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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Unterweisung: Kleine Pikser mit fatalen Folgen - Wie Sie Nadelstichverletzungen vermeiden

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Von Wolfram von Gagern,

„Nadelstichverletzungen“ (NSV) umfassen auch alle anderen durch scharfe oder spitze Instrumente wie Skalpelle, Pinzetten usw. hervorgerufenen Verletzungen. Selbst wenn es dabei nicht immer um Leben und Tod geht, haben sie oft fatale Folgen.

„Nadelstichverletzungen“ (NSV) umfassen auch alle anderen durch scharfe oder spitze Instrumente wie Skalpelle, Pinzetten usw. hervorgerufenen Verletzungen. Selbst wenn es dabei nicht immer um Leben und Tod geht, haben sie oft fatale Folgen: Jährlich kommt es zu etwa 400 Ansteckungen mit Hepatitis B, 75 mit Hepatitis C und zu einer HIV-Infektion. Neben der Gesundheit ist dann nicht selten auch die Existenz ruiniert: Hepatitis-C-infizierte Ärzte dürfen ihren Beruf gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben. Deshalb muss eine NSV unbedingt in Ihr Verbandbuch eingetragen und der Berufsgenossenschaft gemeldet werden, damit später ggf. der Nachweis für eine Berufskrankheit erleichtert wird. Trotz der hohen Ansteckungsrisiken werden jedoch – so glauben die Experten – nur 15 % der Vorfälle angezeigt.

Unterweisung: Erhebliche Kosten durch Nadelstichverletzungen

Neben den persönlichen Folgen für die Betroffenen sind auch die medizinischen Kosten nicht zu unterschätzen: Eine Arbeitsgruppe der Universität Wuppertal errechnete Aufwendungen von rund 487 Euro pro gemeldete NSV, wovon das Krankenhaus – also der Arbeitgeber – 147 Euro selbst zu tragen hatte.

Unterweisung: Bestmöglicher Schutz durch sichere Instrumente

Einen 100%igen Schutz vor NSV gibt es nicht. Am wirksamsten schützen medizinische Instrumente mit integrierten Sicherheitsvorrichtungen (z. B. Injektionsnadeln, die sich nach Gebrauch automatisch in eine Schutzhülle zurückziehen). Es gibt sie heute für nahezu alle Bereiche (Injektion, Infusion, Blutentnahme usw.). Nach der Technischen Regel „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ (TRBA 250) sind sie in folgenden Bereichen mit erhöhter Infektionsgefährdung Pflicht:

  1. Behandlung und Versorgung von Patienten, die nachgewiesenermaßen durch Erreger der Risikogruppe 3 nach der Biostoffverordnung oder höher infiziert sind (dazu zählt z. B. Hepatitis B)
  2. Behandlung fremdgefährdender Patienten, also etwa betrunkener „Randalierer“ in der Unfallambulanz
  3. Tätigkeiten im Rettungsdienst, in der Notfallaufnahme und in Gefängniskrankenhäusern

Außerdem muss der Arbeitgeber bei allen Tätigkeiten Sicherheitsinstrumente (SI) zur Verfügung stellen, bei denen Körperflüssigkeiten in „infektionsrelevanter“ Menge übertragen werden können, also etwa bei Blutentnahmen.

Unterweisung: Ausnahmen nur aufgrund der Gefährdungsbeurteilung

In einigen genau festgelegten Ausnahmefällen dürfen auch weiterhin herkömmliche Instrumente benutzt werden, z. B.

  • wenn im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung unter Mitwirkung des Betriebsarztes das Verletzungsrisiko nachweislich minimiert worden ist, etwa durch ein erprobtes Entsorgungssystem für die verwendeten Instrumente;
  • wenn die behandelten Patienten erwiesenermaßen nicht mit HIV bzw. Hepatitis B und C infiziert sind. Wichtig: Diesen Teil der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie gesondert dokumentieren.

Unterweisung: Was Sie bei der Auswahl beachten sollten

Nach internationalen Richtlinien müssen SI folgende Leistungsmerkmale aufweisen:

  • Der Gebrauch des SI erfordert keine prinzipielle Änderung der Anwendungstechnik.
  • Der Sicherheitsmechanismus ist integraler Bestandteil des Produkts (kein Zubehör!).
  • Die Aktivierung muss intuitiv und mit einer Hand erfolgen können.
  • Sie muss durch ein deutliches Signal (fühlbar oder hörbar) erkennbar sein.
  • Die Aktivierung muss sofort nach dem Entfernen aus der Vene/Arterie möglich sein.
  • Der Sicherheitsmechanismus darf nicht deaktivierbar sein.
  • Das Instrument muss völlig kompatibel mit anderem Zubehör sein.
  • Der Sicherheitsmechanismus schließt einen erneuten Gebrauch aus.

Bei der Auswahl der SI sollten Sie außerdem die Kollegen, die die Instrumente handhaben sollen, einbeziehen, um die Praxistauglichkeit – und damit die Akzeptanz! – sicherzustellen.

Nach der TRBA 250 ist sicherzustellen, dass Beschäftigte auch in der Lage sind, die SI richtig anzuwenden. Sorgen Sie darum dafür, dass sie in deren Handhabung erstmals vor Beginn der Tätigkeit und anschließend mindestens einmal jährlich unterwiesen werden. Zur Unterweisung gehört nach den Bestimmungen der Biostoffverordnung auch die Information über den „Worst Case“ anhand einer Betriebsanweisung – wenn es also doch zu einer NSV kommt.

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