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Rund 18 Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten täglich im Büro. Auch wenn dort die Gefährdungen weniger unmittelbar erkennbar sind als auf der...

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So setzen Sie Ergonomie in der Fabrikhalle um

3.5 2 Beurteilungen
Fabrikhalle
Urheber: industrieblick | Fotolia

Von Uta Fuchs,

Ergonomische Arbeitsplätze sind ein Grundstein für gesunde Arbeit. Faktoren wie Arbeitshöhe oder Bewegungsraum werden oft als Erstes an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst. Dazu gibt es schließlich klare gesetzliche Vorgaben. Doch auch Faktoren wie Raumklima, Lärm und Beleuchtung wirken sich auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter aus. Dabei geht es nicht um „Wellness“, sondern Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten stehen auf dem Spiel. Berücksichtigen Sie daher auch diese Faktoren systematisch in Ihrer Gefährdungsbeurteilung.

Ergonomie im Unternehmen lohnt sich, das zeigen zahlreiche Untersuchungen. Vor allem drei positive Auswirkungen sind erkennbar:

  • bessere Arbeitsleistungen

  • mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz
  • weniger Fehlzeiten

Empfehlung: Gerade im Produktionsbereich sollte die Arbeitsumgebung an die Leistungsfähigkeit von älteren Mitarbeitern angepasst werden. Wenn auch in Ihrem Unternehmen das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt, sollten Sie der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze eine größere Aufmerksamkeit widmen. Denn damit können altersbedingte Veränderungen kompensiert werden.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze näher betrachten, werden Sie in der Regel mit den Faktoren starten, die die größten Effekte erzielen. Auch hier funktioniert die 80/20-Methode: Wenn Sie 20 Prozent der Ursachen ausschalten, können Sie einen Wirkungsgrad von 80 Prozent erreichen. Diese besonders wirksamen Faktoren sind meist die physikalischen Einwirkungen, also z. B. hoher Krafteinsatz oder Zwangshaltungen.

Die Gefährdungsbeurteilung

Arbeitgeber müssen grundsätzlich die Gefährdungen ermitteln, denen ihre Beschäftigten ausgesetzt sind. Für Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten schreibt das Arbeitsschutzgesetz außerdem vor, dass die Ergebnisse dieser Beurteilung (und die daraus abgeleiteten Maßnahmen) schriftlich dokumentiert werden müssen.

Die Verantwortung hat zwar immer der Arbeitgeber, der sie auch nicht (weg-)delegieren kann. In der Praxis wird jedoch meist die Fachkraft für Arbeitssicherheit die ausführende Person sein. Gerade wenn es um Kriterien wie Lärm, Temperatur oder Licht geht, sollte auch der Betriebsarzt hinzugezogen werden.

Empfehlung: Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte sollten unbedingt im BGM-Steuerungskreis mitarbeiten. Nutzen Sie die Sitzungen des Steuerungskreises, um Fragen der Ergonomie auf die Tagesordnung zu setzen.

Gefährdungsbeurteilungen sind keine Projekte, die Sie irgendwann als "erledigt" abhaken können. Betrachten Sie auch diese Aufgabe als einen Prozess, der nach dem PDCA-Regelkreis immer wieder weiterentwickelt wird. Planen (Plan) - umsetzen (Do) - kontrollieren (Check) - reagieren (Act). Deshalb fordert auch der Gesetzgeber regelmäßige Wiederholungen bei der Gefährdungsbeurteilung.

Was heißt "regelmäßig" in diesem Zusammenhang? Prüfen Sie einmal jährlich, ob sich Gefährdungen verändert haben und die Schutzmaßnahmen noch ausreichen. Wenn Sie eine neue Technik einführen oder sich die Abläufe an Arbeitsplätzen ändern, ist es an der Zeit, die Gefährdungsbeurteilung auch zwischendurch aufzufrischen. Das gilt auch nach Unfällen und Zwischenfällen im eigenen Betrieb oder, soweit bekannt, in anderen Unternehmen der Branche. Wenn es um die Ergonomie-Kriterien Raumklima, Lärm und Licht geht, sollten Sie auch Beschwerden der Mitarbeiter zum Anlass nehmen, die Situation vor Ort zu prüfen. Dabei stellt sich stets die Frage nach objektiven Kriterien und Grenzwerten.

Diese Faktoren bestimmen das Raumklima

"Wohlfühlen" ist eine ganz subjektive Empfindung, Sie kennen das: Die einen lassen das Fenster am liebsten den ganzen Tag offen stehen, andere frieren oder klagen, dass es zieht. Doch immerhin können Sie in Büroräumen die Temperatur (oder die Beleuchtung) meist selbst regulieren. Dagegen haben die Mitarbeiter in der Produktion oft keinen Einfluss auf die Umgebungsbedingungen. Deshalb legen Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz Kriterien des Raumklimas fest, die Unternehmen an allen Arbeitsplätzen einhalten müssen.

Diese Faktoren beeinflussen das Raumklima: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wärmestrahlung und Luftgeschwindigkeit. Vorgaben zur Raumtemperatur enthält die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR 3.5 und zur Lüftung die ASR 3.6.

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Wann Sie zwischen Raum- und Lufttemperatur unterscheiden müssen

Für Arbeitsstätten sind "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen" gefordert. Die Raumtemperatur ist eine gefühlte Größe, bei der die Lufttemperatur und die Temperatur von Fenstern, Wänden, Decke, Fußboden zusammenspielen. Meist reicht die Lufttemperatur zur Beurteilung. Bei besonders hoher Luftfeuchte, Wärmestrahlung oder Luftgeschwindigkeit müssen Sie aber genauer hinschauen. Dann brauchen Sie für die Gefährdungsbeurteilung ein "Klimasummenmaß". Wie das ermittelt wird, zeigt die ASR 3.5.

Eine weitere Ausnahme sind Arbeitsplätze, an denen technologisch bedingt hohe Temperaturen herrschen, z. B. im Stahlwerk. Für diese Hitzearbeitsplätze sind Regelungen zum Schutz der Mitarbeiter in der DGUV-Information 213-002 zusammengefasst. Für normale Produktions- und Lagerarbeitsplätze reicht es jedoch, wenn Sie die Lufttemperatur messen. Dazu benötigen Sie ein strahlungsgeschützes Thermometer mit einer Messgenauigkeikt von +/- 0,5 °C.

Hinweis: Beachten Sie die hier Vorgaben der ASR 3.5 und messen Sie die Temperatur stündlich während der Arbeitszeit. Bei sitzenden Tätigkeiten in einer Höhe von 0,6 m, wenn Ihre Mitarbeiter bei der Arbeit stehen in einer Höhe von 1,10 m über dem Fußboden.

Dabei stellt sich immer wieder die Frage nach den jeweiligen "Grenzwerten".

Diese Mindesttemperaturen müssen an Arbeitsplätzen erreicht werden

  • bei leichter sitzender Tätigkeit: 20 °C
  • bei mittlerer sitzender und leichter stehender/ gehender Tätigkeit: 19 °C
  • bei mittlerer stehender/gehender Tätigkeit: 17 °C
  • bei schwerer stehender/gehender Tätigkeit: 12 °C

Erreichen Sie diese Temperaturen nicht, müssen Sie aktiv werden. Halten Sie dabei die folgende Reihenfolge für Ihre Schutzmaßnahmen ein:

  1. arbeitsplatzbezogene technische Lösungen, z. B. Wärmestrahler, Heizmatten
  2. organisatorische Maßnahmen, z. B. Aufwärmzeiten  
  3. personenbezogener Schutz, z. B. geeignete Kleidung

Ein besonders spannendes Thema ist die Temperatur an Arbeitsplätzen jedoch vor allem in den Sommermonaten. Wenn es brütend heiß wird, wünscht sich manch einer ein Hitzefrei. Doch das bleibt ein Privileg der Schulen.

Hinweis: Unternehmen müssen zunächst mit baulichen Maßnahmen vorsorgen. Fenster, Oberlichter und Glaswände müssen mit Sonnenschutzsystemen ausgestattet sein, wenn sich die Raumtemperatur durch Sonnenstrahlung auf über 26 °C erwärmen kann.

Wenn jedoch trotz Jalousie und Co. das Thermometer weiterklettert, müssen Unternehmen ab 26 °C tätig werden, um gesundheitliche Gefährdungen auszuschließen. Sinnvoll sind beispielsweise die folgenden Maßnahmen, die Sie als "Merkzettel" auch im Downloadbereich unserer Website finden:

  • Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten und für Nachtauskühlung sorgen.
  • In den frühen Morgenstunden gründlich lüften.
  • Erweitern Sie, wenn möglich, die Regelungen zur Gleitzeit, sodass die Mitarbeiter schon in den frühen (noch kühlen) Morgenstunden mit der Arbeit beginnen können. Ein weiterer Vorteil: Frühmorgens sind die Straßen oft noch leer, sodass sich mitunter auch der Arbeitsweg verkürzt.
  • Schalten Sie elektrische Geräte aus, die nicht benötigt werden, denn die sorgen für zusätzliche Wärme.
  • Lockern Sie strenge Bekleidungsregelungen, erlauben Sie z. B. das Tragen von Shorts.
  • Sorgen Sie dafür, dass Getränke wie Trinkwasser bereitstehen.

Manche dieser Maßnahmen lassen sich in der Produktion leider nicht umsetzen: Maschinen müssen laufen und Schutzkleidung ist trotz Hitze erforderlich! Hier müssen Sie zu anderen MItteln greifen - einige davon sind ab Lufttemperaturen von über 35 °C sogar vorgeschrieben. Auch hier gilt das TOP-Prinzip, also die Reihenfolge von technischen, organistorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen:

  • Luftduschen oder Wasserschleier (technisch)
  • Entwärmungsphasen (organisatorisch)

  • Hitzeschutzkleidung (personenbezogen)

Einflüsse auf die Luftqualität

Neben der Temperatur entscheidet auch die Luftqualität darüber, ob es Ihren Beschäftigten bei der Arbeit gut geht. Diese Kategorie wird beeinflusst durch die Größe des Arbeitsraumes, die Arbeitsverfahren, die körperliche Belastung, die Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen.

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass die Luft nicht gut ist, sollten Sie zunächst auf "freie Lüftung" setzen, also die Fenster öffnen. Wie groß die Fensterfläche im Verhältnis zur Raumgröße sein muss, damit diese Lüftung ausreicht, ist in der ASR 3.6 festgehalten. Reicht diese Lüfungsmöglichkeit nicht aus, müssen Sie raumlufttechnische Anlagen (RLT- Anlagen) einsetzen.

Tipp: Auch für die Anforderungen an RLT-Anlagen haben wir eine umfassende Checkliste zusammengestellt, die Sie auf unserer Website bgm-im-fokus.de finden.

Wann Sie die Regelungen zum Lärmschutz umsetzen müssen

Dass Sie Ihre Mitarbeiter vor Lärmbelastungen schützen müssen, ist nicht nur eine Frage der Arbeitsplatz-Ergonomie. Auch der Gesetzgeber hat die Risiken für Beschäftigte erkannt und fordert daher in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung für jede lärmbelastete Tätigkeit eine Gefährdungsbeurteilung. Die Lärmschwerhörigkeit zählt immer noch mit zu den häufigsten und folgenreichsten Berufserkrankungen: Wer einmal durch Lärm schwerhörig oder gar taub wird, bleibt es ein Leben lang.

Tipp: Nutzen Sie die folgenden Informationsquellen, um betroffene Arbeitsplätze oder -bereiche zu identifizieren:

  1. Protokolle von Betriebsbegehungen und Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses (ASA)
  2. betriebliche Lärmanalysen und Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge
  3. Herstellerangaben zu Geräuschemissionswerten (Schallleistungspegel und Schalldruckpegel, Angaben in Dezibel (dB))
  4. Informationen der Berufsgenossenschaften, z. B. Infoblatt zur Auswahl und Beschaffung leiser Maschinen (Kurzlink: goo.gl/Axh7ts)
  5. Vergleich mit den VDI-Richtlinen "Emissionskennwerte technischer Schallquellen", die Pegelbereiche von etwa 20 Maschinengruppen angeben und den Stand der Technik beschreiben
  6. Katalog repräsentativer Lärm- und Vibrationsdaten am Arbeitsplatz (KarLA) - Onlinedatenbank des Landes Brandenburg, enthält Daten zu Kraftfahrzeugen, selbstfahrenden mobilen Arbeitsmaschinen sowie handgeführten Arbeitsmitteln (Kurzlink: goo.gl/236GlH)

Stellen Sie fest, dass Ihre Mitarbeiter gesundheitsschädigendem Lärm ausgesetzt sind bzw. sein könnten, müssen Sie für die Gefährdungsbeurteilung Art, Ausmaß und Dauer der Lärmexposition ermitteln.

Checkliste: Beleuchtung mit Tageslicht

  • Die Arbeitsstätten erhalten ausreichend Tageslicht.
  • Beleuchtung mit Tageslicht wird der Beleuchtung mit künstlichem Licht vorgezogen.*
  • Tageslicht gelangt durch Fenster, Dachoberlichter und lichtdurchlässige Bauteile ins Gebäude.
  • Fenster sind als zusätzliche Sichtverbindung vorhanden.
  • Oberlichter sorgen für eine gleichmäßige Lichtverteilung.
  • Der Abstand der Dachoberlichter voneinander ist nicht größer als die lichte Raumhöhe.
  • In den Arbeitsräumen wird am Arbeitplatz ein Tageslichtquotient größer als 2 %, bei Dachoberlichtern größer als 4 % erreicht.
  • Von lichtdurchlässiger Fenster-, Tür- oder Wandfläche bzw. Oberlichtfläche zur Raumgrundfläche wird mindestens ein Verhältnis von 1:10 eingehalten.
  • Die Arbeitsplätze befinden sich möglichst in der Nähe der Fenster.
  • An Arbeitsplätzen mit Tageslicht werden in Fenstern und Dachoberlichtern Verglasungsmaterialien verwendet, die Farben möglichst nicht verändern.
  • Störende Blendung durch Sonneneinstrahlung wird vermieden oder minimiert.**

*Helle Wände und Decken unterstützen die Nutzung des Tageslichts. Tageslicht hat Eigenschaften (z. B. Dynamik, Farbe, Richtung, Menge des Lichts), die künstliche Beleuchtung nicht erreicht.


** Störende Blendungen oder Reflexionen vermeiden z. B. Jalousien, Rollos und Lamellenstores, bei Dachoberlichtern lichtstreuende Materialien oder Verglasungen mit integrierten Lamellenrastern.

Das sind die wichtigen Kriterien für die Beleuchtung in Produktionsräumen

Licht am Arbeitsplatz macht Arbeit überhaupt erst möglich. Außerdem sorgt eine ausreichende Beleuchtung für Sicherheit am Arbeitsplatz. Dabei sollten Sie dem Tageslicht stets den Vorrang vor künstlicher Beleuchtung geben: Es wirkt stimulierend und motivierend. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit, einen Blick nach draußen zu werfen. Wer sehen kann, wie die Sonne scheint oder sich Wolken zusammenziehen, wer ein Gefühl dafür behält, welche Tageszeit gerade ist, fühlt sich nachweislich wohler als Menschen, die in geschlossenen Räumen ihre Zeit verbringen müssen.

Tipp: Prüfen Sie mit der oben aufgeführten Checkliste, ob die Beleuchtung mit Tageslicht für Arbeitsplätze in Ihrem Unternehmen ausreichend ist.

Reicht das Tageslicht nicht aus - und in der dunklen Jahreszeit tut es das generell nicht -, müssen Sie mit künstlicher Beleuchtung nachhelfen. Prüfen Sie mit der Anlage 1 der ASR 3.4, welche Lichtstärken an verschiedenen Arbeitsplätzen gebraucht werden. Das sind zum Beispiel:

  • 1.500 Lux in der Elektronikwerkstatt
  • 1.000 Lux für Farbprüfung, Kontrolle
  • 500 Lux für feine Montagearbeiten
  • 200 Lux für Maschinenhallen.

Hinweis: Gerade wenn es um Beleuchtung geht, kann es erforderlich sein, die Gefährdungsbeurteilung personenbezogen vorzunehmen. Bekanntlich verringert sich das Sehvermögen mit zunehmendem Alter. So kann es sein, dass an Arbeitsplätzen, an denen ältere MItarbeiter beschäftigt sind, eine höhere Beleuchtungsstärke erforderlich ist.

Neben der Beleuchtungsstärke (Angabe in Lux) wirkt sich auch der Farbwiedergabeindex (Angabe in Ra) auf die Lichtintensität aus. Diese Größe gibt an, wie die Spektralfarben im Licht verteilt sind. Der beste Wert mit der natürlichsten Farbwiedergabe ist Ra= 100. Diesen Wert erreichen Glühbirnen. LED-Lampen liegen in der Regel bei 75 bis 95 Ra.

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