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Das müssen Sie bei der Kennzeichnung von Rührbehältern beachten laut Explosionsschutzrichtlinie 94/9/EG (Atex)

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Instandhaltung

Von Günter Stein,

Die Explosionsschutzrichtlinie 94/9/EG (Atex) regelt zwingend Anforderungen für elektrische und nichtelektrische Geräte und Komponenten, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden.

Die Explosionsschutzrichtlinie 94/9/EG (Atex) regelt zwingend Anforderungen für elektrische und nichtelektrische Geräte und Komponenten, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden. Im Zusammenhang mit der Richtlinie taucht häufig die Fragestellung auf, ob nun auch komplette Rührbehälter, bestehend aus dem eigentlichen Behälter und einem Rührwerk, eine Kennzeichnung gemäß RL 94/9/EG auf dem Leistungsschild erhalten müssen.

Instandhaltung: Zwei Vorgehnsweisen zur Kennzeichnung möglich

Bei der Kennzeichnung von Rührbehältern sind grundsätzlich zwei Vorgehensweisen möglich:

1. Die Hersteller kennzeichnen die einzelnen Geräte und Komponenten:

Alle Teilgeräte/-komponenten des Rührbehälters, die in den Geltungsbereich der RL 94/9/EG (Atex) fallen, werden einem Konformitätsbewertungsverfahren durch den Hersteller unterzogen, entsprechend gekennzeichnet und mit einer Konformitätserklärung/-bescheinigung versehen. Der Rührbehälter selbst, an den die Geräte und Komponenten angebaut werden, erhält keine eigene Kennzeichnung auf dem Leistungsschild.

2. Die Hersteller kennzeichnen den Rührbehälter auf dem Leistungsschild:

Der komplette Rührbehälter wird vom Hersteller einem Konformitätsbewertungsverfahre nach RL 94/9/EG unterzogen, auf dem Leistungsschild gekennzeichnet und mit nur einer Konformitätserklärung versehen.

Instandhaltung: Wann gilt welche Richtlinie?

Prinzipiell stellt sich die Frage, in welchen Fällen die Richtlinien 94/9/EG gilt. In Kapitel 4 der Leitlinien werden die verschiedenen Randbedingungen genannt. Voraussetzung ist eine explosionsfähige Atmosphäre. Sie wurde definiert als „ein Gemisch aus brennbaren Stoffen in Form von Gasen, Dämpfen, Nebeln und Stäuben und Luft unter atmosphärischen Bedingungen, in dem sich der Verbrennungsvorgang nach erfolgter Entzündung auf das gesamte unverbrannte Gemisch überträgt“. Produkte fallen nicht unter die RL 94/9/EG, wenn sie für die Verwendung in oder in Zusammenhang mit Bereichen bestimmt sind, die unter Umständen explosionsgefährdet sein könnten, bei denen aber eine oder mehrere der genannten Voraussetzungen nicht gegeben sind. Im Sinn der Richtlinie liegen keine atmosphärischen Bedingungen vor, wenn die Umgebungstemperaturen außerhalb von -20°C bis 60°C liegen und Drücke unter 0,8 bar oder über 1,1 bar. Wird ein Produkt bestimmungsgemäß für andere Temperaturen und Drücke in Verkehr gebracht, fällt es nicht in den Anwendungsbereich der RL 94/9/EG

Allerdings werden Prozessbehälter für chemische Reaktionen häufig mit einem Druck von mehreren Atmosphären betrieben. Auch in Lagertanks für Flüssiggas beträgt der Druck normalerweise mehrere Atmosphären. Wenn ein Produkt nicht zur Verwendung unter atmosphärischen Bedingungen bestimmt ist, fällt es nicht unter die RL 94/9/EG, jedoch könnte sich eine explosionsfähige Atmosphäre im Innern unter atmosphärischen Bedingungen während des Anfahrens, des Abschaltens oder im Verlauf von Instandhaltungszeiten bilden. Dies würde mit zu der Risikobewertung des Anwenders gehören und könnte zu der Vorgabe führen, dass in oder an dem Behälter Atex-Geräte installiert werden müssen. Geräten im Sinne der Richtlinie müssen eine eigene potenzielle Zündquelle besitzen (Kapitel 4.1.2, a), vierter Absatz).

Instandhaltung: Folgerungen für Rührbehälter

Geräte, die innerhalb des Behälters betrieben werden, unterliegen der Richtlinie, nicht aber der Behälter selbst. Der Hersteller muss dabei auch innen liegende mechanische Bauteile wie die Gleitringdichtung und den Rührer in seine Zündgefahrenanalyse mit einbeziehen. Mögliche Zündgefahren, die sich aus dem Zusammenbau von Rührwerk und Behälter ergeben können, z.B. Abstand zur Behälterwand und elektrostatische Aufladung, werden im Zusammenhang mit dem Rührwerk betrachtet. Der Rührantrieb des Rührbehälters fällt unter die Richtlinie, wenn der Rührbehälter in einem explosionsgefährdeten Bereich (außen) betrieben wird. Der reine Behälter hat keine eigene potenzielle Zündquelle und unterliegt nicht der Richtlinie. Die Kennzeichnung eines kompletten Rührbehälters nach RL 94/9/EG ist möglich, wenn eine Konformitätsbewertung aller an- und eingebauten Geräte und Komponenten vorliegt und deren Zusammenbau, unter evtl. Berücksichtigung weiterer Bauteile, bewertet wurde. Die Kennzeichnung für Prozessbehälter ist von der Richtlinie nicht gefordert. Viel bedeutsamer sind die Konsequenzen für den Betreiber, der bei einer Gesamtkennzeichnung mit erheblichen Einschränkungen rechnen muss.

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