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So schützen Sie Ihre Kollegen vor gewaltsamen Übergriffen

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Von Wolfram von Gagern,

Arbeits-„Unfälle“ werden immer häufiger durch Gewalt verursacht: Nicht immer nimmt das so drastische Formen an wie im Fall des Solinger Gerichtsvollziehers, der im Oktober 2008 beim Versuch, einen Gerichtsbeschluss zu vollstrecken, von seinem „Kunden“ durch Schüsse in den Bauch schwer verletzt wurde.

Auch Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen, im Gesundheits- und Sozialwesen, Politessen und Kontrolleure von Verkehrsbetrieben haben es zunehmend mit „schlagenden Argumenten“ rabiater Zeitgenossen zu tun.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung registrierte im Jahr 2007 rund 4.500 Angriffe auf Beschäftigte durch Betriebsfremde – einige davon mit tödlichem Ausgang. Zwar ist das Phänomen gewaltsamer Bedrohungen bei der Arbeit nicht neu, aber die Gewaltbereitschaft hat zugenommen, und sie ist brutaler geworden. Die Folgen sind fatal – nicht nur für die Betroffenen. Fehlhandlungen und Fehlzeiten aufgrund von Angst nehmen zu. Für die Betriebe ist das ein echter Kostenfaktor.

So dokumentieren Sie den Vorfall

Aus Sicht der Unfallversicherungsträger ist eine Verletzung durch Gewalteinwirkung bei der Arbeit genauso ein Arbeitsunfall wie etwa ein Sturz von der Leiter. Der Betroffene hat Anspruch auf die entsprechenden Leistungen, wie etwa Heilbehandlungen. Das gilt freilich – wie bei jedem Arbeitsunfall – nur dann, wenn das Gewaltereignis arbeitsbedingt ist. Raten Sie den Betroffenen nachdrücklich, den Vorfall bei der Polizei und der Berufsgenossenschaft anzuzeigen, möglichst mit Angaben zu Zeugen. Ebenso müssen Verletzungen in Ihr betriebliches Verbandbuch eingetragen werden.

Angehörige dieser Berufsgruppen sind einem besonders hohen Gewaltrisiko ausgesetzt:

  • Krankenpflegepersonal, vor allem in psychiatrischen Einrichtungen, aber auch beispielsweise in der unfallchirurgischen Notaufnahme
  • Mitarbeiter in Verkehrsbetrieben, wie Fahrkartenkontrolleure, Busfahrer, Taxifahrer
  • Personal in Ämtern mit Publikumsverkehr wie Sozial- und Ordnungsämter oder auch Arbeitsagenturen

Das Gefährdungspotenzial steigt, wenn der Betroffene allein und/oder nachts arbeitet, wie etwa Fahrkartenkontrolleure oder Sozialarbeiter von Jugendämtern im Außendienst.

Berücksichtigen Sie die Gewaltproblematik in den Gefährdungsbeurteilungen

In den Gefährdungsbeurteilungen werden Gefährdungen durch gewaltsame Übergriffe oft ausgeblendet, außer etwa bei Tätigkeiten in Bewachungsunternehmen oder etwa am Bankschalter, wo Gewalt hauptsächlich als „Nebenerscheinung“ von Eigentumsdelikten auftritt. Hier geht es jedoch nicht um Raubüberfälle und ähnliche geplante Delikte, sondern etwa um die Sachbearbeiterin in der Arbeitsagentur, die von einem Arbeitslosengeldempfänger plötzlich mit einem Messer attackiert wurde, weil sie ihm Leistungen gekürzt hatte (so geschehen am 26.8.2004 in Berlin).

Bei der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz müssen Sie auch solche Gefährdungen ermitteln und beurteilen, um auf dieser Grundlage alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit Leben und Gesundheit Ihrer Kollegen und Mitarbeiter geschützt werden.

Diese Maßnahmen sind sinnvoll

Wirksame Präventionsmaßnahmen gegen das Gewaltrisiko hängen sehr von der Art der Tätigkeit und den Besonderheiten des Betriebs ab; für Beschäftigte in Amtsstuben müssen sie anders angelegt sein als etwa für die Nachtschwester in der Psychiatrie. Das folgende Beispiel zeigt eine weite Bandbreite:

Beispiel: Sozialamt Neukölln

Im Sozialamt Berlin-Neukölln häuften sich Ende der Neunzigerjahre Angriffe auf Bedienstete. Das Amt verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen und installierte Videokameras auf den Amtsfluren. Schilder weisen darauf hin. Die Zahl der Vorfälle wurde dadurch drastisch reduziert. Mitarbeiter wurden in Deeskalationstechniken geschult, über ein Alarmsystem kann der nahe gelegene Polizeiabschnitt 54 alarmiert werden. Mittlerweile patrouillieren auch Wachdienste in den Sozialämtern der meisten Berliner Bezirke. Auffällig gewordene Hilfeempfänger werden meist angezeigt und mit einem Hausverbot belegt.

Organisieren Sie gezielte Präventionsschulungen

Gerade Mitarbeiter mit Außendiensttätigkeiten wie beispielsweise Fahrkartenkontrolleure können potenziell gewaltdrohenden Situationen nicht immer ausweichen. Für die potenziell Betroffenen ist es aber wichtig, Verhaltensweisen zu erlernen, die deeskalierend wirken. Inzwischen bieten verschiedene Organisationen Schulungen zum richtigen Verhalten in kritischen Situationen für betroffene Beschäftigte an. Hier eine Auswahl von möglichen Angeboten:

  • Sicherheitstraining zum Umgang mit Aggressionen und Übergriffen in öffentlichen Einrichtungen, Veranstalter: Unfallkasse Sachsen-Anhalt, E-Mail: info@uksa.de
  • Umgang mit aggressivem Verhalten im Gesundheitsdienst, Veranstalter: Unfallkasse Hessen (Herr Krämer), E-Mail: g.kraemer@ukh.de
  • Deeskalationstraining, Veranstalter: Fa. Preventas, Tel. 02151/3657404

Tipp: Natürlich können Sie sich auch direkt an Ihre zuständige Berufsgenossenschaft wenden, um zu erfahren, ob sie entsprechende Schulungen im Programm hat. Ein E-Learning-Programm der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) findet sich von Mitte April an hier: www.vbg.de/qualifizierung/medien/lernprogramme.html.

Tipp: Oft werden auch so genannte Multiplikatorentrainings angeboten. Bei dieser kostengünstigen Variante lassen Sie beispielsweise Ihre Sicherheitsfachkraft schulen. Die kann dann anschließend ihr Wissen nach Bedarf an die übrigen Kollegen in Ihrem Betrieb weitergeben.

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