Gratis-Download

Die Vorschriften der Fahrpersonalordnung – insbesondere die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten – haben schon so manchen Fahrzeugverantwortlichen...

Jetzt downloaden

Kunde insolvent? So kommen Sie als Logistiker doch noch an Ihr Geld

0 Beurteilungen

Erstellt:

Obwohl sich die Wirtschaft langsam wieder erholt, gehen Experten auch für dieses Jahr von einem Anstieg der Insolvenzen aus. Sind unter diesen Unternehmen auch einige Ihrer Kunden, müssen Sie befürchten, Ihre Waren und Dienstleistungen nicht mehr bezahlt zu bekommen. Doch wenn Sie einige Regeln beherzigen, können Sie die Schrecken des Insolvenzgespensts oft bannen. Der LogistikManager zeigt im folgenden Beitrag, wie ein Insolvenzverfahren vonstatten geht - und was Sie als Logistiker tun können, um doch noch an Ihr Geld zu kommen.

Geht ein Unternehmen in die Insolvenz, ist es nach landläufiger Meinung schlicht und ergreifend pleite - es kann seinen Zahlungspflichten nicht mehr nachkommen. Doch bei genauerer Betrachtung dient eine Insolvenz auch dazu, das Überleben des betroffenen Unternehmens sicherzustellen, sowie der Rechtewahrung der Vertragspartner bzw. Lieferanten.
Ein Unternehmen, das Probleme hat, seinen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachzukommen, gilt im rechtlichen Sinne noch nicht als zahlungsunfähig. Zahlungsunfähig ist ein Unternehmen erst dann, wenn es seinen fälligen Verbindlichkeiten überhaupt nicht mehr nachkommen kann.
Überschuldet ist jedes Unternehmen, dessen Betriebsvermögen kleiner ist als die anstehenden Verbindlichkeiten. Zum Betriebsvermögen zählt nicht nur Geld, sondern beispielsweise auch Gebäude, Maschinen und Waren, die sich im Unternehmensbesitz befinden. Zu den Verbindlichkeiten gehören genauso wie im Fall der Zahlungsunfähigkeit offene Rechnungen oder auch zu zahlende Raten und Tilgungen für bestehende Kredite.
Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet, muss immer ein so genannter Insolvenzantrag gestellt werden. Diesen Antrag muss jede juristische Person, also zum Beispiel ein Unternehmen, spätestens 3 Wochen nach dem Eintreten der Zahlungsunfähigkeit beim zuständigen Amtsgericht stellen. Diese 3-Wochen-Frist dient dazu, kurzfristige Engpässe von der Antragstellung auszunehmen.

Insolvenzverschleppung

Wird der Insolvenzantrag nicht rechtzeitig gestellt, dann führt dies immer zu einer zivilrechtlichen Schadenersatzpflicht des Verantwortlichen, also beispielsweise des Geschäftsführers. Darüber hinaus wird bei einer Insolvenzverschleppung auch immer ein Strafverfahren ausgelöst. Wird ein Geschäftsführer in diesem Verfahren schuldiggesprochen, wird mindestens eine Strafe von 90 Tagessätzen verhängt. Damit gilt der Betroffene als vorbestraft!

So wird die Insolvenz festgestellt

Um die Insolvenz festzustellen, wird der so genannte Liquiditäts- und Überschuldungsstatus ermittelt. Beim Liquiditätsstatus werden alle fälligen Verbindlichkeiten dem sofort verwertbaren Vermögen gegenübergestellt. Dabei gelten als sofort verwertbare Vermögensbestandteile Bargeld, Bankguthaben oder auch noch nicht ausgeschöpfte Kreditlinien. Betriebseinrichtungen und zu erwartende Zahlungen werden nicht mit in die Vermögensbestandteile gerechnet. Aus diesem Grund können auch an sich gesunde Unternehmen schneller in die Gefahr einer Insolvenz kommen, wenn ihre Kunden offene Forderungen nicht begleichen. Ergibt sich aus dieser Gegenüberstellung eine Unterdeckung, so ist innerhalb von 3 Wochen der Weg zum Amtsgericht angesagt.
Bei einer Überschuldung wird hingegen das gesamte Betriebsvermögen - also auch z. B. Gebäude, Maschinen und Waren - den Verbindlichkeiten gegenübergestellt. Ergibt sich eine Unterdeckung, so muss auch hier innerhalb von 3 Wochen der Insolvenzantrag gestellt werden.
Sofort nach dem Einreichen und der vorläufigen Prüfung des Antrags setzt das Amtsgericht dann einen vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Dieser hat die Aufgabe, das Unternehmen in seinen Besitz zu übernehmen, das Betriebsvermögen zu sichern und den Betrieb fortzuführen, bis über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden wird.
Starker und schwacher vorläufiger Insolvenzverwalter
Dabei kann das Gericht unterschiedliche Insolvenzverwalter vorsehen. Der starke vorläufige Insolvenzverwalter übernimmt die Geschäfte des Unternehmens und „entmachtet“ sozusagen die bisherige Geschäftsführung komplett.
Der schwache vorläufige Insolvenzverwalter hingegen führt die Geschäfte des Unternehmens zusammen mit der bisherigen Geschäftsführung. In diesem Fall müssen alle Geschäftsvorgänge von beiden gegengezeichnet werden.
Für Sie als Gläubiger hat dieser kleine Unterschied unter Umständen eine erhebliche Bedeutung. Beim starken Verwalter müssen Sie Ihre Forderungen gegenüber dem Unternehmen nur diesem gegenüber geltend machen, während Sie es beim schwachen Verwalter immer mit 2 Parteien zu tun haben. Während im 1. Fall der Verwalter Ihr Unternehmen und die bestehenden, gewachsenen Geschäftsbeziehungen nicht kennt, haben Sie es beim schwachen Vertreter auch mit Ihnen bekannten Personen zu tun, die in der Vergangenheit mit Ihnen hoffentlich immer vertrauensvoll und gut zusammengearbeitet haben.
Tipp: Den Unterschied zwischen dem schwachen und dem starken Insolvenzverwalter erkennen Sie im Beschluss des Amtsgerichts. Ist hier von einem allgemeinen Verfügungsverbot die Rede, haben Sie es mit einem starken vorläufigen Insolvenzverwalter zu tun.

Das bedeutet der vorläufige Insolvenzverwalter für Sie und Ihre Forderungen

Der vorläufige Insolvenzverwalter hat die Aufgabe, die Geschäfte des Unternehmens - wenn irgendmöglich - fortzuführen und die Masse des Unternehmens zu sichern. Das bedeutet für Sie, dass

  • er versuchen wird, mit Ihnen eine Stundung der Außenstände zu vereinbaren,
  • er versuchen wird, die benötigten Waren und Materialien weiter von Ihnen geliefert zu bekommen, und
  • Sie keinen Zugriff auf die bereits gelieferten Waren und Materialien mehr haben. Dies gilt auch für Einrichtungen, die Sie dem betreffenden Unternehmen zur Verfügung gestellt haben, also etwa Kanban-Einrichtungen oder Warenbehälter.

Achtung: Darüber hinaus bleiben auch alle vertraglichen Vereinbarungen im Prinzip bestehen. Sie können also Verträge, die Sie mit dem betreffenden Unternehmen geschlossen haben, nicht einfach aufkündigen. In dieser Phase des Insolvenzverfahrens sind Ihnen also weitgehend die Hände gebunden. Sie kommen weder an die bereits gelieferten Waren heran noch können Sie vereinbarte Lieferungen einfach stoppen. Ihr Unternehmen muss aber für sich entscheiden, ob es dem Wunsch des Insolvenzverwalters nach Stundung der ausstehenden Fälligkeiten nachkommen will oder nicht.
Diese Entscheidung kann weit reichende Folgen haben. Stunden Sie nämlich die Zahlungen für einen gewissen Zeitraum, so sehen Sie zunächst kein Geld, das andere Unternehmen kann aber dadurch eventuell Zeit gewinnen und wieder liquide werden. Andererseits kann es leicht geschehen, dass der angerichtete Schaden vergrößert wird und Sie so auf noch höheren Außenständen sitzen bleiben.

Tipp
: Prüfen Sie deshalb so gut wie möglich, ob Sie absehen können, ob Ihr Kunde eine realistische Chance hat, wieder auf die Beine zu kommen.

Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Im nächsten Schritt wird das Amtsgericht darüber entscheiden, ob das formelle Insolvenzverfahren eingeleitet wird. Dabei prüft es,

  • ob der Antrag wieder zurückgezogen wurde,
  • ob ein Insolvenzgrund besteht,
  • ob die Kosten des Insolvenzverfahrens aus der Masse des Unternehmens bestritten werden können.


Wird das Verfahren eröffnet, bedeutet dies Folgendes:

  • Die gesamte Verfügungsgewalt über das Unternehmen geht in die Hände des Insolvenzverwalters über.
  • Alle Zahlungen laufen ab sofort über das Anderkonto des Insolvenzverwalters.
  • Alle Zwangsvollstreckungen werden ausgesetzt.


Forderungen können nur mit einem Eintrag in die Insolvenztabelle geltend gemacht werden. Darüber hinaus entscheidet allein der Insolvenzverwalter über die Anerkennung von Forderungen und darüber, ob Waren und Gegenstände, die nicht dem insolventen Unternehmen gehören, ausgesondert, also herausgegeben werden dürfen.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, zu dem Sie Ihre Forderungen schriftlich beim Insolvenzverwalter geltend machen müssen.
Das sind insbesondere:

  • Forderungen für bereits gelieferte, aber noch nicht bezahlte Waren und Güter beziehungsweise Dienstleistungen;
  • Forderungen nach Aussonderung von Gegenständen, die Ihrem Unternehmen gehören. Das können etwa Maschinen sein, die Sie im Rahmen Ihrer Liefer- oder Dienstleistungsverträge kostenfrei oder kostenpflichtig bereitgestellt haben;
  • alle Warentransportmittel wie beispielsweise Paletten, Transportbehälter etc.


Der Insolvenzverwalter wird daraufhin prüfen, ob diese Gegenstände Ihrem Unternehmen
gehören.
Achtung: Sie müssen beweisen können, dass die Gegenstände Ihnen gehören. Deshalb sollten Sie die Überlassung vertraglich fixiert haben. Gehören die Gegenstände Ihnen, kann der Insolvenzverwalter sie Ihnen übergeben - er muss es aber nicht, wenn diese Einrichtungen zum Betrieb des Unternehmens zwingend notwendig sind und Sie die Überlassung vertraglich vereinbart haben. Dieser Vorgang nennt sich Aussonderung.
Achtung: Schlechte Karten haben Sie, wenn es sich um so genannte Sicherungsübereignungen oder Sicherungsabtretungen handelt! Diese können Sie nämlich nicht zurückverlangen. Der Insolvenzverwalter darf diese Gegenstände nur verkaufen und Ihnen den Erlös in Höhe Ihrer gesicherten Forderung ausbezahlen

Logistik & Export aktuell

Praxis-Informationen für Logistiker und exportierende Unternehmen zu Lagerverwaltung, Exportkontrolle, Haftung, zum richtigen Umgang mit Ihrem Personal und zur Senkung von Treibstoffkosten.

Datenschutz

Anzeige

Produktempfehlungen

Bewährtes Praxis-Knowhow für Logistikprofis

Verantwortung übernehmen | Betriebskosten senken | Sicherheit schaffen

Nutzen Sie jetzt die besten Praxistipps für Ihren Erfolg in der Transport- und Logistikwelt.

Bewährtes Praxis-Knowhow für Logistikprofis

Verantwortung übernehmen | Betriebskosten senken | Sicherheit schaffen