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Brandschutzmaßnahmen können nur dann wirksam und effektiv sein, wenn vorher auch das mögliche Risiko dazu ermittelt worden ist.

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Wie Sie die Brandgefährdung in Ihrem Betrieb beurteilen und Schutzmaßnahmen richtig ableiten

4 3 Beurteilungen
Urheber: Carola Vahldiek | Fotolia

Von Martin Weyde,

Die Brandgefährdung hängt von den Eigenschaften der in Ihrem Betrieb verwendeten Gefahrstoffe ab. Auch Faktoren wie Menge, Temperatur und Verfügbarkeit von Zündquellen spielen eine Rolle. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte müssen Sie beurteilen, ob in Ihrem Betrieb eine normale, erhöhte oder hohe Brandgefährdung vorliegt. An dieser Einteilung orientieren Sie die erforderlichen Schutzmaßnahmen.

Sie sollten nicht leichtfertig mit „Nein“ antworten, wenn Ihnen folgende Frage gestellt wird: „Arbeiten Sie in Ihrem Betrieb mit brennbaren oder oxidierenden Gefahrstoffen?“ Der Grund: Die neue TRGS 800 „Brandschutzmaßnahmen“ erfasst nicht nur als Gefahrstoff gekennzeichnete Chemikalien. Natürlich können Sie mit einem Blick auf das Gefahrstoffetikett einige brandgefährliche Chemikalien entlarven. Aber Vorsicht!

Häufig müssen Sie genauer hinsehen oder sogar im Sicherheitsdatenblatt nachlesen, um zu klären, welche Gefahren die Chemikalie wirklich mit sich bringt.

Ob nach GHS/CLP oder dem alten Gefahrstoffrecht gekennzeichnet: Sobald Sie ein entsprechendes Gefahrensymbol oder Gefahrenpiktrogramm auf der Verpackung sehen, ist klar: Dieser Stoff ist brennbar oder oxidierend. Aber nicht alle gefährlichen Chemikalien sind durch ein Symbol so zu kennzeichnen, dass Ihnen die Gefährlichkeitsmerkmale gleich ins Auge springen.

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Wenn Papier und Holz zu Gefahrstoffen werden

Nicht nur als gefährlich eingestufte Chemikalien können Gefahrstoffe sein. Bei der Bewertung der Brandgefahr zählt alles, was Feuer fangen kann.

Selbstverständlich gehören auch brennbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt über 60 °C dazu. Daher sollten Sie bei Ihrer Bewertung zusätzlich in Abschnitt 9 des Sicherheitsdatenblatts nachschlagen.

Grundsätzlich gelten alle Feststoffe, die erfahrungsgemäß brennbar sind, als Gefahrstoffe im Sinne der TRGS 800. Hierzu zählen auch Papier, Holz, Polyethylen, Polystyrol sowie deren aufgewirbelte Stäube.

Tipp: Ammoniumnitrat und ammoniumnitrat-haltige Zubereitungen, die in den Gruppen A bis C und den Untergruppen DI und DII des Anhangs I Nr. 5 Gefahrstoffverordnung (GeStoffV) genannt sind, unterliegen ebenfalls der TRGS 800.

Normale Brandgefährdung

Eine normale Brandgefährdung liegt vor, wenn Gefahrstoffe, die als brennbar oder oxidierend gekennzeichnet sind, nur in geringer Menge vorhanden sind. Dabei müssen die Wahrscheinlichkeit einer Brandentstehung, die Geschwindigkeit der Brandausbreitung und die damit verbundene Gefährdung von Beschäftigten und anderen Personen durch Rauch oder Wärme vergleichbar gering sein. Ein Beispiel hierfür ist die Büronutzung.

Diese Grundpflichten haben Sie bei normaler Brandgefährdung

  • Stellen Sie die Ausstattung mit Feuerlöschern sicher!
  • Reinigen Sie den Arbeitsbereich regelmäßig!
  • Beseitigen Sie freigesetzte Produkte unverzüglich!
  • Entfernen Sie regelmäßig Ablagerungen!
  • Legen Sie Rettungswege fest!
  • Stellen Sie eine geeignete Alarmierung z. B. durch Handsirenen sicher!

Erhöhte Brandgefährdung

Diese liegt dann vor, wenn ein Kriterium der normalen Brandgefährdung nicht erfüllt ist oder nicht alle Kriterien für die hohe Brandgefährdung erfüllt sind, z.B.

  • bei Stoffen mit erhöhter Entzündbarkeit,
  • bei brandgefährlichen Tätigkeiten oder Verfahren (z. B. Farbspritzen),
  • wenn große Möglichkeiten für eine Brandentstehung gegeben sind und in der Anfangsphase des Brandes mit einer schnellen Brandausbreitung zu rechnen ist.

Hohe Brandgefährdung kann beispielsweise in diesen Arbeitsbereichen vorliegen:

  • Anlagen zur chemischen Synthese 
  • Asphaltherstellung
  • Baustellen mit Feuerarbeiten unter besonderen örtlichen und betrieblichen Bedingungen 
  • Druckereien
  • Lackieranlagen und Lacktrockner, die mit brennbaren Lösemitteln betrieben werden
  • Lager für brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe in nicht nur geringer Menge
  • Leichtmetallverarbeitung 
  • Petrochemischen Anlagen
  • Prozessen mit und Lagerung von Gefahrstoffen mit erhöhten Gefahren der Selbstentzündung
  • Galvanisierbetrieben
  • Furnierwerken
  • Spannplattenwerken
  • Reifenherstellung, Gummiverarbeitung
  • Reinigungsanlagen, die mit brennbaren Lösemitteln arbeiten

Wichtig für Sie: Tätigkeiten mit brandfördernden, leichtentzündlichen, hochentzündlichen oder selbstentzündlichen Gefahrstoffen bringen automatisch eine hohe Gefährdung mit sich. Das gilt immer dann, wenn diese Gefahrstoffe nicht nur in geringer Menge in geschlossenen Räumen verwendet werden und sich in unmittelbarer Nähe von Menschen befinden.

Diese Schutzmaßnahmen müssen Sie bei Brandgefährdung treffen

  • Erfüllen Sie stets die Grundpflichten, die bereits bei geringer Gefährdung gelten.
  • Treffen Sie alle Maßnahmen, die bei erhöhter Gefährdung empfohlen sind.
  • Verteilen Sie brandgefährliche Stoffe auf feuerbeständig abgetrennte Bereiche und  Sicherheitsschränke.
  • Installieren Sie Leckagedetektoren.
  • Richten Sie eine flächendeckende oder objektbezogene Brandmeldeanlage (BMA) mit Brandfallsteuerung und Alarmierung der Feuerwehr ein.
  • Verhängen Sie Zutrittsverbote.
  • Stellen Sie spezielle Hilfsmittel, wie z. B. Gelenkmaste, Langzeitatemschutz oder Fluchthauben bereit.
  • Installieren Sie ein Feuerlöschanlage

Tipp: Eine vollständige Übersicht der erforderlichen Schutzmaßnahmen enthält die TRGS 800 in tabellarischer Form.

Gefahrenmerkmale brennbarer und oxidierend wirkender Gefahrstoffe***

H200 Instabil, explosiv.
H201 Explosiv, Gefahr der Massenexplosion.
H202 Explosiv; große Gefahr durch Splitter, Spreng- und Wurfstücke.
H204 Explosiv; Gefahr durch Feuer, Luftdruck oder Splitter, Spreng- undWurfstücke.
H240 Erwärmung kann Explosion verursachen.
H241 Erwärmung kann Brand oder Explosion verursachen.
H220 Extrem entzündbares Gas.
H222 Extrem entzündbares Aerosol.
H223 Entzündbares Aerosol.
H224 Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar.
H225 Flüssigkeit und Dampf leichtentzündbar.
H226 Flüssigkeit und Dampf entzündbar.
H228 Entzündbarer Feststoff.
H242 Erwärmung kann Brand verursachen.
H250 Entzündet sich in Berührung mit Luft von selbst.
H251 Selbsterhitzungsfähig; kann in Brand geraten.
H252 In großen Mengen selbsterhitzungsfähig; kann in Brand geraten.
H261 In Berührung mit Wasser entstehen entzündbare Gase.
H270 Kann Brand verursachen oder verstärken; Oxidationsmittel.
H271 Kann Brand oder Explosion verursachen; starkes Oxidationsmittel.
H272 Kann Brand verstärken; Oxidationsmittel.
H290 Kann gegenüber Metallen korrosiv sein.
R11 Leichtentzündlich
R12 Hochentzündlich
R15 Reagiert mit Wasser unter Bildung hochentzündlicher Gase.
R17 Selbstentzündlich an der Luft.
R2 Durch Schlag, Reibung, Feuer oder andere Zündquellen explosionsgefährlich.
R3 Durch Schlag, Reibung, Feuer oder andere Zündquellen besondersexplosionsgefährlich.
R7 Kann Brand verursachen.
EUH001 In trockenem Zustand explosionsgefährlich.
EUH006 Mit und ohne Luft explosionsfähig.
EUH014  Reagiert heftig mit Wasser.
EUH018 Kann bei Verwendung explosionsfähige/entzündbare Dampf/Luft-Gemische bilden.
EUH209 Entwickelt bei Berührung mit Wasser giftige Gase.
EUH209A Kann bei Verwendung entzündbar werden.
H205 Gefahr durch Feuer oder Splitter, Spreng- und Wurfstücke.
H221 Entzündbares Gas.
R1 In trockenem Zustand explosionsgefährlich.
R4 Bildet hochempfindliche explosionsgefährliche Metallverbindungen.
R5 Beim Erwärmen explosionsfähig.
R6 Mit und ohne Luft explosionsfähig.
R10 Entzündlich
R14 Reagiert heftig mit Wasser.
R16 Explosionsgefährlich in Mischung mit brandfördernden Stoffen.
R18 Bei Gebrauch Bildung explosionsfähiger/leichtentzündlicher Dampf/Luft-Gemischemöglich.
R19 Kann explosionsfähige Peroxide bilden.
R30 Kann bei Gebrauch leicht entzündlich werden.
R44 Explosionsgefahr bei Erhitzen unter Einschluss.

500 € Bußgeld, wenn der Feuerlöscher fehlt

Bei einem Gefahrguttransport dürfen Feuerlöschgeräte nicht fehlen. Wer ohne fährt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 500 €. Beförderer und Fahrzeugführer werden zu Kasse gebeten.

Der Beförderer ist verpflichtet, das Fahrzeug mit Feuerlöschgeräten auszustatten. Der Fahrer darf ohne Löscher an Bord nicht losfahren. Die nachstehende Tabelle zeigt, welche Bußgeldbescheide die Behörde ausstellen kann, wenn die erforderlichen Löscheinrichtungen fehlen oder die Prüffrist überschritten ist.

Tipp: Tappen Sie nicht in die Bußgeldfalle und überprüfen Sie vor der Abfahrt stets die Vollständigkeit Ihrer Ausrüstung.

Tabelle: Ordnungswidrigkeiten

OrdnungswidrigkeitVerantwortlicherBußgeld
Nicht mitführen von Feuerlöschgeräten Fahrzeugführer150 €
Fahrzeug ist nicht mit Löschgeräten ausgestattet (Weiterfahrt untersagt) Beförderer 500 €
Fahrzeug ist nicht mit den vorgeschriebenen Feuerlöschern ausgestattet Beförderer 100 bis 200 €
Prüffrist des Feuerlöschers wurde nicht eingehalten. Beförderer 200 €

Dann müssen tragbare Löscher geprüft werden

Tragbare Feuerlöscher sind Druckgeräte, die regelmäßig überprüft werden müssen. Wer bei der Wartung schlampt, muss damit rechnen, dass diese Geräte im Ernstfall versagen. Ich mag gar nicht über die Folgen nachdenken. Im schlimmsten Fall riskieren Sie nicht nur Ihren Arbeitsplatz, sondern auch den Feuertod Ihrer Kollegen. Riskieren Sie nicht leichtsinnig Ihr Leben und das anderer Personen. Halten Sie die vorgeschriebenen Feuerlöscherprüfungen ein!

Feuerlöschgeräte sind überwachungsbedürftige Anlagen im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Bei nicht gewarteten Löschern besteht die Gefahr, dass sie Roststellen aufweisen, durch die beim Einsatz schlagartig Druck entweichen kann. Richtiges Löschen ist dann nicht mehr möglich. Daher müssen diese Druckgeräte wiederkehrend geprüft werden. Die Prüffristen für die wiederkehrenden Prüfungen haben Sie nach einer sicherheitstechnischen Bewertung der Einflüsse auf den Feuerlöscher festzulegen.

Diese Fristen dürfen keinesfalls überschritten werden:

  • Äußere Prüfung: 2 Jahre
  • Innere Prüfung: 5 Jahre
  • Festigkeitsprüfung: 10 Jahre

Das fordert das ADR

Feuerlöschgeräte sind mindestens mit der Angabe des Datums (Monat, Jahr) der nächsten wiederkehrenden Prüfung oder des Ablaufs der höchstzulässigen Nutzungsdauer zu versehen. Feuerlöschgeräte nach ADR sind ab dem Herstellungsdatum und danach ab dem Datum der nächsten auf dem Feuerlöschgerät angegebenen Prüfung in zeitlichen Abständen von längstens 2 Jahren zu prüfen.

Das ADR fordert bis zu 12 kg Löschmittel

Sobald Sie Gefahrgut in ein Fahrzeug laden, brauchen Sie einen tragbaren 2-kg-Pulverlöscher für die Brandklassen A, B und C. Diese Regel gilt auch, wenn Sie nur kleine Mengen Gefahrgut in freigestellten Mengen transportieren. Die benötigte Menge an Löscheinrichtungen steigt mit der Fahrzeuggröße.

Damit Sie bei der Gefahrgutbeförderung kleine Brände und Entstehungsbrände an Reifen, Bremsen und im Motorraum bekämpfen können, brauchen Sie tragbare Feuerlöscher. Die Mitglieder Ihrer Fahrzeugbesatzung müssen mit der Bedienung der Feuerlöschgeräte vertraut sein. In Abhängigkeit von dem zulässigen Gesamtgewicht (zG) des Fahrzeugs müssen Sie bei der Gefahrgutbeförderung außer dem 2-kg-Pulverlöscher für die Brandklassen A, B und C diese zusätzlichen Feuerlöscheinrichtungen an Bord mitführen:

  • + 2-kg-Pulverlöscher bei < 3,5 t zG
  • + 6-kg-Pulverlöscher bei 3,5 - 7,5 t zG
  • + 10-kg-Pulverlöscher bei > 7,5 t zG

6-kg-Löscher

Sobald Sie Feuerlöscheinrichtungen mit insgesamt 8 kg Fassungsvermögen und mehr mitführen, muss mindestens einer der tragbaren Feuerlöscher ein Volumen von 6 kg haben. Verstauen Sie die Löscher so, dass sie gut erreichbar und gegen Witterungseinflüsse geschützt sind.

Tipp: Die Löschmittel müssen für die Verwendung auf einem Fahrzeug geeignet sein und die entsprechenden Anforderungen der Norm EN 3 „Tragbare Feuerlöscher“ Teile 1 bis 6 erfüllen. Ist Ihr Fahrzeug mit einer festen, automatischen oder leicht auszulösenden Einrichtung zur Bekämpfung eines Motorbrandes ausgerüstet, braucht Ihr tragbarer Feuerlöscher nicht zur Bekämpfung eines Motorbrandes geeignet sein. Die Löschmittel müssen so beschaffen sein, dass sie weder im Fahrerhaus noch unter Einwirkung der Hitze eines Brandes giftige Gase entwickeln.

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