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2004: 7.610 Bestechungsfälle. So gehen Sie gegen Korruption im Einkauf vor

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Von coupling,

So viele Korruptionsstraftaten weist der "Bundeslagebericht 2004" des Bundeskriminalamts auf. Dass es endlich Zeit wird, sich in den Firmen nachhaltig mit diesem Thema zu beschäftigen, zeigt nicht nur der spektakuläre Fall des ehemaligen Einkaufsleiters des Süßwarenherstellers Storck in Halle im Kreis Gütersloh:

Das Bielefelder Landgericht verurteilte den Angeklagten am 23.6.2005 zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen schwerer Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung. Der ehemalige Einkaufsmanager hatte zugegeben, neben seinem Gehalt noch rund 480.000 Euro von mehreren Lieferanten des Süßwarenherstellers kassiert zu haben.
Wie der Einkaufsmanager berichtete, schätzen Experten die Dunkelziffer bei Korruptionsdelikten mit über 90 % als außergewöhnlich hoch ein. Das bedeutet, dass nicht einmal 10 % der Fälle aufgedeckt werden. Nachdem es 2003 noch einen Rückgang um 12,7 % gab, stieg sie 2004 wieder um 5,2 %. Nahezu 90 % der Fälle sind geplante Korruption. Besonders bedenklich: Rund 30 % der "Nehmer" und 87 (!) % der "Geber" waren Führungskräfte verschiedener Ebenen. Korruption ist also offenbar Chefsache. Diese Zahlen widersprechen dem Mythos des ungeplanten, ungewollten Fehlverhaltens untergeordneter Mitarbeiter, der manchmal noch zu hören ist. Die langjährige Dominanz von "Gebern" aus der Baubranche ist gebrochen. Die "Geber" aus der Baubranche, dem Pharma- und Gesundheitssektor, dem Handwerk und dem Handel nehmen jeweils einen Anteil von etwa 15 % ein. Das "Bundeslagebild Korruption 2004" finden Sie unter www.bka.de/lageberichte/ko.html.
Hitliste der durch die "Geber" angebotenen geldwerten Vorteile

  1. Bargeld
  2. Bewirtung, Feiern
  3. Sachzuwendungen
  4. Teilnahme an Veranstaltungen
  5. Reisen
  6. Arbeits- oder Dienstleistungen

Was genau fällt unter den Begriff "Korruption"? Laut Transparency International e. V. (TI) mit Sitz in Berlin - der einzigen weltweit gegen Korruption agierenden Nichtregierungsorganisation - ist Korruption "Missbrauch übertragener Macht für privaten Nutzen". Darunter fallen beispielsweise die Gesetze verletzenden Verhaltensweisen (Strafbestände) Bestechung, Bestechlichkeit, Vorteilsgewährung, Vorteilsnahme und wettbewerbsbeschränkende Absprachen. Die deutsche Sektion von TI erreichen Sie unter www.transparency.de.
Wichtige Rechtsgrundlage ist neben dem Strafgesetzbuch das Internationale Bestechungsgesetz (IntBestG). Hinzu kommen im Rahmen der Europäischen Union die Criminal Law Convention on Corruption (in Kraft getreten am 1.7.2002) und die Civil Law Convention on Corruption (in Kraft getreten am 1.11.2003), die beide von der Bundesrepublik bisher nicht unterschrieben (ratifiziert) wurden. Unterzeichnet wurde dagegen die UN Convention against Corruption am 9.12.2003 in Mexiko. In den "Corporate Governance Principles" der OECD ist geregelt, dass kein Mitarbeiter, der Korruptionsdelikte oder den Verdacht der Firmenleitung meldet, diskriminiert oder disziplinarisch bestraft werden darf (www.oecd.org).
So verhindern Sie Korruption: Ohne tatsächlich erkennbare und gelebte Vorbildfunktion der Unternehmensspitze sowie der anderen Führungskräfte scheitert jedes Konzept zur Vorbeugung. Denn laut den Erkenntnissen des BKA sind die Führungskräfte das "Haupteinfallstor" für Korruption. Nicht nur der Einkauf, sondern sämtliche Abteilungen einer Firma sind in das Präventions-Konzept einzubeziehen.
Empfehlung: Korruptionsschutz und -bekämpfung sind Chefsache! Es muss also ein verbindlicher Verhaltenskodex für den Umgang mit (nationalen und internationalen) Lieferanten, Kunden und anderen externen Geschäftspartnern erarbeitet werden. Dazu sind bereits eine ganze Reihe von wertvollen Arbeitshilfen erschienen, die das Erstellen eines individuellen "Leitfadens zur Vorbeugung geschäftsschädigenden Verhaltens" auch ohne teure Beraterhilfe in kurzer Zeit ermöglichen:

  • BDI-Empfehlungen zur Korruptionsbekämpfung (www.bdi-online.de)
  • "ABC der Korruptionsbekämpfung" (www.transparency.de)
  • "Business Principles for Countering Bribery" (www.transparency.org)
  • "Praxisleitfaden Integritätsprogramme: Gemeinsamer Erfolg durch Fairness-Partnerschaftlichkeit" (www.bauindustrie.de)
  • "Rules of Conduct to combat Extortion and Bribery in International Business Transactions" der International Chamber of Commerce (www.icc.int)


Empfehlung:
Das Totschweigen oder Verdrängen dieses Themas ist ebenso wenig eine Lösung wie das Dramatisieren oder das Aussprechen eines Generalverdachts.
Betreiben Sie Werte(-management) als Schutz vor Korruption: Der "ehrbare Kaufmann" und das Beachten von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr beschreiben das gewünschte Schutzverhalten gegen Korruption schon sehr gut. Firmen brauchen einen Grundwertekatalog - als Visitenkarte und Leitlinie des Unternehmens -, den sie selbst erarbeiten müssen. Neben moralischen Werten (Integrität, Fairness, Ehrlichkeit, Vertragstreue, Verantwortung) sind dort auch Leistungswerte (Nutzen, Kompetenz, Flexibilität etc.), Kommunikationswerte (Achtung, Offenheit, Transparenz etc.) und Kooperationswerte (Loyalität, Teamgeist, Offenheit etc.) zu definieren.
Empfehlung: Für den Einkaufsbereich muss in diesem Verhaltenskodex der Umgang mit den Lieferanten und anderen Geschäftspartnern genau geregelt sein.

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