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Gasverpuffung bei Kabelarbeiten: So hätte der Unfall verhindert werden können

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Von Wolfram von Gagern,

In einem Wohngebiet sollte eine Störung an einem erdverlegten Elektrokabel beseitigt werden. Da zu wurde ein Graben ausgehoben. Die Baufirma wusste, dass 20 cm unter dem Elektrokabel eine Gas-Hausanschlussleitung verlief, und tastete diese daher bei den Aufgrabungen nicht an.

Nachdem der Kabelgraben hergestellt war, sollte das neue Kabelstück mittels Muffen eingebaut werden. Im Graben befanden sich jedoch noch verkohlte Reste des defekten Elektrokabels, die noch immer einen starken Brandgeruch verbreiteten. Als einer der Monteure mit dem Schrumpfen der Muffe beginnen wollte und dazu den Flüssiggasbrenner zündete, kam es plötzlich zu einer Verpuffung. Der Mann erlitt dabei schwere Verbrennungen im Gesicht.

Das ergab die Unfallanalyse

Das zuständige Arbeitsschutzamt machte sich an die Unfalluntersuchung, wobei die Beamten auch die Gasleitung freilegen ließen. Dabei stellte sich heraus, dass sie in einem Schutzrohr aus Polyethylen verlegt war. Dieses wies Spuren thermischer Beanspruchung auf, die schon vor den Arbeiten zur Störungsbeseitigung entstanden sein mussten. Die Leitung besaß in diesem Bereich eine Leckstelle. Hierdurch war das Gas entwichen, das schließlich durch den Flüssiggasbrenner entzündet wurde. Obwohl es in der Hausanschlussleitung odoriert (mit einem Geruchsstoff versehen) war, konnten die Monteure bei den Arbeiten in der Baugrube keinen Gasgeruch wahrnehmen – denn dieser wurde vom Geruch des verschmorten Elektrokabels überlagert.

Diese Sicherheitsvorschriften wurden missachtet

Die Berufsgenossenschaftliche Vorschrift „Bauarbeiten“ (BGV C 22) enthält unter § 16 genaue Bestimmungen für den Fall, dass im vorgesehenen Arbeitsbereich Anlagen vorhanden sind, durch welche Personen gefährdet werden können. Die Durchführungsanweisung zur BGV C 22 nennt hier ausdrücklich Anlagen mit Explosionsgefahr, zu denen die Gasleitung – deren Vorhandensein bekannt war – zweifellos gehört.

In diesem Fall hätte die Baufirma – so verlangt es die Vorschrift – im Einvernehmen mit dem Eigentümer oder Betreiber der Anlage die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen festlegen und durchführen müssen. Dies hatte die Firma jedoch unterlassen, indem sie eigenmächtig mit den Kabelarbeiten begann.

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Im Übrigen gilt: Bei unvermutetem Antreffen gefährlicher Anlagen im Arbeitsbereich müssen die Bauarbeiten sofort unterbrochen und der Aufsichtführende verständigt werden, der dann über die weiteren Maßnahmen zu entscheiden hat.

Prüfung auf Gasfreiheit vorgeschrieben

Zur Festlegung der Sicherungsmaßnahmen hätte das Gasversorgungsunternehmen u. a. auch entscheiden müssen, ob die Leitung auf einen möglichen Gasaustritt hin zu untersuchen gewesen wäre. Denn: Auch bei odoriertem Gas ist es nicht ausreichend, sich auf eine Geruchswahrnehmung des Gases zu verlassen, da die Odorierung unter Umständen durch andere Geruchseindrücke, wie in diesem Fall durch die verschmorten Kabelumhüllungen, überdeckt werden kann.

Die Arbeiten hätten folglich erst nach Feststellung der Gasfreiheit und Freigabe durch das Gasversorgungsunternehmen aufgenommen werden dürfen. In unserem Fall hätte das Gasversorgungsunternehmen vorher den weiteren Gasaustritt sicher verhindern und die Gasfreiheit feststellen müssen.

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