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Fahrlässigkeit: Haftet Ihre Helferin für Fehler?

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Von Astrid Engel,

Eine Helferin meiner Zahnarztpraxis hat eines der Desinfektionsgeräte fallen gelassen. Nun ist es hinüber. Haftet sie jetzt für den Fehler? Das läuft doch unter Fahrlässigkeit, oder?

Frage: Eine Helferin meiner Zahnarztpraxis hat eines der Desinfektionsgeräte fallen gelassen. Nun ist es hinüber. Der Schaden mag ja finanziell verkraftbar sein. Es ärgert mich aber wahnsinnig, zumal es nicht der erste Schaden ist, den diese Helferin angerichtet hat. Besteht rechtlich eine Möglichkeit, sie jetzt zur Kasse zu bitten?

Antwort: Begeht eine Helferin in der Praxis einen Fehler oder stellt sie sich tollpatschig an, kann schnell ein mehr oder weniger großer Schaden entstehen. Denkbar sind ja auch andere Fälle: Eine Helferin löscht versehentlich sämtliche Termine der kommenden Woche - und nun haben Sie erhebliche Terminlücken, da Sie in dieser Woche keine Termine neu vergeben können, um mögliche lange Wartezeiten in Ihrer Praxis den Patienten nicht zuzumuten.

Doch egal, ob Sachbeschädigung oder Tollpatschigkeit im Umgang mit dem Computer - auch wenn es Ihnen als Praxisinhaber und Arbeitgeber nicht gefällt: In der Praxis bleiben Sie meist auf der Rechnung bzw. dem Schaden sitzen. Doch "meist" heißt nicht "immer". Es gibt also Ausnahmen von der Regel: In einigen Fällen können Sie sich als Zahnarzt eben doch den Schaden - zumindest teilweise - von Ihrer Helferin ersetzen lassen. Hierbei müssen Sie allerdings unterscheiden, wie er zustande gekommen ist.


Helferin haftet bei Vorsatz

Bei Vorsatz muss Ihre Helferin grundsätzlich immer für den Schaden aufkommen. So hat es unter anderem das Bundesarbeitsgericht entschieden (BAG, Urteil vom 18.01.2007, Az.: 8 AZR 250/06).

Doch ein Praxismitarbeiter muss oft auch bei einem geringeren Verschuldungsgrad, also bei Fahrlässigkeit, zumindest einen Teil des Schadens übernehmen. Fahrlässigkeit liegt bereits dann vor, wenn jemand allein durch mehr Achtsamkeit den Schaden hätte vermeiden können. Aber:

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Wenn das so einfach von der Rechtsprechung gehandhabt würde, hätte dies zur Folge, dass Ihre Praxismitarbeiterinnen auch schon bei der geringsten Fahrlässigkeit einen verursachten Schaden bis auf den letzten Cent ersetzen müssten. Im Arbeitsleben würde dieses Ergebnis für einen Arbeitnehmer nach Meinung der Richter zu unzumutbaren Haftungsrisiken führen, insbesondere wenn sie mit teuren Praxisgeräten umgehen.

Deswegen wird die Frage, ob ein Arbeitnehmer für einen Schaden haftet, von der Schwere (oder dem Grad) Ihres Verschuldens abhängig gemacht. Vier Stufen werden unterschieden:


Leichte Fahrlässigkeit

Bei leichter Fahrlässigkeit haftet Ihre Helferin grundsätzlich nicht. Hierunter fallen Missgeschicke, die jedem Arbeitnehmer einmal passieren können. Also auch leicht entschuldbare Pflichtverletzungen oder kurze Unaufmerksamkeiten wie Verzählen oder Vertippen.


Mittlere Fahrlässigkeit

Bei mittlerer Fahrlässigkeit wird der Schaden zwischen Ihnen als Arbeitgeber und Ihrer Helferin aufgeteilt. Dieses "Halbehalbe" gilt bis auf wenige komplizierte Ausnahmen grundsätzlich (BGH, 09.11.1990, Az.: I ZR 45/89).


Grobe Fahrlässigkeit / Vorsatz

Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit hat Ihre Helferin grundsätzlich den gesamten Schaden allein zu tragen. Bei grob fahrlässigem Verhalten sind aber Haftungserleichterungen möglich.

Grobe Fahrlässigkeit setzt aber eine Sorgfaltspflichtverletzung in einem ungewöhnlich hohem Maß hinaus. Dabei muss es sich um eine besonders grobe Pflichtverletzung handeln! Um grobe Fahrlässigkeit annehmen zu können, müssen Sie auch die persönlichen Umstände und die Fähigkeiten Ihrer Helferin berücksichtigen. Im Einzelfall kann sie dies auch von dem Vorwurf der groben Fahrlässigkeit entlasten (BGH, 08.07.1992, Az.: IV ZR 223/91).


Fazit: In Ihrem Fall könnten Sie wohl mit mittlerer Fahrlässigkeit argumentieren. Grobe Fahrlässigkeit wäre gewesen, wenn die Arbeitnehmerin das ganze Gerät wider besseren Wissens in die Spülmaschine gestellt und diese angestellt hätte. Einen Rechtsstreit zu diesem Thema würde ich allerdings nicht führen!

Die Rechtsprechung tendiert häufig dahin, Arbeitnehmern bei mittlerer Fahrlässigkeit nur einen geringen Anteil an der Schadensbegleichung aufzuerlegen - quasi als eine Art "Denkzettel". Eine größere Schadensbeteiligung sollten Sie sich also im Streitfall keinesfalls versprechen.

Das wesentliche Schadensrisiko bleibt an Ihnen hängen. Dies gilt erst recht, wenn Sie ein Risiko versichern können. Hier müssen Sie sich dann grundsätzlich so behandeln lassen, als hätten Sie eine zumutbare und übliche Versicherung abgeschlossen (BAG, 24.11.1987, Az.: 8 AZR 66/82).

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