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Kreativität in Projektbesprechungen: Wie Sie Ihr Team dazu bringen, mit System schöpferisch zu denken

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Umbrüche erfordern neue Wege und ein Denken jenseits der eingefahrenen Bahnen. Ingenieure - speziell in der Entwicklung, der Produktion oder im Qualitätsmanagement - fällt es in der Regel leicht, neue Ideen für unerwartete Situationen zu generieren. Doch viele dieser Geistesblitze werden nicht umgesetzt, weil sie in Besprechungen zerredet werden und mit Killerargumenten wie „Das genehmigt die Geschäftsleitung nie“ oder „Das ist viel zu teuer und zu umständlich“ vom Tisch gewischt werden.

Management Trainer Andreas Novak hat zahlreiche Teams darin begleitet, Ideen systematisch zu suchen und zu ordnen. Basierend auf den Methoden des Mediziners, Psychologen und Unternehmensberater Edward de Bono nutzt er beispielsweise 6 Hüte, um Entscheidungen innerhalb einer Abteilung zu treffen. Für die Überprüfung von unternehmensweiten Strategien wird der Wertbeitrag mit Hilfe von 6 Werte-Medaillen unter die Lupe genommen.

BWRmed!a sprach mit Andreas Novak im Vorfeld der Verleihung des Kreativitätspreises der Gesellschaft für Kreativität an Edward de Bono für sein Lebenswerk.

BWRmed!a: Viele Besprechungen und wenig Ergebnis – das hält kreative Ingenieure davon ab, ihre schöpferische Ideen in das Unternehmen einzubringen. Warum wird die Diskussion unter mehreren Experten zu einer Denkblockade für den einzelnen?

Andreas Novak: Klassischerweise folgt ein Dialog, in der ein betriebliches Problem gelöst werden soll dem folgenden Muster: Jemand – meist ein neuerer Mitarbeiter - macht einen innovativen Vorschlag, der sofort vom Kritiker abgelehnt wird, der mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit argumentiert. Daraufhin springt ein weiterer Kollege ein, um den Vorschlag doch eine Chance zu geben. Ein Dritter hat sofort ein ungutes Gefühl bei der Sache, kann aber nicht sagen warum, während der Vierte Zahlen, Daten Fakten fordert. Da diese Informationen meist noch fehlen, kommt bald ein neuer Vorschlag und der vorherige ist wieder vergessen. So schleppt sich die Sitzung dahin, einige Teilnehmer steigen aus, denn sie wissen schon gar nicht mehr, was gerade diskutiert wird. In Gedanken sind sie schon wieder bei dem eigenen übervollen Schreibtisch.

BWRmed!a: Wie kommen die Besprechungsteilnehmer aus diesem Schlagabtausch aus Pro- und Contra-Denken heraus?

Andreas Novak: De Bono schlägt vor, dass paralleles Denken den Austausch von Positionen ersetzen soll. Unser Diskussionsverhalten ist geschult auf kontroversen und Positionen. Einer sagt etwas und der nächste ist dagegen. Dies ist die Grundlage des westlichen Denkverhaltens basierend auf den griechischen Philosoohen wie Aristoteles, sokrates und Platon. Ihr Ziel war die Suche nach der Wahrheit. Die Pro- und Contra-Diskussion schärfen die Argumentationsfähigkeit, in dem sie den Gegner von der Richtigkeit der eigenen Argumente und der Falschheit von seinen Ansichten überzeugen sollen. Das eignet sich sehr gut für die Bewertung von bestehenden Lösungen. Um jedoch etwas zu schaffen, das noch gar nicht besteht – für kreative Vorschläge, um unbekannte Wege zu gehen, - ist es ungeeignet. Denn was noch nicht da ist, kann auch nicht „Wahr oder Falsch sein. Daher fordern Kreativitätstrainer immer wieder, dass Ideen nicht bewertet werden. Doch wie werden dann die erfolgsversprechenden Vorschläge ausgewählt? Der Vorschlag nicht zu bewerten sagt noch nicht, was statt dessen zu tun sein. De Bono schlägt mit der 6 Hüte-Methode vor, alle Stimmen einer Besprechung zu Wort kommen zu lassen: Den Fakten-Liebhaber, den Intuitiven und emotional geprägten Kollegen, den Risiko-Experten, den Optimisten, den Kreativen und den Prozessexperten, der Entscheidungen einfordert. Doch diese Denkweisen sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern von allen Teilnehmern einer Besprechung parallel verfolgt werden. Das symbolische aufsetzen von Hüten steht dafür, dass alle Teilnehmer für eine Phase in der Diskussion eine bestimmte Denkrichtung einnehmen.

BWRmed!a: Wie verändert das parallele Denken mit den 6 Hüten die Kreativität in Besprechungen?

Andreas Novak: Durch den Einsatz von Hüten verhindern Sie, dass die Diskussion ziellos hin- und her springt und sich am Ende im Kreis dreht. Darüberhinaus werden die einzelnen Aspekte weder unter- noch überbewertet. Betont ein Teilnehmer ständig die Risiken mit dem schwarzen Hut, dann nehmen Sie den Hinweis auf und bitten alle anderen Teilnehmer weitere Hindernisse und Gefahren aufzulisten. Wenn das abgeschlossen ist, dann sammeln Sie analog unter dem gelben Hut alle Beiträge, die die Chancen und Potenziale der Idee beschreiben. Der Vorteil: Alle diskutieren gemeinsam über einen Aspekt der Idee. Es wird miteinander statt gegeneinander gearbeitet.

Sie fangen mit dem blauen Hut an:

Blauer Hut: Der Träger des blauen Huts blickt nicht auf den Inhalt, sondern auf den Prozess. Mit dem blauen Hut wird festgelegt, was das Ziel des Treffens ist und in welcher Reihenfolge das Team vorgeht.

Die folgenden Hüte können Sie einzeln oder in der vorgeschlagenen Reihenfolge aufsetzten: Sie können sich unter dem blauen Hut am Anfang auch zunächst auf 2 bis 3 Hüte einigen und dann flexibel entscheiden wie es weitergeht.

Grüner Hut: Mit diesem Hut begeben Sie sich auf die Suche nach kreativen Lösungen. Mit Kreativitätstechniken denken Sie über die aktuellen Lösungen hinaus. Sie können beispielsweise Provokationen nutzen, um andere zum Widerspruch zu reizen. Mit dem grünen Hut dürfen alle neuen Ideen und Ansätze genannt werden, egal wie unrealistisch sie zunächst klingen.

Gelber Hut: Sie suchen nach den objektiv positiven Aspekten und formulieren realistische Hoffnungen und erstrebenswerter Ziele. Trennen Sie die objektiven Chancen von den subjektiven Stimmungen. Euphorie gehört unter den roten Hut.

Roter Hut: Geben Sie mit dem roten Hut die Möglichkeit, richtungsweisende Emotionen zu artikulieren, ohne dass sich jemand rechtfertigen muss. Für Techniker ist dies der Hut der Herausforderung. Viele Scheingefechte in Diskussionen beruhen darauf, dass ein spontanes Gefühl sofort durch „sachliche Argumente“ untermauert wird, die die weiteren Diskussionen vielleicht behindern.

Schwarzer Hut: Unabhängig von den persönlichen Einstellungen, sammeln Sie nun alle Argumente und objektiven Gefahren, die gegen die Lösung sprechen. Äußern Sie Bedenken, Zweifel, Risiken zu allen sachlichen Fragestellungen und negativen Aspekten.

Weißer Hut: Der weiße Hut kurz vor Schluss gibt Ihnen die Möglichkeit weitere notwendige Informationen einzufordern. Welche Zahlen liegen auf dem Tisch? Welche Zahlen brauchen Sie noch? Unabhängig von Ihrer persönlichen Meinung beschreiben Sie die Situation, so wie Sie sie für eine Simulation in einen Computer modellieren würden.

Zum Schluss fassen Sie mit dem blauen Hut die Ergebnisse zusammen, treffen Entscheidungen oder überlegen, welcher Hut vielleicht noch einmal aufgesetzt werden sollte. Vereinbaren Sie einen Termin und bilden Sie Arbeitsgruppen, die zu einzelnen Hüten weitere Aspekte suchen oder überprüfen.

BWRmed!a: Das Verfahren mag für einige erst einmal ungewohnt und zeitaufwändig klingen. Was sind die Vorteile?

Andreas Novak: Die Kreativität steigt in allen Seminargruppen, wenn die Teilnehmer die 6 Hüte anwenden. Es macht den Kopf frei und gibt mehr Sicherheit, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren, weil der andere Hut – beispielsweise der schwarze - ja noch kommt.

Es fühlen sich alle ernst genommen, denn jeder Hut steht für eine bestimmte Denkrichtung, die in der Regel von einzelnen Sitzungsteilnehmern bevorzugt werden. Der kreative grüne Kommentar ist genauso wichtig wie der Bedenkenträger, der unter dem schwarzen Hut spricht. Die Methode gibt den Teilnehmern, die Möglichkeit so zu sein, wie sie sind und gleichzeitig ohne ihr Gesicht zu verlieren ganz anders argumentieren können.

Am wichtigsten ist aber, dass die Methode Ego und Themen trennt. Wenn alle Aspekte aufgenommen werden, dann muss keiner mehr für seinen Denkstil kämpfen, in dem er immer wieder auf seine Position mit den Worten zurückkommt: „Wie ich ja vorher schon sagte ...“

Die Methode führt daher effizienter zum Ziel. Da wo sich andere noch die Köpfe heiß reden, sind Team mit der 6 Hüte-Methode längst im Feierabend.

BWRmed!a: In strategischen Diskussionen treffen oft die verschiedenen Abteilungsinteressen aufeinander. QM will eine fehlerfreie Produktion, Marketing will das Image erhöhen und die Entwicklung will so innovativ sein wie möglich. Welche Kreativitätsmethode hilft hier, um Besprechungen effizienter zum Ziel zu führen?

Andreas Novak: Jede Abteilung sieht eine Perspektive. Auch hier geht es wieder darum, den Schlagabtausch in paralleles Denken zu verwandeln. Mit den 6 Werte-Medaillen können Entscheidungen dahin überprüft werden, welchen Wert sie für die Beteiligten darstellen:

Mit der Goldmedaille wird untersucht, was wichtig ist für die Mitarbeiter. Dies ist das klassische Feld der Personalentwickung. Bei der Silbermedaille stehen die Markt-Ziele des Unternehmens im Vordergrund. Die Stahlmedaille untersucht die Auswirkung auf die Qualität. Die Glasmedaille fördert Innovation und Kreativität der Lösung zu Tage, während die Holzmedaille sich den ökologischen Auswirkungen der Entscheidung widmet. Die Messingmedaille überprüft, wie die Entscheidung von außen interpretiert werden kann. Das ist vor allem für die Kommunikationsabteilung wichtig.

Genau wie bei den 6 Hüten sind auch die 6 Medaillen ein Mittel, um eine Entscheidung umfassend zu beleuchten ohne in ziellose Diskussionen zu geraten. Menschen sind einfach kreativer, wenn ihre Gedanken auf verschiedene Aspekte gelenkt werden. Und sie diskutieren zielorientierter, wenn sie nicht in verschiedene Richtungen auf einmal denken müssen.

BWRmed!a: Herr Novak, wir danken für das inspirierende Gespräch.

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