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Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der...

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Helfen Sie Ihren Mitarbeitern, Familie und Beruf zu vereinen

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Familie und Beruf
Urheber: nazarovsergey | Fotolia

Von Uta Fuchs ,

Der Spagat zwischen Kind und Job ist für berufstätige Eltern der Stressfaktor Nummer eins. Dabei wächst bei vielen Eltern der Wunsch nach mehr Gelassenheit und Sicherheit im Umgang mit Konflikten. Elternseminare können berufstätige Mütter und Väter hierbei stärken. Und Unternehmen profitieren davon, wenn junge Eltern gesund und leistungsfähig bleiben.

Kennen Sie das? "Jetzt zum fünften Mal: Zieh bitte deine Schuhe an! Jeden Morgen dieser Stress. Deinetwegen komme ich jetzt schon wieder zu spät zur Arbeit!", schimpft Nicola R. mit ihrem Kind. Die Vertriebsleiterin eines Pharmaunternehmens ist kein Einzelfall. Viele berufstätige Eltern gehen mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit, weil sie morgendliche Konflikte mit ihrem Kind nicht klären konnten. Sie fragen sich; "Bin ich eine schlechte Mutter, ein schlechter Vater? Kommt mein Kind zu kurz?"

Anja und Ben Herzberg, Trainer bei der UBGM - Unternehmensberatung für Betriebliches Gesundheitsmanagement, kennen diese Zweifel von vielen Eltern, die zu ihnen ins betriebliche Elterntraining kommen. Die zertifizierten Elterntrainer und Eltern zweier heranwachsender Töchter wissen aus Erfahrung: "Da Eltern in vielen Fällen ihr schlechtes Gewissen mit an ihren Arbeitsplatz tragen, haben sie oft keinen freien Kopf für die Aufgaben im Büro. Gleichzeitig setzen sie sich unter Druck, eine Lösung für ihren inneren Konflikt zu finden, und vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse." Wer familiäre Konflikte permanent als Stress erlebt, schadet seiner Psyche. Im schlimmsten Fall kommt es zum Burnout.

Wie negativ sich der Familienstress auf das Berufsleben auswirkt, hat auch eine aktuelle Studie der DekaBank herausgefunden: Ein Drittel der Befragten führten Konzentrationsstörungen, Deprimiertheit und Angst am Arbeitsplatz hauptsächlich auf Belastungen in der Familie und eine zu gering erlebte Elternkompetenz zurück.

Empfehlung: Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens kann für junge Fachkräfte bei der Wahl eines Arbeitgebers entscheidend sein. Das spricht angesichts des demografischen Wandels für ein Engagement der Unternehmen. Immer mehr Unternehmen, die berufstätige Paare mit Kindern unterstützen wollen, erkennen den Nutzen von betrieblichen Elternseminaren.

So lernen Eltern, gelassener zu reagieren

Termindruck und knappe Zeit lassen sich für berufstätige Eltern nicht völlig ausschließen. Daran können auch Unternehmen zunächst mal wenig ändern. Doch ein konfliktfreieres, entspannteres Zusammenleben in der Familie ist möglich. 

Damit dies gelingt, sollten Eltern ihre Erziehungskompetenz stärken und sich ihrer eigenen Führungsverantwortung bewusst werden. Da Eltern heute aus vielen Gründen nicht mehr die Erziehungsmethoden ihrer Eltern und Großeltern kopieren wollen, müssen sie neue eigene Wege finden.

Das empfehlen Erziehungswissenschaftler: Rituale wie das gemeinsame Essen zu einer festgelegten Uhrzeit oder Spieleabende am Wochenende stärken den Zusammenhalt in Familien. Auch die Vereinbarung medienfreier Zeiten ist eine gesundheitsfördernde Regel. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass ein hoher Medienkonsum das Empathie- und Sozialverhalten gegenüber Eltern und Freunden schwächt.

Außerdem gilt: Statt Kinder mit Du-Botschaften wie "Du bist faul" oder "Du bist ungehorsam" abzuwerten, sollten Eltern mit ihren Kindern auf Augenhöhe kommunizieren und sie dazu ermutigen, echte Beziehungen bzw. Freundschaften zu knüpfen. Gerade in stressigen und problematischen Erziehungssituationen ist es zudem wichtig, Kinder mit mehr Ruhe und Gelassenheit zu erziehen.

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So erkennen Sie gute Dienstleister

Eine Hilfe dabei stellen Elternseminare dar, wie sie beispielsweise die UBGM - Unternehmensberatung für Betriebliches Gesundheitsmanagement deutschlandweit anbietet. Hier werden Ratschläge von Erziehungswissenschaftlern weitergegeben und mit den Erfahrungen der Eltern verknüpft. In den Workshops werden die Teilnehmer aktiviert, ihre Wünsche zur Vereinbarung privater und beruflicher Bedürfnisse zu reflektieren und in der Gruppe zu teilen:

  • Welche individuellen Vorstellungen und Glaubenssätze beeinflussen mein Handeln bzw. meinen Umgang mit meinem Kind? 
  • Was kann ich tun, damit mein Kind Glaubenssätze verinnerlicht, die sein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken?
  • Welche gemeinsamen Lösungen innerhalb der Familie tragen dazu bei, Machtkämpfe zu verhindern, Potenziale zu nutzen und Stress zu vermeiden?

Das Feedback durch die Gruppe zeigt Eltern, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Der Austausch in der Gruppe fördert die Kompetenz der Eltern. Hilfreich ist es auch, dafür mehr als nur eine Stunde einzuplanen.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Elternseminare anbieten wollen, werden Sie in der Regel auf einen externen Dienstleister zurückgreifen. Gute Anbieter erkennen Sie an den folgenden Kriterien:

  • speziell ausgebildete Elterntrainer, die selbst Eltern sind
  • mit vielen Jahren Praxiserfahrung und ggf. akademischem Hintergrund

  • Thema wird locker, mit Spaß und Humor vermittelt

Nicht in die "Leistungsvergleichs-Falle" tappen!

Hinzu kommt, dass der Alltag für Familien deutlich voller und komplexer geworden ist: Durch die Berufstätigkeit beider Elternteile müssen Familien oft jonglieren, um ihre vielen
Termine unter einen Hut zu bekommen. Paare diskutieren, wer gerade die "wichtigeren
Termine" hat und wer die Kinder von Schul- und Freizeitaktivitäten abholt. Eltern, die massiv im Beruf gefordert sind, übertragen ihre Geschwindigkeit und ihr Leistungsdenken auf ihre Kinder: musikalische Frühförderung, Früh-Englisch usw. Vielfältige Angebote, die vermeintlich den Intellekt des Kindes fördern sollen, werden den kleinen "Einsteins" übergestülpt.

Viele Eltern tappen in die Falle, die Leistungen ihres Kindes mit denen der anderen zu vergleichen. Das hat auch etwas mit dem gesellschaftlichen Druck zu tun, dass Kinder funktionieren und in das Schulsystem hineinpassen müssen.

Empfehlung: Für die Entwicklung des Kindes ist vor allem die uneingeschränkte Qualitätszeit mit Mutter oder Vater wichtig. Statt das Kind mit Spielzeug oder Filmen zu überhäufen, sollten Eltern das kindliche Bedürfnis nach Wertschätzung, Anerkennung und sozialen Kontakten unterstützen.

Im Unternehmen macht sich der Druck, unter dem Eltern stehen, in einer Zunahme psychischer Erkrankungen bzw. Stresserkrankungen bemerkbar. Registrieren Sie im Unternehmen bzw. in einigen Bereichen Signale wie Burnout-Fälle oder einen erhöhten Krankenstand, können Sie davon ausgehen, dass die Ursachen gerade bei jungen Eltern auch in Problemen mit der Work-Life-Balance zu suchen sind. Mit unterschiedlichen Methoden und Übungen können Eltern hier gestärkt werden. Machen Sie interessierte Eltern in Seminaren und anderen Gesprächskreisen z. B. mit bewährten Techniken vertraut. Dabei erlernen sie Übungen, die sich ganz einfach in den Alltag integrieren lassen und dabei erstaunlich wirkungsvoll sind.

Trainerin Anja Herzberg (UBGM) empfiehlt: Die 3-Schritt-Methode

Situation: Ihre Tochter ist krank, aber Sie gehen trotzdem zur Arbeit. Reflektieren Sie:

Schritt 1: ... wie Sie diese unangenehme und stressige Situation wahrnehmen. Haben Sie z. B. ein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrem Kind und gleichzeitig ein Pflichtgefühl gegenüber Ihrem Arbeitgeber?

Schritt 2: ... wie Sie die Situation bewerten, beispielsweise mein Kind braucht mich, und ich habe eine Verantwortung meiner Familie gegenüber.

Schritt 3: ... wie Sie handeln, z. B. dem Chef gegenüber kommunizieren, dass Sie nach Hause müssen, und dabei eine aufrechte Körperhaltung einnehmen.

Ziel der Übung: Sich bewusst machen, worauf man bei seinen Handlungen den Fokus setzen will, und es dann auch konsequent umsetzen. Statt Opfer seiner Umstände zu sein, nimmt man die Situation in die Hand. Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und auf das Positive zu fokussieren, nämlich die Verantwortung für das Kind, und diese Priorität auch zu vertreten.

Väter wollen sich an Familienarbeit beteiligen

Unternehmen haben die Väter als Zielgruppe für eine familienbewusste Personalpolitik bisher noch zu wenig wahrgenommen. Studien zeigen, dass Deutschland auch im internationalen Vergleich bei den familienfreundlichen Strukturen noch hinterherhinkt.

  • In den Niederlanden arbeiten bereits mehr als 20 Prozent der Männer in Teilzeit, in Deutschland sind es etwa acht Prozent.
  • In Schweden und auch in Frankreich ist es üblicher als hierzulande, dass Unternehmen ihre männlichen und weiblichen Mitarbeiter bei der Pflege von Kindern und Angehörigen unterstützen.

Prüfen Sie unter diesem Blickwinkel auch Ihre Personalpolitik und die betrieblichen Angebote. Erfreulich ist zwar, dass sich heute immer mehr Männer zuständig für den Erziehungsalltag fühlen und beispielsweise Elternzeit anmelden.

Doch äußern sie - wie eine Untersuchung der Beruf und Familie GmbH ergeben hat - bislang nur selten den Wunsch nach mehr Spielraum für ihr Engagement in der Familie. Das liege an dem Rollenkonflikt der Väter. Sie stehen oft widersprüchlichen Erwartungen gegenüber ("Ernährer" versus "Kümmerer") und haben mit Vorbehalten in den Unternehmen zu kämpfen.

Tipp: Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Elternseminare planen, sollten Sie bei der Auswahl eines Veranstalters darauf achten, dass auch die Väter gezielt angesprochen werden. Sie sollten Strategien zu ihrer Entlastung und zur eigenen Handlungsfähigkeit an die Hand bekommen.

Sorgen Sie dafür, dass Mütter und Väter darin gestärkt werden, eine Balance zwischen betrieblichen Leistungsanforderungen, den Wünschen der Familie und eigenen Interessen zu entwickeln.

Wie Eltern ihre mentale Stärke trainieren

Mentale Stärke kann helfen, gelassener und souveräner mit Herausforderungen in Beruf und Familie umzugehen. Die folgenden beiden Übungen, die im Rahmen eines Elterntrainings erlernt werden, helfen dabei, negative Gedanken auszuschalten und so Kraft zu gewinnen.

Trainer Ben Herzberg (UBGM) empfiehlt:

1. Gedankenstopp

Wenn ein negativer Gedanke in Ihrem Bewusstsein auftaucht, sagen Sie mehrmals - laut oder leise - "stopp!" Rufen Sie sich dann den Gedanken bildlich vor Augen und visualisieren Sie, wie er sich in Luft auflöst. Richten Sie zum Abschluss der Übung Ihre Gedanken auf etwas Positives, etwa auf die Lösung der anstehenden Aufgabe.

Effekt: Es wird eine Distanz zu den negativen Gedanken aufgebaut. Dadurch gewinnen Sie Energie, die Sie einsetzen können, um ein Ziel zu erreichen.

2. Stärkendusche

Ihre Familie bildet einen Kreis. Sie stellen sich in die Mitte. Nun benennt jeder der Umstehenden eine positive Eigenschaft, die er/sie an Ihnen schätzt, oder eine Stärke, die er/ sie Ihnen zuschreibt.

Effekt: Das positive Feedback tut gut und hilft dabei, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen abzubauen.

Setzen Sie Elternseminare als Baustein eines ganzheitlichen BGM ein

Unternehmen sind in ihrem eigenen Interesse gefordert, Eltern aktiv bei der Gestaltung
der Balance zwischen Beruf und Familie zu unterstützen. Mit dieser Förderung können
sich Betriebe glaubwürdig als familienbewusste Unternehmen positionieren und verschaffen sich dadurch Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Elternseminare werden z. B. als Maßnahmen im Audit "Beruf & Familie" angerechnet. Mit diesem Audit können Sie sich als attraktives, familienfreundliches Unternehmen positionieren. Das Audit schafft eine Basis für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik. Binden Sie die Seminare als Baustein in ein ganzheitliches Angebot zum betrieblichen Gesundheitsmanagement ein, z. B. in Gesundheitswochen oder Gruppen-Coachings.

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