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Fallstricke Online-PR: Sensibler Umgang mit Dokumenten im Pressearchiv

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Pressemeldungen sind tagesaktuelle Erklärungen Ihres Unternehmens zu relevanten Vorgängen. Sie verschicken sie per Mail an die Presse und legen sie in Ihrem Online-Archiv ab. Doch was tun Sie, wenn sich die Faktenlage ändert und Sie vielleicht Ihre Position modifizieren?

Oder wie gehen Sie damit um, wenn Sie zu einem Unternehmen kritisch Stellung bezogen haben, sich das Unternehmen aber zwischenzeitlich gebessert hat? Wir geben Ihnen einen Überblick über mögliche Verhaltensweisen in dieser sensiblen Frage.

Online-PR: Löschen ist keine gute Lösung

Wenn in Ihrem Pressearchiv eine Meldung zu finden ist, deren Inhalte nicht mehr korrekt sind, ist Ihr erster Impuls vielleicht, die Meldung zu löschen. Das ist natürlich die einfachste Möglichkeit, aber ganz sicher nicht die beste Lösung. Denn Sie können die Meldung ja nicht ungeschehen machen.
Sie haben sie an Journalisten geschickt, vielleicht sogar in Presseportale eingestellt. Über diese Wege hat sich die Meldung verbreitet. Sie ist kopiert und in anderen Seiten veröffentlicht worden. Spuren davon finden Sie also bei gründlicher Recherche überall im Netz. D. h.: Wer recherchiert, findet Ihre Aussagen dennoch – und stellt womöglich die kritische Frage, warum die Meldung beim Urheber nicht mehr zu finden ist.
Damit Sie eine solche Nachfrage nicht in Erklärungsnot bringt, sollten Sie sich eine gute Argumentation zurechtlegen. Und dennoch müssen Sie damit rechnen, dass ein Beigeschmack bleibt. Das Wort „Zensur“ könnte schnell im Raum stehen.

Online-PR: Tilgen Sie den Namen

Haben Sie in der Meldung ein Unternehmen oder bestimmte Personen namentlich benannt, könnten Sie auch nur die Namen löschen. Die in dieser Weise anonymisierte Meldung bleibt dann im Archiv. Auf diese Weise werden die Genannten geschützt. Zugleich kommen Sie Ihrem Anliegen zur Dokumentation nach.

Online-PR: Sie handeln rechtskonform

Die Veränderung der digitalen Pressemeldung im Online-Archiv kann nicht als Urkundenfälschung gelten, da digitale Dokumente nicht als Urkunden gelten, mithin also nicht gefälscht werden können.

Online-PR: So argumentieren Sie

Wenn Sie sich entschließen, eine Meldung zu löschen oder zu ändern, können Sie dies nach außen mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechten der genannten Unternehmen oder Personen begründen. Denn schließlich tragen Sie auch Verantwortung.
Gerade wenn sich das Unternehmen oder die Person nichts mehr zuschulden kommen ließ oder wenn sogar im Gegenteil die damals zur Last gelegten Anschuldigungen wegen der Veränderung nicht mehr haltbar sind, tragen Sie durch eine Löschung oder Anonymisierung zur Rehabilitierung des Unternehmens oder der Person bei.

Online-PR: Fakten bleiben Fakten

Ebenso berechtigt und vertretbar ist es, wenn Sie die Meldung unverändert im Archiv stehen lassen. Sollte das namentlich genannte Unternehmen oder die Person an Sie herantreten und eine Löschung des Namens verlangen, brauchen Sie keine juristischen Konsequenzen zu fürchten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat dies mit zwei Urteilen vom 15.12.2009 (Az. VI ZR 227/08 und 228/08) entschieden.
Anlass für die Urteile war die Klage des Mörders von Schauspieler Walter Sedlmayr. Er verlangte, dass das Deutschlandradio Beiträge aus seinem Online-Archiv löschen sollte, in denen er im Zusammenhang mit der Ermordung als verurteilter Täter mit vollem Namen genannt wird. Das Gericht lehnte dies ab und erklärte: Auch nicht mehr aktuelle Rundfunkbeiträge bzw. deren Mitschriften dürften grundsätzlich auch unter voller Namensnennung verurteilter Straftäter in einem Online-Archiv zum Abruf bereitgehalten werden.
Das Gericht wog bei diesem Urteil ab zwischen

  • dem Persönlichkeitsrecht der Betroffenen,
  • dem Informationsinteresse der
  • Öffentlichkeit und der Meinungs- und Medienfreiheit.

Der BGH ist auf der Seite der Medien
Auf Ihren Fall übertragen heißt das: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Meldung haben Sie das Informationsinteresse der Öffentlichkeit über das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen gestellt. Und genau hiermit argumentiert der BGH: Er räumt ein, dass eine solche Nennung ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht darstellt. Allerdings sei dieser in bestimmten Fällen erlaubt.
Dann müsse das Schutzinteresse hinter dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Recht auf freie Meinungsäußerung zurücktreten. Dabei verweist das Gericht auch darauf, dass es sich um sachlich abgefasste, wahrheitsgemäße Aussagen handele.
Außerdem, so argumentierte das Gericht weiter, habe die Öffentlichkeit ein Recht darauf, auch vergangene zeitgeschichtliche Ereignisse zu recherchieren. Indem Sie Ihre Meldung unverändert im Archiv stehen lassen, ermöglichen Sie der interessierten Öffentlichkeit diese Recherche.

Online-PR: Platzierung und Kennzeichnung im Archiv

Der BGH untermauerte seine Begründung auch mit folgenden Hinweisen:

  • Die Meldung sei nur auf den für Altmeldungen vorgesehenen Seiten der Website des Deutschlandradios zugänglich,
  • sie sei ausdrücklich als Altmeldung gekennzeichnet und
  • nur durch eine gezielte Suche auffindbar.

Das heißt für Sie:
1. Legen Sie Ihre fragliche Meldung in einem explizit als Archiv gekennzeichneten Bereich ab.
2. Da die Meldung ja weitergeleitet und einen Hinweis darauf anbringen, dass es sich um eine Meldung aus dem Archiv handelt.

Online-PR: Erklären Sie die unveränderte Archivierung

Wenn Sie sich entschließen, die Meldung unverändert im Archiv zu lassen, kann es sein, dass das Unternehmen oder die betroffene Person auf Sie zukommt und um Löschung bittet. Machen Sie in diesem Fall deutlich, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf Information hat. Bieten Sie an, die Meldung sehr deutlich als Archivmeldung zu kennzeichnen.
Wenn das Unternehmen zwischenzeitlich in der Tat die damals kritisierten Vorgänge eingestellt hat und nun einwandfreie und qualitativ hochwertige Arbeit leistet, können Sie ja über eine gemeinsame Aktion nachdenken: Warum sollten Sie das Unternehmen oder die Person nicht durch eine Kooperation rehabilitieren? Denkbar wäre ein gemeinsamer Auftritt beim Stadtfest oder eine breit kommunizierte Zusammenarbeit. Die entsprechende dazugehörige Pressemeldung steht dann im Archiv an oberster Stelle, während die alte Meldung noch weiter nach hinten rutscht und in Vergessenheit gerät.
FAZIT: Wie Sie sich entscheiden, steht Ihnen frei: Sie können die Pressemeldung unverändert im Archiv stehen lassen, sie löschen oder anonymisieren. In jedem Fall sollten Sie sich aber für die Entscheidung eine Argumentation zurechtlegen. Denn gerade sensible Themen und wichtige Ereignisse werden immer mal wieder aufgegriffen.
Daher besteht durchaus die Möglichkeit, dass auch nach langer Zeit ein Medienvertreter das Ereignis rekonstruieren will und zu diesem Zweck in Ihrem Archiv recherchiert. Dann ist es gut, die Gründe für das eigene Verhalten transparent machen zu können. Halten Sie Ihre Argumentation schriftlich fest. So bleibt das Verhalten auch über einen langen Zeitraum bei Bedarf nachvollziehbar.

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