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Brandschutzmaßnahmen können nur dann wirksam und effektiv sein, wenn vorher auch das mögliche Risiko dazu ermittelt worden ist.

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Wenn Azubis zündeln … So vermeiden Sie Brandgefahren

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Brandschutz
Urheber: wsf-f | Fotolia

Von Günter Stein,

Stellen Sie sich den folgenden Fall vor: 2 Auszubildende rauchen heimlich hinter dem Werkhof des Unternehmens, in dem Sie tätig sind. Es kommt zu einem Brand, weil einer achtlos die Zigarettenkippe wegwirft. Dabei waren beide von Ihnen vorher über die Brandschutzvorschriften unterwiesen worden. Wie sieht es denn nun haftungsrechtlich aus?

Haftung des Azubis

Für den Azubi kann es hier ganz schnell ganz schlecht aussehen. Grundsätzlich verhält es sich mit der Arbeitnehmerhaftung so:

  • Bei leichter Fahrlässigkeit, also wenn man mal was vergisst, sich vertippt oder verschreibt, haftet der Arbeitnehmer nicht. Beispiel: Ein Azubi vergisst, ein Kabel herauszuziehen.
  • Bei mittlerer Fahrlässigkeit, das ist noch keine Absicht, aber schon ein bisschen mehr als „mal vertippt“, wird der Schaden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt. Beispiel: Der Azubi vergisst trotz Anweisung, eine Feuerschutzklappe zu schließen.
  • Bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht, haftet der Arbeitnehmer voll. Grobe Fahrlässigkeit liegt immer dann vor, wenn der Mitarbeiter das außer Acht lässt, was jedem hätte einleuchten müssen. Beispiel: Der Azubi wirft einen mit Benzin gefüllten Kanister ins Feuer.

Eine Kippe achtlos wegzuschmeißen, jedes Kind weiß, dass das feuergefährlich ist. Deswegen liegt der Azubi mindestens im Fall der mittleren Fahrlässigkeit. Und bei einem Brand in einem größeren Unternehmen kann dann eine Haftungssumme von mehreren 100.000 Euro auf ihn zukommen.

Ihre Haftung als Brandschutzbeauftragter

Im beschriebenen Fall haben Sie die beiden Azubis unterwiesen. Sie haben also Ihre Pflicht erfüllt und müssen deswegen nichts befürchten.

Und wenn keine Brandschutzunterweisung erfolgt ist? Dann kann es bitter für Sie werden. Als Brandschutzbeauftragter haben Sie die Pflicht, alle Arbeitnehmer in den betrieblichen Brandschutz einzuführen. Tun Sie dies nicht und entsteht deswegen ein Schaden, dann haften Sie. Tun Sie diese Gefahr auch nicht als gering ab, denn sie besteht.

Nehmen Sie nur den beschriebenen Fall. Klar weiß jedes Kind, dass man keine Kippen einfach so wegschmeißt – aber vielleicht hätte der Azubi die Kippe ausgetreten und in den Aschenbecher geschmissen, wenn er gewusst hätte, mit welchen feuergefährlichen Stoffen Sie in Ihrem Betrieb arbeiten. Denn dies muss ihm nicht unbedingt klar sein.

So unterweisen Sie Azubis richtig

Und das heißt für Sie: Unterweisen Sie! Denn nur gebranntes Kind scheut das Feuer und nur wem die Zusammenhänge rund um Brände und Feuer klar sind, ist sich der Gefahr bewusst, die er durch unbedachtes Handeln provoziert.

Zudem: Die Unterweisung gibt Ihnen Sicherheit! Egal was der Azubi nun tut, Sie sind aus der Haftung draußen! Noch mehr Sicherheit haben Sie, wenn Sie die Unterweisung in einem Protokoll aufzeichnen und vom Azubi gegenzeichnen lassen.

Damit dem Azubi aber auch alles klar wird, sollten Sie bei der Unterweisung Folgendes beachten:

Unterweisen Sie umfassend!

Ihre Unterweisung muss so umfassend wie möglich sein. Also von der Vorbeugung bis zum richtigen Verhalten im Brandfall reichen. Konkret sollte sie die folgenden Komponenten beinhalten:

Vorbedingungen einer Verbrennung

  • Welche feuergefährlichen Stoffe gibt es im Betrieb?
  • Wie können sich diese Stoffe entzünden?
  • Wo liegt der Flamm- bzw. Brennpunkt einer Flüssigkeit?
  • Warum sind brennbare Gase so gefährlich?
  • Können Metalle brennen?
  • Können sich Stoffe nur durch offene Flammen entzünden?

Wenn es zum Brandfall kommt

  • Welche Löschmittel gibt es? Wie wirken diese?

  • Für welche Brandklassen sind sie geeignet?

  • Kohlendioxid – wo hilft das?

  • Welche Gefahren gehen von der falschen Verwendung aus?

  • Wo sind die Fluchtwege?

  • Gibt es hierüber einen Aushang?
  • Wer informiert die Feuerwehr?

Beleuchten Sie die technische Seite

  • Zeigen Sie die Hauptbauteile eines Feuerlöschers.
  • Schauen Sie sich das Gerät in Ihrer Nähe genau an.
  • Sagen Sie, für welche Brandklassen es geeignet ist.
  • Machen Sie auf Sicherheitshinweise aufmerksam.
  • Beleuchten Sie die Löschwirkung des Löschmittels. Denn daraus resultiert ja auch die Vorgehensweise bei der Brandbekämpfung.

Verhalten im Brandfall

Besprechen Sie das richtige Verhalten im Brandfall. Also:

  • Ruhe bewahren.

  • Brand melden.

  • In Sicherheit bringen.

  • Löschversuche unternehmen.

Wichtig: Gehen Sie auf die Azubi-Ebene

Vergessen Sie bei Ihrer Unterweisung eines nicht: Sie haben blutjunge Menschen vor sich. Die müssen ihre Erfahrungen noch sammeln. Was einem 40-Jährigen schnell und voll bewusst wird, muss bei einem 16 -Jährigen noch lange nicht ankommen. Er wird sich oft denken: „Wird schon schiefgehen!“

Wie also durchdringen zu den jungen Wilden? Das geht nur, wenn Sie Brandschutz plastisch darstellen können, weg von der Theorie zur Praxis.

  • Als Erstes gehen Sie weg von der Theorieebene. Lassen Sie die Azubis kleine Brandversuche machen (etwa wie schnell sich ein alter Lappen entzündet). So wird ihnen die Gefahr anschaulicher und bewusst.
  • Wecken Sie das Interesse der Jugendlichen. Etwa durch Filme zum Brandschutz. Diese können Sie bei den Berufsgenossenschaften erhalten.
  • Machen Sie doch mal einen Wettbewerb: Welcher Azubi kennt sich bei der Technik des Feuerlöschers am besten aus? Der Preis: Den Nachmittag frei, Kinogutschein ...
  • Und: Machen Sie doch mal einen Probealarm und beobachten Sie, wie die Jugendlichen sich verhalten. Dann sehen Sie und die Azubis genau die Schwachstellen und kapieren, worauf es ankommt.

Dokumentieren Sie!

Die beste Unterweisung nützt aber nichts ohne Dokumentation. Denn dann kann der Azubi immer noch behaupten, sie hätten ihn gar nicht unterwiesen. Und Sie wären dann unter Umständen mit in der Haftung. Nehmen Sie am besten das folgende Protokoll:

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Muster: Unterweisungsprotokoll

Gegenstand der Unterweisung (z. B. Art der brennbaren Flüssigkeit, Brennpunkte, Gerät, Verhalten in bestimmten Situationen): …

Nähere Beschreibung des Inhalts der Unterweisung: …

Verwendete rechtliche bzw. betriebliche Regelungen (z. B. Gesetze, Verordnungen, BG-Regeln, Betriebsanweisungen): …

Die Unterweisung erfolgte am: …

Durch: …

Teilnehmer/Datum/Unterschrift …

 

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