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Einmalhandschuhe: Nichts für die Frischetheke

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Von Martin Weyde,

Immer wieder sieht man Verkäufer an Frischetheken mit Einmalhandschuhen. Und immer wieder denkt man als Erstes: „Schön, dass Hygiene hier großgeschrieben wird!“ Und als Zweites, dass das Blödsinn ist.

Schon vor Jahren hat die BG Handel und Warendistribution darauf aufmerksam gemacht, dass Einmalhandschuhe bei der Arbeit an Frischetheken aus hygienischer Sicht nicht erforderlich und im Hinblick auf den Hautschutz sogar schädlich sind:

  • Nach 5 Minuten sind sowohl bloße Hände als auch Handschuhe stark mit Mikroorganismen besiedelt. Und das ist nicht verwunderlich, denn viele Produkte in Frischetheken werden mit Bakterien hergestellt. Auch rohes Fleisch bringt ganz natürlich Bakterien mit sich.
  • Einmalhandschuhe sind nur dann hygienischer, wenn sie tatsächlich nach jedem Bedienvorgang in den Müll wandern. Die einzigen, die darüber jubeln könnten, wären die Hersteller von Einmalhandschuhen.
  • Einmalhandschuhe verhindern, dass der Schweiß verdunstet. Dadurch weicht die Haut auf, und Keime können sich leichter vermehren. Bei der Arbeit mit Einmalhandschuhen sind die Verkäufer also durch Feuchtarbeit gefährdet, wie sie in der TRGS 401 geregelt ist.
  • Um für Produkthygiene zu sorgen, sollte die Ware anstelle der Hände besser mit Gabeln oder anderen Hilfsmittel aufgenommen werden.


Außerdem kommt es natürlich auch darauf an, dass persönliche Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Die BGHW weist darauf hin, dass Ihre Kollegen an Frischetheken

  • entsprechend unterwiesen und geschult werden,
  • mit sauberen Händen, sauberer Kleidung und ohne Schmuck arbeiten
  • und die Hygiene am Arbeitsplatz regelmäßig kontrollieren sollten.

 

 

Dr. Annette Kolk vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV, die bei den Untersuchungen federführend war, hat darüber hinaus festgestellt, dass Beschäftigte durch die Handschuhe das Gefühl für Schmutz verlieren. Sie vermitteln ein Gefühl trügerischer Sicherheit – man merkt schlicht nicht, dass die Hände klebrig sind und überträgt deshalb Verunreinigungen bedenkenlos auf andere Ware.
Aber besteht nicht die Gefahr, dass Bakterien der Hautflora der Hände auf die Ware gelangen? Auch dieser Frage ist das Team von Kolk nachgegangen. Untersuchungen von Kontrollpersonen haben ergeben, dass die Menge der Bakterien auf der Haut individuell verschieden ist. Aber selbst wenn sich viele Bakterien auf den Händen befinden, werden diese nicht messbar auf die Ware übertragen.
Für die Hygiene kommt es vor allem darauf an, das „Werkzeug“ gründlich zu reinigen und häufig zu wechseln – also Vorlegebesteck und Schneidbretter. Außerdem rät Kolk zur Distanz zwischen Verkäufer und Ware.
So sollte Wurst, die mit der Maschine geschnitten wird, nicht Scheibe für Scheibe abgenommen und zurechtgelegt werden. Besser sei es, die Scheiben einfach fallen zu lassen. Auch wenn das vielleicht nicht ganz so ordentlich aussieht – hygienischer ist es allemal.

 

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