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Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der...

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In 5 Schritten psychischen Gefährdungen auf der Baustelle begegnen

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Baustelle
Urheber: sveta | Fotolia

Von Peter Strohbach,

Viele Menschen denken bei psychischen Belastungen meist an Büroarbeitsplätze. Doch insbesondere auf Baustellen sind Stress, Druck, Erschöpfung und Monotonie ein Problem. Am Arbeitsplatz in einem schwankenden Baukran bekommt der Begriff psychische Belastung eine ganz andere Dimension! Umso wichtiger ist es, der psychischen Gefährdung auf einer Baustelle entgegenzuwirken.

Die Tätigkeit auf einer Baustelle hält sehr viele Herausforderungen an die dort arbeitenden Menschen bereit. Denn hier müssen Anforderungen der Aufgabenplanung und -durchführung genauso berücksichtigt werden wie schwierige äußere Verhältnisse. Es müssen Unfallgefahren genauso erkannt werden wie mangelnde Kommunikation oder persönliche Befindlichkeiten. Und auch die Auswirkungen können beträchtlich sein – oft ist eine längere Bauzeit, eine schlechtere Bauqualität und ein explodierender Kostenrahmen das Ergebnis.

Als Resultat dieser Gefährdungsbeurteilung werden Verhältnisse rund um die Baustelle eingeführt, verändert, korrigiert oder abgeschafft. Die folgenden Schwerpunkte sollten Sie von Anfang an in Ihre Betrachtung einbeziehen, damit Ihr Baustellenteam keine psychischen Belastungen erlebt und die Baustelle „ein voller Erfolg“ wird:

1. Allgemeine Verhältnisse: Arbeitsschutz und Unterweisung

Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit berät und unterstützt Sie beim Arbeitsschutz und der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), gleichzeitig lässt sich das Thema „Psyche“ ideal in die Sicherheitsunterweisung integrieren:

  • Bei psychischem Stress, psychischer Erschöpfung, Ermüdung und Monotonie droht ein Abbau der Sorgfalt. Für diese Problematik muss ein Bewusstsein geschaffen werden. Mit dem Baustellenleiter können Maßnahmen, wie beispielsweise der Wechsel zwischen den Tätigkeiten, besprochen werden.
  • Erfolgreiche Arbeitgeber vermitteln in Schulungen, wie Arbeiter auf Baustellen eigenständig handeln, und geben den erlaubten Rahmen vor.

2. Organisatorische Verhältnisse: Klare und verständliche Zeit- und Aufgabenpläne

Arbeitnehmer auf der Baustelle müssen sich um viele Punkte kümmern. Also sollten die Verhältnisse so gestaltet werden, dass z. B. klare und verständliche Zeit- und Aufgabenpläne vorliegen.

  • „Ritualisieren“ Sie Abläufe, indem z. B. feste Besprechungszeiten eingeführt werden,  
  • Bauen Sie ein Vorschlagswesen auf, durch das Ihre Arbeitnehmer ihr Umfeld aktiv verbessern können. Denkbar ist z. B. ein Briefkasten, in den anonym oder auch namentlich gekennzeichnete Zettel mit Verbesserungsvorschlägen hineingeworfen werden.
  • Oft gibt es Missverständnisse zwischen „denen im Büro“ und „denen auf dem Bau“. Deshalb müssen Sie für eine Kommunikation zwischen den Bereichen sorgen. Zum Beispiel werden der Beginn und der Abschluss einer Baustelle gemeinsam begangen, d. h., beide Seiten werden regelmäßig über den Fortgang auf einer Baustelle informiert. Sorgen Sie unbedingt für einen gemeinsamen Betriebsausflug, bei dem sich beide Bereiche treffen und austauschen können!

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3. Räumliche Verhältnisse: Unordnung reduzieren und Hygienemaßnahmen einführen

Eine „saubere Baustelle“ hat eine Steigerung der Effizienz, Motivation und Arbeitsleistung zur Folge. Wichtig sind Regeln, die die Anforderungen festschreiben und Kennzahlen nennen, wann eine „saubere Baustelle“ vorliegt. Das könnte sein, wenn

  • kein Arbeitsgerät als Stolperfalle herumliegt,
  • kein Abfall oder Verpackungsmaterial zu sehen ist,
  • keine Chemikalien oder Werkstoffe herumstehen.

Überlegen Sie: Welche Regeln gelten, damit das Ganze umgesetzt wird? Welche Sanktionen drohen, wenn dagegen verstoßen wird?

4. Technische Verhältnisse: Stress aufgrund von Ausfällen oder Fehlern der Geräte

  • Wer sorgt für die regelmäßige Wartung?

  • Wie wird ein Schaden gemeldet?

  • Welche Alternativen zu dem Gerät gibt es bei einem Ausfall?

  • Welchen Einfluss hat der Arbeitnehmer bei der Anschaffung von Geräten und Werkstoffen?

5. Führungsverhältnisse

Ohne eine gute Führung geht es nicht – erst recht nicht auf einer Baustelle. Sie sollten bei Vorarbeitern, Teamleitern etc. für folgende Verhältnisse sorgen:

  • Kommunikation als Führungsstil: Besprechen Sie typische Situationen, in denen sich Mitarbeiter falsch verhalten. Wie gehen Sie damit um, wie kann Ihre Argumentation lauten?
  • Regeln als Führungsstil: Diskutieren Sie offen, wie Regeln festgelegt und eingeführt werden können – und wie Sanktionen geplant und ausgesprochen werden.
  • Verhalten als Führungsstil: Testen Sie beispielsweise in einem Work-shop, wie eine Führungskraft als Vorbild motivieren kann und in welchem Maße Körpersprache und Gestik ein Team beeinflussen.
  • Wissen als Führungselement: Oft wird Alkoholgenuss, Mobbing oder anderes Verhalten auf Baustellen beobachtet. Eine Führungskraft sollte lernen, diese Themen zu erkennen, damit umzugehen und sie auch anzusprechen.

Das bedeutet für Sie: Die Reduzierung von psychischen Belastungen auf einer Baustelle gelingt, wenn Sie konsequent und ganzheitlich vorgehen. Dazu gehört die angepasste psychische Gefährdungsbeurteilung genauso wie die Überprüfung aller vorliegenden Situationen. Kombinieren Sie das Thema Psyche beider Bereiche z. B. mit Workshops, die alle Beteiligten einschließen − im Planungsbüro und auf der Baustelle! Verknüpfen Sie die beiden Bereiche bei der Überprüfung zeitlich miteinander, damit Sie eine bessere Übersicht haben. Grundsätzlich wird aber die Tätigkeit auf der Baustelle Vorrang haben, da sich dort Fehler am gravierendsten auswirken.

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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