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Waren wollen nicht nur kostengünstig transportiert, sondern auch möglichst optimal ein- und ausgelagert werden. Überflüssiger Lageraum durch zu hohe...

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Vorsicht: Serienmäßige Ladungssicherungs-Einrichtungen sind oft nicht vorschriftsgemäß!

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Ladung
Urheber: benjaminnolte | Fotolia

Von Uwe E. Wirth,

Bei der Anschaffung von Fahrzeugen, die zum Waren- oder Mustertransport dienen sollen, wird sich so mancher Fuhrparkverantwortliche beim Prospektstudium freuen. Die Hersteller preisen hier nämlich oft jede Menge Rückhaltesysteme wie Gitter oder Netze an, die optimal auf die jeweiligen Fahrzeuge angepasst sein sollen.

Doch Vorsicht: Kaum eines dieser vollmundig angepriesenen Systeme entspricht den vorgeschriebenen DIN-Normen. Kommt es dann zu einem Unfall, sitzen Sie als Verantwortlicher ganz schnell in der Patsche.

Grundsätzlich sind Sie als Fuhrparkverantwortlicher dazu verpflichtet, Ihren Fahrern ausreichende Einrichtungen zur Ladungssicherung zur Verfügung zu stellen, wenn mit den Fahrzeugen auch Waren oder Muster transportiert werden. Und diese Verpflichtung kann weit reichende Konsequenzen für Sie haben. Denn kommt es zu einem Unfall, bei dem sich die Ladung selbstständig macht und dabei jemanden verletzt, müssen Sie persönlich für den Schaden geradestehen, wenn Sie es versäumt haben, vorschriftsmäßige Sicherungssysteme zur Verfügung zu stellen. Gleiches gilt, wenn Sie die Fahrer nicht im korrekten Umgang mit diesen Systemen schulen.

Nun bieten die Autohersteller gerade bei Kombifahrzeugen in der Regel Ladungssicherungssysteme wie etwa Gitter oder Netze an, die hinter den Rücksitzen verankert werden. Doch haben Sie beim Prospektstudium einen Hinweis auf die einschlägigen Normen gefunden? Wenn ja, können Sie sich glücklich schätzen, denn meist wird Ihre Suche vergeblich bleiben. Auch wenn Sie explizit bei Händlern und Herstellern nachfragen, wie es um die Normeinhaltung der angebotenen Sicherungssysteme bestellt ist, werden Sie meist eine herbe Endtäuschung erleben. Entweder stoßen Sie bei Ihren Recherchen auf bares Unwissen oder bekommen den niederschmetternden Bescheid, dass die angebotenen Systeme die vorgeschriebenen Normen nicht erfüllen.

Diese Vorschriften muss ein Ladungssicherungs-System erfüllen

Grundsätzlich gelten in der Europäischen Union Pkw, Pkw-Kombis, Kleintransporter und auch Kastenwagen, wenn die Sitze unmittelbar an den Laderaum angrenzen, als Fahrzeuge der Kategorie M. Und für diese gilt die DIN-Norm 75410-2, die genau festlegt, wie die Ladung in solchen Straßenfahrzeugen zu sichern ist. Sie legt die Mindestanforderungen und Prüfungen, die Ladungssicherungseinrichtungen und auch Sitze hinsichtlich der Stabilität genau fest, um Verletzungen der Insassen durch Ladung auszuschließen.

Darüber hinaus muss bei solchen Fahrzeugen die Unfallverhütungs-Vorschrift Fahrzeuge – die DGUV Vorschrift 70 (früher BGV D29) erfüllt sein. Unter anderem steht hier geschrieben, dass die jeweils den Laderaum begrenzende hintere Sitzreihe ausreichend abzusichern ist. Und zwar so, dass die Ladung nicht oberhalb der Rückenlehnen in den Fahrgastraum eindringen kann.

Diese Voraussetzungen müssen Sicherungsgitter erfüllen


Die hierfür verwendeten Gitter müssen nach dieser Vorschrift so ausgelegt sein, dass sie bei einem Frontalaufprall auf ein feststehendes Hindernis mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen Prüfkörper mit einer Masse von 10 kg und den Maßen 350 x 125 mm sicher zurückhalten können. Dabei darf sich der Prüfkörper maximal 300 mm bewegen. Und dies ist bei kaum einem der angebotenen Gitter oder Netze gegeben, denn diese sollen nur verhindern, dass im Privatbereich übliche Gegenstände in den Fahrgastraum eindringen. Damit sind diese Systeme in keinem Fall zur Ladungssicherung geeignet.

Die Autohersteller machen es sich bei diesen Systemen recht einfach. Denn besagte DIN gilt nur für Fahrzeuge, die im gewerblichen Einsatz sind; für Rückhaltesysteme in privat genutzten Fahrzeugen hat sie keinerlei Bedeutung. Und weil die Hersteller ihre angebotenen Systeme selbstverständlich eher als Rückhaltevorrichtungen für beispielsweise Hunde verstanden wissen wollen, glauben sie, sich entsprechende Hinweise sparen zu können.

So sind Sie bei Rückhalte- und Ladungssicherungs-Systemen auf der sicheren Seite


Wie Sie sehen, haben Sie im Prinzip Recht, wenn Sie davon ausgehen, dass die Ladungssicherungs-Einrichtungen der Hersteller normgerecht sein sollten.

Aber Recht haben heißt leider nicht immer Recht bekommen. Deshalb sollten Sie vor der Anschaffung und Installation solcher sogenannten Ladungssicherungs-Systeme immer Folgendes tun:

  • Wollen Sie ein System des Fahrzeugherstellers verwenden, lassen Sie sich die Normgerechtigkeit immer vom Hersteller oder auch Händler schriftlich bestätigen.
  • Auch wenn Sie wissen, dass die angebotenen Systeme der Hersteller nicht der DIN entsprechen, sollten Sie eine schriftliche Anfrage an den Hersteller und auch den Händler richten. Denn so dokumentieren Sie, dass solche Einrichtungen gefragt sind. Erwähnen Sie, dass Sie sich bei fehlender DIN-Garantie eventuell für ein anderes Fahrzeug oder einen anderen Hersteller entscheiden könnten.
  • Lassen Sie regelmäßig die Sicherheitsüberprüfung bei ihren Fahrzeugen durchführen.
  • Verwenden Sie zur Kennzeichnung des nächsten Termins zur Sicherheitsüberprüfung immer gut sichtbare Plaketten.
  • Wollen Sie andere Systeme einsetzen, so beauftragen Sie immer eine darauf spezialisierte Werkstätte mit der Installation. Lassen Sie sich auch hier die Erfüllung der Norm schriftlich bestätigen.
  • Stellen Sie Ihren Fahrern neben diesen Rückhaltesystemen immer auch andere Materialien zur Ladungssicherung zur Verfügung. Denn wenn sich die Ladung nicht im Laderaum bewegen kann, so rutscht sie nicht in den Passagierraum.
  • Schulen Sie alle Fahrer regelmäßig im richtigen Umgang mit den zur Verfügung gestellten Sicherungsmaterialien.
  • Halten Sie Ihrer Fahrer immer dazu an, die Sicherungseinrichtungen im Fahrzeug auch zu benutzen. Machen Sie hier Stichproben und ermahnen Sie Fahrer, die es mit der Ladungssicherung allzu leicht nehmen.  
  • Halten Sie festgestellte Mängel bei der Ladungssicherung immer schriftlich fest.
  • Greifen Sie im Wiederholungsfall auch zur Abmahnung bzw. Kündigung bei ermahnungsresistenten Fahrern.
  • Halten Sie alle Fahrer dazu an, Ihnen Mängel an den Ladungssicherungs-Einrichtungen sofort zu melden. Die sollte in jedem Fahrzeugüberlassungsvertrag und jeder Dienstwagenordnung schriftlich fixiert sein.
  • Veranlassen Sie nach einer Mängelmeldung die umgehende Reparatur in einer Fachwerkstatt.

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Sonderform Sicherungsnetze Eine

Sonderform der Sicherungsnetze sind die sogenannten Niederhalte- oder Gepäcknetze. Sie werden nicht zwischen Lade- und Fahrgastraum aufgespannt, sondern sollen kleinere und leichtere Gegenstände auf dem Boden des Laderaums fixieren.

Auch hier bietet die Automobilindustrie eine ganze Reihe von Systemen an. Bezüglich der Normerfüllung sieht es hier zwar etwas besser aus, doch tun sich einige Hersteller immer noch schwer, mit konkreten Aussagen zu glänzen.

Oft braucht es bei Firmenfahrzeugen nämlich kein Abtrenngitter oder Netz. Denn viele Kombifahrzeuge werden nicht dazu benutzt, größere Mengen an Waren und Mustern zu transportieren. Häufig bevorzugen Außendienstler, die beruflich mit relativ wenig Gepäck – wie beispielsweise Aktentasche und Laptop – unterwegs sind, Kombifahrzeuge, weil sich auch hier Kinderwagen oder Sportgeräte leicht ein- laden und transportieren lassen.

Und für leichteres Gepäck können solche Niederhalte- und Gepäcknetze durchaus geeignet sein. So bestätigen viele Hersteller auf Nachfrage, dass ihre Netze die Vorschriften der DIN 75410-2 durchaus erfüllen.

Allerdings fehlt diese Kennzeichnung oft, denn die – natürlich kostenpflichtige – Prüfung nach dieser Norm erfolgt nur auf Antrag. Und genau diesen scheinen sich einige Hersteller, insbesondere Importeure wie z. B. Citroën, Peugeot oder Nissan, gern zu sparen.

Bei Herstellern, die klassisch im Flottengeschäft tätig sind, ist die Chance, eine DIN-Bestätigung zu finden, recht hoch. Doch auch hier müssen Sie meist explizit nachfragen, denn in Prospekten werden Sie vergeblich nach entsprechenden Angaben suchen.

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