Gratis-Download

Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der…

Jetzt downloaden

Burnout im Unternehmen: Anzeichen, Ursachen, Therapie, Vorsorge

 
Burnout - Maßnahmen Arbeitgeber
© Kaspars Grinvalds | Adobe Stock

Erstellt:

Burnout beeinträchtigt neben der betroffenen Person auch das Team und Unternehmen. Lesen Sie hier, wie Sie Anzeichen erkennen und mit geeigneten Maßnahmen helfen können.

Was genau ist ein Burnout bzw. Burnout-Syndrom?

Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Burnout nehmen immer mehr zu. Auch wenn der Begriff Burnout oder Burnout-Syndrom in den letzten Jahren häufig fiel und die Erkrankung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, gibt es keine genaue Definition dafür. Es handelt sich eher um eine Kombination verschiedener Symptome, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen – daher ist der Begriff des Burnout-Syndroms auch irreführend. Diejenigen, die daran leiden, beschreiben die Krankheit als ein Gefühl des Ausgebranntseins und der Überlastung. Es handelt sich um eine große Erschöpfung, die sowohl den Körper als auch den Geist betrifft.

Anders als in stressigen Phasen, die für jeden Menschen hin und wieder auftreten können, vergehen die Beschwerden nicht wieder. Wer manchmal überfordert ist, erholt sich in weniger anstrengenden Phasen und ist bald wieder einsatzbereit und leistungsfähig. Bei einem Burnout ist das nicht der Fall. Die betroffenen Personen können nicht mehr abschalten und regenerieren.

Manche Symptome von Burnout überschneiden sich auch mit denen der Depression, beispielsweise die unüberwindliche Antriebslosigkeit und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. In manchen Fällen gehen die beiden Krankheiten auch miteinander einher – rund einer von sechs Burnout-Patienten hat auch eine Depression.

Mögliche Burnout-Ursachen sind vielfältig

Es gibt für den Burnout unterschiedliche Ursachen, die ineinandergreifen. Bei der Arbeit sind es mehrere Punkte, die dazu beitragen können, etwa:

  • Überforderung durch schwierige Aufgaben, Verantwortlichkeiten oder Leistungs- bzw. Zeitdruck
  • ein Gefühl der Hilflosigkeit aufgrund nicht funktionierender Absprachen, die zu Fehlern und Mehrarbeit führen 
  • Bedenken oder Angst wegen der eigenen (vermeintlichen) Unzulänglichkeit
  • Ziellosigkeit, oft auch in Verbindung mit repetitiven Aufgaben
  • mangelnde Möglichkeiten für eine Einflussnahme
  • Konflikte am Arbeitsplatz oder ein schlechtes Betriebsklima

Hierbei sollten Sie beachten, dass Menschen auf schwierige Aufgaben unterschiedlich reagieren. Während manche angesichts einer Herausforderung aufblühen und dafür mit sinnlos erscheinenden Wiederholungen nicht gut zurechtkommen, brauchen andere wiederum die Routine und erstarren angesichts plötzlich zu bewältigender Herausforderungen. Ebenso schütteln manche Angestellte Streitigkeiten am Arbeitsplatz achselzuckend ab, andere Arbeitnehmer nehmen sie mit nach Hause, brüten darüber und leiden darunter.

In vielen Fällen gehen die Belastungen am Arbeitsplatz mit Problemen im privaten Umfeld einher. So ist es für die Betroffenen unmöglich, sich zumindest in einem Lebensbereich von negativen Einflüssen abzuschotten. Die Abwärtsspirale kommt so umso schneller zustande.

So erkennen Sie Burnout und seine Symptome

Burnout-Symptome treten bei vielen (aber nicht bei allen) Betroffenen in folgenden Phasen auf:

Phase 1

Drang, sich zu beweisen: Diese Phase ist geprägt von einem starken Ehrgeiz, Perfektionismus und der Sorge, nicht gut genug zu sein.

Phase 2

Starker Einsatz: Die Betroffenen können nicht mehr delegieren, müssen alles selbst so schnell und so gut wie möglich erledigen.

Phase 3

Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Soziale Interaktionen sind zweitrangig und werden bei anderen belächelt. Die eigene Arbeitsmoral wird als perfekt betrachtet– allerdings kann es hier zu ersten Fehlern kommen.

Phase 4

Bedürfnisse und Konflikte werden verdrängt: Das betrifft verschiedene Beziehungen wie die zu Freunden, Partnern und Kollegen. Körperliche Einbußen und Erschöpfung bleiben unbeachtet, es kommt zu terminlichen Fehlern und Unpünktlichkeit.

Phase 5

Werteanpassung: Vieles, was früher wichtig war, wird bedeutungslos und der Horizont enger. Die Arbeit steht im Vordergrund. Die Betroffenen wirken härter und zynischer.

Phase 6

Probleme verleugnen: Die Betroffenen reagieren harsch auf ihr Umfeld, sind ungeduldig, kapseln sich ab, ihre Leistungsfähigkeit ist deutlich vermindert und die gesundheitlichen Einbußen augenfällig.

Phase 7

Abkapselung: Freunde und Familie erreichen die Betroffenen nicht mehr. Sie werden kritikunfähig, haben oft weder Orientierung noch Hoffnung. Auf der Arbeit erledigen sie nur noch das Nötigste, suchen aber nach einer Ausgleichsbefriedigung.

Phase 8

Das Verhalten ändert sich: Die Betroffenen werden apathisch und gleichgültig, ihnen ist alles egal. Bei der Arbeit suchen sie nach Ausflüchten, wenn sie neue Aufgaben übernehmen sollen.

Phase 9

Entfremdung vom Ich: Die Betroffenen erkennen sich selbst nicht mehr, fühlen sich wie Maschinen und vernachlässigen ihre Gesundheit. Ihr Leben erscheint ihnen sinnlos.

Phase 10

Gefühl innerer Leere: Die Betroffenen fühlen sich nutzlos, ausgezehrt und leer. Sie neigen zu Angstgefühlen, die bis hin zu Panikattacken reichen können.

Danach gehen die Beschwerden in die einer schweren Depression über. Es kann durchaus sein, dass nicht alle Betroffenen jede dieser Burnout-Phasen durchleben, auch wenn die allgemeine Tendenz auf viele von ihnen zutrifft.

Wie Sie Anzeichen im Unternehmen erkennen

Als Arbeitgeber sollten Sie darauf achten, ob Ihre Angestellten die ihnen gestellten Aufgaben bewältigen können. Je größer ein Unternehmen ist, desto schwerer fällt das. Wichtig ist daher, dass Sie Ihre Abteilungs- und Teamleiter für das Thema sensibilisieren und sie auf die möglichen Anzeichen hinweisen: 

  • Sie sollten ein Auge darauf haben, ob jemand sich zu sehr in die Arbeit stürzt – auch, wenn Sie sich instinktiv über einen solchen Eifer freuen. 
  • Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind ebenfalls Momente, in denen Burnout-Symptome auffallen können.

Wie Sie mit betroffenen Arbeitnehmern umgehen sollten

Bemerken Sie oder einer Ihrer Teamleiter, dass jemand unter Ihren Angestellten auf ein Burnout zusteuert, suchen Sie das Gespräch mit ihm. Idealerweise bitten Sie einen speziell ausgebildeten Coach zum Gespräch hinzu. Je nachdem, in welcher Burnout-Phase sich der Arbeitnehmer befindet oder ob er Angst um seinen Job hat, möchte er nämlich über das Thema mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gern sprechen.

Verdeutlichen Sie der betroffenen Person, dass Sie sich Sorgen machen und ein Burnout eine ernstzunehmende gesundheitliche Gefahr darstellt. Fragen Sie nach, ob die Person sich überfordert fühlt oder durch andere Abläufe im Beruf unglücklich ist. Vielleicht reicht es, wenn Sie die Kommunikation überarbeiten, wahrscheinlich aber sollten Sie die Aufgaben für die betroffene Person anpassen. Bieten Sie auf jeden Fall an, dass der auf Burnout-Probleme geschulte Coach mit der Person zusammenarbeiten kann, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Behandlung der Diagnose Burnout

Ebenso wenig, wie es eine einfache Diagnose gibt, existiert "die eine" Burnout-Behandlung. Ärzte oder Therapeuten sprechen mit den Betroffenen über ihre Beschwerden. Es gibt auch Fragenkataloge, die als eine Art Burnout-Schnelltest zum Einsatz kommen. Die Fragen orientieren sich an den oben beschriebenen Symptomen. Je mehr Fragen Betroffene mit "ja" beantworten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Burnout besteht. Allerdings sollten diese Burnout-Schnelltests grundsätzlich mit Vorsicht behandelt werden, da sie lediglich Hinweise geben.

Befinden sich die betroffenen Personen noch in einer Frühphase, können Methoden zur Stressbewältigung ebenso hilfreich sein wie das Hinterfragen und Korrigieren der eigenen Erwartungshaltung. Dafür ist professionelle Hilfe nötig. Denn die Anleitungen müssen individuell auf die Betroffenen zugeschnitten sein. Praktische Hilfen gibt es in verschiedenen Bereichen:

  • Konkret kann es im Unternehmen helfen, die Arbeitssituation zu ändern oder an der Kommunikation zu arbeiten. 
  • Von vornherein eingeplante regelmäßige Erholungspausen sind ebenfalls wichtig.
  • Partner, Familie und Freunde sollten eingeweiht und um Rückhalt gebeten werden.
  • Falls es aus dem Fokus geraten ist, sollten Betroffene zu einem gesunden Lebensstil mit regelmäßigen Schlafzeiten, gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung zurückkehren.

Ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten, kann eine Behandlung nebenbei im Alltag unter Umständen nicht mehr helfen. Dann kommen andere Formen der Therapie infrage – vor allem die Verhaltenstherapie. Sie kann ambulant, aber auch stationär erfolgen. Die Betroffenen erlernen konkrete Strategien, mit denen sie die Schwierigkeiten des Alltags bewältigen können. Insgesamt geht es um:

  • die Stärkung des Selbstbewusstseins,
  • das Erarbeiten realistischer Perspektiven,
  • das Wahrnehmen und den Ausdruck der eigenen Gefühle,
  • das Standhalten gegen äußeren Druck,
  • die Bewältigung von Stress,
  • das Lösen von Konflikten und
  • das Erkennen bisheriger Muster, die nur scheinbar vorteilhaft waren.

Können die Betroffenen an diesen Aufgaben nicht mitarbeiten, ist es wahrscheinlich, dass schon eine Depression vorliegt. Dann muss zunächst diese Krankheit behandelt werden, unter Umständen auch mit Antidepressiva. 

Mögliche Folgen ohne Therapie

Falls von einem Burnout Betroffene keine Hilfe bekommen, kann es sein, dass sie Angststörungen und Depressionen entwickeln. Sie können Panikattacken erleben, an Schlaflosigkeit leiden und so antriebslos werden, dass sie nicht mehr aus dem Bett kommen. Die Belastungen durch die Krankheit können so stark werden, dass Selbstmordgedanken aufkommen. Die Diagnose ist daher wichtig und eine Behandlung unabdingbar. Damit es gar nicht erst soweit kommt, ist auch die Prävention so wichtig.

Burnout-Prävention im Unternehmen

Da es sich beim Burnout vor allem um eine seelische Erkrankung handelt, die durchaus auch körperliche Auswirkungen haben kann, gilt sie für viele Menschen noch als Stigma. Die Vorstellung, dass niemand die Krankheit hat, der stabil und geistig gesund ist, ist noch immer weit verbreitet. Sie als Arbeitgeber sollten in Ihrem Unternehmen über die Erkrankung aufklären und verdeutlichen, dass Sie Burnout ernst nehmen und Betroffenen Hilfe zukommen lassen.

Neben der oben erwähnten Schulung und Sensibilisierung Ihrer Führungskräfte kann es auch hilfreich sein, regelmäßig anonymisierte Befragungen der Mitarbeiter durchzuführen. So fällt es diesen leichter ohne Angst vor Konsequenzen zu sagen, was sie im Betrieb stört. Nehmen Sie die Antworten ernst, die Sie bekommen und stellen Sie die angesprochenen Missstände nach Möglichkeit ab. Dies kann entscheidend zu einem guten Betriebsklima beitragen und den Mitarbeitern die Angst nehmen, sich zu äußern.

Falls Sie noch kein betriebliches Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen implementiert haben, kann das (je nach Unternehmensgröße) ebenfalls ein hilfreicher Schritt sein. Dadurch gibt es in Ihrem Unternehmen Personen, die darauf spezialisiert sind, die Arbeitsplätze physisch wie psychisch so gesund wie möglich zu gestalten. Die Burnout-Prävention zählt zu ihren Aufgaben.

Es ist wichtig, Burnout früh zu erkennen und zu behandeln

Ein Burnout kann schwere Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen. Auch für den Arbeitgeber ist Burnout von Nachteil. Denn die Betroffenen arbeiten meist fehlerhaft und fallen während der Behandlung durch die Erschöpfung oft für lange Zeit aus, was zu Personalengpässen und Mehrkosten führt. Da sich die manche Anzeichen für die Krankheit unter Umständen am Verhalten der Betroffenen ablesen lassen, ist es wichtig, alle Führungskräfte für das Thema zu sensibilisieren. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Betroffenen kann Schlimmeres verhindern. Daher sollte die Burnout-Prävention ein Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein. Wichtig ist, dass Ihre Mitarbeiter sich ohne Bedenken an Sie wenden können. 

Arbeitsschutz aktuell

Sichern Sie sich praxisrelevante Tipps, Anregungen und Hinweise auf aktuelle Urteile und Gesetzesänderungen mit leicht nachvollziehbaren Lösungsansätzen für Ihrer tägliche Arbeit als Sicherheitsbeauftragter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Datenschutz
Jobs