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Sich gegenüber anderen Menschen durchzusetzen, ist oft gar nicht so leicht. Die Angst, die Harmonie zu zerstören und ein angespanntes Verhältnis...

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Mobbing: So vermeiden Sie, dass Mobbing zum Gerichtsfall wird

 

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Mobbing kann in jedem Unternehmen vorkommen und hat nichts mit Ihren Führungsqualitäten zutun! Doch sobald der Fall einer Mobbingattacke eingetreten ist, müssen Sie als Vorgesetzter handeln. Lesen Sie hier, wie Sie richtig gegen Mobbing am Arbeitsplatz vorgehen und wie Sie vermeiden, dass eine Mobbingattacke zu einem kostspieligen Gerichtsfall wird.

So gehen Sie richtig bei Mobbing am Arbeitsplatz vor 

Je früher Sie eingreifen, desto besser sind Ihre Chancen, die Mobbing-Handlungen zu beenden und das Arbeitsklima wieder zu verbessern.

Beispiel: Mobbing am Arbeitsplatz - So verhalten Sie sich richtig

"Im Visier der Auszubildenden

Sachbearbeiterin Frau Kaas hat vor ein paar Tagen das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten Herrn Friedhelm gesucht, da sie das Gefühl hat, gemobbt zu werden.

Kurz darauf hört Herr Friedhelm in der Kantine zufällig mit, wie sich die beiden Auszubildenden Herr Kuhl und Herr Schneider über Frau Kaas lustig machen und verabreden, sie auf dem kommenden Betriebsfest „anzumachen“.

Herr Friedhelm geht zu Frau Kaas ins Büro, erzählt in groben Zügen von der mitgehörten Unterhaltung und versichert seiner Mitarbeiterin, dass er das Verhalten der Auszubildenden nicht tolerieren wird.

Danach ruft er die beiden Mobber zu sich ins Büro. Zunächst legt er dar, was er in der Kantine gehört hat. Danach fragt er die beiden Auszubildenden nach ihren Beweggründen für dieses Verhalten.

Da sie hierzu nichts Konkretes benennen können, droht er ihnen arbeitsrechtliche Konsequenzen an, wenn ihre Angriffe nicht aufhören. Schließlich fordert er sie auf, sich zu entschuldigen."

1. Schritt bei Mobbing: Gehen Sie auf Vorwürfe des Mobbing-Opfer ein.

Als erste Maßnahme sollten Sie mit dem Mobbing-Opfer ein Gespräch führen, um sich persönlich die Schilderung der Situation anzuhören.

  • Hören Sie dem Betroffenen dabei aufmerksam zu.
  • Nehmen Sie die Vorwürfe ernst.
  • Vermeiden Sie aber in jedem Fall, sich vorschnell ein Urteil zu bilden.

Beachten Sie: Partei ergreifen sollten Sie nur, wenn Sie – wie im oben dargestellten Fall – persönlich Zeuge einer Intrigenvorbereitung geworden sind!

Die Inhalte des Einzelgesprächs mit dem Mobbing-Opfer

  • Klären Sie, worum sich der Streit gehandelt hat und wie der Konflikt verlaufen ist. Versuchen Sie, die beteiligten Gruppen und ihre Machtpositionen im Betrieb ausfindig zu machen. Häufig handelt es sich nicht um einen Einzelnen, sondern um mehrere Mitarbeiter, die in dem  beginnenden Konflikt eine Rolle spielen.
  • Stellen Sie fest, ob Ihr gemobbter Mitarbeiter selbst den Konflikt für lösbar hält und was er von einer Lösung erwartet. Vielleicht lässt schon seine Äußerung erkennen, ob eine Lösung möglich und welcher Weg hierfür einzuschlagen ist.
  • Fragen Sie Ihren gemobbten Mitarbeiter, wie er persönlich den Streit empfindet und ob gesundheitliche Probleme eingetreten sind.

2. Schritt bei Mobbing: Geben Sie Anregungen zur Selbsthilfe.

  • Versuchen Sie als nächsten Schritt, in dem Gespräch mit Ihrem gemobbten Mitarbeiter Maßnahmen zu finden, die der Betroffene allein in Angriff nehmen kann.
  • Sichern Sie ihm dabei Unterstützung zu, ohne seine Position zu übernehmen.
  • Bevor Sie selbst handeln, erbitten Sie sich Bedenkzeit.
  • Nutzen Sie diese Zeit, um den Konflikt gründlich zu analysieren und um unter Umständen Sichtweisen anderer Mitarbeiter kennen zu lernen. 

Tipp: Sie sollten überlegen, ob es im jeweiligen Fall sinnvoll ist, Ihren Betriebsrat hinzuzuziehen.

3. Schritt bei Mobbing: Suchen Sie die Unterstützung durch den Betriebsrat.

Zu den gesetzlichen Aufgaben des Betriebsrats gehört auch die Abwehr von Mobbing am Arbeitsplatz und der Schutz der betroffenen Mitarbeiter.

Die Möglichkeiten des Betriebsrats:

  • Präventive Maßnahmen: Ein Abschluss einer Betriebsvereinbarung gegen Mobbing
  • Pflichtmaßnahmen: Gemäß § 84 und § 85 des Betriebsverfassungsgesetzes ist der Betriebsrat dazu verpflichtet, Mobbing-Opfer zu beraten und zu unterstützen.

Beispiel: Die Einbeziehung des Betriebsrates

"Kritik an der umständlichen Arbeitsweise

Die Sekretärin Frau Krause zieht ständig über den Hausboten Herrn Braun her, dessen Arbeitsweise sie als zu umständlich und als „Schande für die ganze Gruppe“ bezeichnet.

Als dies dem Bereichsleiter Herrn Klees zu Ohren kommt, geht er zu dem älteren Mitarbeiter und befragt ihn, wie er die Situation empfindet und bewertet. Danach wendet er sich an den Betriebsrat Herrn Voigt, da er sich selbst – als unmittelbarer Chef von Frau Krause – als „nicht neutral“ ansieht.

Nachdem Herr Voigt beide Seiten gehört hat, einigen sich Frau Krause und Herr Braun darauf, dass Herr Braun versucht, bestimmte Arbeitsabläufe schneller und effizienter zu erledigen.

Frau Krause übernimmt dafür zusätzlich die Aufgaben, deren Außenwirkung ihr besonders am Herzen liegt."

Tipp: Wenn mehrere Mobbing-Täter beteiligt sind

  • Sind mehrere Mitarbeiter in den Streit verwickelt, so sollte der Betriebsrat mehrere Gespräche mit dem Mobbing-Opfer und jeweils einem seiner Konfliktgegner führen.
  • Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Streit eskaliert und das Mobbing-Opfer noch stärker ausgegrenzt wird als zuvor.

Mobbing am Arbeitsplatz: Suchen Sie sich Unterstützung

Aber auch Sie als Führungskraft können Unterstützung von Ihrem Betriebsrat erwarten, wenn Sie von Führungskollegen oder Ihrem Vorgesetzten gemobbt werden.

Tipp: Gibt es in Ihrem Unternehmen keinen Betriebsrat, dann wenden Sie sich an eine höher gestellte Führungskraft Ihres Vertrauens oder nutzen Sie die Beratungshotline der gemeinnützigen Fairness-Stiftung.

Fairness-Stiftung bei Mobbingattacken

Eine Datenbank zu relevanten Urteilen, die sich mit unfairen Attacken gegen Führungskräfte befassen, hat die Fairness-Stiftung in ihrer Infothek unter www.fairness.de eingerichtet.

Laden Sie sich jetzt kostenlos den Leitfaden:"Wie Sie als Vorgesetzter gegen Mobbing am Arbeitsplatz vorgehen" herunter und sichern Sie sich Tipps und Tricks, wie Sie bei Mobbing richtig vorgehen sowie wichtige Fallbeispiele, Urteile und Definitionen, die Ihnen dabei helfen, Mobbing in Ihrem Unternehmen zu vermeiden und Ihre Mitarbeiter zu schützen!

4. Schritt bei Mobbing: Erarbeiten Sie mit Hilfe der Win-win-Strategie eine Konfliktlösung

  • Bitten Sie beide Beteiligten des Mobbing-Konfliktes zu sich.
  • Lassen Sie sie nacheinander erzählen, worauf ihrer Ansicht nach der Konflikt beruht, wie er verläuft und wie sie die Situation empfinden.
  • In dieser Phase können Sie sich ein Bild vom Konfliktverlauf machen.

Achten Sie hierbei darauf,

  • welche wunden Punkte jeweils bei Ihren Mitarbeitern durch den anderen getroffen wurden,
  • dass es nicht zum üblichen Schlagabtausch kommt und
  • dass beide die gleiche Redezeit haben.

Praxis-Tipp bei Mobbing: Ausreichend Gesprächszeit

  • Formulieren Sie offene Fragen, wie beispielsweise: „Durch welche Verhaltensweisen von Herrn/Frau X fühlen Sie sich gemobbt?
  • Hören Sie zu, wenn Ihre Mitarbeiter sprechen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie nicht mehrere Fragen hintereinander stellen.
  • Geben Sie Ihren Mitarbeitern ausreichend Zeit zu antworten.

Wenn Sie merken, dass der Konflikt zwischen Mobber und Mobbing-Opfer gelöst werden kann, dann

  • initiieren Sie den Dialog zwischen Ihren Mitarbeitern und lassen Sie sie einander direkt sagen, was sie kränkt, verletzt und ärgerlich macht.
  • Als Dolmetscher springen Sie dann ein, wenn etwas unklar ausgedrückt wurde oder jemand wieder zum Angriff übergeht.
  • Am Ende dieser Phase sollten die Beteiligten das Gefühl haben, zum ersten Mal richtig verstanden worden zu sein.

Praxis-Tipp bei Mobbing: 

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Mitarbeiter nicht mit vorbereiteten Argumenten zuschütten:

  • „Dann müssen Sie auch einmal nachgeben“ 
  • „Sie wissen, Herr/Frau X hat die längere Erfahrung“

Hören Sie stattdessen Ihren Mitarbeitern gut zu und gehen Sie gezielt auf ihre Bemerkungen ein.

Nutzen Sie die Win-win-Strategie

Überlegen Sie konkrete Maßnahmen, wie der Arbeitsalltag zukünftig besser gestaltet werden kann. Allerdings muss der Konflikt zunächst an sich gelöst sein, anderenfalls wird er nur aufgeschoben.

Nutzen Sie die Win-win-Strategie, indem Sie für beide Seiten Perspektiven aufzeigen und nicht nur den einen vor den Augen des anderen abstrafen:

  • Speziell für den Mobber können Sie zum Beispiel schriftlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen, die ihm die Vorteile aufzeigt, wenn er das Mobbing vollständig einstellt.

Praxis-Tipp bei Mobbing: Mobber handeln in der Regel aus egoistischen Gründen. Sammeln Sie daher möglichst viele egoistische Vorteile, um ihn zu überzeugen.

Musterformular: Kosten-Nutzen-Rechnung für Mobber

Mögliche Vorteile:

Mögliche Nachteile

  • Es wird keine Klagen und Beschwerden mehr geben.
  • Man wird keine rechtlichen Schritte einleiten
  • Seine Bereitschaft, die Handlungen einzustellen, wird gewürdigt.
  • Seine (sachlichen) Interessen bleiben gewahrt.
  • Für diese Interessen werden für beide Seiten akzeptable Wege gefunden.
  • Er hat mit seiner Bereitschaft den Arbeitsfrieden wieder hergestellt.
  • Er muss mit Kritik umgehen
  • Er muss zukünftig mit seinem „Feind“ auskommen.

Mobbinggespräch: So beenden Sie es erfolgreich

  • Fassen Sie abschließend das Gespräch noch einmal zusammen und heben Sie das Ergebnis hervor.
  • Achten Sie dabei auf Signale von Unsicherheit oder Unzufriedenheit bei Ihren Mitarbeitern.
  • Haken Sie freundlich nach, wenn Sie das Gefühl haben, dass einer der beiden mit der Lösung noch nicht einverstanden ist. 

So demonstrieren Sie, dass (auch) Sie an einem nachhaltigen Ergebnis und an einem guten Arbeitsklima interessiert sind.

Überprüfen Sie die Verhaltensfortschritte Ihrer Mitarbeiter

Vereinbaren Sie zudem Zeitphasen, nach denen Sie sich jeweils wieder mit Ihren Mitarbeitern zusammensetzen und die Zusammenarbeit auf Fortschritte hin überprüfen.

Tipp: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie allein den Konflikt zwischen den beiden Mitarbeitern nicht lösen können – beide aber bereit sind, ihre Zusammenarbeit zu verbessern –, dann haben Sie auch die Möglichkeit einen externen Mediator hinzuzuziehen, der psychologisch geschult an die Konfliktlösung herangeht.

Wenn der Mobber jedoch sich selbst nicht den Konflikt eingestehen möchte, dann ist es schwierig, eine einvernehmliche Lösung zu finden..

5. Schritt bei Mobbing: Stärken Sie das Mobbing-Opfer.

Leidet der Mitarbeiter aufgrund der Mobbing-Situation unter gesundheitlichen Problemen, dann versuchen Sie mit innerbetrieblichen Mitteln seine Leistungsfähigkeit wieder zu stärken.

Möglichkeiten:

  • flexible Arbeitszeit
  • Entlastung von komplizierten Arbeitsaufgaben
  • Veränderung des Arbeitsplatzes

Wichtig:

  • Der gemobbte Mitarbeiter muss selbst seine Bedürfnisse formulieren und aktiv Lösungsvorschläge machen.
  • Sie erörtern und beschließen alle Maßnahmen gemeinsam mit dem Betroffenen.
  • Sie stellen klar, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt.
  • Sie definieren genau Anfang und Ende dieser Phase – allerdings mit der Aussicht, diese bei Bedarf zu verlängern.

6. Schritt bei Mobbing: Gehen Sie strikt gegen uneinsichtige Mobber vor.

Wenn das alles nicht hilft, müssen Sie arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den Mobber ergreifen. Hier gelten die allgemeinen arbeitsrechtlichen Grundlagen.

Maßnahmen:

  • die Rüge oder Ermahnung
  • die Abmahnung
  • die Versetzung
  • die Kündigung

Handeln Sie nicht übereilt! Die richtige Vorgehensweise bei Mobbing am Arbeitsplatz lautet: Erst aufklären, dann handeln! Werden Mobbingvorwürfe gegen einen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen laut, sollten Sie angemessen reagieren und nicht voreilige Entscheidungen treffen. Was Sie noch bei der richtigen Vorgehensweise bei Mobbingattacken beachten sollten, lesen Sie hier.

Praxistipp:

  • Die ordentliche wie auch die fristlose (außerordentliche) Kündigung setzen dabei eine konkrete Störung des Betriebsfriedens voraus.
  • Liegt Mobbing in Form von sexuellen Belästigungen vor, finden Sie die Rechtsgrundlage für Ihre arbeitsrechtlichen Sanktionen (Abmahnung, Umsetzung, Versetzung, Kündigung) im Paragraf § 4 des Beschäftigungschutzgesetzes.

7. Schritt bei Mobbing: Sammeln Sie Beweise.

Gerade Mobbing-Handlungen sind in einem arbeitsgerichtlichen Verfahren schwierig zu beweisen.

  • Sie sollten daher versuchen, möglichst viel Beweismaterial zu sammeln.
  • Insbesondere sollten Sie Gesprächsprotokolle anfertigen.
  • Dadurch können Sie Ihre Position in einem späteren Arbeitsgerichtsprozess verbessern. 
Erfolgreiche Mitarbeiterführung

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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