Gratis-Download

Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der…

Jetzt downloaden

Ängste am Arbeitsplatz – was sie bewirken und wie sie sich bewältigen lassen

 
© ra2 studio / stock.adobe.com

Von Redaktion Wirtschaftswissen,

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“, das wusste bereits Thomas Jackson, General im Heer der Konföderierten Staaten von Amerika. Diese Lebensweisheit lässt sich auf die Arbeitswelt übertragen, denn Ängste führen zu einer gehemmten Kommunikation und können das Betriebsklima schädigen. Wie Sie als Arbeitgeber, aber auch als Arbeitnehmer zu einer angstfreien Kommunikation beitragen können, erfahren Sie hier.

Was ist Angst?

Das Wort leitet sich vom lateinischen „angere“ ab. Das bedeutet übersetzt „beengen, beklemmen, würgen“ und liefert eine gute Beschreibung dessen, was dieses Gefühl auslösen kann: Eine emotionale Beklemmung, die eine Person in ihrer Handlungsweise hemmt. Negative Emotionen können das logische Denken beeinflussen und Menschen auf Dauer psychisch belasten. Das wirkt sich wiederum negativ auf das Arbeitsleben aus, denn hier sind neben Entschlossenheit und proaktivem Handeln logisch geprägte Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz gefordert.

Ein Unternehmen ist ein eigenes soziales Ökosystem, innerhalb dessen Menschen aufeinandertreffen, miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Furcht ist ein Hemmnis für die Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Angestellten, zwischen Mitarbeitern und Kunden oder den Kollegen untereinander – und ist damit nicht nur ein psychologischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Wie entsteht die Beklemmung am Arbeitsplatz?

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist der wachsende Druck einer der Hauptfaktoren für Stress. Der wiederum kann zum Beispiel zu Versagensängsten führen. Als Arbeitnehmer können Sie beispielsweise Angst davor haben, die anvisierten Verkaufszahlen nicht zu erreichen. Als Führungskraft kann die Befürchtung, das Team nicht im Griff zu haben, Ängste bei Ihnen auslösen.

Der Konkurrenzdruck spielt auf beiden Seiten eine Rolle. Als langjähriger Mitarbeiter sind Sie vielleicht schnell eingeschüchtert, wenn ein neuer Kollege bereits nach einem Monat bessere Ergebnisse erzielt. Als Führungskraft plagt Sie vielleicht die Befürchtung, dass ein Untergebener Sie auf dem Weg in die Führungsetage überholt.

Diese negativen Gedanken sind ein Nährboden, auf dem sich Ängste fest im Gehirn verankern. Ein Umfeld, dass von solchen Denkweisen geprägt ist, kann zwei grundlegende Verhaltensmuster begünstigend prägen: ein Vermeidungsverhalten auf der einen und eine Ellbogenmentalität auf der anderen Seite.

Dieses Zusammenspiel wiederum ist ein optimaler Nährboden für Mobbing, einem ernstzunehmenden und weit verbreiteten Phänomen unserer heutigen Gesellschaft. Mobbing kann als eine Art Waffe beschrieben werden, die im betrieblichen Wettstreit um knappe Ressourcen wie Aufstiegsmöglichkeiten oder den Erhalt des Arbeitsplatzes eingesetzt wird: Demütigungen unter Kollegen, üble Nachrede und Machtmissbrauch durch Vorgesetzte. Besonders Letzteres ist gefährlich, denn gerade Führungskräfte stehen in der Pflicht, Mobbing am Arbeitsplatz zu verhindern.

Welche Folgen haben Ängste für das professionelle Miteinander?

Wenn sich Ängste im Arbeitsumfeld dauerhaft implementieren, so entstehen Misstrauen und Selbstzweifel. Das verhindert eine offene Unternehmenskultur und stört die Kommunikation erheblich. Das führt nicht nur dazu, dass Probleme verdrängt oder verschwiegen werden, sondern fördert zudem eine allgemeine Unsicherheit.

So kann ein von Angst bestimmtes Arbeitsumfeld beispielsweise dazu führen, dass eine werdende Mutter den Zeitpunkt zu lange hinauszögert, um den Chef über die Schwangerschaft zu informieren. Dabei gibt es gerade dazu klare Handlungsempfehlungen. Das erhöht zum einen das Risiko von Schäden für Frau und Kind, da sich die Schwangere weiterhin der normalen Arbeitsbelastung aussetzt. Zum anderen führt das aber genauso zu organisatorischen Problemen für das Unternehmen, weil die Geschäftsführung den Ausfall sehr kurzfristig kompensieren muss. Der Wiedereintritt in das Arbeitsleben nach der Schwangerschaft steht so ebenfalls unter einem schlechten Stern.

Das Spektrum an Konsequenzen ist für beide Seiten breit gefächert

Ein solches Arbeitsumfeld hat für Arbeitnehmer und Führungskräfte unterschiedliche Auswirkungen, die in ihrer Ausprägung jedoch sehr ähnlich sind. Angestellte können sich unter anderem mit folgenden Problemen konfrontiert sehen:

  • Sie trauen sich nicht mehr, Ideen in Meetings vorzuschlagen, selbst wenn sie von deren Potential überzeugt sind.
  • Aus Angst vor Konsequenzen verschweigen sie Fehler oder wälzen sie auf andere Kollegen ab.
  • Mitarbeiter nehmen nicht mehr am sozialen Miteinander teil und verschließen sich.
  • Sie gehen abends mit einem negativen Gefühl ins Bett und wachen morgens mit dem gleichen Gefühl wieder auf. Dadurch nimmt ihre Lebensqualität und auch ihre Leistungsbereitschaft drastisch ab.

Führungskräfte leiden unter ähnlichen Problemen. Sie stehen zudem zwischen zwei Fronten, nämlich zwischen den Angestellten auf der einen und der Geschäftsführung auf der anderen Seite. Daraus kann eine Doppelbelastung entstehen:

  • Entscheidungen mit negativen Konsequenzen für die Belegschaft werden hinausgezögert.
  • Sie verschweigen Fehler gegenüber der Geschäftsleitung oder kaschieren diese.
  • Durch den passiven Führungsstil verlieren sie den Überblick über die Leistung ihrer Mitarbeiter und geraten in Konflikt mit der Geschäftsführung.
  • Sie sind dadurch ebenfalls in einer negativen Gefühlsspirale gefangen und leiden unter einer verschlechterten Lebensqualität und verminderter Leistungsbereitschaft.

Somit sind Führungskräfte in einem fast noch größeren Dilemma. Denn eine Kommunikation auf Augenhöhe und ein Unternehmenskultur des Respekts sind Philosophien, die von oberster Ebene implementiert, gefördert und vorgelebt werden müssen.

Führungskräfte gehen mit gutem Beispiel voran

Wenn Sie als Führungskraft „Wasser predigen und Wein trinken“, verlieren Sie schnell den Respekt vor ihren Mitarbeitern und sollten damit rechnen, dass diese sich ebenfalls nicht an die Regeln halten.

Weisungsbefugte können jedoch bereits mit einfachen Prinzipien einen angstfreien Raum schaffen, indem sich Mitarbeiter wohl fühlen und frei entfalten können:

  • Die Implementierung einer klaren Zuständigkeitsstruktur mit kurzen Entscheidungswegen sorgt dafür, dass sich die Belegschaft ernstgenommen und wertgeschätzt fühlt.
  • Ein vertrauensvolles und integres Verhalten gegenüber den Angestellten trägt dazu bei, dass diese sich mehr trauen, Fehler einzugestehen.
  • Verbindlichkeit in der Bearbeitung von Beschwerden sorgt dafür, dass sich Mitarbeiter ernstgenommen fühlen.
  • Eine offene Diskussionskultur schafft einen angstfreien Raum, in dem Probleme offen und konstruktiv besprochen werden können.

Wenn Sie als Führungskraft diese Verhaltensweisen aktiv vorleben, motiviert das die Mitarbeiter, Ihrem Beispiel zu folgen. Es führt zudem auch zu einer positiveren Grund-Einstellung und fördert Ihre mentale wie körperliche Gesundheit.

Angestellte übernehmen Verantwortung

Wenn ein Unternehmen sich stark macht für ein vertrauensvolles Miteinander, stehen auch Sie als Angestellter in der Pflicht, Ihren Teil dazu beizutragen und das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen nicht zu missbrauchen. Wertschätzen Sie diese positiv geprägte Unternehmensphilosophie und helfen Sie dabei, sie aufrechtzuhalten.

Angestellte können durch einfache Handlungsweisen ihren Teil dazu beitragen:

  • Durch das Offenlegen von Fehlern spiegeln Mitarbeiter die Wertschätzung der Geschäftsführung und helfen zudem dabei, Prozesse zu optimieren.
  • Sie unterstützen Kollegen und lösen Konflikte konstruktiv.
  • Die direkte Ansprache von Missständen oder Problemen verhindert emotionale und nicht konstruktive Auseinandersetzungen.

Achten Sie auf sich und auf Ihre Kollegen gleichermaßen. Helfen Sie ihnen dabei, Probleme zu bewältigen. Pflegen Sie einen aufgeschlossenen Umgang mit Ihren Vorgesetzten und begegnen Sie allen Menschen im Unternehmen mit Respekt und auf Augenhöhe. So gehen Sie mit einem positiven Gefühl nach Hause und wachen ebenso positiv gestimmt morgens wieder auf.

Krisen gemeinsam durchstehen

Besonders in schlechteren Zeiten ist eine positive Unternehmenskultur sehr wichtig. Wirtschaftliche Herausforderungen, Kurzarbeit oder strukturelle Veränderungen können viel besser bewältigt werden, wenn dieser Weg gemeinsam und als Team bestritten wird. Wenn Führungskräfte die richtigen Werkzeuge für eine konstruktive Krisenkommunikation besitzen und anwenden, fühlen sich Angestellte wertgeschätzt – selbst dann, wenn sie sich mit aufkommenden Problemen auseinandersetzen müssen. Das Ziel sollte es immer sein, gemeinsam die bestmögliche Lösung zu finden, selbst wenn das mit Nachteilen und Einschränkungen einhergeht.

Besonders die schwierigen Zeiten wirken sich negativ auf die psychische wie physische Konstitution aus. Deshalb ist es wichtig, dass beide Seiten sich stark machen für ein angstfreies Umfeld, in der Kommunikation auf Augenhöhe besonders in schweren Zeiten gelebt werden kann. So entsteht eine Kultur, die sich nicht nur positiv auf das Wohlbefinden aller im Unternehmen auswirkt, sondern auch auf den wirtschaftlichen Erfolg.

Arbeitsschutz aktuell

Sichern Sie sich praxisrelevante Tipps, Anregungen und Hinweise auf aktuelle Urteile und Gesetzesänderungen mit leicht nachvollziehbaren Lösungsansätzen für Ihrer tägliche Arbeit als Sicherheitsbeauftragter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Datenschutz
Jobs