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Leider kommt es nach wie vor insbesondere auf Baustellen zu teils schweren Arbeitsunfällen. Oft werden Vorschriften missachtet, weil etwa der...

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Arbeitsunfall sofort dokumentieren und so Versicherungsschutz sichern

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Arbeitsunfall

Von Wolfram von Gagern,

Kommt es in Ihrem Betrieb zu einem Unfall, dann ist das für den verunfallten Beschäftigten schon schlimm genug. Oft geht es aber erst nach dem Arbeitsunfall so richtig „los“.

Denn oft weigern sich die Berufsgenossenschaften zu zahlen. Was folgt, ist ein jahrelanger Rechtsstreit. Argument ist hier oft, dass nicht nachgewiesen werden kann, dass es sich um einen Arbeitsunfall gehandelt hat. Nehmen Sie als Betriebsrat folgendes Urteil des Sozialgerichts Gießen zum Anlass, um noch mal das korrekte Verhalten nach einem Arbeitsunfall zu proben (25.9.2007, Az. S 3 U 226/06).

Der Fall: Ein Arbeitnehmer war nach eigenen Angaben bei der Arbeit mit einem Auge gegen ein Brett gestoßen. Er ging zu seinem Hausarzt. Dieser sah sich das Auge an, stellte jedoch keinerlei Verletzungen fest. 5 Jahre später ging der Arbeitnehmer zum Augenarzt. Dieser diagnostizierte eine Beschädigung der Netzhaut des linken Auges. Der Arbeitnehmer führte diese Verletzung auf den Arbeitsunfall von damals zurück. Die Berufsgenossenschaft zahlte jedoch nicht und weigerte sich, einen Arbeitsunfall anzuerkennen.

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Das Urteil: Die Richter am Sozialgericht gaben der Berufsgenossenschaft Recht. Ein Beschäftigter muss einen Arbeitsunfall nachweisen. Denn nur dann kann festgestellt werden, ob die Verletzungen wirklich mit dem Arbeitsunfall in Zusammenhang stehen.

Fazit: Die Arbeitnehmer haben also die Beweispflicht dafür, dass wirklich ein Arbeitsunfall vorlag. Diesen Beweis können sie nur erbringen, wenn sie sich nach dem Unfall richtig verhalten. Schärfen Sie sich und Ihren Kollegen deshalb die folgenden Schritte ein:

1. Unfalluntersuchung durchführen

Ihre Kollegen müssen jeden noch so kleinen Unfall melden. Tun sie das nicht, wird die Berufsgenossenschaft bei einem später eintretenden Schaden nicht zahlen. Dafür muss eine Unfalluntersuchung durchgeführt werden.

An der Unfalluntersuchung müssen

  • der Arbeitgeber bzw.
  • die Arbeitssicherheitskräfte
  • die Führungskräfte (§ 13 Arbeitsschutzgesetz),
  • die Sicherheitsfachkräfte (§ 6 Arbeitssicherheitsgesetz),
  • der Sicherheitsbeauftragte (§ 20 der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift – BGV – BGV A 1),
  • evtl. Zeugen,
  • das Opfer und vor allen Dingen
  • Sie als Betriebsrat (gemäß § 89 Betriebsverfassungsgesetz) teilnehmen.

Achten Sie darauf, dass der genaue Unfallhergang aufgenommen wird, alle Beweise gesichert werden, Zeugen angehört und namentlich erfasst werden. Lassen Sie sich dieses Recht nicht nehmen. Denn nur wenn Sie dabei sind, können Sie arbeitssicherheitsrechtliche Mängel ausschalten und vor allen Dingen überwachen, dass der verunfallte Kollege seine Beweise sichert.

Tipp: Geben Sie an Ihre Kollegen weiter, dass diese jegliche Unfälle anzeigen sollen, die mit ihrer Tätigkeit in Zusammenhang stehen. Also auch die auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg zur Kantine ... Damit ist zwar nicht gesagt, dass die Berufsgenossenschaft hier zahlt. Aber die Arbeitnehmer haben den Arbeitsunfall damit dokumentiert und können somit zumindest ihrer Beweispflicht genügen.

2. Ärztliche Behandlung einleiten

Nach der Unfalluntersuchung sollte der Arbeitnehmer dann einen Durchgangsarzt aufsuchen. Einerseits, um sich schnellstmöglich behandeln zu lassen, aber auch aus Dokumentationsgründen. Denn der Durchgangsarzt muss Aufzeichnungen über die Behandlung führen und auch vermerken, wie es zu dem Betriebsunfall gekommen ist. Diese Aufzeichnungen kann der Arbeitnehmer dann im Gerichtsverfahren als Beweis für den Arbeitsunfall vorlegen.

Tipp: Schicken Sie den Arbeitnehmer auf alle Fälle zum Durchgangsarzt. Dieser ist nämlich von der Berufsgenossenschaft bestellt. Die Aufzeichnungen des normalen Hausarztes reichen eventuell nicht, um den Arbeitsunfall darzulegen.

3. Unfallmeldung erstatten

Kommt es durch den Arbeitsunfall zu einer Ausfallzeit Ihres Kollegen von mehr als 3 Tagen, muss Ihr Arbeitgeber der Berufsgenossenschaft eine Unfallmeldung erstatten. Absegnen müssen Sie diese zwar nicht, aber fragen Sie doch einfach Ihren Arbeitgeber, ob er seiner Pflicht schon nachgekommen ist. So üben Sie Druck aus. Der Unfalltag zählt nicht mit, wohl aber Sonn- und Feiertage.

Auch Wegeunfälle sind versichert

Vergessen Sie die Wegeunfälle nicht. Auch hier besteht Versicherungsschutz. Wegeunfälle sind Unfälle, die Beschäftigte auf dem direkten Weg zur oder von der Arbeit erleiden. Umwege sind grundsätzlich nicht versichert. Ausnahme: nötige Umwege, um Kinder während der Arbeitszeit unterzubringen, bei Fahrgemeinschaften, bei Umleitungen, weil der Arbeitsplatz über einen längeren Weg schneller erreicht werden kann. Geben Sie unbedingt an Ihre Kollegen weiter, dass diese auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg keine unnötigen Umwege machen sollen. Hier besteht immer die Gefahr, dass etwas passiert und die Unfallversicherung nicht zahlt. Gerade jetzt im Winter – bei Schnee und Glatteis – ist die Gefahr besonders groß.

 

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