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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Vorbild DaimlerChrysler: So begeistern Sie Ihre Azubis für den Arbeitsschutz

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Arbeitssicherheit Unterweisung

Von Wolfram von Gagern,

Bei der Arbeitssicherheit reicht Wissen allein nicht aus: Auch auf´s Wollen kommt es an. Das gilt besonders für Auszubildende.

Manchen von ihnen erscheinen die Sicherheitsmaßregeln aus Ihren Unterweisungen vielleicht zu abstrakt, und gepaart mit jugendlichem Leichtsinn werden die „übertriebenen“ Vorschriften schnell mal vergessen. DaimlerChrysler hat diese Herausforderung mit „unorthodoxen“ Methoden gelöst. Viele davon sind auch auf Ihren Betrieb übertragbar.Die „Lernfabrik“ des Mannheimer Nutzfahrzeuge-Werks von DaimlerChrysler bildet derzeit über 330 zukünftige Fertigungsmechaniker, Kfz-Mechatroniker usw. aus. Gelernt wird dort weitgehend anhand von realen Produktionsaufträgen. Die Azubis fertigen etwa Nockenwellen und andere Teile, die von den Fachabteilungen in Auftrag gegeben und auch bezahlt werden.

Arbeitsschutzpraxis von Anfang an Besonderen Wert legt der Autobauer darauf, dass die jungen Kollegen sich von Anfang an Gedanken über arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren machen und Abhilfemaßnahmen entwickeln. Wichtig ist auch hier der direkte Praxisbezug, so dass die Azubis die Ergebnisse ihrer Bemühungen tatsächlich „erleben“. So werden 3 Ziele erreicht:

  1. Der Arbeitsschutz wird bei den Berufsanfängern als wichtiges Thema verankert. Das beginnt mit der Vermittlung der Grundkenntnisse (Arbeitsschutzvorschriften, Erste Hilfe usw.) im 1. Lehrjahr
  2. In den folgenden Ausbildungsabschnitten lernen die Azubis anhand realer Aufgabenstellungen aus dem Unternehmen, eigenständig Arbeitsschutzlösungen zu erarbeiten, die Theorie, Praxis und Ausbildungsinhalte vereinen.
  3. Durch den tatsächlichen Einsatz der erarbeiteten Arbeitsschutzlösungen in der Produktion wird den Berufsanfängern frühzeitig Mitverantwortung für eine sichere und gesundheitsverträgliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen übertragen.

Arbeitsschutzpreise als Belohnung

In der Lernfabrik werden festgestellte Arbeitsschutzrisiken, die sich z. B. in Arbeitsunfällen manifestiert haben, als Ideen für praktische Arbeitsschutzaufgaben gesammelt. Azubi-Teams erarbeiten dafür unter Anleitung von Sicherheitsfachkräften Lösungen. In den Teams arbeiten immer ältere Azubis mit jüngeren zusammen, so dass neben der Projektarbeit auch fachliche Fertigkeiten weitergegeben werden. Die Lernfabrik erhielt für diese Art, Jugendliche für den Arbeitsschutz zu motivieren, den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2005.

Der wichtigste Erfolg dieser Projekte aber sind hoch engagierte Jugendliche, die Gesundheitsrisiken nicht dulden. Denn sie haben sondern gelernt, Verantwortung zu übernehmen und selbst kreativ nach Lösungen suchen.

Ausgezeichnete Abgasabsaugung

Hier ein Beispiel für eine von vielen praktischen Arbeitsschutzaufgaben, die die Mannheimer Azubis „ausgezeichnet“ gelöst haben:

Die Schläuche der Abgasabsaugungen in der Lernfabrik rutschten immer wieder von den Auspuffrohren ab; dadurch gelangten die giftigen Motorabgase in die Werkstatt. Die beiden angehenden Fertigungsmechaniker Christian Ulrich und Moritz Schreiber suchten nach einer Lösung dafür, da es auf dem Markt noch keine gab. Sie konstruierten schließlich einen Adapter, der auf das Auspuffrohr gesteckt und dort befestigt wird. Damit kann auch bei laufendem Motor gefahrlos gearbeitet werden. Die auffällige Signalfarbe des Adapters reduziert zudem die Stolpergefahr. Die Belohnung ließ nicht auf sich warten: Die Azubis wurden im Oktober 2006 mit dem Deutschen Jugend-Arbeitsschutzpreis ausgezeichnet.

Das geht auch in Ihrem Betrieb

Zugegeben, nicht jeder kleinere Betrieb verfügt über die Möglichkeiten von DaimlerChrysler. Dennoch kann vieles, was sich in der Lernfabrik bewährt hat, leicht auch auf Ihren Betrieb übertragen werden: im Interesse des Arbeitsschutzes und zum wirtschaftlichen Nutzen Ihres Unternehmens. Einige Beispiele:

  • Benennen Sie pro Ausbildungsteam (bzw. -jahrgang) einen Azubi als Arbeitsschutzbeauftragten. Dieser erledigt im Umfeld der Ausbildung unter Anleitung die Arbeiten eines Sicherheitsbeauftragten „im Kleinen“. Das heißt: Er meldet Arbeitsschutzrisiken, sucht nach Abhilfemaßnahmen für Gefährdungen und ist der Multiplikator unter den Azubis – das steigert das Verantwortungsgefühl eines jeden Einzelnen für den Arbeitsschutz.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Azubis regelmäßige Arbeitsschutzbesprechungen durchführen: Wo gibt es Sicherheitsmängel? Was kann besser gemacht werden?

Wichtig: Die Ergebnisse werden protokolliert und Ihnen als Sicherheitsfachkraft übergeben. Lassen Sie die Azubis wissen, was Sie mit den Ergebnissen „anfangen“ bzw. warum Sie einen Vorschlag nicht weiter verfolgen (z. B. weil der Betrieb dafür ohnehin schon an einer übergreifenden Lösung arbeitet).

  • Wenn Sie nur einen Azubi haben, laden Sie ihn gelegentlich zu den Arbeitsschutzsitzungen ein und geben ihm gezielt Teilaufgaben zum Arbeitsschutz.
  • Lassen Sie Azubis an Arbeitsschutzbegehungen mitwirken. „Mitwirken“ heißt: Sie sollen ruhig selbst „kritische“ Beobachtungen äußern und hinterfragen. Das bringt oft wertvolle Einsichten, weil die jungen Kollegen (noch) nicht „betriebsblind“ sind.
  • Ermuntern Sie sie, Verbesserungsvorschläge zur Optimierung von Arbeitsplätzen, Vorrichtungen und Arbeitsabläufen zu unterbreiten.
  • Lassen Sie die Azubis an Gefährdungsbeurteilungen teilnehmen.

 

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