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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Richtig unterweisen nach der neuen Betriebssicherheitsverordnung

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Von Wolfram von Gagern,

Die Betriebssicherheitsverordnung schreibt in § 9 vor, dass die Mitarbeiter im Unternehmen von Ihnen oder einer externen, vom Unternehmen beauftragten Fachkraft über die Gefahren in ihrer Arbeitsumgebung zu unterrichten sind.

Wichtig ist, dass nicht nur die Arbeit und die Einsatzbedingungen der Arbeitsmittel von Ihnen erklärt werden, sondern auch die möglichen Betriebsstörungen. Das hat seinen guten Grund: Nicht technische Mängel an Maschinen und Anlagen sind die häufigsten Unfallursachen. Es sind vielmehr Fehler im Verhalten der Beschäftigten, oft bedingt durch Hektik, Stress und Zeitnot, insbesondere bei Störungsfällen. Um diese zu vermeiden, müssen konkrete Betriebsanweisungen erstellt werden – und die Mitarbeiter müssen von Ihnen unterwiesen werden.

Was Sie bei den Betriebsanweisungen beachten sollten

Betriebsanweisungen sind arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene verbindliche schriftliche Anordnungen und Verhaltensregeln des Arbeitgebers an seine Beschäftigten. Verantwortlich für die Erstellung von Betriebsanweisungen ist der Unternehmer oder sein Beauftragter (Abteilungsleiter, Meister). Als Sicherheitsfachkraft kommt Ihnen hier eine Beratungsfunktion zu. Die Mitarbeiter sind verpflichtet, die Forderungen der Betriebsanweisungen einzuhalten.

Diese Anforderungen müssen die Betriebsanweisungen erfüllen:

Betriebsanweisungen sollen

• arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen sein,

• verbindliche Anordnungen des Arbeitgebers sein,

• vom Arbeitgeber unterschrieben sein (mit Datum),

• in verständlicher Form und Sprache vorliegen,

• in der Sprache der Beschäftigten erstellt sein,

• von den Beschäftigten leicht erreichbar sein,

• optisch auffällig sein,

• die Grundlage für die jährliche Unterweisung sein.

Arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen kann eine Betriebsanweisung nur dann wirksam sein, wenn sie von Ihnen oder dem Beauftragten aus dem Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung heraus erstellt wurden. Wichtig ist die verständliche Sprache einer Betriebsanweisung. Fremdworte oder unverständliche Passagen sollten Sie unbedingt vermeiden.

Die Praxis zeigt:

Ein Mitarbeiter, der Teile einer Anweisung nicht versteht, wird die gesamte Anweisung nicht ernst nehmen.

Achtung: Sicherheitsdatenblätter bei Gefahrstoffen sind keine Betriebsanweisungen – sondern bestenfalls eine Ergänzung dazu. Im Mittelpunkt jeder Betriebsanweisung stehen die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln. Ziel muss dabei sein, den Beschäftigten mitzuteilen, wie sie gefährdungsfrei mit dem Stoff, der Maschine, dem Arbeitsmittel umgehen können. Damit die Betriebsanweisungen jedem Mitarbeiter „ins Auge fallen“, sollten sie optisch auffällig sein. Üblicherweise sind die Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe mit orangem oder die für Maschinen und Anlagen mit blauem Rand versehen.

Wichtig sind Ihre Unterweisungen!

Hier müssen Sie zwischen den jährlichen (wiederkehrenden) Unterweisungen und den Unterweisungen für neu eingestellte Mitarbeiter unterscheiden. Auch bei der Anschaffung neuer Arbeitsgeräte muss ggf. eine neue Unterweisung erfolgen. Dies gilt auch, wenn ein Mitarbeiter auf einen neuen Arbeitsplatz wechselt. Diese Pflicht sollten Sie beziehungsweise der Arbeitgeber sehr ernst nehmen. Denn: Im Fall eines schweren Arbeitsunfalls ist die nicht durchgeführte Unterweisung ein wesentlicher Faktor für die rechtliche Würdigung der Verantwortlichkeit. Im Klartext: Die Berufsgenossenschaft kann den Arbeitgeber persönlich in die Haftung nehmen. Wiederkehrende Unterweisungen müssen Sie mindestens einmal jährlich durchführen. Selbstverständlich können Sie mit dem Arbeitgeber aber auch kürzere Unterweisungsfristen vereinbaren.

Achten Sie auf die sachgerechte Dokumentation

Jede von Ihnen durchgeführte Unterweisung muss dokumentiert werden. Dieser Nachweis ist 2 Jahre aufzubewahren und kann formlos oder in Nachweisbüchern erfolgen.

Wie sollten Sie die Unterweisungen durchführen?

Die Unterweisungen sollten am Arbeitsplatz mündlich durchgeführt werden. Idealerweise findet die jeweilige Unterweisung nur mit Mitarbeitern statt, die an gleichen Anlagen arbeiten oder mit gleichen Stoffen umgehen. Die Unterweisung sollte, so zeigt es die Praxis, nicht länger als 5–10 Minuten dauern. Lieber kürzer – aber dafür häufiger. So hat es sich in zahlreichen Unternehmen bewährt. Sprechen die Mitarbeiter schlecht oder gar kein Deutsch, muss die Unterweisung übrigens in deren Sprache stattfinden! Klären Sie deshalb ggf. mittels Verständnisfragen, ob Ihre Ausführungen auch wirklich verstanden worden sind. Stellen Sie in der Unterweisung besonders heraus, dass sicheres Arbeiten allen Beteiligten Vorteile bringt!

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