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Neue TRGS 400: So führen Sie die Gefährdungsbeurteilung nach der neuen GefStoffV rechtskonform durch

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Arbeitssicherheit Gefahrstoffe

Von Wolfram von Gagern,

In der komplett überarbeiteten TRGS 400 ist genau beschrieben, was Sie im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen untersuchen müssen.FRAGE 1: Wer ist für die Beurteilung zuständig?FRAGE 3: Wenden Sie standardisierte Arbeitsverfahren an?FRAGE 4: Wie ermitteln und beurteilen Sie die Situation vor Ort?FRAGE 5: Werden Schutzmaßnahmen durchführt und dokumentiert?

Frage: Aufgrund der neuen gesetzlichen Anforderungen durch die Gefahrstoffverordnung 2010 und der Tatsache, dass in unserem Betrieb seit neustem neue Gefahrstoffe eingesetzt werden, möchte ich unsere Gefährdungsbeurteilung in den kommenden Tagen überprüfen und ggf. aktualisieren. Doch wie gehe ich dabei am besten vor, damit ich auch ja nichts vergesse?

Gefährdungsbeurteilung für Gefahrstoffe gemäß der TRGS 400

Antwort: In der Tat ist eine Gefährdungsbeurteilung keine Sache, die man „mal neben her“ macht. Aber ohne eine vollständige und aktuelle Gefährdungsbeurteilung dürfen Ihre Mitarbeiter auch nicht mit diesen Gefahrstoffen arbeiten.

Welche Fragen Sie für die Gefährdungsbeurteilung klären sollten

FRAGE 1: Wer ist für die Beurteilung zuständig?

Ihr Chef kann die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung an eine oder mehrere fachkundige Personen delegieren. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit können Sie diese Aufgabe übernehmen, wenn Sie sich mit Gefahrstoffen und den erforderlichen Schutzmaßnahmen einschließlich der Wirksamkeitsprüfung auskennen. Für die Gefährdungsbeurteilung müssen Ihnen alle erforderlichen

Unterlagen und Informationen zur Verfügung gestellt werden.

FRAGE 2: Wie werden Informationen zu Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ermittelt und erfasst?

Ein aktuelles Gefahrstoffverzeichnis ist Ihr Schlüssel für eine korrekte Gefährdungsbeurteilung. Prüfen Sie daher, ob diese Daten zu den eingesetzten Chemikalien in Ihrem Kataster enthalten sind:

  • Bezeichnung des Gefahrstoffs
  • Einstufung des Gefahrstoffs oder Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften
  • Angaben zu den im Betrieb verwendeten Mengenbereichen
  • Bezeichnung der Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte dem Gefahrstoff ausgesetzt sein können

Wenn diese Daten vollständig vorliegen, ist bereits ein wichtiger Meilenstein Ihrer Beurteilung erreicht. Jetzt brauchen Sie nur noch klären, bei welchen Arbeiten die einzelnen Gefahrstoffe verwendet werden. Zu betrachten sind dabei Vorgänge, wie beispielsweise die Lagerung, das Befüllen, Entsorgen, Mischen oder die Verarbeitung von Chemikalien. Zu den Tätigkeiten zählen auch das innerbetriebliche Befördern sowie Bedien- und Überwachungsarbeiten.

Wichtig für Sie: Die Beförderung, z.B. der Transport gefährlicher Güter, zählt nicht zu den Tätigkeiten im Sinne dieser Verordnung. Für diesen Bereich gelten die Vorschriften des Gefahrgutbeförderungsgesetzes und der darauf gestützten Rechtsverordnungen. Werden aber im Zuge der Beförderung auch Tätigkeiten im Sinne der Gefahrstoffverordnung ausgeübt, so sind Sie verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV durchzuführen. Insofern gilt die Gefahrstoffverordnung auch für Spediteure.

Prüfen Sie die Verfügbarkeit von alternativen Stoffen

FRAGE 3: Wenden Sie standardisierte Arbeitsverfahren an?

Sie können Ihre Gefährdungsbeurteilung verkürzen, wenn Sie in Ihrem Betrieb „standardisierte Arbeitsverfahren“ anwenden. In diesem Fall gehen Sie bei Ihrer Arbeit genauso vor, wie es der Lieferant Ihrer Arbeitsmittel oder Chemikalien vorgibt. Sie können die dort beschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen durchführen und brauchen nicht selbst weiter zu ermitteln. Standardisierte Arbeitsverfahren liegen vor, wenn

  1. eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers vorliegt,
  2. eine stoff- oder tätigkeitsspezifische TRGS bekanntgemacht ist, insbesondere verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420, oder
  3. die konkreten Maßnahmen oder Verfahren einer branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellung zu entnehmen sind.

Diese Vorgaben müssen unmittelbar auf die zu beurteilende Tätigkeit übertragbar sein.

FRAGE 4: Wie ermitteln und beurteilen Sie die Situation vor Ort?

Sofern Sie in Ihrem Betrieb nicht nach standardisierten Verfahren arbeiten, müssen Sie jetzt alle Gefahrstoffarbeitsplätze etwas genauer unter die Lupe nehmen. Das geht am besten im Rahmen einer Begehung. Lassen Sie sich von Ihren Kollegen zeigen, wie diese ihre Arbeit erledigen. Prüfen Sie, ob es überhaupt zur Freisetzung von Stoffen kommt. Wenn ja, gilt es zu klären, ob im Fall eines Hautkontakts z.B. Schutzhandschuhe getragen werden. Dabei ist es auch wichtig zu kontrollieren, ob der Handschuh für diese Arbeit geeignet ist. Klären Sie auch, ob gefährliche Dämpfe oder Stäube freigesetzt werden. Hier können Sie beispielsweise durch eine Messung ermitteln, ob die Belastung des Mitarbeiters noch akzeptabel ist.

Wichtig für Sie: Bevor Sie damit beginnen, teure Schutzmaßnahmen zu planen, müssen Sie zunächst prüfen, ob Stoffe oder Verfahren mit einer geringeren gesundheitlichen Gefährdung verfügbar sind. Dazu müssen Sie die gefährlichen Eigenschaften Ihrer Chemikalien kennen. Können Sie trotz aller Bemühungen diese Informationen nicht ermitteln, so haben Sie für Stoffe bei der Gefährdungsbeurteilung mindestens die Schutzmaßnahmen aufgrund der folgenden Eigenschaften durchzuführen:

  1. giftig (R23, 24 oder 25) bzw. Acute Tox. 3 (H331, H311, H301)
  2. reizend (R38) bzw. Skin Irrit. 2 (H315)
  3. erbgutverändernd Kategorie 3 (R68) bzw. Muta. 2 (H341)
  4. hautsensibilisierend (R43) bzw. Skin. Sens. 1 (H317)

Dieser Teil Ihrer Gefährdungsbeurteilung ist wahrscheinlich der aufwändigste. Aus diesem Grund sollten Sie für die Beuteilung der inhalativen und der dermalen Gefährdung sowie der Ersatzstoffsuche zusätzlich die folgenden speziellen Technischen Regeln nutzen:

  • TRGS 401 „Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“
  • TRGS 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition“
  • TRGS 600 „Substitution“

FRAGE 5: Werden Schutzmaßnahmen durchführt und dokumentiert?

Im Anschluss an die Beurteilung müssen erforderliche Schutzmaßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden. Machen Sie einen Plan, in dem Sie festlegen, wer, was bis wann zu erledigen hat. Halten Sie alle bisher durchgeführten Schritte Ihrer Gefährdungsbeurteilung einschließlich der anschließenden Wirksamkeitsüberprüfung schriftlich fest.

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