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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Basiswissen Unterweisung, Teil 1: Wer wann wie von wem?

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Arbeitssicherheit Unterweisung

Von Wolfram von Gagern,

Ob zur Arbeitssicherheit, bei der Gesundheitsvorsorge, im Brandschutz oder im betrieblichen Umweltmanagement, die sogenannte Unterweisung betrifft alle Unternehmen. Mit der Pflicht zu Unterweisungen sollte niemand leichtfertig umgehen.

Denn den Arbeitgeber bzw. die mit der Unterweisung beauftragte Person kann eine persönliche strafrechtliche Verantwortung treffen, wenn es aufgrund fehlender Unterweisungen im Betrieb zu Unfällen oder Gesundheitsschäden kommt. In zwei Teilen möchte ich Ihnen die wichtigsten Grundlagen zum Thema Unterweisung vermitteln und einige Anregungen für die eigene Unterweisungspraxis geben.

Wer wann wie von wem?

Im Arbeitsschutzrecht wird eine Unterweisung der Beschäftigten an vielen Stellen verpflichtend gefordert. Es dürften einige Hundert Dokumente sein (Gesetze, Verordnungen, berufsgenossenschaftliches Regelwerk), in denen Sie Hinweise zur Unterweisungspflicht finden können. Einige Details wie etwa die Aufbewahrungsfristen der Unterweisungsnachweise sind unterschiedlich geregelt, viele Regeln für eine angemessene Unterweisung gelten jedoch unabhängig von Gefährdungsart oder Branche: Lesen Sie hier die wichtigsten Grundsätze:

Wer muss unterweisen?

Grundsätzlich ist der Vorgesetzte für die Unterweisung seiner Mitarbeiter verantwortlich. In Kleinbetrieben bedeutet dies, dass der „Chef“ oft persönlich die Unterweisungen durchführt. Der Unternehmer kann diese Aufgabe jedoch geeigneten Mitarbeitern übertragen. Dies können Meister sein oder Vorarbeiter, Betriebs- oder Werksärzte. Auch die Fachkräfte für Arbeitssicherheit werden oft beteiligt. Zusätzlich können zu Unterweisungen auch externe Fachleute hinzugezogen werden. Das können z. B. Arbeitsmediziner sein oder Spezialisten für den Schutz gegen bestimmte Gefährdungen.

Wer muss unterwiesen werden?

Alle Mitarbeiter müssen unterwiesen werden, so viel ist klar. Dazu gehören aber auch einige Gruppen von Beschäftigten, die leicht vergessen werden. Übersehen Sie bei der Planung Ihrer Unterweisungen nicht:

  • die Zeitarbeitnehmer
  • die Saisonarbeitskräfte
  • die Praktikanten und Hilfskräfte
  • die Auszubildenden
  • die Führungskräfte
  • die Außendienstmitarbeiter

Wichtig: Das Abhalten einer Unterweisung allein genügt nicht. Sie sollten immer sicherstellen, dass alle Unterwiesenen auch alles verstanden haben. In die Runde zu fragen und nach vereinzeltem vagen Kopfnicken die Veranstaltung zu beenden, genügt nicht. Lassen Sie sich von jedem Teilnehmer unterzeichnen, dass er am genannten Datum an der Unterweisung mit dem genannten Inhalt nicht nur anwesend war, sondern die Inhalte der Unterweisung auch verstanden hat. Dokumentieren Sie außerdem, wie Sie die Wirksamkeit der Unterweisung prüfen.

Wann muss unterwiesen werden?

Grundsätzlich muss eine Unterweisung der Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen. Anlässe für eine Unterweisung können sein:

  • die Einstellung eines neuen Mitarbeiters
  • die Versetzung von Mitarbeitern
  • eine Rückkehr nach langer Krankheit
  • Veränderungen der Tätigkeiten und Aufgaben am Arbeitsplatz
  • die Einführung neuer Arbeitsstoffe, Geräte, Maschinen, Verfahren oder Technologien
  • Unfälle oder Beinahe-Unfälle
  • neue Erkenntnissen zur Gefährdung

Unterweisungen sind i.d.R. einmal jährlich zu wiederholen, Unterweisungen für Auszubildende mindestens halbjährlich anzusetzen.

Wie muss eine Unterweisung erfolgen?

Allein das Verteilen oder Aushängen irgendwelcher Merkblätter genügt in aller Regel NICHT! Eine Unterweisung sollte erfolgen:

  • in aller Regel mündlich
  • auf den Arbeitsplatz bezogen
  • einzeln oder in Gruppen
  • am besten mit praktischen Übungen (z. B. zur Handhabung von Rettungsmitteln)
  • in verständlicher Sprache (bei fremdsprachigen Mitarbeitern ist ggf. für eine Übersetzung zu sorgen)

„Mündlich“ muss nicht bedeuten, dass eine Unterweisung aus einem staubtrockenen Vortrag besteht oder einer müden Vorlesestunde. Der Einsatz von Medien und Lehrmitteln ist keinesfalls ausgeschlossen, im Gegenteil. Nutzen Sie Poster und Schaubilder, Fotoserien und Comics, Powerpoint und Videos usw.

Mein Tipp: Nutzen Sie z. B. eine Powerpoint-Präsentation mit amüsanten Karikaturen zur Auflockerung des Unterweisungs-Stoffes.

Kurzfilme sind als Einstieg in Unterweisungen und Schulungen beliebt. Das Angebot von Filmen zu Arbeitsschutz-Themen wächst stetig und die Clips werden immer professioneller.

Beachten Sie jedoch: Filme oder andere Medien können geeignete Impulsgeber für den weiteren Ablauf sein. Ein Film allein sollte aber nicht die eigentliche Unterweisung darstellen oder gar ersetzen. Sie können eine Pflicht zur Unterweisung nicht auf ein Video delegieren. Der persönliche Kontakt, die Möglichkeit zu Rückfragen und Diskussionen sowie das konkrete Eingehen auf die spezifischen Verhältnisse des Betriebs vor Ort sind nicht durch einen Video-Clip zu ersetzen.

Das Gleiche gilt für interaktive Computerprogramme: Eine Software kann u. U. sinnvoll genutzt werden, z. B. wenn sie in den Landessprachen der Beschäftigten zur Verfügung steht oder wenn sie Möglichkeiten einer Erfolgskontrolle bietet. Aber auch ein Software-Modul kann eine mündliche Unterweisung nur vorbereiten oder ergänzen, niemals ersetzen.

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