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Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der...

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So stärken Sie die psychische Gesundheit und das Betriebsklima

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Urheber: Ramona Heim | Fotolia

Von Friedhelm Kring,

Der beste Gesundheitsschutz im Betrieb wirkt präventiv. Nicht das nachsorgende Reagieren auf Krankheiten oder Unfälle steht im Fokus, sondern das vorsorgende Gestalten eines der Gesundheit förderlichen Arbeitsumfeldes. Dies gilt auch für die psychische Gesundheit. Lesen Sie hier, über welche innerbetrieblichen Rahmenbedingungen Sie die psychische Stabilität Ihrer Belegschaft stärken und Ausfällen vorbeugen.

Ob Burnout oder Depression, Sucht oder Schlafstörungen, Diagnose und Therapie erstrecken sich oft über einen längeren Zeitraum und betroffene Mitarbeiter fallen immer wieder oder für längere Zeit aus.

Lassen Sie es möglichst gar nicht so weit kommen. Psychische Beschwerden erwischen einen nicht aus heiterem Himmel wie ein Skiunfall. Genauso wie man mit gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sein Immunsystem stärkt und Erkältungen vorbeugt, lässt sich auch die Psyche stärken und Erkrankungen vorbeuten. Die Arbeitsbedingungen haben daran einen großen Anteil.

Die gute Nachricht ist: Wichtige Schritte, um psychischen Fehlbelastungen aktiv vorzubeugen, kann jeder Arbeitgeber, jede Fachkraft für Arbeitssicherheit und jeder Betriebsarzt angehen. Und ohne, dass Sie – so eine häufig geäußerte Befürchtung – Ihren Leuten persönlich zu nahe treten müssten. Die folgende Auflistung kritischer Fragen zeigt Ihnen Ansatzpunkte, mit einfachen Mitteln das psychische Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter zu fördern und Fehlbelastungen vorzubeugen.

10 Stellschrauben zur Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz

1. Verstehbarkeit

Erhalten Ihre Mitarbeiter stets klare Anweisungen? Werden Aufgaben konkret zugeteilt? Wissen Ihre Mitarbeiter stets, was sie zu tun haben? Informationsdefizite führen zu Unsicherheit und Unbehagen. Wenn jemand seine Arbeitszeit absitzt oder sich „irgendwie“ beschäftigt, kann das zu Unzufriedenheit und Demotivation führen.

Dazu gehört auch Transparenz. Kennen Ihre Leute den größeren Zusammenhang hinter Ihrer „kleinen“ Aufgabe, die vielleicht nur aus wenigen Handgriffen besteht? Wissen Ihre Mitarbeiter, für welchen Kunden, welches Projekt, welche Maschine, welche Baustelle etc. sie gerade arbeiten? Das Erfüllen einer als sinnvoll empfunden Aufgabe stärkt das Selbstwertgefühl.

2. Ressourcen

Stehen Ihren Mitarbeitern stets alle für ihre Aufgaben benötigten Hilfsmittel bereit? Ob Druckertinte oder Drucklufttacker, Bohrschablone oder Schlüssel für den Firmenwagen, jede Sucherei produziert Ärger, Zeitverlust und Stress. Wo Arbeitsmittel ihren festen Platz haben, funktionieren Arbeitsabläufe glatter und die Arbeit wird als leichter empfunden. Bei Arbeitsmitteln, die nicht allgemein verfügbar sind oder nur selten benötigt werden, sollte jedem potenziellen Mitarbeiter klar sein, an wen er sich wenden muss, wenn er dieses Arbeitsmittel benötigt. Klares Verteilen von Zuständigkeiten beugt mühsamen Rückfragen und Unsicherheiten vor.

3. Angemessenheit

Achten Sie darauf, dass die Aufgaben Ihrer Mitarbeiter der Qualifikation und beruflichen Erfahrung entsprechen? Vermeiden Sie jede Form der Überforderung oder Unterforderung. Beachten Sie, dass sich dies sowohl auf die fachliche Kompetenz beziehen kann (qualitativ) wie auf das Arbeitsvolumen (quantitativ).

Über- und Unterforderung zeigt sich oft in ganz banalen Situationen. Wer mit dem Seriendruck der Textverarbeitung nicht klarkommt, ist am Ende des Arbeitstages genauso frustriert wie der Azubi, der zum 3. Mal in der Woche die Werkstatt ausfegen soll. Im 1. Fall wird sich die Investition in eine Weiterbildung auszahlen, im 2. dürften sich mit etwas gutem Willen interessante Aufgaben finden.

4. Handlungsspielraum

Ist bei der Durchführung von Arbeiten jeder Handgriff bis in Einzelheiten vorgeschrieben? Das Gefühl, nur ein Rädchen zu sein und wie am Fließband zu arbeiten, kann Mitarbeiter belasten. Fehlende Gestaltungsmöglichkeiten können eine Ursache für Stress sein. Selbstverständlich wissen Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit um die Bedeutung von Arbeits- und Betriebsanweisungen; diese sollen Sie keineswegs aushebeln. Manchmal ist ein Prozedere exakt festzulegen, z. B. aus Sicherheitsgründen oder um Qualitätsmängel zu vermeiden. Doch prüfen Sie kritisch, ob es Fälle gibt, wo ein allzu restriktiver Ansatz ohne triftigen Grund die Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit nimmt. Wo arbeiten Ihre Leute auf eine bestimmte Art und Weise, nur weil es schon immer so gemacht wurde? Wo bremsen Sie möglicherweise die Eigeninitiative und damit Motivation Ihrer Mitarbeiter aus?

5. Verantwortung

Sind die Verantwortlichkeiten in Ihrem Betrieb klar verteilt? Sind in den Abteilungen, Projektgruppen, Arbeitsteams usw. die Zuständigkeiten festgelegt? Unsicherheit belastet, gerade, wenn es um die Stellung im Betrieb geht. Jegliches Gerangel um Macht und Position kann zu Unstimmigkeiten führen. Statt auf die Tätigkeit konzentrieren sich Mitarbeiter plötzlich auf den Kollegen. Es kommt zu „Futterneid“ oder „Hahnenkämpfen“. Für manche mag „Konkurrenz“ die Motivation fördern. Bei anderen beginnt hier eine Entwicklung, die mit Depression oder „innerer Kündigung“ endet.

6. Wertschätzung

Sind sich die Führungskräfte in Ihrem Unternehmen bewusst, dass die Anerkennung des Vorgesetzten deutlich zum psychischen Wohlbefinden am Arbeitsplatz beiträgt? Werden Mitarbeiter gelobt, oder meldet sich der Chef nur, wenn was schiefgelaufen ist? Hat jeder Mitarbeiter das Gefühl, dass sein Beitrag zum Unternehmenserfolg wahrgenommen und geschätzt wird?

Wie sich Wertschätzung ausdrückt, ist je nach Unternehmensgröße, Firmenkultur und Persönlichkeit unterschiedlich. Das kann ein Gruß oder eine kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag sein oder ein anerkennendes Nicken. Entscheidend ist der Moment der persönlichen Zuwendung.

Loben ist nicht Vorgesetzten vorbehalten. Auch ein Lob unter Kollegen ist wohltuend: Hat jemand im Meeting eine Idee gekonnt präsentiert? Ist jemand souverän mit einem schwierigen Kunden umgegangen? Dann sagen Sie dies demjenigen anschließend. Jedem tut es gut, wenn andere den eigenen Einsatz wahrnehmen.

7. Arbeitszufriedenheit

Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hängt nicht nur mit Über- oder Unterforderung zusammen. Hier zählen auch Faktoren, die unmittelbar die Arbeitssicherheit betreffen. Haben Sie Ihre Arbeitsstätten im Griff und alle Vorgaben der ASR umgesetzt? Schützen Sie Ihre Mitarbeiter konsequent vor Lärm, vor Zugluft, vor Blendung, vor Vibrationen usw.? All dies sind Faktoren, die – auch unterhalb von Grenz- und Richtwerten – als störend empfunden werden können. Auf Dauer kann dies zermürben. Nehmen Sie Beschwerden daher ernst und sorgen Sie für Abhilfe.

8. Störungsschutz

Wird von jedem im Betrieb verlangt, jederzeit telefonisch verfügbar zu sein? Erwarten die Kollegen, dass jede E-Mail sofort gelesen und beantwortet werden muss? Herrscht im Sekretariat ein ständiges Kommen und Gehen? Hier sind die Empfindungen individuell unterschiedlich. Den einen nervt das ständige Geplapper, der andere wird nervös, wenn es im Büro zu ruhig ist. Ein kluger Arbeitgeber oder Personalchef wird auf solche Befindlichkeiten achten und die Mitarbeiter nach Möglichkeit entsprechend einsetzen oder verteilen.

Auch die permanente Ansprechbarkeit in Zeiten von Internet und Mobilfunk kann zum Stressfaktor werden. Ein „Abschalten“ wird immer schwieriger. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich vor ständigen Unterbrechungen zu schützen. Das können z. B. feste Telefon- oder Sprechzeiten sein. Vereinbaren Sie Zeiten und „Jetzt-NichtZeichen“, wann jemand nicht gestört werden will.

9. Kollegialität

Haben Ihre Mitarbeiter das Gefühl, sich auf die Kollegen verlassen zu können? Erfährt jeder in schwierigen Situationen die volle Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten? Besteht ein Gefühl des Zusammenhalts im Betrieb? Entsprechen die Umgangsformen und der Umgangston im Betrieb dem, was Sie sich unter Firmenkultur vorstellen?

Das Thema soziale Beziehungen kann heikel sein. In jedem Unternehmen menschelt es, und nicht jeder Kollege liegt einem, das können Sie nicht verhindern. Aber wenn Sie merken, dass es Spannungen gibt, dass einzelne Mitarbeiter ausgegrenzt werden, dass ihre Leute häufig untereinander gereizt sind, dann sollten Sie reagieren. Eine Einstellung wie „Macht das unter euch aus“ belastet den Betrieb und die Mitarbeiter. Suchen Sie ein klärendes Gespräch, nehmen Sie notfalls externe Unterstützung dazu (Mediation).

10. Gesundheitsschutz

Geben Sie Ihren Mitarbeitern das Gefühl, dass Ihnen ihre Gesundheit und Sicherheit am Herzen liegen? Ist es selbstverständlich, dass um hochwertige Persönliche Schutzausrüstungen nicht lange gestritten werden muss? Bemerken Sie, wenn z. B. an Arbeitsplätzen Warnhinweise unleserlich sind, und sprechen Sie Ihre Leute drauf an? Bestehen Sie darauf, dass Arbeitsmittel regelmäßig geprüft werden? Als Vorgesetzter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit haben Sie hier einen enormen Einfluss. Sie können den Eindruck erwecken, dass Sie die Schutzmaßnahmen nur „wegen der BG und der Behörde“ durchführen. Oder Sie vermitteln Ihren Leuten, dass Sie Ihre Verantwortung für Schutz und Sicherheit wahrnehmen.

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