines Fahrzeugschadens eine relativ einfache Sache. Sie ließen das Unfallfahrzeug von einem Gutachter taxieren, der in seinem Gutachten die Reparaturkosten, die Wiederbeschaffungskosten und den Restwert des Fahrzeugs feststellte. Dann konnten Sie in einem weiten Rahmen selbst entscheiden, wie der Schaden geregelt werden sollte. Sie konnten das Fahrzeug reparieren lassen, wobei es ziemlich egal war, ob Sie eine preisgünstigere Werkstatt hierfür fanden – der im Gutachten für die Reparatur ermittelte Betrag stand Ihnen in jedem Fall zu. Oder Sie haben das nicht reparierte Fahrzeug verkauft – auch hier konnten Sie oft nach Gutachten abrechnen und mit einem geschickten Verkauf des Altfahrzeugs sowie einem Schnäppchen-Neukauf manchen Euro verdienen.

Gerichte und Versicherungen legen bei der Regulierung strenge Maßstäbe an

Gerade in den letzten Jahren haben die Assekuranzen vor Gerichten wesentliche Einschränkungen bei der Wahl der Regulierung erstritten, die Sie unbedingt kennen sollten.

Nach einem Unfall, bei dem die eigene Versicherung reguliert, werden Sie als Fuhrparkverantwortlicher sich oft die Frage stellen, ob sich die Reparatur noch lohnt. Hierzu beauftragen Sie einen Sachverständigen, der die notwendigen Reparaturkosten, die Wiederbeschaffungskosten für ein gleichwertiges Fahrzeug und den Restwert des Unfallfahrzeugs ermittelt. Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert, werden Sie sicherlich von einer Reparatur Abstand nehmen. In diesem Fall können Sie aber nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts bei Ihrer Versicherung und nicht die höheren Reparaturkosten geltend machen.

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Wurde der Schaden jedoch von Dritten verursacht, trifft Ihren Fahrer also keine Mitschuld am Unfall, so konnten Sie in weitem Rahmen selbst entscheiden, welche Regulierungsart Sie wählten. So gab es eine ganze Reihe von Urteilen, die Ihnen eine teure Reparatur des Unfallfahrzeugs erlaubte, auch wenn die Reparatur bis zu 30 % über dem Wiederbeschaffungswert des Unfallfahrzeugs lag.

Diese Feinheiten der 130-%-Regelung müssen Sie beachten

Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um maximal 30 %, dürfen Sie das Fahrzeug reparieren lassen, sofern die Reparatur fachgerecht und in dem vom Gutachten festgelegten Umfang durchgeführt wird (Bundesgerichtshof (BGH), Urteile vom 15.2.2005, Az. VI ZR 70/04 und Az. VI ZR 231/09). Dabei müssen Sie jedoch das Fahrzeug nach der Reparatur noch mindestens 6 Monate weiter nutzen (BGH, Urteile vom 13.11.2007, Az. VI ZR 89/07, 27.11.2007, Az. VI ZR 56/07, 22.4.2008, Az. VI ZR 237/07).

Tipp: Der Schadensersatzanspruch ist in diesem Fall regelmäßig sofort fällig und nicht erst nach Ablauf von 6 Monaten (BGH, Beschluss vom 18.11.2008, Az. VI ZB 22/08).

Was, wenn die Reparaturkosten 130 % des Wiederbeschaffungswerts übersteigen?

Liegen die vom Gutachter geschätzten Reparaturkosten mehr als 30 % über dem Wiederbeschaffungswert, bekommen Sie nur den Wiederbeschaffungsaufwand, also den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts ersetzt.

Lassen Sie dennoch reparieren, können Sie die dafür angefallenen Kosten nicht in einen von der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung auszugleichenden wirtschaftlich vernünftigen Teil (also Kosten bis 130 % des Wiederbeschaffungswerts) und in einen vom Ihnen selbst zu tragenden wirtschaftlich unvernünftigen Teil (Kosten über 130 % des Wiederbeschaffungswerts) aufspalten (vgl. BGH, Urteile vom 15.10.1991, Az. VI ZR 67/91, 8.12.2009, Az. VI ZR119/09).

Kein wirtschaftlicher Totalschaden: Das müssen Sie bei der Regulierung beachten

Vollkommen anders stellt sich die Lage jedoch dar, wenn ein Unfallfahrzeug nicht im Fuhrpark verbleibt, sondern verkauft werden soll. Hier ist ein weiteres Urteil des BGH interessant. Im entschiedenen Fall hatte ein Unfallgeschädigter die Reparaturkosten seines weiterhin fahrfähigen Vehikels von einem Gutachter schätzen lassen. Diesen Betrag von 3.200 € forderte er von der gegnerischen Versicherung ein, fuhr aber weiterhin mit dem nicht reparierten Fahrzeug. Im Prinzip steht solch einer Regulierung auch nach Ansicht des obersten Gerichts nichts im Weg.

Da der Geschädigte das Fahrzeug allerdings nach 4 Monaten als Unfallfahrzeug verkaufte, war die Versicherung der Meinung, dass die Regulierung auf Gutachtenbasis nicht infrage komme, und wollte nur den Wiederbeschaffungswert eines Ersatzfahrzeugs abzüglich des Restwerts des Unfallfahrzeugs, im vorliegenden Fall also 1.600 € zahlen. Der BGH gab der Versicherung in seinem Urteil recht. Nach Ansicht der Richter dürfe niemand an einem Unfall verdienen. Zwar ist für die Regulierung eines Schadens die Reparatur des Unfallfahrzeugs nicht verpflichtend, denn der Geschädigte hätte ja einen Schaden erlitten, den die Versicherung auch übernehmen müsste. Dabei sei es unerheblich, ob der Geschädigte das Fahrzeug auch wirklich reparieren lasse. Allerdings hätte der Geschädigte das Fahrzeug nicht schon nach 4 Monaten veräußern dürfen. Nur für den Fall der Nutzung über mindestens 6 Monate wollten die Richter anerkennen, dass der Geschädigte ein ernsthaftes Interesse an der Weiternutzung des Unfallfahrzeugs habe. Daher habe der Geschädigte nur Anspruch auf den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts (BGH, Urteil vom 23.5.2006, Az. VI ZR 192/05).

Bei Verkauf wird immer nur der festgestellte Restwert angerechnet

Bei genauerer Betrachtung hat dieses Urteil für Sie als Fuhrparkverantwortlichen eine noch größere Bedeutung als die oben genannten. Denn Sie werden in Ihrem Fuhrpark selten unreparierte Fahrzeuge weiternutzen. Oft werden Sie solche Fahrzeuge abstoßen wollen, auch wenn der Reparaturwert noch deutlich unter der Höhe des wirtschaftlichen Totalschadens liegt.

Doch genau in diesem Fall schlittern Sie prompt in folgende Problematik: Sie bekommen dann nicht die im Gutachten festgestellten Reparaturkosten erstattet, sondern nur noch den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts. Wenn Sie das Fahrzeug nun unter dem festgestellten Restwert verkaufen, bleiben Sie auf der Differenz sitzen.

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