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BGH-Urteil: Klausel zum Aufrechnungsverbot gekippt

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Aufrechnungsverbote finden Sie sowohl in Liefer- als auch in Einkaufsbedingungen sehr häufig. Sie lauten dann in etwa „Aufrechnungsrechte stehen dem Besteller nur zu, wenn seine Gegenansprüche rechtskräftig festgestellt, unbestritten oder vom Auftragnehmer anerkannt sind“, ganz ähnlich in Einkaufsbedingungen: „Aufrechnungsrechte stehen dem Auftragnehmer nur zu, wenn seine Gegenansprüche rechtskräftig festgestellt, unbestritten oder vom Besteller anerkannt sind.“

Eine solche Formulierung wurde bisher in der Rechtsprechung der Instanzgerichte für zulässig gehalten (z. B. OLG Hamm, IBR 2004 S. 520 oder OLG Bamberg, IBR 2002 S. 495). Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht das allerdings anders und erklärte ein solches Aufrechnungsverbot für unwirksam.

Der Sachverhalt

Ein Architekt klagte sein Honorar aus einem mit dem Bauherrn geschlossenen Architektenvertrag ein. Gegen den Honoraranspruch rechnete der Bauherr Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Planung und Bauüberwachung auf.

Der Architekt berief sich daraufhin auf folgendes in den Allgemeinen Vertragsbedingungen zum Architektenvertrag enthaltene Aufrechnungsverbot: „Eine Aufrechnung gegen den Honoraranspruch ist nur mit einer unbestrittenen oder rechtskräftig festgestellten Forderung zulässig.“

Das Urteil des Bundesgerichtshofs

Der BGH gab dem Bauherrn recht. Der Architekt könne sich nicht auf das Aufrechnungsverbot berufen, da es eine unangemessene Benachteiligung des Bauherrn darstelle und deshalb nach AGBRecht unwirksam sei. Der Bauherr werde nämlich mit einem solchen Aufrechnungsverbot gezwungen, eine mangelhafte oder unfertige Leistung in vollem Umfang zu vergüten, obwohl ihm Gegenansprüche in Höhe der Mängelbeseitigungsoder Fertigstellungskosten zustünden.

Hierdurch werde in das durch den Vertrag geschaffene Äquivalenzverhältnis von Leistung undGegenleistung in für den Besteller unzumutbarer Weise eingegriffen.

Ein Aufrechnungsverbot führe zu einer Auflösung der Verbundenheit der gegenseitigen (= synallagmatischen) Forderungen und sei jedenfalls dann unzulässig, wenn es auch solche Forderungen umfasst, die in einem engen Gegenseitigkeitsverhältnis zur Werklohnforderung stehen, beispielsweise Ersatzansprüche wegen Mängelbeseitigungskosten und Fertigstellungsmehrkosten.

Praxishinweis zum Aufrechnungsverbot

Die Beurteilung des Aufrechnungsverbots als unwirksam beschränkt sich nicht auf den Architektenvertrag, sondern dürfte nach der Argumentation des BGH zumindest auch für andere Werkverträge gelten.

Da der Grund für die Unwirksamkeit nach Auffassung des BGH in der Störung des Gegenseitigkeitsverhältnisses zwischen Werklohnforderung und Forderung auf mangelfreie Herstellung des vereinbarten Werks liegt, bleibt allerdings die Frage offen, ob der Aufrechnungsausschluss mit anderen Ansprüchen, die nicht in einem engen Gegenseitigkeitsverhältnis stehen, zulässig ist. Der BGH hat diese Frage offen gelassen.

Formulierungsvorschlag für Einkaufsbedingungen

Unter Berücksichtigung der Urteilsgründe empfiehlt sich für vorformulierte Aufrechnungsverbote, etwa in Einkaufsbedingungen, folgende Formulierung:

„Aufrechnungsrechte stehen dem Auftragnehmer nur zu, wenn seine Gegenansprüche rechtskräftig festgestellt oder unbestritten oder vom Besteller anerkannt sind oder in einem engen synallagmatischen Verhältnis zur Forderung des Bestellers stehen.“

Vorsicht auch bei Sicherungsvereinbarungen!

Im Hinblick auf die Rechtsprechung des BGH zum Aufrechnungsverbot ist auch bei vorformulierten Sicherheitsvereinbarungen Vorsicht geboten. Diese enthalten häufig in Bezug auf die zu stellende Bürgschaft einen Verzicht auf die Einrede der Aufrechnung, soweit nicht unbestrittene oder rechtskräftig festgestellte Forderungen betroffen sind, z. B.: „Auf die Einrede der Vorausklage (§ 771 BGB) und – soweit nicht die Forderung des Auftragnehmers gegen den Auftraggeber unbestritten oder rechtskräftig festgestellt ist – auf die Einrede der Aufrechnung (§ 770 Abs. 2 BGB) wird verzichtet.“

Da bei einer solchen Vereinbarung nun angesichts der Rechtsprechung zum Aufrechnungsverbot die Gefahr besteht, dass die Sicherungsvereinbarung komplett unwirksam ist und Sie dann im Insolvenzfall völlig ungesichert sind, sollte die Einrede der Aufrechnung im Rahmen der Bürgschaften sicherheitshalber nicht mehr ausgeschlossen werden.

Das Urteil des BGH vom 7.4.2011 können Sie abrufen unter www.bundesgerichtshof.de , dort bei „Entscheidungen“ unter Angabe des Aktenzeichens VII ZR 209/07.

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