Umzugsunternehmen gründen: Voraussetzungen, Ablauf & Tipps

Umzugsunternehmen gründen: Voraussetzungen, Ablauf & Tipps

Wer umziehen möchte, kann selten alle Aufgaben allein bewältigen. Umzugskartons packen, Möbel schleppen und Hausrat entsorgen: Professionelle Hilfe leisten hier Umzugsfirmen. Doch wie gründen Sie ein Umzugsunternehmen erfolgreich? Welche Voraussetzungen Sie für einen Umzugsservice erfüllen müssen, welche Kosten für die Gründung einer Umzugsfirma anfallen und wie Sie Ihr neues Unternehmen richtig vermarkten, erfahren Sie in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Umzugsunternehmen?

Ein Umzugsunternehmen ist ein Dienstleister, der sich auf Umzüge, also den Transport von Gütern spezialisiert hat. In der Regel bieten Umzugsunternehmen ihren Kunden die Möglichkeit, ihren Umzug stressfrei und sicher durchzuführen. Das bedeutet, dass Umzugsfirmen sowohl die Verpackung als auch den Transport der Güter beim Umzug übernehmen. Dabei können die Güter sowohl in einer Wohnung als auch in einem Haus transportiert werden.

Es gibt verschiedene Arten von Umzugsunternehmen. Zum einen gibt es Umzugshelfer,

  • die sich auf den Transport von Möbeln und Haushaltsgegenständen für einen klassischen Umzug von Privatpersonen und Geschäftskunden spezialisiert haben oder
  • die sich auf den Transport von Kunstgegenständen oder anderen empfindlichen Gütern fokussiert haben.

Was sind die Voraussetzungen für die Gründung eines Umzugsunternehmens?

Um ein Umzugsunternehmen zu gründen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Gewerbeanmeldung: Zunächst einmal muss eine Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Behörde erfolgen, um einen Umzugsservice zu gründen.
  • Fahrzeuge: Um ein Umzugsunternehmen zu gründen, sind Fahrzeuge notwendig, die zum Transport der Güter geeignet sind. Dabei können sowohl LKWs als auch Transporter zum Einsatz kommen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Fahrzeuge den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und natürlich entsprechend versichert werden.
  • Personal: Um unternehmerischer Umzugshelfer zu werden, ist in der Regel auch weiteres Personal notwendig. Dabei können sowohl Angestellte als auch Freiberufler beschäftigt werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass das Personal über die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen verfügt.
  • Haftpflichtversicherung: Um ein Umzugsunternehmen zu gründen, muss auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Diese Versicherung schützt das Unternehmen vor Schadensersatzforderungen, die aufgrund von Schäden am Transportgut entstehen können.
  • Erlaubnis für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen: Laut dem Güterkraftverkehrsgesetz bedürfen Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen eine Genehmigung.

Welche Voraussetzungen gelten für internationale Umzugsunternehmen?

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, ihren Lebensmittelpunkt für eine Weile oder sogar dauerhaft ins Ausland zu verlegen. Ein solcher internationaler Umzug ist jedoch mit weit mehr Bürokratie verbunden als inländische Transporte. Die drei wichtigsten Punkte für die Gründung eines internationalen Umzugsservice:

  1. Die Fahrer müssen Ruhezeiten auf ihrer Fahrt berücksichtigen und sich auch mit der Grenz- und Zollabwicklung auskennen.
  2. Sie müssen sie mit den Gesetzen im Ausland vertraut sein – insbesondere in Bezug auf das Verkehrsrecht.
  3. Zur Beförderung innerhalb der EU ist eine EU-Lizenz nötig. Diese Erlaubnis bekommen Sie bei der zuständigen Verkehrsbehörde. Um die Lizenz zu bekommen, müssen Sie Ihre fachliche und persönliche Eignung nachweisen. Dazu müssen Sie einen Fach- und Sachkundenachweis in Form einer bestandenen Prüfung der IHK samt dem Prüfungszeugnis vorlegen. Die Voraussetzung, um eine solche Prüfung überhaupt antreten zu können, ist eine mindesten 5-jährige leitende Tätigkeit in einem Speditionsunternehmen. Sie können alternativ auch eine abgeschlossene Ausbildung zum/zur Speditionskaufmann/-frau ablegen.

Wie gründen Sie ein Umzugsunternehmen?

Die Gründung eines Umzugsunternehmens erfolgt in der Regel in fünf Schritten:

Schritt 1: Rechtsform wählen

Überlegen Sie sich im ersten Schritt, welche Rechtsform Ihr Umzugsunternehmen haben soll. Viele Gründer entscheiden sich für das Einzelunternehmen. Diese Rechtsform ist sehr schnell und einfach gegründet – ganz ohne Stammkapital, bietet jedoch auch keinen umfassenden Haftungsschutz.

Allerdings ist die Gründung einer GmbH mit besseren Haftungsbedingungen sehr kosten- und zeitintensiv. Beratung kann an dieser Stelle ein Steuerberater oder die IHK leisten.

Schritt 2: Businessplan erstellen

Wenn sie eine Umzugsfirma gründen wollen, erweist sich das Arbeiten mit einem Businessplan als sinnvoll. In ihm werden alle wichtigen Rahmenbedingungen des neuen Unternehmens, wie auch Angebote und Ziele dargestellt. Er fasst die gesamte Existenzgründung zusammen. Zudem werden im Businessplan Risiken und Chancen aufgezeigt. Durch die Darstellung aller finanziellen betrieblichen Aspekte, erweist er sich gerade im Gespräch mit Banken bezüglich Kredite als sinnvoll.

Schritt 3: Finanzierung sicherstellen

Im dritten Schritt geht es darum, die Finanzierung für Ihre Gründung sicherzustellen. Im Rahmen des Businessplan wird in der Regel bereits der Kapitalbedarf berechnet. Anschließend muss dieser Bedarf an finanziellen Ressourcen gedeckt – u.a. durch Eigenkapital oder externe Geldgeber wie Banken oder Investoren. Von diesem Kapital gilt es, den Fuhrpark zu kaufen oder gegebenenfalls zu leasen sowie die Gründungskosten zu decken.

Schritt 4: Gewerbe anmelden

Ein Umzugsservice ist ein Gewerbe. Das bedeutet, Sie müssen Ihr Umzugsunternehmen beim zuständigen Gewerbeamt anmelden.

Schritt 5: Genehmigungen

Bei der Gründung eines Umzugsunternehmen können zusätzliche Genehmigungen anfallen. Da Sie auch als Transportunternehmen fungieren, ist es wichtig, auf das Gesamtgewicht Ihrer Fahrzeuge für die Gewerbeanmeldung zu achten. Für Kleintransporter und Transporter bis 3,5 Tonnen, benötigen Sie nach dem Güterkraftverkehrsgesetz keine zusätzliche Genehmigung. Wenn Sie Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen einsetzen, unterliegen Sie einer Erlaubnispflicht.

Welche Leistungen sollten Ihr Umzugsunternehmen anbieten?

Es gibt ein paar fest definierte Leistungen, die die Kunden von einem Umzugsunternehmen erwarten. Da ein Umzug ohnehin schon mit einem sehr großen Zeit- und Organisationsaufwand verbunden ist, wollen sie möglichst so viele Aufgaben wie möglich auslagern.

Sie sollten einen möglichst ganzheitlichen Service anbieten. Dazu gehört sowohl das Einpacken der Möbel als auch das Verladen und der Aufbau in der neuen Wohnung. Bieten Sie auch an, sich um die Straßenabsperrung und die Container für die Entsorgung zu kümmern. Dies kann für Kunden ein entscheidender Faktor sein.

Diese Umzugsservice-Leistungen sollten Sie anbieten:

  • Organisation der Umzugskartons und Umzugsmaterialien (Folien, Packpapier etc.)
  • Möbeldemontage und Möbelaufbau
  • Packservice
  • Sicherer Möbeltransport
  • Gerätetransport
  • Organisation der Halteverbotsschilder
  • Bestellen der Container
  • Fachgerechte Müll- und Sperrmüllbeseitigung

Tipp: Einige Umzugsfirmen kooperieren mit hiesigen Maler- und Reinigungsfirmen. Dadurch können sie einen Full-Service inklusive der Reinigung und Aufarbeitung der alten Räumlichkeiten anbieten, denn kaum ein Kunde hat die Zeit, das Talent und die Lust, sich neben dem Umzug auch noch um die Wohnungsübergabe zu kümmern.

Welche Kosten fallen für ein Umzugsunternehmen an?

Mit den folgenden Kosten sollten Sie bei der Gründung eines Umzugsunternehmen achten:

  • Kosten für die Gewerbeanmeldung: Die Kosten für die Gewerbeanmeldung halten sich in Grenzen. Dennoch können hier auch Kosten bis zu 70 Euro anfallen.
  • Fuhrpark-Kosten: Der größte Kostenfaktor bei der Existenzgründung einer Umzugsfirma ist die Anschaffung des Fuhrparks. Hier können Sie viel Geld sparen, wenn Sie nach gebrauchten Fahrzeugen oder gar Leasing-Angeboten Ausschau halten. Viele Umzugsservices bieten an, Verpackungsmaterialien mitzubringen. Diese müssen Sie auch in Ihrem Investitionsplan berücksichtigen.
  • Personalkosten: Natürlich müssen Sie auch Ihre Mitarbeiter bezahlen. Je nach Größe des Betriebs und Qualifizierung der Mitarbeiter, kann dieser finanzielle Rahmen sehr individuell ausfallen.
  • Räumlichkeiten: Zu Beginn Ihres Unternehmens mag das Homeoffice für Ihre telefonische und schriftliche Arbeit ausreichen. Auf längere Zeit gesehen, ist es jedoch sinnvoll, ein Büro anzumieten, um von dort aus die Verwaltung zu leiten und sich eventuell mit dem Marketing Ihrer Firma auseinanderzusetzen. Auch Kunden werden sich freuen, Sie nicht nur am Telefon sprechen zu können, sondern Sie und Ihre Mitarbeiter schon in einem Erstgespräch persönlich kennenlernen zu dürfen.

Welche Nachteile hat ein eigenes Umzugsunternehmen?

Umzugsunternehmen müssen sich gegen eine harte Konkurrenz durchsetzen. Einige ausländische Firmen haben den Markt erobert und drücken die Preise. Hier müssen Sie mit Ihrem Umzugsunternehmen gegenhalten und sich mit guten alten Werten wie Zuverlässigkeit, Professionalität und einem guten Preis-Leistungsverhältnis durchsetzen.  

Sollten Sie unschlüssig darüber sein, ob Sie ein Umzugsunternehmen gründen möchten, finden Sie hier alternative Geschäftsideen:

Worauf ist als Umzugsunternehmen bei Entrümpelungen zu achten?

Oftmals stehen hinter dem Auftrag einer Wohnungsauflösung besondere Schicksale von Menschen. Entrümpelungen werden beispielsweise nach einem Trauerfall in Auftrag gegeben. Die Angehörigen müssen sich nicht nur von dem Menschen, sondern auch von seinem Besitz trennen. Manchmal sind es auch Insolvenzen oder Trennungen, die eine Entrümpelung der einst gemeinsamen Wohnung erforderlich machen. Wer diese Aufgabe übernehmen möchte, muss sensibel vorgehen und diskret bleiben.

Tipp: Kontakte zu Antiquitätenhändlern und Gebrauchtwarenläden sind wichtig. Oftmals kommen bei einer Entrümpelung Gegenstände zutage, die nicht nur einen emotionalen, sondern auch einen monetären Wert haben. Alte Schränke, Porzellanservices und Co. sind viel zu schade, sie im Container zu entsorgen. Viele Firmen, die Services im Bereich der Wohnungsauflösung anbieten, rechnen Wertgegenstände auf den Preis an. Sie vereinbaren mit den Angehörigen, noch Verwertbares zu Geld zu machen und die Differenz dann auf die Gesamtsumme anzurechnen.

Wie heben Sie Ihr Umzugsunternehmen von der Konkurrenz ab?

Es ist wichtig, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Viele Umzugsunternehmen werben mit niedrigen Preisen oder sind bereits fest in der jeweiligen Stadt etabliert. Es bietet sich stets an, eine Standortanalyse durchzuführen und zu schauen, wo sich eine standorts- und leistungsbezogen Angebotslücke befindet.

Machen Sie nicht den Fehler, andere Umzugshelfer preislich unbedingt unterbieten zu wollen. Das Geschäft muss lukrativ bleiben, damit es sich für Sie und Ihre Mitarbeiter lohnt und die angespannte Anfangsphase übersteht.

Tipps: Wie können Sie Ihr Umzugsunternehmen vermarkten?

Das Wichtigste für die Startphase ist es, ausreichend Werbung für die eigenen Leistungen zu machen.

  1. Mund-zu-Mund-Propaganda: Bei einem Umzugsservice funktioniert oft die Mund-zu-Mund-Propaganda. Wer seinen Umzug in andere Hände geben möchte, fragt Freunde oder die Nachbarschaft nach Empfehlungen. Firmen, die eine gute Leistung erbracht haben, werden auch gerne weiterempfohlen.
  2. Lokale Zeitung: Bevor es so weit ist, schalten Sie Anzeigen in der lokalen Zeitung und legen Sie nach Rücksprache Flyer in den örtlichen Geschäften aus.
  3. Internetpräsenz: Es ist sehr wichtig, eine eigene Website für das Unternehmen zu gestalten. Die potenziellen Kunden wollen einen Anhaltspunkt haben, bei dem sie sich schonmal einen ersten Eindruck über das Unternehmen machen können. Auch der Preisrahmen gestaffelt nach Leistungen können auf der Website vertreten sein. Viele Werbefirmen haben sich auf Start-ups spezialisiert und bieten für einen kleinen Preis Homepages und Werbestrategien an.